Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 17 (24.5.1886)
- Date
- 1886-05-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453061--1749-3455923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
s dessen Namen, worauf Letzterer erwidert: was fragst du nach meinem Namen? — er ist verborgen. Die Namensbezeichnung der Engel wird in der Bibel ängstlich gemieden, weil derartige Namen sicherlich geeignet sind, dem Begriffe der Einheit Gottes Eintrag zu thun. Ohne Zweifel wären diese mit Namen benannten Engel zu Gottheiten erhoben worden, denen das israelitische Volk göttliche Verehrung und Anbetung gezollt hätte. Diese Scheu, die geistigen Wesen mit Namen zu bezeichnen, dehnte sich sogar auf die Benennung Gottes selbst aus/ und wurde jenes erhabenste Wort nur vom Hohenpriester im Tempel bei den feierlichsten Gelegenheiten ausgesprochen. In Erwägung dieser Voraussetzungen wird auch jener dunkle Niära8eb /,TT אין שם אלא* tarnen bedeutet stets Abgott, aufgehellt. (Beresch. Babbah. Cap. 38.) Die Unternehmer des babylonischen Lhurmbäues gingen mit dem Gedanken um, sich durch dieses heroische Unternehmen einen berühmten Namen zu erwerben, sie wollten die Bewunderung sämmtlicher Erdbewohner auf sich selbst lenken, wollten, im Falle dieser coloffale Bau zur Ausführung gelangen wird, zu Gottheiten erhoben werden. Erst durch Israels dienstbares Verhältnis zu den Persern erhielt durch deren Einfluss dasjenige, was früher bei Israel nur als eine vorübergehende Erscheinung galt, einen bleibenden Namen, z. B. Gabriel, Michael, Metatron, Syndalphon, Aschmedai u. s/w. Bei den Gebeten musste man daher auch. den Engeln Rechnung tragen und sie möglichst berücksichtigen, damit auch sie verstehen, was gebetet wird. Ein anderer Grund, weshalb die hebräische Sprache zur Gebetssprache erhoben wurde, ist, weil zur Zeit des zweiten staatlichen Lebens die Umgangssprache לשון חול nicht mehr rein hebräisch war. Damals sing die hebräische Sprache an, allmälig aus dem gewöhnlichen Verkehre herauszutreten und die Schriftspräche der Gelehrten zu werden. Sie sollte nicht profanirt werden, weil die heilige Schrift in ihrer Mundart geschrieben ist, und weil sie überdies geweiht und geheiligt ist durch das höchste Alter) das die zierlichste Krone ihres Hauptes bildet. Unsere Weisen erklären die' Schristworte (Gen. I, 11, 1) שפה אחת, dass dies die hebräische Sprache gewesen sei, welche als Gesammtorgan für den mündlichen Verkehr figurirte. Als Hauptbeweis für das höchste Alter derselben führen sie an, dass in keiner Sprache die Benennung für Mann und Frau aus einem Urstamme hergeleitet wird, wie in der hebräischen. (cksru8. NeZ. I, 11). Nach ihrer Auffassung soll sie sich am meisten für die Rede, nicht aber für den Gesang eignen, während sie der griechischen Sprache, vermöge der ihr innewohnenden Euphonie, für den Gesang die Prävalenz einräumen. (Mär. Babb. 1,18, Jerus. Sota VII.) Obwohl in Palästina im Allgemeinen in hebräischer Sprache gebetet wurde und es als Verbot befrachtet wurde, in der Landessprache zu beten, wurde dennoch in Cäsaren und Alexandrien, weil dort der überwiegende Theil der Bevölkerung in griechischer Sprache verkehrte, auch in dieser Sprache gebetet, und das Synedrion sah sich nicht veranlasst, sein Veto gegen diese Einrichtung einzulegen. Erft in späterer Zeit wird erzählt, dass der Patriarch Rabbi Jehuda Hanossi I., als er in der Synagoge zu Cäsaren das Schmazebet in griechischer Sprache verrichten hörte, dagegen mit Energie protestirte, und trotz seiner Autorität als Gesetzeslehrer und seines Einflusses, den er als Fürst aus die jüdische Bevölkerung Palästinas allerorten übte, konnte es ihm nicht gelingen, in benannter Gemeinde die Einführung, in hebräischer Sprache zu beten, dnrchzusetzen. (Schluss folgt). Littkrarisches. Hleal-Ancyktopädie für Bib el uud Lalmud. b . e a r 6 e itet von Dr. I. Hamburger, L a n d e s r a b b i n e v zu Strelitz in Mecklenburg., Zu diesem vortrefflichen Werke, das bekanntlich in zwei Abtheilungen erschienen und allseits mit Beifall und Anerkennung begrüßt worden ist, wurde soeben ein Supplementband ausgegeben, iw welchem der Verfasser das in den beider Theilen seines umfang» , und inhaltreichen Werkes Fehlende gewissenhaft und redlich zu ersetzen bemüht ist, . um seinen Lesern den mit seltener Emsigkeit und Aus» dauer aus dem weiten Bereiche des biblisch-talmudischen Schriftthums zusammeugetragenen, meisterhaft angelegten Schatz des Wissens möglichft ganz zu bieten. Und der Autor hat die sich gestellte große Aufgabe mit vielem Geschick und Genie gelöst, soweit es in menschlichen Kräften liegt, ein solches, fast unübersehbares Gebiet der Gedankensülle und Geistesproduction zu überschauen und bewältigen. Der Supplementband kostet 3 Mark. Bei directer Bestellung beim Autor wird den Cultusbeamten 25 Perzent gewährt, ebenso׳ bei direktem Bezug der Abtheilnng II dieser Real-Encyklopädie, welche ein Wörter- oder Nachschlagebuch zum Gebrauche für Bibelfreunde, Theologen, Juristen, Lehrer, Gemeinde- und Schulvorsteher bildet und auf keimm Büchertische eines wissbegierigen Israeliten fehlen sollte. B. . m. Kleine Chronik , Wien. Im Israel. Taubstummen-Jnstitut in der Rudolssgasse wurde Sonntag den 16. d. M., Vormittags um 10 Uhr die Iah« resprüsung abgehalten. Die Schüler beantworteten die an sie gerichteten Fragen aus den Elementargegenständen der Geographie, ' Geschichte und der Naturwissenschaftey sehr gewandt. Unter den Anwesenden bemerkte man, in Vertretung des Unterrichtsministers, Hofrath Dr. Ullrich. Am Schluffe der Prüfung, welche nahezu 3 Stunden dauerte, sprach Hosrath Dr. Mri.ch dem Director, kaiserlichen Rath Joel Deutsch, wiederholt seine Anerkennung aus. Im abgelaufenen Schuljahre 1884/85 befanden sich im Institute 95 Zöglinge, und zwar 59 Knaben und 35 Mädchen. Wien. Sonntag den 23. Mai fand in der Schiffsynagoge die Trauung des Kaposvqrer Obercantors, Herrn Heller mit Fräulein Kunstadt, in Anwesenheit eines zahlreichen, distinguirten Publikums statt. Wir bemerkten unter den Anwesenden den Gesammtvorstand der Synagoge, Herrn Ritter ». Frankfurter und auch viele Cantoren. Die Trauung vollzog Herr Rabbiner Sal. Spitzer, den gesanglichliturgischen Theil besorgte der beliebte und ausgezeichnete Chasan, Herr I. Wittmann, der mit dem Vortrage der 86״b6^va-Broobo8* das Publikum entzückte. Als Vertreter der Kaposvarer Gemeinde erschien der dortige Secretär, Herr Büchler. (Unserem verehrten Collegen Heller wünschen wir ein herzliches 2D 2ול. Die Red.) Lemöerg. Der Ausschuss des Vereines ״Lobomsvlsi-asl" hat an den Herrn Unterrichtsminister nachfolgende Petition gerichtet: ,Euer E x c e l l e n z! Die Tagesblätter brächten in den jüngsten Tagen die Mittheilung, dass das. hohe k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht in neuester Zeit einen Erlass herausgegeben hat, wornach die -bislang den Schülern jüdischen Glaubens gewährte Befreiung vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen künftig nicht mehr, zu bewilligen ist. Der Verein ״Scbomer Israel“ in Lemberg, dessen statutenmäßige Ausgabe es ist, die jüdischen Interessen zu wahren, hegt die volle Ueberzeugung, dass durch diesen Erlass nicht nur jüdische Interessen verletzt wurden, sondern dass, dadurch die Hinderniße, welche dem so sehr wünschenswerthen allgemeinen Schulbesuche der jüdischen schulpflichtigen Jugend im Wege stehen, wesentlich vermehrt wurden. Die Sonntage und alle katholischen Feiertage