Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-06-11 · Heft 19 (11.6.1886) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 19 (11.6.1886)
Date
1886-06-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453063--1767-3455943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

e fonbcS 2c., jedem geläufig wären, um vollkommen gerüstet sein Bestes zur Klärung der so wichtigen Debatten beitragen zu können. Wie denkt der löbl. Vorstand darüber? Voraussichtlich hat derselbe in seinem Schoße ein sertiges, wohl durchdachtes Programm vorbereitet, und es wäre die höchste Zeit, dasselbe im Wege der Cantorcnzeitung den Mitgliedern bekannt zu geben. Ich will dem löbl. Vorstande zwar keinen Vorwurf daraus machen, aber ich glaube, cs wäre schon längst an der Zeit gewesen, durch einen begeisternden und schwungvollen Aufruf die Mitglieder zu dem Cantorcntage einzuladen und sie daraus rechtzeitig vorzubereiten. Sind ja doch schon 4 Jahre seit den herrlichen Tagen vcrfiossen, wo eine so stattliche Anzahl Collegen von Nah und Fern dem Nnse des damaligen Vorstandes gefolgt sind und nach besten Kräften bei Entstehung des jungen Vereines mitgewirkt haben. Das zarte Korn von damals ist heute herrlich in die Halme geschossen, der Verein, dem so viele kopfschüttelnd und voll Unglauben in seine Lebensfähigkeit ferne gestanden, ist denn doch trotz aller Schwarzseherei, trotz aller offenen und geheimen Anfeindungen bisher gediehen und gewachsen. Man sollte glauben, dass, wenn damals, wo Niemand an ein Werden eines Cantorenvereines glauben wollte, mehr denn 70 Collegen beim I. Cantorentage versammelt waren, dass Heuer nach 4 jährigern Bestände des Vereines eine noch größere Zahl von Mitgliedern dem Ruse des Vorstandes Folge leisten wird. Und es ist gar nicht daran zu zweifeln. Wird ja gewiss Jeder diese Gelegenheit benützen, um nach Jahren wieder seinen Berufsgenossen die treue Bruderhand zu schütteln. Hat doch Jeder von uns gar manche Beschwerden und Wünsche ans dem Herzen, die in der Brust seiner Freunde und Collegen ein lautes sympathisches Echo wecken werden. Es soll ja diese Versammlung ein Stahlbad sein, in dem jeder Theilnehmer weitere Kraft, Muth und Ausdauer in dem Kampfe, den Jeder mehr oder weniger in seinem Berufe und mit der Indolenz seiner Gemeinde auszukämpfen hat, schöpfen wird, sowie jener mythologische Halbgott, der bei Berührung der Mutter Erde neues und frischpulsirendes Leben in sich fühlte. Darum rufe ich vom Fuße des Niesengebirges zu der Donau jenen wackeren Männern an der Spitze des Vereines zu: Lastet Euren Ruf erschallen! Freudig wollen wir Alle demselben folgen zu gemeinsamer Arbeit und segensreicher Thätigkeit! Trauten«u, Mai 1886. I. StranSky Kleine Chronik Wien. Die Israelitische Allianz kn Wien hielt vorige Woche unter Vorsitz des Vicepräsidenten, Herrn David Ritter von Gutmann, ihre (13.) ordentliche Generalversammlung ab. Der vom Vorstandsmitgliede, Herrn Bernhard Singer, - erstattete Jahresbericht, den wir an anderer Stelle wiedergeben, erwähnt zunächst der wirksamen Unterstützungen, welche der Verein seit einer Reihe von Jahren den durch Ausweisungen und Verfolgungen in ausländischen Staaten und in letzter Zeit auch in Rumänien und Deutschland in's Elend geratheneu Glaubensgeuosten an gedeihen ließ, und die im abgelaufenen Jahre eine Summe von st. 17.452 in Anspruch nahmen. Seiner statuta׳ rischen Mistion: ,Förderung der Volkserziehung bei den Israeliten^, ist der Verein durch Errichtung neuer, sowie durch Subventionirnng bereits bestehender Volksschulen, insbesondere in Galizien, gerecht geworden, und wurden für diese Zwecke im abgelaufenen Jahre st. 12.694 verausgabt. Doch bildet diese Humanitäre Thätigkeit der Israelitischen Allianz in Galizien eigentlich nur das einleitende Stadium zu ihrer in's Auge gefassten Hauptaufgabe: die jüdische׳ Jugend Galiziens nach erlangter Volksschulbildung dem Handwerke und dem Ackerl-aue zuzufnhren. Auch hat der Verein in diesem letztbezeichneten Streben ber-.its einige, wenn auch vorläusig noch geringfügige Resultate, zu regiftriren. Die VereinSleituvg hat aber die Ueberzengung gewonnen, dass nur die Errichtung von gut geleiteten Musterwerkstätten die Propagirung des Handwerks unter den galizischen Juden wirksam fördern könne, und demnach beschlossen, in. West- und Ostgalizien wenigstens je ein״, mehrere Werkstätten umfastende und mit sachlichem Unterrichte verbundene Handwerkerfchule zu gründen. Die Gesaunntausgaben für Litterar-Subventionen, Unterrichts-- und andere Hilsszwecke betrugen im abgelaufenen Jahre rund st. 40.000. Die Zahl der Mitglieder hat sich im verflossenem Jahre um 416, d. i. ans 2807 erhöht. Der Bericht wurde beifällig, entgegengeuomlncn und dem Vorstande für sein ersprießliches Wirken der Dank votirt. Auch dem abwesenden greisen Präsidenten, Josef Ritter v. Wertheimer, sprach die Versammlung den Dank aus, zugleich dem Wunsche Ausdruck gebend, dass dessen Thätigkeit noch durch viele Jahre dem Vereine erhalten bleiben möge. In den Vorstand wurden schließlich die Herren Dr. L. Fürth, Heinrich Nirenstein, Dr. Alfred Stern und Dr. Sigmund Wahrmann wieder-, Joses M. N. v. Pfeiffer und Sigmund N. v. Bauer neugewählt. IsN/l. Die Generalversammlung des israel. Frauen-Vereinesfand vorige Woche unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Johanna Bischitz statt. Der Vereinssecretär Gabriel Friedmann verlas׳, den- Jahresbericht, dem wir folgend.s entnehmen: Im abgelaufenen Derwaltungsjahre wurden als momentane Unte!stützungen 6460 st. 50 kr.,, als monatliche Stipendien 5737 fl., als vierteljährige Zinsbeiträge 3846 st., als Unterstützungen an Wöchnerinnen 245 fl., als Unter-- stützungen an Hebammen-Nigorosentaxen!5 fl. und als Heirathsausausstattungsbeiträge 145 si., zusammen 16.448 fl. 50 kr. vertheilt. Im Mädchenwaisenhause dieses Vereines wurden 51 Kinder, im- Waisenasyle desselben 16 Kinder erzogen und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten, sowohl als für die 21 externen Waisen 18.126 st. 50 kr.- Die dritte Wohlthätigkeitsanstalt des Vereines ist dessen Volksküche. In der Zeit vom 1. Aplit 1885 bis 1. April 1886 speisten daselbst 88.591 Personen ohne Unterschied der Consession; davon gänzlich gratis 14.023 Personen. Die Verwaltungskosten dieser Anstalt betrugen 10.539 fl. 27 kr. Die Gesammtausgaben für sänuntliche Zweige seiner philanthropischen Wirksamkeit betrugen 46.382 fl. 73 kr., welchen nur Einnahmen im Betrage von 43.780 fl. 59 kr. gegen» überstehen; das Bedarfsdesicit wurde von den einzelnen Fonds abgeschrieben. Der im Monate Mai vorigen Jahres begonnene Neubauist bereits fertig gestellt, und werden die beiden neuen bedeutend׳ vergrößerten Anstalten des Vereines: das Waisenasyl und die Volksküche, un nächsten Herbste bezogen. Der Bericht über die segensreiche׳ Wirksamkeit des VereinsansschusseS wurde zur Kenntnis genommen und sowohl der Präsidentin und Vicepräsidentiu, als auch dem GesammtauSschusse, ferner der Regierung, dem haupstädtischen Magistrate, sowie der haupstädtischen Presse für ihr dem Vereine gegenüber bewiesenes Wohlwollen Dank ausgesprochen. Zn Rechnungsrevisoren, wurden die Herren Bernhard Stern, Joses Fleischt, I. S. Oppenheim,. Max Brüll und Emerich Ullman wiedergewählt. Schließlich wurden die Herren I. Pfeiffer und Salomon Taub, beide Mitglieder des׳ Baucomite's, ferner Architekt Wilhem Freund, nach dessen Plänen das neue Asyl und Volksküchengebäude auSgeführt ist, sowie Herr Julius Wolfner zu Ehrenmitgliedern gewählt. Nzt. Z*est. Der ungarische Cultusminister Herr' von Treffort hat die Statuten der jüd. Nerorm-GeMeinde zu Budapest. sanctionirt.. Die Mitglieder derselben können eine besondere Gemeinde bilden, dürfen aber nicht besondere Matrikel führen. Was diese Gemeinde׳ berechtigt, sich eine jüdische' zu nennen,' wissen wir wahrhaftig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.