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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-05-08 · Heft 15 (8.5.1886) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 15 (8.5.1886)
Date
1886-05-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Combination aus אל und יה und drückten Personisicationen bestimmter Eigenschaften und Functionen'aus. Ob die 9'tabbinen Babyloniens wirklich an die Existenz dieser Engel glaubten, oder ob deren Erwähnung ihrerseits n'ur eine Concession an das an engelgläubige Bvlk war, ist meines Dafürhaltens unentschieden. Die Tossafisteu bemerken, dass die gewöhnlichen Engel wohl der aramäischen Sprache unkundig seien, doch ist aus Talmud Sota 36 b erwiesen, dass der Engel Gabriel eine Ausnähme bildet, und er wird als der hervorragendste Syrachenkenner und sogar als Kundiger sämmtlicher 70 Sprachen gerühmt. Darüber laute: die talmudiiche Legende: Als die Bilderschrift׳ kundigen Pharaos von dem Entschlüsse des Letzteren, Josef zum zweiten Regenten zu erbeben, Kenntnis empfingen, machten sie demselben folgende Vorstellung: ,Herr und Königs, sprachen diese, ,wirst Du denn uns und Dein ganzes Volk einer solchen unerhörten Schmach preisgeben, indem Du einem Knechte, den man um 20 Silberstücke gekauft, die Zügel der Negierung geben willst? Wahrlich, ein solcher Vorgang widerstrebt doch der uralten egyptischeu Sitte und dem bekannten Gesetze, dass nur adelig Geborene regieren dürfen.* Darauf erwiderte Pharao: ,Ich bemerke an Josef viele Symptome seiner adeligen Herkunft.׳' Darauf die Bilderschriftkundigen: ,Wir fordern, dass er ein gewandter Sprachkenner sei." Sofort machte sich der Engel Gabriel geschäftig an's Werk, kam dem Josef als rettender Genius zu Hilfe, lehrte ihn sämmtliche 70 Sprachen in einem Momente, deren auch Josef mächtig wurde. Tags darauf verkehrte Josef in Gegenwart Egyptens Priester mit Pharao in allen fremden Sprachen. Wider ihren Willen mussten die Bilderschriftkundigen dem Josef als zweiten Regenten ihre Huldigungen darbringen. ־ (Fortsetzung folgt.) Unsere FachMnngen und ihre ehemalige Mustkdeilage (von W L n rr a ch e t.) V. Wenn wir aber dennoch den Gemeindegesang wünschen und anstreben, so meinen wir damit nicht etwa den Kunstgesang — das ist nicht die Beschäftigung für Alle und Jeden, nur Eingeweihte und des Gesanges Kundige können und dürfen, besonders im Gotteshause, singen und mit dem Klange ihrer Stimme unsere Seele laben — sondern es ist vielmehr damit die rege Activität der Gemeinde beim Beten gemeint, Lass nämlich die Gemeinde den Cantor im Gebete thatkräftig und in hergebrachter Weise unterstütze und somit auch selbst wahrhaft bete. Das ist ja eben der ganze Uebelstand der gegenwärtigen, gottesdienstlichen Verhältniße, sowohl im neologen wie im orthodoxen Lager — dass die Urbestimmung unseres Gottesdienstes leider immer mehr verkannt und derselbe in Folge dessen auf falsche Bahnen geleitet wird; deshalb müssen auch die verschiedensten und wunderlichsten Experimente mit ihm angestellt werden, um wenigstens ein leidliches Fortkommen auf dem einmal eingeschlagenen, stolperigen Wege zu ermöglichen. Was ist denn eigentlich der ideale Gedanke der so gewichtvollen, gottesdienstlichen Institution von 0ba8an und ULujau? Warum müssen eS gerade zehn erwachsene. Mannspersonen sein, wenn gemeinschaftlich und in vorgeschriebener Ordnung gebetet werden soll, und warum muss Einer unter diesen zehn Zusammenbetenden da sein, der — so zu sagen — den intellectuellen Anführer der übrigen Neun zu repräsentieren bat? Eben deshalb, um uns damit zu Gemüthe zu führen, wie eng der Contact zwischen Cantor und Gemeinde sein muss, wenn das Gebet ein einheitliches und gemeinsames, also ein vollkommenes und daher gottgefälliges werden soll. Die Zehnzahl, in Beziehung auf selbstständige und religiös-unabhängige Personen, istdas Minimum eines gemeindlichen Begriffes «“אין עלה פד1זת מעשרה מגילה כג י)♦ Und so wie die Gemeinde ohne die Mitwirkung eines Anführers und Vorbeterß*עיבר לפני ■ התיבה) nicht ge׳ meinschaftlich zu beten vermag, ebenso ist das Gebet für Null und Nichts anznrechnen. wenn ihm die gehörige Mitwirkung der Gesammtgemeinde fehlt; denn wenn Einer nur von der eine G em ein de bildenden Zehnzahl sich trennt, ist die ganze Geschlossenheit und Zusammengehörigkeit des ״Minjans“ zerstört und in ein völliges Nichts aufgelöst. Welcher Art nun die Thätigkeit der Gemeinde im Gottesdienste fein muss, und wie sie sich in ihrer vollen Entfaltung gestalten soll, ist ja Jedem, der auch nur einen oberflächlichen Einblick in unser Gebetbuch thut und sich mit den darin befindlichen Gebeten einigermaßen vertraut zu machen sucht, vollständig bekannt. Cs ist nämlich ein fortwährender Gebetwechsel zwischen Cantor und Gemeinde, in dem sie sich gegenseitig decken und wechselweise in Text und Melodie ablöien und ergänzen müssen. Und wie in einer Fuge das ganze Tonstück zur ׳ lächerlichen Misgestalt wird, wenn der .Gefährte" seine Schuldigkeit' nicht thut und beim tactmäßigen Einsätze seines Parts den rechten Augenblick verfehlt, oder wenn er mit seinem .Führer' in der ihm vorgeschriebcnen contrapunktischen Uebereinftimmung zu verbleiben sich nicht bemüht; ebenso ist unser Gebet vollständig werth- und zwecklos, wenn die Gemeinde ihre ihr zukommende Mitwirkung versagt und ihrem Führer — dem Cantor — die G e sä hrtensch a ft nicht in gehöriger und zukommender Weife leistet. Die heiligen, engen Bande, die den Cantor mit seiner Gemeinde im gemeinsamen Gebete vereinigen, sind dann gelockert und gelöst, und auch das Gebet hat dann seine Wirkung und seinen inneren, geistigen Gehalt gänzlich verloren. Diese nothwendige Verschiedenheit im Wirken — der ' Gottesdienst muss unbedingt als ein solches Wirken von ungleichartigen Kräften und Zielbestrebungen angesehen werden — äußert sich nicht allein in der ganzen sichtbaren und unsichtbaren Natur, sondern noch mehr und deutlicher in der göttlichen Musikkunst. Ein Solist kann wohl ans kurze Weile ein kunstsinniges Publikum durch seine bewunderungswürdige technische Fertigkeit und seine bis zur höchsten Vollkommenheit ausgebildete Finger- oder Halsgeläusigkeit in begeistertem Entzücken mit sich sortreißen; aber diese Virtuosität ist wohl ein Kunststück, die eigentliche Kunst ist sie nicht. Die wirkliche Kunst verlangt vielmehr die Verläugnung der eigenen Individualität und ein Aufgehen derselben in das Ensemble-All der Harmonie, und nur wo diese letztere das Heraustreten eines ,Ego' aus der Gesammtheit erlaubt und für gut findet, da erst hat das Solo Berechtigung und Anspruch auf den geheiligten Namen ״Kunst". Diese Wahrheiten ׳finden wir schon in der heil. Schrift, u. zw. durch den Feuermund des hell- und scharfsehenden Jesaiah deutlich . ausgesprochen. Als er uns die Art der Verherrlichung Gottes durch die reinsten und ätherischsten himmlischen Wesen — die Seraphim — schildern und nach menschlichen Begriffen uns vergegenwärtigen wollte, hat er die Vorbereitung zu dieser hochsten That der Schöpfung mit den wenigen aber inhaltreichen und bedeutungsvollen Worten charakterisirt:1אמל Nl אל NI 1קרא♦ ,Und es rief Einer dem Andern zu und spracht. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass dieser so einfach klingende Satz,

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