Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 19 (11.6.1886)
- Date
- 1886-06-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— — nicht. Die seinerzeit in diesem Blatte veröffentlichten Statnten stehen wenigstens mit dem Begriffe des Judeuthums, wie er heute allgemein ausgefasst wird, im grellsten Widerspruche. München. Die israelitische Gemeinde von Nördlingen, welche aus 85 Gemeindemitgliedern besteht, baut eine Synagoge, die bis nächsten August fertig sein wird. Die Kosten des Baues und der Einrichtung belaufen sich auf ca. 120.000 -M. Hiervon wurden 80.000 M. als Anlehen ausgenommen und 40.000 M. sollen von Len Gemeindemitgliedern getragen werden und zwar dadurch, dass verheiratete Familienhäupter 400 M. für zwei Plätze, unverheiratete je 200 M. für einen Platz in der neuen Synagoge bezahlen sollen. Der Nordlinger Stadtmagistrat bestätigte den Beschluss, wogegen 6 Gemeinde- :Mitglieder bei dem Verwaltungsgerichtshof Beschwerde erhoben haben. Rechtsanwalt Dr. Wassermann, welcher die Beschwerde bei der Ver- Handlung vertreten, erklärte den betreffenden Beschluss als einen Angriff auf die Gewissensfreiheit, abgesehen von der völlig ungerechtfertigten, unbilligen Belastung aller selbständigen Gemeindemitglieder, ohne Rücksicht auf deren Steuerkraft und Leistungsfähigkeit. Rechtsauwalt Dr. Hellmann, der die Cultusgemeinde vertritt, fand den Beschluss zweckmäßig und erblickte bei der anerkannten Zahlnngsfähigkeit der Israeliten in Nördlingen keine ungehörige Belastung darin. Staatsanwalt Dr. Schaff beantragte in seinem Gutachten, dass der Beschwerde stattzugeben sei. — Das Urtheil, das am 9. April verkündigt wurde, lautet dahin, dass der Beschluss der Cultusgemeinde aufrecht zu erhalten und die Beschwerdeführer abzuweisen seien. London. Die englische Gesellschaft zur Bekehrung von Juden zum Christenthum hielt ihre achtundsiebzigste Generalversammlung in Exeter-Hall unter dem Vorsitze des Parlaments-Mitgliedes Sir. I. H. Kennamay. Der Jahresbericht beziffert die Einnahmen der Gefellschafr im verflossenen Jahre auf 39,997 Lftr., die Ausgaben auf ,36,911 Lstr. Die Gesellschaft beschäftigt für ihre Zwecke 141 Agenten und hat 35 Stationen davon 4 in England, 21 auf dem Festlande von Europa, 6 in Asien (darunter 3 in Palästina) und 4 in Afrika. Als die Gesellschaft gegründet, gab es in Großbritannien und Irland etwa 50 zum Christenthum bekehrte Inden. Jetzt beträgt deren ungcfahre Anzahl 3000, darunter 100 ordinirte Geistliche. — Nun, daran ist nichts merkwürdig; warum sollen in so vielen Jahren nicht 3000 Lumpen anfzutreiben sein, die ihre Religion verkaufen; manche davon mögen auch doppelt gezählt sein, einige es auch aus Noth gethau haben. So soll Anfangs April ein armer polnischer Jude, der aus Preußen in erkannter Humanität ausgewiesen worden ist, in größter Noth und Verzweiflung zu einem Miffionsprediger in London gekommen sein. ״WaS wollen Sie?' fragte dieser. — Ich will mich lassen schmadden.— Da müssen Sie ein Vierteljahr ,Unterricht haben in den Heilswahrheiten. — Schma Jisroel,' ein Vierteljahr Hab' ich nicht Zeit, weil ich brauch das Geld für Matzes auf Peßach.^ — Auch kommt es .vor, dass Leute sich gewerbsmäßig taufen lassen, heute in London, E. C., das nächste Jahr in der -City und das andere Jahr wieder wo anders, und wenn sie in London schon überall genügend getauft sind, gehen sie nach Manchester oder Liverpool. Auch ein Geschäft! Wenn man einen solchen Täufling ffrägt, was haben Sie für ein Geschäft? bekommt man die Antwort: »Ich? Ich loss' mer schmadden, e gute Parnoße.* Was die 3000 kosten, wird weise verschwiegen. Es treten übrigens auch Christen zum^ Judenthum über, ohne dass dar Jndenthum Proselyten machen will. Wenn man sie zusammenzählen würde, käme auch eine schöne Zahl heraus. Wir thun das aber nicht, denn bei uns soll es nicht ,die Quantität, sondern die Qualität ausmachen. O. W. London. Baron Henry׳ de WormS hatte das Präsidium der ,Anglo Jewish Association mebenjelfgt. Der Grnnd ist folgender: Dir Tochter des Barons, Miß Alice de WormS, hat sich vor wenigen Tagen verheiratet und zwar mit einem Christen; ihr Vater wohnte der Trauung in einer bischöflichen Kirche bei. Da in diesem Umstande eine Billigung des von der Tochter unternommenen Schrittes gefunden wurde, so fühlte Herr de Worms, dass er in eine mit seiner Stsllung als Präsident der Association unvereinbare Lage gerathen war» und sah sich zur Resignation gezwungen. Nunmehr hat der Vorstand der Anglo Jewisb Association in voriger Woche eine Special- Sitzung abgehalten, in welcher unter dem Vorsitz des Herrn F. S. Mocatta über diese Amtsniederlegnng des Herrn Baron de Worms berathen wurde. In dieser Sitzung beantragte Mr. Ellis A. Franklin ne Resignation anzunehmen und gleichzeitig das Bedauern des Vorstandes über die Veranlassung zu derselben auszudrücken. Dieser Antrag fand keine Unterstützung. Ein Gegenantrag des Herrn Alfred G. Henriques, die Amtsniederlegung nicht anzunehmen, ging mit 9 gegen 7 Stimmen durch. IV. Ausweis. Für die Wittwe des dahingeschiedenen Collegen und Vereinsgenossen, I. Schwarz in Drosan, sind noch nachfolgende Beiträge eingelaufen: College I. Liebel, Leobschütz (Preußen).1 fl. ״ S. Schwarz. Mährisch-Weißkirchen.1 ״ ״ I. Lamm, Brüx.1 ״ ״ S. Notter, Horazdowitz.1 ״ ״ L. Kraus, Veröcze. .... 1 ״ Summa. 5 fl. Hiezu ausgewiesen in Nr. 17 181 fl. 90 kr. Summa 186 90 ״ kr. Der gesammelte Betrag wurde aus der Vereinscasfa auf 200 fl. ergänzt und der Wiktwe eingesandt. Jer Worstand des öfterr.-ungar. Cantoren-Vereines. Gri'mdungs- und Vereinsbeitriige. M. Salzer, Tulln, ganzjährigen Beitrag. I. Stransky, Trautenau, ganzjährigen Beitrag. A. Löwy, Wallisgrün, vierteljährigen Beitrag. A. Fischer, Vereinseassier. Correfpondenz der Nedaetion. S. R. in Sch. Eingesandtcs erhalten. Für unser Blatt nicht besonders geeignet, werden jedoch bei Gelegenheit veröffentlichen. Ein S. Die Zeitung erscheint jeden achten Tag. der Erscheinungstermin rückt daher von 280:1־e zu Woche um einen Tag vor. Bestätigen 1 gleichzeitig eingesandten Betrag. B. in N. Ö. Als ehemaliger Herausgeber eines Blattes dürfte Ihnen bekannt sein, dass wir selbst Beilagen bei der Post bezahlen muffen. Ihr Artikel wird nach Einsendung des Schluffes veröffentlicht werden. Th. in Oe. Betrag von Ihrem Sohne erhalten. Die Redaction. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in der Nedaetion, Wien, n., Rovaragasse 27, zahlbar. Prämiirt von den Weltausstellungen: London 1862, Paris 1867, Wien 1873 Paris 1878. Auf Raten Claviere fOr Wien nnci FroirUuB Concert-, Salon- & Stutzflügel wie auch Pianinos aus der Fabrik der weltbekannten Export-Firma Gottfl*. Cramer, Wilh. Mayer in Wien, von fl. 380, fl. 400, fl. 450 6.500, fl. 550, fl. 600, fl. 650. Claviere anderer Firmen fl. 280—350 fl. Clavier-Verschleiss und Leih-Anstalt von A. Thierfelder Wien, VII., Burggasse 71. um 1