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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-04-30 · Heft 14 (30.4.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 14 (30.4.1886)
Date
1886-04-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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wandtschaft zu densemitischen Sprachen steht, welche die Juden dieser \ WelttheilS mit solcher Vorliebe und solchem Eiser pflegen. Die Juden > Asiens kamen׳ daher über den Ganges, den Hauptstrom Indiens, in ׳welchem Laude nebst den einheimischen auch die beiden semitischen .Sprachen, das Arabische und Persische ungemein verbreitet sind, nicht heraus, und Caleutta war noch vor vierzig Jahren die letzte jüdische -Gemeinde Süd- und Ostasiens. Die jüdischen Gemeinden, die sich .heute in Hongkong, Schanghai und Jokohama finden, datiren nämlich , erst aus der neuesten Zeit und wurden von dorthin eingewauderten, -englischen, deutschen, französischen und amerikanischen Inden gegründet. Auch nach Siam sind in der neuesten Zeit einzelne Juden gekommen,;um dort zeitweilig zu bleiben, aber dauernd wollte sich keiner derselben dort niederlassen. So starb erst vor drei Jahren ein galizischer Jude׳ Namens Goldmann, der auf seinen abenteuerlichen Wanderungen durch daS östliche Asien auch nach Siam kam, wo er etliche Jahre verblieb -und dasselbe daun mit großen Neichthüinern wieder 'verließ. Diese Sch eu der Juden vor Siam und seinen Bewohnern konnte indeß den?uro-;päisch erzogenen und hochgebildeten König dieses Landes, Chululonkoran, nicht abhalten, einen jüdischen Kaufmann, Herrn Schönberger, zu seinem Consul in Wien zu ernennen, und er lieferte so den Beweis, dass Bildung und Wissen von allen confessionellen Vorurtheilen frei macht. Heute haben wir wieder von einem Juden zu erzählen, der die Gunst dieses Fürsten sich in einem so hohen Grade erworben hat, dass dieser ihm gestattete, einige Minen auf der Halbinsel Malacca, die noch zu Siam gehört, auszubeuten und ihm zugleich auch jede mögliche Unterstützung dabei zusagte. Derselbe heißt Angelo Luzzati, stammt aus der oberitalienischen Stadt Asti und ist seinem .Berufe nach Ingenieur. Im vergangenen Februar kam Herr Luzzati, der bisher in Indien gelebt und gewirkt hatte, mit einem Empfehlung«- schreiben des Vicekönigs dieses Reiches, Lord Dnfferiu, an den englischen Gesandten in Bangkok, der Hauptstadt Siams, nach dieser Stadt, um dieses Land, besonders aber die schon genannte Halbinsel Malacca, die man ihres ungeheuren Goldreichthums wegen gemeiniglich die goldene Halbinsel nennt, geologisch zu durchforschen. In Bangkok angekommen, gelang es nun Herrn Luzzati, sich bald die Sympathien der dortigen europäischen Colönie, besonders des englischeu Gesandten, zu erwerben, so dass er schon nach kurzem Aufsnthalte Zutritt in die besten Häuser und Kreise fand. Bald darauf wurde er auch vom Könige Chululonkoran zur Audienz befohlen, und die Gunst des Landesfürften öffnete ihm die Pforten der Großen des Reiches. Einen besonderen Freund fand er an dem dortigen Minister des Auswärtigen, Prinz Chrom Mon Deva Wsngtze. der gleich seinem Souverän eine gründliche, abendländische Bildung besitzt. 'Unser Glaubensgenosse verstand es, sich in kurzer Zeit bei diesem Staatsmanne so beliebt und geachtet zu machen, dass dieser ihm im vergangenen Mai in Begleitung eines hohen siamesischen Functionärs und auf einem eigens hiezu ausgerüsteten Kriegsdampfer nach der ..Halbinsel Malacea schickte, damit er dis ärarischen Bergwerke durchforsche, und er gab ihm auch die nöthigen Einpfehlnugsschreiben an die dortigen Statthalter mit. Nach seiner Rückkehr nach Bangkok .überreichte er dann seinem Gönner, dem Minister des Auswärtigen, ein Memorandum über die Ergebniße seiner Forschungsreise, das dieser dem Könige unterbreitete. Dieser befahl nun, das Schriftstück ins Siamesische zu übertragen, es auch auf Staatskosten drucken zu lassen und es dann im ganzen Lande zu vertheilen. Als Lohn für seine Arbeit erhielt der Autor des Memorandums von der Krone ein Stück Land in der Provinz Baugtaphen, das zehn Meilen lang und vier Meilen breit ist, überwiesen, um auf demselben Nachgrabungen nach Gold austellen zu lassen. Auch eine pecuniäre Unterstützung zur Durchführung seines Unternehmens wurde ihm von der Krone in ׳Aussicht gestellt. Dem Beispiele des Königs folgend, beeilten sich die ׳Minister, ebenso auch die Großen des Landes und viele in Bangkok residireude, einheimische und fremde Capitalisten, Herrn Luzzati beträchtlichs Summen zur Verfügung zu stellen, so dass bis zum 1. Oetober schon 50.000 LivreS Sterling (eine Million Mark) beisammen waren. Herr Luzzati ist jetzt wieder in Italien eingetroffen, um nun auch italienische Capitalisten für' sein Unternehmen zu gewinnen und zugleich hier die nöthigen Ingenieure und Bergwerksleute in seinen Dienst zu nehmen, mit denen er ün Frühlings nach Siam zurückkehren wird, um dort an die Arbeit zu gehen. Viele Europäer in Bangkok, die sich schon seit Jahren vergeblich bei der siamesischen Regierung bemüht haben, um von ihr die Concessiou zur Ausbeutung einiger Bergwerke zu erlangen, sahen es daher mit Neid, dass Herrn Luzzati binnen kurzer Zeit Las gelungen ist, wonach sie schon seit Jahren gestrebt. Der ,Siam Weekly Advertisor", der in Banzkook erscheint, nennt diese Concesjionsertheilung an Herrn Luzzati, ,eines der wichs tigsten Ereigniße des Jahres 1885 im Königreich Siam*. Die italienischen Blätter sind daher jetzt nicht wenig stolz auf ihren wackeren und tüchtigen Landsmann. Die Juden in der lvüste 5ahara. Ueber die Juden in der Wüste Sahara theilt ,Jewish World* das Folgende mit r Ein Reisender berichtete, dass er vor etwa fünf Jahren auf einer Tour von Tripoli nach Malta auf dem Schiffe die Bekanntschaft eines Mohamedaners machte, welcher sich Hassan Nafiz nannte, ein Sohn des Kadi von Jkuba und Jman von Kenka war. Er befand sich schon achtzehn Monate unterwegs, um das Grab Muhameds zu besuchen. Als er bemerkte, dass der Reisende Thesillin anlegte, erzählte er ihm, dass er auf seiner Wanderung durch die Wüste Sahara in Ghat, an der Westgrenze von Fezzan, welche Stadt von einem unabhängigen Scheik regiert wird, Aufnahme in dem Hanse eines Kaufmannes, Namens Mustapha, fand, wo er während einer Krankheit gepflegt wurde. Eines Tages sah er, wie sein Wirth in einem Buche las, dessen Zeichen ihm unbekannt waren. Er fragte ihn nach der Beschaffenheit des Bnches, worauf Mustapha ihm einen Eid abnahm, dass er nicht vcrrathe, was er ihm mittheilen wolle. Er sei nämlich kein Muselmann, sondern ein Jude, und das Buch sei eine hebräische Bibel, welche er aber nur lesen, nicht verstehen könne. Er erzählte ihm ferner, dass seine Vorfahren sich in Ghat bald nach dem Tode Königs Salomo niedergelasseu hätten, da sie hier Goldminen entdeckt. Es lebten noch mehrere Juden in der Stadt, welche sich gleich ihm öffentlich zum Islam bekannten, und zwar aus Furcht vor der Bevölkerung, aber im Geheimen dis Religion ihrer Voreltern ausübten, durch Gebet und Opfer im Namen Mosis und Königs Salomo. — So lange er in dem Orte war, habe er dieses Geheimnis bewahrt, jetzt aber sei er nicht mehr au seinen Eid gebunden, und meine, den Leuten einen Dienst zu erweisen, wenn er dieses ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern miitheile. Der Neilende schenkte jedoch dieser Erzählung wenig Glauben, aber in Malta angekommen, erzählte, er eS dem Rabbiner von Tripoli, welcher gerade dort anwesend war. Dieser war aber der Ansicht, dass viele der Einwohner von Ghat Abkömmlings der »Zehn Stämme" wären (?), welche sich vor der Zerstörung des ersten Tempels daselbst niedergelassen hätten. Einige Monate darauf traf der Reisende in Venedig einen in Tripoli wohnhaften italienischen Kaufmann, der in Ghat gewesen war und das Land genau kannte. Dieser erzählte ihm, dass es keinem Zweisel unterläge, dass ein großer Theil der Einwohner von Ghat jüdischen Ursprunges wäre. Da diese sich aber in keiner Weise ven der übrigen Bevölkerung anszeichnen, so könne man nur nach sehr langer und genauer Bekauntschast einen charakteristischen Unterschied wahruehmeu. Auch dic Mohamedaner wissen, dass viele unter ihnen von den Israeliten abstammen, da sie aber sämmtlich sich zum Islam bekennen, so belästigen sie sie nicht. Was die Angabe Mustaphas an-

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