Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 14 (30.4.1886)
- Date
- 1886-04-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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betrifft über die geheime Ausübung der jüdischen Religion, so | vermochte der Kausmanu dieselbe rveder zu bestätigen noch in Abrede zu stellen. Hinsichtlich ihrer Abstammung war er jedoch der Ansicht, dass, sie Nachkommen der Gefangenen wären, welche nach der Zerstornng des.zweiten Tempels von den Römern fortgeschleppt wurden. Es ist bekannt, dass 80.00V Znden nach Sardinien gebracht wurden, um in den Bergwerken zu arbeiten. So wäre es wahrscheinlich, dass auch zu dem gleichen Zwecke einige nach Ghat verschickt wurden. Es wäre auch möglich, dass sie von tunesischen Juden abstammten, von welchen mebrere Hundert nach der Invasion der Vandalen in Tunis dorthin geflohen wären. Im Laufe der Zeit hätten sie ihre Religion vergessen und die Gewohnheiten der Eingeborenen ange- . ncmmen. Sie unterschieden sich von den anderen Einwohnern nur durch die Vornahme der Beschneidung am achten Tage und durch die Enthaltung von schwerer Arbeit am Sabbath. Sie bekennen sich auch selbst zu ihrer israelitischen Herkunft, auf welche sie stolz wären, und erkundigten sich bei Reisenden nach den Juden anderer Länder. Viele von ihnen wären Handwerker und Bauern, eine große Anzahl aber Krieger, welche an den früheren Streifzügen in benachbarte arabische Staaten theilnahmen. Jcschurun. Ktterarisches. Wessen Herz fühlt sich nicht in dieser Jahreszeit zum innigsten Danke gegen den Herrn des Lebens verpflichtet? Ist doch so manches treue Haupt vom Sturme des eisigen Gastes dahinHerafft worden, und nur der emsig schaffende Geist, er überdauert Menschengeschlechter, wie der Keim im Schoße der Erde, zum immer wieder neue Frühlingsblumen zu zeitigen. ,Auf rosenfarbenem Gewölk, mit jungen Blumen umgürtet, sinkt nun labend der Frühling vom Himmel.* Und wir Männer eines hlg. Berufes, die wir durch die Kunst des göttlichen Sanzes köstlichen Balsam in das Herz des Gläubigen von der Wiege bis zum Grabe gießen, wir wollen die Frühlingsgabe, die uns aus Freundeshand gereicht wird, dankbar annehmen und hiemit die Thätigkeit und das Schaffen eines der Würdigsten unter uns > vollauf anerkennen. Ad. G r ün z w e i der Componist der ״Semiroth scbel Scbabbath“, bietet uns ein neues Werk, das in der großen Auswahl der Casualstücke, im Werthe der musikalischen Aufsassung der Texte, in der Fülle des Melodienreichthums und des leicht dahin fließenden Satzes neben dem Besten stets seinen Platz behaupten wird. Die Sammlung — 16 Casualien, Trauungs-, Leichen und Nequiemgesänge für Solo und Chor, mit und ohne Orgelbegleitung— ist unserem Freunde und Collegen, Herrn Jakob Baue r, Obercantor der türk.-isr. Gemeinde zu Wien, gewidmet. Wer",kennt nicht den Namen Jakob Bauer? Gleich dem Urahn Jakob stritt er für Recht und Wahrheit, um aus uns, den M68cbubodim, die nicht wagten aufzuathmen, B’ne CJhorin zu machen, um uns zu führen zur Einheit, um Gesetze und Rechte zu schaffen, die uns schützen sollen vor Noth und Unheil. Er, der Begründer einer Zeitung, welche auch im Auslande mit großem Interesse gelesen wird, hat uns den Weg gezeigt, den 1 wir wandeln sollen, und sich dadurch die Achtung und Anerkennung der Collegenschaft erworben. Nun zu dem Werke selbst, das ein feierlicher Ma towu, für Chor und Cantor in B-Dur, n״* einem wirkungsvollen Orgel-Präludium einleitet. Kunstvoll, doch leicht und fließend ist die Stimmführung; besonders hervortretend bei der Stelle waani s’filosi. Ein audachterweckendes Opus. —Vier verschiedene Bearbeitungen der Benediction Borueb babbob mit folgenden Mi addir, für Cantor und Chor,' werden nicht nur auf das׳ Brautpaar, sondern auch auf die Gemeinde erhebend und wohlthuend cinwirken. Besonders anpassend der bräutlichen Stimmung sind Nr. 7 Mi addir D-Dur und Nr. 8 Mi addir Es-Dur. Der Mebero-Chor ist packend, die As-Dur Tonart con spirito zur Freude auffordernd, wird überall ihre Schuldigkeit thun. Ein Brautlied bildet der Trauungsgesänge Schluss. Der feinfühlende zartbesaitete Poet des deutschen. Textes konnte seine Muse keiner besseren Hand anvertraüen. Text und Musik sind innig verschmolzen, und alles geht in wonnigen Accorden auf. Die Leichen- und Requiem-Gesänge sind dem pietätsvollen Zwecke entsprechend, melodisch wie harmonisch meisterhaft bearbeitet. Im Geiste erblicken wir wehmüthig unsere lieben Heimgegangenen wieder erstehen. Die Psalmverse ״!Crackern ow al bonim* stimmen seelenvoll und führen unseren Blick flehend aufwärts. Meines Erach- Leus wäre es aber gerechtfertigter, den Uebergang nach A-Dur zu der Solostelle Ennoscb k’cbo zir jowesch außer Acht zu lassen, und die Führung der A-M011 Tonart weislich beizubehalten und erst in den letzten acht Tacten eintreten zu lassen; doch soll diese Andeutung durchaus kein Tadel sein, sondern nur meine bescheidene Auffassung unverblümt bekunden. So mögen diese neuen Casualien des Herrn Musikdirectors Ad. Grünzweig ihren Weg mit Glück antreten zum Segen, zur Freude, zum Tröste und zur Erbauung, und diejenige Theilnahme bei Collegen und Gemeinden flnden, welche diese vorzügliche Arbeit verdient. — Die Ausstattung in Druck und Papier lässt nichts zu wünschen übrig und macht der Firma I. Eberle in Wien alle Ehre. M. T i n t n e r, Bunzlau. Neu erschienene Bücher: Wertheimer Josef Ritter von. Gesinnungstüchtigkeit » des jüdischen Stammes in humaner und staatlicher Beziehung und dessen Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten des menschlichen Wissens und Könnes. (57 S.) Preis 50 kr. Pestalozzi I. Antisemitismus und Judenthum. Ein [ Beitrag zur Beleuchtung der Stöcker'schen Agitation. (69 S.) 1 Mk. 40 Pf. 80 kr. K a r peles Gustav. Geschichte der jüdischen Litteratur. 2 Bände, gr. 8. geheftet 18 Mk. 50 Pf. ----- 11 fl- 25 kr., gebunden 21 Mk. 12 =־ fl. 80 kr. Delitzsch F. Prolegomena eines neuen hebräisch aram- Wörterbuches zum alten Testament. 8 Mk. ----- 4 fl. 88 kr. Traktat Rosch ha Schanah mit Berücksichtigung der meisten Tosafor. Ins Deutsche übertragen von M. Nawicz. 3 Mk. 1 fl. 80 kr. NB. Die angeführten Bücher sind durch die Buchhandlung N. Löwit, Wien, I., Nothenthurmstraße Nr. 22 zu beziehen. H. Ausweis. Für die Wittwe des dahingeschiedenen Collegen und Vereinsgenossen, I. Schwarz in Drosau, sind nachfolgende Beiträge eingegangen: College I. Schäfer, Baden . . . י .. 3 fl. ff L. Friedländer, Silhos Bolhas.. . ״ 1 tt I. Körner, Smichow.. . . . ״ 1 ״ H. Bermann, B.-Leipa .. ״ 1 ״ S. Gütig, Kladno.. ״ 1 ׳/ S. Singer, Wien. 1 .. ׳/ Anonymus . . ... ... '. ׳׳; . . ״ 1 ״ A. Hahn, Teschen . .. ״ 1 ״ M. Salzer, Tulln . . . ."^.. . . ״ 1