Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 18 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Motenbeispiele ganz richtig, wie sie Herr College Deutsch benennt, lediglich Beispiele sind, au denen nur die Fortschreitungen und das Vorhandensein gewisser Intervalle nachgewiesen werden sollten, die also keineswegs als Musterbilder für etwa zu singende Recitative, sondern als Gradmesser für einen bezüglich der Intervalle zu bestimmenden Stil aufgeiasst werden müssen. Ich unterließ es absichtlich, wesentliche Vorzeichen, Tact und Tactstriche hinzustellen, ich der Ansicht bin, dass die endgiltige Feststellung dieser wichtigen Angelegenheit unmöglich dem Machts pruche einer Person anheimgegeben sein könne, sondern das Ergebnis einer ernstlich zu berathend en S a ch e s ei t c n s a l l e r Ca ntore n bilden müsse. Im klebrigen wüssie ich nicht, dass der g e i ft i g e Inhalt meiner Notenbeispiele irgendwie unter dem Niveau derer der Vorbeterschule stände; auch was die Textesbehandlung betrifft, kann ich mich, einzelne kleine Druckfehler ausgenommen, keiner solch'argen Versündigung zeihen, wie dieselben vom Herrn College!: Deutsch allerdings in äußerst zarter Weise hingestellt werden, wenngleich das Brosamen hebräischen Wissens, welches ich besitze und welches sür die Verwaltung meines Amtes auch ausreicht, mich keineswegs zu dem Range eines Lamden, wie Herr College Deutsch gewiss einer ist, zu erheben im Stande ist. Das, was der geehrte Einsender bezüglich einer mir überlieferten Tradition erwähnt, scheine ich nicht genügend zu verstehen. Wem von uns ward eine bessere Ueberlieferung zu Theil und, wenn das der Fall wäre, habe ich nicht das Glück ״ein Enkel" zu sein? Liegt nicht die vom Herrn Collegen Deutsch veröffentlichte Tradition gedruckt vor mir? Oder hält Herr College Deutsch von seiner mir überlieferten Tradition so wenig, dass er mir mit der Annahme derselben den Vorwurf macht, althergebrachte Mißbräuche und Unebenheiten zu vertreten? ,Und nun höre ich bereits so Manchen ausrufen: Ist es mit unserem Nitualgesange so gut bestellt und^ist er auf anerkannte Kunftgesetze zurückzu führen, wohlan! So lasst uns zu ihm allein zurückkehren; beleben wir ihn auf's Neue, hegen und pflegen wir ihn ausschließlich und halten wir treu zu ihm, wie in der guten alten Zeit," so ruft nämlich Herr College Deutsch. — Und hierauf erlaube ich mir zu erwidern. Man hat es verabsäumt, unserem Nitualgesange die nöthige Anerkennung zu verschaffen, ^deshalb kann derselbe heute unmöglich aus dem Standpunkte unserer jetzigen Kunstrichtung stehen. Es ist eine arge Verirrung, diesen altehrwürdigen Stil, dem ja auch Herr College Deutsch in seiner 493 Nummern umfassenden Broschüre so mächtig das Wort redet, plötzlich versehmen zu wollen, in der Befürchtung, durch die Annahme desselben dieselben barten Kämpfe durchzumachen, wie sie von den Theoretikern der Kirchenmusik seinerzeit durchkämpst werden mussten. Die Resultate dieser Kämpfe liegen ja vor uns, wir brauchen dieselben nur für unseren Zweck zu verwenden. Und diese Lhat ist eine dringliche; denn das traditiouell-jynagogale Recitativ der Gegenwart lieg: sehr im Argen und bedarf einer Systemisirung. Die Sammlungen traditioneller Gejäuge, wie dieselben in der Deutsch'schen Vorbeterschule rc. enthalten sind, war eine rühmenswerthe Arbeit seitens einzelner Herausgeber; die Feststellung eines Systems für diese traditionelle Gesänge wird eine culmrhistorische That von weitgehendster Bedeutung für alle jüdischen Cantoren des 19. Jahrhunderts bilden, und zur Anregung und eventuellen Lösung dieser Frage schrieb und empfehle ich meine Broschüre: ״Die Tonarten des traditionellen Gesanges 2c.u Die von Herrn Josef Goldfteiu in Wien veröffentlichten Anschauungen bezüglich des Inhaltes meiner Broschüre ״Die Tonarten des traditionel!?!! Synagvgeugesanges rc." sind als ' individuelle Kundgebungen eines alten Practicus jedenfalls zw registriren, zeigen jedoch eine solch' bedauerliche Unvertrautheit mit der historischen und fachwissenschaftlichen Litteratnr, dass sie׳ mir leider für die schwebende Frage gegenstandslos erscheinen müssen. Wien, den 29. Mai 1886, Eingesendet. S e h r g e e h r i e r H e r r N e d a e t e u r! Gestatten Sie mir gefälligst, nachfolgende Zeilen in unserem Vereinsorgane zu veröffentlichen: Der hiesige, sehr liberale Gymnasial-Schuldirector stellte die Frage an mich, ihm zu sagen, welche Bedeutung bei den Israeliten der dreißigste Sabb ath habe? Er lese inHoracius: Ein Gelehrter, der auf seinem Wege zum Kaiser AugustuS einem seiner Freunde (wahrscheinlich auch Jude) begegnete und den er lange nicht los werden konnte,, suchte, sich von demselben dadurch los zu machen, indem.er zu ihm sprach: .Heute ist der 30. Sabbath!" — Welche Bedeutung nach jüd. Gesetzen hatte also dieser 30. Sabbath bei der damaligen Seele der Sadducäer? Die Auskunft unseres Herrn Rabbiners konnte mich nicht befriedigen. Vielleicht dürste diese aufgeworfene Frage in dem Kreise ihrer gelehrten Herren. Correspondenten ihre Erledigung stnden. ' Hochachtungsvoll A. 8. Neubidschow. 23. Mai 1886. Löbliche Nedaction. Ich bitte um Ausnahme folgender Zeilen: In meinen ,Casual-Gesärigen" baben sich ans Versehen mehrere Fehler eingeschlichen, die ich jedesfalls schon früher bekannt gegeben hätte, wäre ich nicht mit der Noten-Officin des Herrn Eberle in § Wien wegen einer neuen und verbesserten Auflage in Verbindung getreten. Das Werk, von Seite 3—24, wird neu gedruckt und durchwegs verbessert. Die geehrten Herren Abnehmer werden dann die Güte haben, mir das betreffende Werk — Titel ausgenommen — zu retournireu, wofür ich sofort die neue Auflage einsenden werde. Mich den sehr geehrten und geschätzten Collegen empfehlend, zeichne mil collcgialem Gruße Ad. Gr ü n z w e i g Regenschori am Araber israel. Cult.-Tempel. A r a d, im Mai 1886. Es verdient besonderes Lob und vollste Anerkennung, dass Herr' Musikmeister Grünzweig kein Opfer scheut, sein Werk so vollkommen als möglich der Oeffentlichkeit zu übergeben. Diese Gewissen- Hastigkeit sollte wahrhaftig mit einer kräftigeren Unterstützung des Unternehmens von Seite der Cantoren belohnt werden, und wir müssen darum unser größtes Bedauern und unsere schärsste Misbilligung darüber aussprechen, dass selbst nach der den Cantoren gewährten Ermäßigung des Preises der .Casnal-Gesänge' dieses ge- Liegene und den gottesdienstlichen Bcdürfnißrn vollkommen entsprechende Werk bei vielen -Collegen so wenig Berücksichtigung sinket. Solch ernste Bestrebungen auf dem Gebiete deS Synagogennesanges muffen in erster Reihe von - den Cantoren Forderung und .Unterstützung, erhalten. Die Redaction.