Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 18 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Kleine Chronik ßottbttS. (Orig. Corresp.) (Die Jakobson-Schule in Seesen.) Diese ausgezeichnete Lehranstalt wurde im Jahre 1801 von dem edlen, hochherzigen Menschenfreunde Israel Jakobson aus eigenen Mitteln gegründet, geleitet und erhalten. Unter der bewährten Leitung namhafter, überaus tüchtiger Lehrkräfte hat diese nach allen Richtungen hin segenspendende und heilbringende Institution sich einen Weltruf erworben. Mir scheint jedoch, dass nur die wenigsten Leser unseres Blattes von dieser Pflanzstätte jüdischen Geistes gehört haben mögen, trotzdem dieselbe gerade für unsere, mit Söhnen gesegneten College» .von größter Wichtigkeit und höchstem Interesse war und ist, und sonach vollberechtigten Anspruch auf unsere ganz besondere Theilnahme für ihren Entwicklungsgang und für ihr Blüh'n und Gedeih',! machen darf. Der Jakobson-Schule in Seesen verdanken unzählige Cantoren- und Lehrer-Söhne vorzugsweise ihre musterhafte Ausbildung, ihr reiches, gediegenes Wissen und ihre zum Theil glänzende, sorgenfreie Existenz. Ich lebe der Hoffnung, ja ich bin sogar fest überzeugt, dass ich sehr vielen College,! eine große Gefälligkeit dadurch erweise, wenn ich ihre Aufmerksamkeit auf diese herrliche Lehranstalt, welche .auch von meinem Sohne mit bestem Erfolg absolvirt wird, hiermit lenken will. Seesen am Harz, welch ein wohlklingender, ruhmreicher Name in der neuern Geschichte des Jndenthums. Hier in diesem kleinen, aber in schönster, gesunder Gegend des Harzgebirgs gelegenen Städtchen hat der große Philanthrop Israel Jakobson gelebt, gewirkt und geschaffen, hier hat er sich, wie einst unser Erzvater Israel, einen Altar errichtet, auf den! er Opfer, ja viele, große Opfer der reinsten Menschenliebe und Herzensgüte bargebracht, an diesem Altar hat Israel Jakobson, ein wahrer Hoherpriefter, das Licht des Glaubens, der Bildung und der Aufklärung angezündet, das für ewige Zeiten leuchten, seine Strahlen weithin verbreiten und — nie er* löschen soll! אש תמיד תרקד על המזבח — לא תכבה• Wahrlich, wie gewaltige bewunderungswürdige Pyramiden ragen diese erhabenen unvergänglichen Monumente echt jüdischer Liebe und Barmherzigkeit zum Himmel empor, und hier au dieser heiligen, weihevollen Stätte hat er auch dem Gott Israels ein schönes, geräumiges Haus gebaut, in welchem täglich mindestens zwei Mal Andacht abgeyalten wird, und hier in dem prächtigen Garten der Jakobsonschule har der große, bescheidene Mann ein schattiges, stilles Plätzchen sich auserkoren als ewige Ruhestätte für sich und seine edle wohlthätige Gemahlin ז^״ל. Ihre unsterblichen׳ Namen werden stets mit höchster Ehrfurcht von Allen genannt, und alljährlich an den Sterbetagen der hochherzigen Stifter wallfahren die Lehrer und Schüler und zahlreiche Verehrer zu dieser heiligen Stätte, um in feierlicher Weise und Inbrunst für das Seelenheil der Verklärten zu beten, um die schönsten Locbeerkränze der innigsten Dankbarkeit, der tiefsten Gefühle ihres Herzens auf das Grab derer uiederzulegen, die mit ihrem ungeheuren Vermögen so Großes geleistet, die durch ihren zarten Sinn, durch ihre milden, stets offenen Hände ganze Ströme von Thränen getrocknet und ^:Berge von Sorgen aus betrübten Seelen und gebeugten Gemüthern verscheucht haben. Die Jakobson-Schule ist eine höhere Real-Schule, an welcher außer dem Director zehn Lehrer wirken. Eine große Anzahl von Schülern erhält hier vollständig freie Statition während des Studiums, d. h. bis sie das Zeugnis der Berechlignng zum einjährigen freiwilligen Militärdienst erlangt haben. Außer diesen ständigen Benesizien werden alljährlich, soweit ein Bedürfnis nachgewiesen wird, früheren Schülern der Jakobson-Schule zur Vollendung ihrer Studien eventuell bis zum Abgang von der Universität Stipendien bewilligt. Seit 1801 bis zun! Michaelis 1885 wurde die Jakobson-Schule von .1637 Haus schülern und 1344 Stadt schülern (ohne 1111־ terschied der Confessio!!) besucht. Im October 1884 betrug die Zahl der Schüler 241, und zwar 117 Israeliten 127 ׳Evangelisten, unter denen 40 Freistellen ein Alumnat inne hatten, 26 Stadschüler, die kein Schulgeld und 23, die das halbe zahlten. Beim Eintritt in die Lehranstalt dürfen die Zöglinge das Alter von 11 Jahren nicht überschritten haben, unter 9 Jahren wird wird kein Knabe ausgenommen. (Nähere Auskunft ertheilt Las Directorinm der Jakobson-Schule.) Im Jahre 1868 hat die Jakobson- Schule den 100jährigen Geburistag ihres Stifters Israel Jakobson gefeiert. Am 1. October 1884 schied der Director Dr. Arnheim (ehemaliger Zögling der Jakobson-Schule) aus seinem Amte, das er seit 1862 treu verwaltet hat. Zu seinem Nachfolger wurde vor .Kurzem Herr Dr. Philippson (bisher an der Realschule in Frankfurt a. M.) vom Curatorium gewählt und am 4. Mai d. I. in fein neues, verantwortungsvolles Amt eingesührt. Die Festrede hielt der rümlichft bekannte Herr Professor Dr. Rubo auS Berlin, indem er zugleich den neuen Herrn Director sämmtlichen Schülern vorstellte. (Herr Professor Rubo ist nämlich Mitglied des Curatoriums der Jakobson-Schule.) Die schöne, erhebende Feier, die seit dem Bestehen dieser Lehranstalt nunmebr zum vierten Male stattgefunden, wurde durch die Anwenheit des Kreisdirektors Herrn Lerche, der mit allen hohen Ehrenzeichen geschmückt erschien, des Bürgermeisters, des Superintendenten, des ev. Pastors und des Herrn Schularztes Dr. Dehnicke verherrlicht. Nachmittags beschloss ein köstliches, solennes Festessen die würdige, ernste Feier, welche allen Theilnehmer» unvergesslich bleiben wird. Neberhaupt war der 4. Mai d. I. ein wahrer Fest- und Freudentag für das Institut, denn an demselben Nachmittag beehrte Se. königl. Hoheit. Prinz Albrecht von Preußen, Las Städtchen mit seinem hohen Besuch. Er wurde von sämmtlichen Jakobson- Schülern, die ein riesiges Svalier bildeten, durch welches der hohe Gast, nach beiden Seiten hin huldvoll und freundlich grüßend, in einer ,goldenen* Equipage fahrend seinen Einzug hielt, feierlichst empfangen und mit stürmischem Jubel und Hurrahrufen begrüßt. . . ES sei mir noch gestattet eine kurze Bemerkung über den Derm ö g e n s b e st a n d der Jakobson-Schule hinzufügen zu dürfen : Letzterer betrug am l. October 1885 574.200 Mark. Der Pensiousfond, Lessen Zinsen zur Unterstützung der Hinterbliebenen, Wittwen und Waisen der Lehrer und Cultsbeamten der Jakobson-Schule verwendet werden sollen, betrug am 1. Juli 1885 85.233 Mark Capital, mit einem Zinsbetrag von 3640 Mark Möge dieser prächtige Weinberg des Herrn, dies bewuuderungswürdige Schöpfungswerk echt jüdischer Humanität und Toleranz auch fernerhin unter der Leitung des Herrn Dr. Philippson blüh'n, wachsen, gedeih'!!, sich kräftig entfalten und die schönsten Früchte tragen zu unser!!! Heil, zur Ehre und zum Ruhm unserer Nation. A. Zadeek. Wrerau. (Orig.-Corresp.) Unser Obercantor, Herr Moriz Grünberget, feiert am kommenden 86k6wnotü-Feste sein 25jährigeS Amtsjubiläum. Von Seite der Gemeinde und zahlreicher Verehrer des Jubilars werden entsprechende Vorbereitungen getroffen, um dem beliebten Cautor die gebührenden Ovationen darzubringen. (Da College Grünberger ein langjähriges Mitglied unseres Vereines ist, so kann man mit Sicherheit annehmen, dass sich auch viele College!! und Vereinsgenossen an diesen Ovationen betheiligen werden. Die Red.) DruEfehler-erichtigrrngen. In Nr. 16 soll es im Artikel ״Unsere Fachzeitungen und ihre ehemalige Musikbeilage" überall heißen: statt Steiger ״Sieger" und statt Stehgreifgesang ״Stegreifgesang". In Nr. 17 muß in der Besprechung der Singer'schen Broschüre von M. Deutsch, Breslau, die Stelle 2. Seite, 2. Spalte, Zeile 17 bis 20 folgendermaßen lauten: ״Die Weise zu adonoi moloch ist mixolydisch, die zu mögen ovos bewegt sich in der phrygischen Tonart und endlich die zu Tal und geschem in der aeolischen, die das Semitonium bereits vor mehreren Jahrhunderten zuließ und sich also mit unserer moll- Tonart vollständig deckt". Correspondenz der Nedaetion. Schl, in P. Den ,8clur-2i<rn" erhalten Sie in den nächsten Tagen. B. in L. In nächster Nummer. I. W. B. Senden Sie die Gebühr. T. in M. O. Für diesmal zu spät. Str. in Gr. Wird in nächster Nummer veröffentlicht. B. in N. Oe. Wollen Sie u!!S gefälligst den Schluss einsenden, hierauf i werden wir mit der. Veröffentlichung beginnen. Ehrw. Rabb. R. in S. Ihr Eingesandtes ist für die nächste Nummer vorgemerkt. Broschüre erhalten Sie noch in! Laufe dieser Woche. Die Redaction. Die nächste Nummer erscheint des Schewuoth-Festes halber statt Mittwoch den 9. erst Freitag den 11. Juni.