Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 17 (24.5.1886)
- Date
- 1886-05-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— s — nicht gibt, brauche ich hier nur zu erwähnen, dass dies ebenfalls | eine in Es־dur und der verwandten O-moII-Scala sich bewegende Melodie ist. Der Verfasser verändert hier wieder die h. in b, weit er durchaus den Noxen Owo8-Steiger herausbringen will; es ist somit die Metodie dieses Kadisch falsch. Das daranhängende b’dato scheint eine eigene Phantasie deS Verfassers zu sein, welche ich zur Nachahmung nicht empseblen kann, das alte 0ba8onu8 ist diese Melodie schon gar nicht, die wird so richtig gesungen. (2. M. B. Nr. 11). Nr. 16. Jachbienu soll auch dem Noxen Owos-Steiger .angehören! Könnte Jemand mit noch so wenig musikalischem Gehör annehmen, dais dies dieselbe Weise wie der lallbadiseb in? Ich glaube kaum. Es ist eine andere Art, anderer Rhythmus, mit einem Worte, ein kleines Liedchen in der modernen ckü-molI-Tonart; nach der Auffassung des Verfassers sind aber alle tn C-moll componirten Musikstücke im Noxen Owos- Steiger, folglich auch Beethovens Lonate pathdtique. — Was würde oas Publikum sagen, wenn man dies Jachbienu in dem Dom Verfasser ausgezeichneten Nbylhmus vortragen würde? Es ist fast unmöglich, es sich gesanglich einzurheilen und nach dieser Aufzeichnung vom Verfasser verzutragen, obwohl es doch sonst keine Schwierigkeiten bietet, dieses Stückchen Melodie rhythmisch cinzutheilen. (S. M. B. Nr. 12). Nr. 18. Weahawosecho für Freitag Abend, liturgische Melodie in der ^donoj Nolocb-Tonart. Der Verfasser macht es einem Kritiker sehr leicht, seine Erfindungen auf dem Ge. biete des Oba80nu8 zu tadeln, . er wählt sich eine Melodie, die jedes Kind kennt, verändert diese, um sie seinem Steiger anpassen zu können, wie hier anstatt g fis g •— g f g. Nr. 19, 20, 21. Negiuoth unterziehe ich keiner Kritik, weil diese, wie von andern nachgewiesen, älter sind als die Steiger, folglich können die Neginotb nicht von den Steigern entnommen sein. Sie wurden auch niemals früher von Obasonim vorgetragen, sondern blos vom Nescbubed oder 8obam68, daher haben auch die früheren Chasonim die Steiger nicht den Nexinotb entnommen. Und da ich uachgewiesen, dass die Tonleiter der vom Verfasser aufgestellten Steiger unrichtig sind, können die Steiger weder von den Negiuoth, noch die Neginoth von den Steigern abgeleitet werden. Den Schluss der Broschüre bilden in verschiedenen Steigern vorgeführte traditionelle Melodien. Dies ist nicht zu kritisiren, ich kann nur mein Befremden darüber ausdrücken, dass, man so etwas als Beispiel in die Oesfentlichkeit bringt. L’dor wodor ist die einzig richtige Melodie, nur hat der Verfasser dieselbe für Rosch hascbonoh, während dieser l’dor wodor nur scholoscb regolim angewendet wird*). Noch ein Wort über den Rhythmus in dieser Broschüre, wenn man die Aufzeichnungen von Noteuköpfen Vs 1/4 Vts V2 Noten, ineinander, geworfen, ohne Taktstriche und ohne Eintheilung überhaupt Rhythmus nennen kann. Ich habe mich überzeugt, dass selbst Notentreffer, denen diese Melodien von früher nicht bekannt wären, ans diesen Aufzeichnungen die eigentlichen Melodien nicht herausgefunden haben. So hätten wir denn vom rein fachlichen Standpunkte die Broschüre des Herrn Singer beleuchtet, die nach Anlage und Ausführung vergeblich danach ringt, in der Geschichte des SynagogengesangeS Epoche zu machen. Wir haben es nun einmal satt bekommen, der willkürlichen *) Die Ueberschrift von Nr. 23 der Singer'fchen Broschüre muss Jedermann als Drucksehler erkennen, da in Nr. 12 der übliche I'dor wodor■ für Rösch haschonoh angeführt erscheint. Nr. 23 sott also heißen ״I’dor wodor für scholosch regolim im gemischten Steiger*. Die Red. | Singweise der fahrenden Chasonim zu lauschen I Wir wünschen durchaus nicht die Wiederaufrichtung des Ghetto. Wir haben genug von der alten guten Zeit! Die moderne Musik ist auf ungeahnter Stufe angelangt, wir müssen gleichen Schritt halten mit den Errungenschaften der Neuzeit, wir wollen nicht überholt oder gar zertreten werden. Herrn Singers Broschüre, die dem allen Singsang das Wort redet, ist unzeitgemäß, entbehrt jeder Berechtigung, ist nicht lebensfähig. Ein Größerer als er. der große Sulzer, hat bereits vor 60 Jahren erkannt, dass mit dem Althergebrachten zum Theil für immer gebrochen werden müsse, soll das Volk. Israel im allgemeinen Aufschwungs auf musikalischem Gebiete nicht Zurückbleiben, und Israel darf nie Zurückbleiben, es ist ein auserwähltes Volk und sollte stets an der Spitze schreiten. Uebrigens auf musikalischem Gebiete haben wir es erlebt: man denke nur an Mendelssohn, Meyerbeer, Halevy u. s. w. Kurz, die synagogale Musik darf hinter der weltlichen nicht Zurückbleiben! Sulzer ist unser geistlicher Mendelssohn, mit ihm begann die geschmackvolle neue Zeit. Wenn aber Jemand einwenden sollte, dass man das durch die Jahrhunderte Geheiligte denn doch nicht pietätlos zum Gerümpel werfen dürfe: Gut! So suchen wir das Gute heraus, kommen wir überein, durch Verschmelzung des alten Guten mit dem modernen Besser n ein B e st e s aufzustellen, das im harmonischen Anschlüsse an Sulzers Lcbir Zion für die kommenden Zeiten mustergiltig und wirklich tonangebend sein soll l Auch ich will es versuchen und keine Mühe scheuen, für das Gelingen meiner Idee und deren Uebersetzung in's Praktische mein Bestes einzusetzen. Gebe Gott, dass es gelinge!* Die Sprache -er Gebete Israels. Von Dr. A. Lörvy- Bezirks-Rabbiner in Butschowitz, Mähren. Die Toffafii'ten können ihre Verwunderung über den talmudischen Ausspruch, dass die Engel keine Sprachkenner feien,, nicht unterdrücken, und werfen die Frage aus: Wenn den Engeln die geheimsten Gedanken der Menschen offenkundig sind, weshalb sollten sie der aramäischen Sprache unkundig sein? und lassen diese Frage offen oder unerledigt. (Siehe 1033. Labbat 12 b.) Aus dieser Stelle geht zur Evidenz hervor, dass unter den jüdischen Gelehrten Frankreichs des 13. Jahrhunderts der Glaube, die Engel kennten die geheimsten Gedanken der Menschen, allgemein verbreitet war und feste Wurzel fasste. Doch nicht nur im Talmud, sondern auch in der Bibel treten Engel auf; so ertheilt ein Engel unserem Erzvater Jacob den Ehrennamen Israel, als er aber von Letzterem um die Angabe seines Namens angegangen wurde, gab er die ausweichende Antwort: Was fragst du nach meinem Namen? (Cenes. 32, 30.) Maimonides hält den nächtlichen Kampf Jacobs mit dem fremden Manne, der sich später als ein Engel entpuppte, als eine nächtliche Vision, wie es in der Tibbonidischen Trauslation heißt: יזה ההתאבקות והדבור כלו במראה הנבואה (More Nebachim II, 42.) Auch dem Monauack, Simsons Vater, erscheint plötzlich ein Engel, der ihm die freudige Botschaft bringt, dass seine Frau ihn mit der Geburt eines Sohnes beglücken werde. Aus Dankgefühl für diese freudige Vorherverkündigung bringt Monauach ein Opfer dem Ewigen, als aber die Flamme vom Alrare zum Himmel emporschlug, stieg der Engel auf mit des Altars Flamme. (Richter 18, 18.) Auch Monauach konnte seine Neugierde nicht beherrschen, fragte den Engel nach