Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 15 (8.5.1886)
- Date
- 1886-05-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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© Sowohl Constantin in der früher erwähnten Rede, als auch Lactant..behaupten,, dass Dioclet. über die Wirkungslosigkeit seiner Verfolgungen trübsinnig gervvrdcn sei. und sich ans Neuevom der Negierung zurückgezogen habe. Dem widersprechen jedoch nachdrücklichst die beiden Aurelius Victor, ferner Eutropius. Der jüngere Victor theilt mit, dass Maximinian sehr ungern - der Uebcrredung deS Diocletian gefolgt sei, ebenfalls׳ der Ge- Walt zu entsagen. Die Juden hatten keine wesentliche Klage über Diocletian zu führen. Von dem oben erwähnten Edicte. welchem auch die Samaritaner zwangsweise unterworfen wurden, waren die Juden ausgenommen. Diocletian kam selbst nach Liberias, von wo aus er das im Cod. Just, enthaltene Gesetz erließ. Man erzählte ihm, dass die Juden ihn als einen Schweinehirten verspottet hätten. Dies kann nur den Sinn haben, sie hätten seinen Beinamen Aper verspottet; denn er hätte, weil er nach einer Weissagung, er Werde durch die Erlegung eines Ebers zum Thron gelangen, durch die Tödtung des praefectus ■praetorio,. namens Aper wirklich den Thron erlangt. Infolge dessen habe er dem Patriarchen am Freitag abends den Befehl zugehen lassen, er müsse sich am Abende des Sabbaths in Pameas einsinden, weil er gemusst habe, die Inden dürfen am Sabbath nicht so weil gehen. Der in großer Angst schwebende Patriach wurde dennoch am Ausgange des Sabbath durch einen Spaßmacher auf einem kurzen Wege hiugesührt, so dass er noch rechtzeitig ankam. Anfangs verspottete ihn Diocletian, nachdem er sich jedoch von der Ergebenheit der Juden überzeugt, entließ er ihn gnädig. Diocletian wird auch noch an anderen Stellen des Talmud bab. und Jer. genannt. Galerius und M a x i m i n u s. Nach dem Rücktritte des Diocletian setzte Galerius die Verfolgungen unentwegt fort und namentlich der Orient wurde sehr hart von denselben ht' troffen. Er ersann ausgesuchte Qualen für die Christen, indess Constantin, der dem Constantius in seiner Würde gefolgt war, in den occidentaleu Provinzen Religionsfreiheit gewährte. MaxirniuuS folgte zumeist dem Einflüße des Galerius und war jedem Aberglauben zugänglich. So setzte er überall heidnische Priester ein und genoss kein anderes denn Opserfleisch. Die Verfolgung wurde so systematisch betrieben, dass er die zum Zwange bestimmten Personen auf Tafeln, verzeichnet hatte. Galerius, von einer tödtlichen Krankheit ergriffen, gab aus Veranlaffung eines christlichen Arztes ein Edict heraus, in welchem er die bisherigen Verfolgungen damit beschönigte, dass die Christen von ihrer Väter Weise abgefallen seien und gbie anderen Völker von der Verehrung der Götter abgezogen hätten, und als einen Act seiner Gnade erklärte sie wieder dulden zu wollen. Maximinus fügte sich diesem im Namen aller Regenten erlassenen Edicte, und Eusebius theilt uns ein in diesem Sinne gehaltenes Schreiben des Sabinus. Präfecten der Prätorianer, mit, doch in kurzem begann er die Verfolgung von neuem und schmiedete gegen die Christen falsche Anklagen. - - * * * - Die Weltgeschichte hat uns.durch viele Beispiele belehrt, dass eine erhabene Idee, für bie einzelne oder wenige, selbst unter dem Widerstande der ganzen übrigen Menschheit, ciugctreten sind, sich durch Mitte! der Gewalt nicht hat vertilgen lassen. Die beglückende Lehre von dem einzigen Gotte, von den Inden zuerst begriffen, dann von den Christen in. die an zahllosen. Nebeln krankende Heideuwelt hinausgetragen, konnte weder durch Schwert noch durch Feuer beseitigt werden. Vielmehr hat das Martyrium die Anhänger dieser Lehre nur um so mehr bestärkt und die Todesverachtung derselben den Gegnern so viel Ehrfurcht eingestößt, dass sie unwillkürlich von ihr angezogen werden mussten.- Der Vergleich, den aufgeklärte Heiden oft zwischen sich und den Christen anzustellen in die Lage kamen, musste sie auch zur Erkenntnis bringen, dass diese so entartete Welt des AlterthumS nur durch diese neue Lehre aus dem Moraste erhoben und gerettet werden könne. Die ganze Kaisergeschichte ist uns, in diesem Lichte betrachtet, als der Kampsschauplatz erschienen, aus welchem bte antike Welt dieser vordringenden Idee Widerstand zu leisten unternommen hat. Aber so hartnäckig dieser Wiederstand auchwar, so konnte es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgangen sein, dass die Zeit, von Domitian angesangen, uns das Heidenthum nicht nur in der Abwehr, sondern auch schon im Unterliegen gezeigt hat. Daher das Eindringen fremder Culte in Nom,- daher die unmenschliche Grausamkeit zuerst gegen die damals, überlegenen Juden und später gegen den um sich, greifenden. Einfluß der Christen. Dieses Würgen und Morden unschuldiger, Menschen ist nur der letzte Versuch einer ersterbenden Gewalt^ sich noch einmal zur Geltung zu bringen. - Der Verfasser glaubt hiermit am Ende seiner Aufgabe zu stehen, weil die Parallele des Verhaltens der römischen Kaiser zu Juden und Christen eben nur bei den heidnischen Kaisern, gezogen werden kann. (Schluss.) Wien, 7. Mai 1886. Wir müssen es mit großer Freudeconstatiren, dass aus dem Gebiete des jüdischen Traditiousgesanges seit Erscheiuen der diesbezüglichen Artikelserie in unserem Blatte, . namentlich jedoch, angeregt durch die jüngst von Obercantor I. Singer herauSgegebene Brochure über die Synagogentonarten (Steiger), frisches, Pulsirendes Leben sich *u. entwickeln scheint. Es war schon die höchste Zeit, dass die Berufsgenossen aus dieses schon so lange brach liegende Feld aufmerksam gemacht wurden,' und wir wünschen, dass ihre Thätigkeit nicht zu bald erlahmen möge. Von diesem Gesichtspunkte auS war uns der am 6. Mai von unserem Collegen Josef -Goldstein, erster 'Cantor am Leopoldstädter Tempel, in den Localitätcn des Bet-Hamidrasch abgehaltene Vortrag ״Beleuchtung des traditionellen Sy n a g og engesa nge s mit Berücksichtigung der einschlägigen Fachschriften" gewiss willkommen, und wir können denselben entschieden als eine löbliche That bezeichnen. Der Vortragende versuchte es, die in der oberwähnten . Singer'schen Brochure ausgestellten Steigerscalen zu widerlegen, und- '< feilte sehr interessanten Ausführungen wurden von den Anwesenden, unter denen wir Rabbiner Dr. Güdemann, die meisten Wiener Cantoren, mehrere Tempelsänger sowie einige Gemeindemitglieder - bemerkten, mit vielem Beisalle ausgenommen. Wir wollen es heute unterlassen, über das Detail des Vortrages.ausführlicher zu berichten, da wir hoffentlich in der angenehmen-Lage sein werden, denselben in-einer der nächsten Nummern zu veröffentlichen. Budapest. Das Project der Gründung einer hiesigen reformirten Judengemeinde, welches von Dr. Szterenyi ansgegangen ist, hat die israelilische Landeskanzlei sowohl, als auch das hiesige Rabbiner- Seminar zu einer Eingabe an das Culiusminifterium veranlasst, in welcher diese beiden Corporationen sich gegen die Opportunität der Gründung einer solchen Gemeinde aussprechen. Dagegen hat nun Dr. Szterenyi ein Memorandum verfasst, in welchem er die Ein- ׳ würfe derselben zu entkräften sucht und das er dem-Ministerium, unterbreitete, sowie auch dasselbe im Drucke der Oeffentlichkeit über-- gab. Wie wir hören, wird die Antwort des-Ministeriums in den?'' nächsten Tagen erfolgen und hiedurch die Frage entschieden werden Kleine Chronik