Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 15 (8.5.1886)
- Date
- 1886-05-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453059--1732-3455904- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
7׳ ob in Budapest zu den senstigen israelitischen Gemeinden auch noch eine ,Neformgemeinde" kommen soll. Der Entscheidung im Ministerium Wird auf beiden Seiten mit Spannung entgegengesehen. ZLndapest. Am letzten Pessachtage erschien beim Obercantor der hiesigen Nombach-Synagoge, Herrn Jacob Bachmann, eine Depntation hervorragender Gemeindemitglieder unter Führung des Herrn A. Marktbreit, um ihm in Anerkennung ׳ seiner großen Verdienste auf dem Gebiete des Tempelgesanges einen prachtvollen silbernen Lorbeerkranz, dessengoldene; Schleifen mit einer entsprechenden Widmung geziert waren, zu überreichen. Auf die herrliche Ansprache des .Führers der Deputation dankte Herr Bachmann gerührt und versprach, dieses wohl unverdiente, aber glänzende Zeichen von Anerkennung als eine dauernde Anspornung für die Zukunft bewahren zu wollen. Kemesvar, 28. April. Das achttägige Pessachfest ist mit dem gestrigen Tage zu Ende gegangen. Die Bethäuser in den Vorstädten und der schöne Tempel in der inneren Stadt waren an diesen acht Tagen von׳ Andächtigen gefüllt. Namentlich war es der Tempel, der in den Festtagen nicht nur von den Israeliten, sondern auch von strenggläubigen Katholiken besucht wurde. Am Ostermontage, als am siebenten Pessachtage, hat Herr Ober-Cantor Löwenherz, der mit seiner die Seele wunderbar berührenden Stimme auch die Andersgläubigen zu jeder Zeit in das Innere des Tempels zu ziehen vermag, überwältigend schön gesungen. Waren es schon die liturgischen Gesänge, welche der ausgezeichnete Sänger in Andacht erweckender Weise vortrng, so hat derselbe mit der Absingung des 117. Psalmes dem Festtage die wahre Weihe verliehen. Das war nicht nur die künstlerische Entfaltung prächtiger Stimmmittel, welche den ׳Lauscher bezaubern — in dem Psalmeu-Vortrage lag alle ergreifende Innigkeit, welche den Weg zu den Herzen,finden muß. Der Sänger war des heiligen Ortes, an dem er stand, bewußt; die Psalme war Gott geweiht. Im Concertsaale pflegt Ober-Cantor Löwenherz den .Zuhörer zu entzücken: im Tempel stimmt sein Gesang feierlich und erhebt den Beter zum Himmel. In mancher gut christlichen Hand regte es sich Montag während des Gottesdienstes im Tempel wie zum Beifallklatschen; man mußte an das Gotteshaus, in dem man sich -befand, fort und fort denken, um nicht einer weltlichen Regung nachzugeben, nänrlich die Handflächen zusammenklatschen und unwillkürlich ein kräftiges ,Repete' und ,Bravo' erschallen zu lassen. — Zur Hebung des montägigen Gottesdienstes hat eine ausgezeichnete Sängerin viel beigetragen. Ein prächtiges, innig vorgetragenes Solo ertönte vom Chore herab. Die Köpfe der Beter und Solcher, welche die Löwenherrsche Gesangskunst anzulocken pflegt, wendeten sich wie auf ein Commando nach dem hohen Chore. Dort in der Höhe trillerte eine Lerche bezaubernd; es war Frl. Regine Alkalay. —Gestern, Dienstag, als am letzten Pessachtage, hielt der ehrwürdige Herr Ober-Rabbiner Dr. M. Löwy eine Predigt, deren Gegenstand ein bedeutungsvoller .genannt werden kann. Der eloquente Prediger befasste sich mit einer auffälligen Erscheinung der letzten Zeit. Was er sprach, war geistvoll, tief durchdacht und wahr, wie er sprach, das weiß man. In Augenblicken der edlen Entrüstung schien der gelehrte Mann aus sich selbst herauszuwachsen. Herr Ober-Rabbiner Dr. Löwy ist der Meister des schön gesprochenen Wortes, Herr Ober-Cantor Löwenherz ist der Meister des schön gesungenen Liedes; kein Wunder, wenn der ^Tempel trotz seiner Größe oft zu klein wird zur Aufnahme der Zu- Hörer. T. Z. Krakau. Die Maßregel der russischen Regierung gegen die Juden und hauptsächlich galizische Juden, denen das Aviso auf Reife- Passeports verweigert wird, hat unter den hiesigen Juden eine große ׳Beunruhigung hsrvorgerufen, umsomehr, als ein beträchtlicher Theil der hiesigen Getreidehändler dadurch stark geschädigt wird. Der öfterreichische Botschafter in St. Petersburg, an den sich ein hiesiger «Getreidehändler um Erwirkung des AvisoS gewendet, gab folgende Antwort: »Dass, behufs׳ Erwirkung der Reisebewilligung, eine in russischer Spräche verfasste Eingabe nothig sei, in welcher dis Reise- Route anzugeben wäre, wohin er sich begeben will und zu welchem Zwecke. Diesem Gesuche muss ein Certisicat der competenten Handelskaiilmer beigelegt werden, welches bescheinigen soll, dass der Bittsteller ein in kaufmännischen Kreisen bekannter und gutrenommirter Geschäftsmann ist.׳' Es ist sehr bedauerlich, Lass die österreichische Negierung oberwähnter Maßregel Rnßland's, welche geeignet ist, den galizische» Getreidehandel ganz zu unterdrücken, thatlos gegenübersteht, und bleibt nur zu wünschen übrig, dass das hohe Ministerium des Aeußern der Petition der hiesigen Handelskammer die gehörige Würdigung zu Theil werden lasse. 0. W. Odessa. Herr P. Minkowsky ans Cherson, welcher vor Kurzem als Ober-Cantor in Lemberg ׳ acceptirt worden war, mußte durch familiäre Hiudernißs auf legalem Wege seinen Vertrag mit der Lemberger Gemeinde auslösen. College Minkowsky begab sich hierauf nach Odessa, wo er nach einem zweimal abgehaltenen Probevortrag an der Hauptfynagoge einstimmig zum Ober-Cantor mit einem fixen Gehalte von 2400 Rubel gewählt wurde. An dem vergangenen NOL^Fefte hat Herr Minkowsky schon fnngirt und außergewöhnlichen Beifall geerntet, so dass er wegen seiner großartigen Leistung ein Präsent im Werthe von 600 Rubel erhielt. (Auch wir gratuliren dem Collegen Minkowsky zu feinem glänzenden Erfolge. Die Red.) Ansiakt- Hier lebte auch der in weiteren Kreisen berühmte Mustker Herz. Jahrzehnte hindurch war er Dirigent der Hofball-Musik. Früher pflegten Hofbälle manchmal im Schloss Kranichstein oder auch auf dem Karlshof ׳abgehalten zu werden, und zwar jedesmal Samstag Abends. Nun war Herz zwar ein aufgeklärter Mann, der einer freieren Ansicht über das Judenthum huldigte, dennoch beobachtete er die hergebrachten jüdischen Sitten und Gebräuche und demgemäß auch die Sitte, am Sabbath nicht zu musicireu, zumal in seiner Truppe noch mehr jüdische Musiker mitwirkten. Das war dem Großherzog Ludwig II. wohlbekannt, daher ließ er, die religiösen Anschauungen Anderer schonend, nicht eher den Ball beginnen, als bis nach Ausgang des Sabbaths, d. h. dis Nacht eingstreten. Als Zeichen hiervon galt es, wenn 3 Sterne am Himmel standen, d. b. sichtbar waren. Der Großherzog ging öfters an's Fenster, suchte die 3 entscheidenden Sterne zu erspähen und erblickte er sie, so kam er mit gewohnter Liebenswürdigkeit und Herablassung herbei und sprach »Herr Herz, man darf anfangen, es stehen 3 Sterne am Himmel.* Selbstverständlich hat die anwesende Ballgesellschaft jedesmal diesen Moment mit Freuden begrüßt. Stelleuveränderungen. College Schulhof, bisher in Jriz. ist in Mischitz als 2. Cantor acceptirt worden. College Kurzweil ist von St. Abraham (Ungarn) nach Lasses in Niederösterreich berufen worden. (Beiden Collegen gratuliren wir zu ihrem Amtsantritte- Die Redaction.) Correfpondenz dev Nedaetiou. B. in Str., G. in P. Wollen Sie sich direct an den Componisten, Musikmeister A. Grünzweig in Arad, wegen Anschaffung des Werkes ״Casualien*, wenden. Gruß. K. in R- Ihr Abonnement endet am 1. Juli. Gruß. T. in M.-Ost. Den gesandten Betrag für Jnserationsgebühren bis Ende Dezember 1885 fl. 7.20 und den Rest-für Abonnements a Conto 1885 gut gebucht. Best. Gruß. N. in B. Ihr Saldo beträgt 4 fl. pr. 1885 und Abonnement bis 1. Juli a. c. Gruß. A. G. in A. Eingesandtes für diese Nummer zu spät. Gruß. Die Redaktion.