Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 15 (8.5.1886)
- Date
- 1886-05-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Llaubt, er c\abe dem Tone die Haltung, er binde, fülle durch ihn alle Stellen, die dem Gesang angewiesen sind; aber bei näherer Betrachtung, füllt der Lehrer durch die Begleitung des Pianosorte die Lücken. Dies zu verhü'en, mnss ein Schüler oft a 86660, das heißt: ganz allein, ohne Begleitung singen, und nur nachdem er mehrere Tacte gesungen, sich einen bestimmten Ton auf dem Instrumente angeben, um nach seinem Klange zu beurtheilen, ob er die Stimme gehörig gehalten habe. Ost wird sie, so lange der Zögling zur eigentlichen Schülerclasse gehört, gefallen sein, weil es ihm an dem durchgängigen Portamento fehlt, das eine Stimme auch ohne Begleitung in ihrem richtigen Tonverhältnis hält. Doch wollte man nun den Schüler, besonders wenn er Anfänger ist, zu oft a 86660 singen lassen, so fiele der Vergleich und der Beweis des Instrumentes weg; er würde sich gewöhnen, unbemerkt die Stimme etwas sinken zu lassen, so dass er sich künftig nur mit Mühe an die Stimmung der Begleitung anzuschließen vermöchte, fa selbst gegen das Ende seines Stückes detoniren. würde. Wollte man den Heranwachsenden Sängern nie eine andere Uebung, als die so sehr angeralhene Tonreihe halten und die Klänge singen lassen, so bekäme er zwar ein schön geebnetes Organ, aber es würde ihm künftig an gehöriger Schnellkraft der Kehle und Geläufigkeit mangeln. Wünschte man hingegen nur durch Uebung vieler Passagen ihm srüh diese Gewandheit zu' verschaffen, so läuft der Schüler Gefahr, nie das eigentliche Metall seiner Stimme heraus zu arbeiten, und nie den schönsten Theil des Gesanges, das edle , Portamento, in seine Gewalt zu bekommen. Die zu früh mobil gemachte Stimme würde unfest und schwankend in der Intonation werden und dadurch einen Fehler annehmen, der selten spät ganz zu verbessern ist, wenn die Grundlage des Unterrichtes verfehlt wurde. Ueberhaupt, so lange ein Organ noch nicht gebildet ist und durch die ruhige Entwickelung der anhaltenden Töne Zeit gewann sich zu stärken, gibt die häufige Uebung schneller Passagen oder das Vortragen schwerer Stücke, die der Zögling nicht bezwingen, das heißt nicht gehörig singen kann, seiner Stimme eine Art von Auszehrung, die jede ihrer besseren Anlagen untergrabt. Ich hatte Gelegenheit zehn- oder zwölfjährige Kinder zu beobachten, die früh ein besonderes musikalisches Talent und Maturanlagen zu einer schönen starken Stimme verriethen. Allein eine elende Singmethode mergelte bald das Organ aus, und anstatt mit dem Heranwachsen — wie das der Fall bei gesunden Menschen ist, die auf eine vernünftige Weise singen lernen s— eine volle, klingende Stimme zu erhalten, die gleich einer schönen Säule sich auf festem Grund erhebt, so wurde dies Organ immer dünner, schwankender und am Ende so ausgezogen, dass kaum ein leiser Hauch übrig blieb, mit dem man wohl noch Passagen wirbeln, aber nicht eine halbe Note getragen, aushalten konnte. Sollte sich unter den Lesern dieser Blätter Einer finden, der mehr oder weniger in diesem Falle sich befände, so glaube er mir, dass nur das schnelle Zurückkehren zu einer weiseren Singmethode das schon geschehene Nebel verbessern könne. Ganz vergessend, was man schon für Bravourarien glaubte singen zu können, halte er sich nur an die langen anhaltenden Töne, an die Grundsätze des Athemzuges und der festen Intonation langer Noten, und erzähle uns, welche Verbesserung er nach einem Jahr an seiner Stimme zu bemerken wird Gelegenheit finden. Dies alles sind nur Winke, die jeder Lehrer bei der praktischen Unterweisung mit seinem Geiste beleben und weiter auszuführen Gelegenheit findet. Wenn man den Singunterricht .durch die gute Mutter seit den Kinderjahren erhielt, oder später ihn durch schriftliche Aeußerungen unaufhörlich genoß, dis uns sowohl auf die zu umgehenden Klippen als auf die besörderndsten Fortschritte aufmerksam machte, und hierzu nun noch das ge» legentliche Hören guter Sänger kommt: so können die Fortschritte in dieser Kunst, so lange des Menschen Lebenskräfte nicht abnehmen, fortdauern. Es gleicht die Perfectibilität der Stimme jener des Menschen selbst; ihre Fortschritte gehen ins Unendliche. Darum sollte auch weder der Meister noch der Schüler erschrecken, wenn man ihnen zumuthet, mehrere Jahre auf die langsame, aber gründliche Entwicklung und Bildung des Organes zu verwenden, die auf stützenden Grundsätzen, welche aus der Natur der Sache gezogen sind, beruhen. Die gehörige Befolgung dieser Zumuthung belohnt sich reichlich durchs ganze künftige musikalische Leben. (Fortsetzung folgt.) Die römischen Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und Christen (nach den Quellen dargestellt.) Von Ar. A. Weiß. X. Constantin, der nachmalige Kaiser, erzählt in einer seiner Reden, dass, als Lm Palaste des Diocl. bald hierauf Feuer ausgebrochen, dies Galerkns als einen Nacheact der Christen dar« gestellt habe, die hierauf gefoltert wurden, jedoch nichts gestanden. Kurz darauf erließ er ein Edict, dass die Bischöfe eingekerkert und zum Götzendienst gezwungen werden sollten. Die Kaiserin Prisca und Galerius Gemalin Valeria mussten das Christenthum verleugnen. Die damals für die Beharrenden gewählten Todesstrafen waren Enthauptung, Kreuzigung, Ersäufung (mittelst angehängter Steine), schnelle oder langsame Verbrennung und noch andere raffinirtere Todesarten. Anfänglich sollten die Frauen von der Tödtung ausgenommen sein, jedoch später wurde diese Beschränkung nicht beachtet. Im Abendlande, dem Machtbereiche des Constantius, konnte die Verfolgung nicht einen so großen Umfang aunehmen, ja Constantius belohnte die dem Glauben treu Gebliebenen und entzog den Abtrünnigen sein Vertrauen. Als sich jedoch Dioclet. überzeugte, dass chas Christenthum durch Erniedrigung und Entziehung aller Rechte nicht zu vertilgen sei, erließ er ein neues Edict,!welches das Beharren bei dem christlichen Glauben mit dem Tode bestrafte. Es sollte jedoch auch nur der Schein, als ob man sich dem Gebote des Götzendienstes unterwerfe, zur Freisprechung genügen. Die Kirchen sollen zerstört und die heiligen Schriften verbrannt werden. Auf Begehren des Volkes begann Maximianus angeblich auch in -Rom mit der Verfolgung. Nach zwei wenig verbürgten Berichten soll in Rom der Schauspieler Genesius, in Hierapolis (Syrien) Gelasinus, die ihrer Rolle nach die Christen zu verspotten hatten, mitten in ihrer Darstellung sich zu wahren Christen bekannt und das Martyrium erduldet | haben. Flüchtige Erwähnung solcher Begebenheiten geschieht bei Theodoret. Die unerhörte Ausdehnung dieser Verfolgung wird in einem Pontificale, einer Liturgie, so dargestellt, dass in einem Monate mehr als 15.000 Christen umkamen. Euseb. und Lactant. berichten, dass in einer Stadt in Phrygien die sämmtlichen Bewohner aus einem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Dass Dioclet. wohl auch von seinem Aberglauben zu dieser Verfolgung verleitet worden sei, bezeugt Aurel. Vict. der von ihm sagt: Religiones veterrimae eastissime euratae. Ebenso Euseb. nach der Aussage des Constantin.