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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-04-30 · Heft 14 (30.4.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 14 (30.4.1886)
Date
1886-04-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Synagogen anrichten. Der Zügellosigkeit und der schamlosen Ungebundenheil wird wieder Thür und Thor geöffnet, und wir gelangen zu demselben bedauernswertheu Zustande der früheren Unordnung und der Taktlosigkeit. Zeder wird sich dann hierzu berufen fühlen, mit feiner ״unwiderstehlichen" Stimme den Gottes״ dienst ,zu verschönen und zn verherrlichen«, und um sich be״ merkbar zu machen, wird er Alles zu überschreien und zu betäuben suchen, unbekümmert, ob er mit der jeweiligen Ton׳ und Taktart im Einklang sich befindet, oder nichts Und da werden alle Orgeln der Welt mit ihren noch so starken Blasbälgen nichts helfen können, um diesen verlorenen Sohn der Gehörlosigkeit und der Taktnnfähigkeit in den gebührlichen Schranken zu halten. Das ungefähr wird der natürliche Verlauf des gedachten Gemeindegesanges sein, wie er mit so großer Ostentatiou geplant und in Angriff genommen werden sollte. (Fortsetzung folgt.) Gesangs-Kriefe. (Fortsetzung.) Das Solfeggio ist ein Compendium solcher Stellen, die der Sänger zwar mit der Zeit, hier und dort, in verschiedenen Musikalien finden und ausheben dürste, um sich daran zu üben, oft sind sie aber gesammelt und in die Form eines Singstückes eingekleidet. Solche Uebungen werden aber nur aus eine Silbe oder einen Vocal, am öftesten auf den Buchstaben A gesungen, wobei der Schüler ganz eigentlich auf die bedachten Einschnitte des Athems und alle anderen Ersorderniße einer guten Haltung Rücksicht nehmen soll. Man besitzt Sammlungen solcher Solfeggi von sehr guten alten Meistern, z. B. Leo und Durante. Sie sind für Heranwachsende Sänger vortrefflich. Für das Bedürfnis jüngerer Schüler sind sie seltener. Der jüngere wie der ältere Sänger kann von dieser leichten Kunst viel Vortbeil ziehen, wenn sie nur beide einen lieben Lehrer finden, der es bei dem Unterrichte nicht daraus anlegt, seiner eigenen Eitelkeit zu sröhnen und seine Kunst aus eine strenge Art gellend zn macken, wobei man glauben muss, er lehre eine rechl bitter schwere Kunst. Oie Schüler, wie die Umstehenden, sollten im Gegentheilc glauben, es sei kindleicht, schön zu singen, man könne cs gar nicht anders! Es ist ja nicht allein bei dem Gesänge, sondern bei allem Unterrichte wahr, dass das frohe, muntere Gesicht, der lebhafte Vortrag, wo der Zögling alles begreift und fühlt, wie warm der Lehrende seinen Gegenstand umfasst, ohne sich den Anschein davon zu geben, wahre Wunder bewirken. Aber freilich sind diese Wunder noch etwas selten, denn man erkauft diese Lsbrart nicht oft. Sie wird denen nicht leicht, die das Erziehungslach wie erneu Broderwerb er -greifen und berrachten, die den ängstlichen Eltern schon im ersten Jahre sozusagen ausrechnen sollen, was die Kinder für das gespendete Honorar auszuweisen haben. — So unterrichten nur Mütter, Freundinnen, Schwestern, Väter, Brüder und liebende Menschen, die in der blühenden Jugend das kommende Menschengeschlecht glauben an bie wallende Brust zu drücken, die, wo sie gehen und stehen, den schönen Samen ansstreuen, unbekümmert, wer einst die Blumen pflücken werde! Mannigfaltigkeit in den Singunterricht zn bringen, ohne die Stufe zn überspringen, ans der ein Schüler steht, ist ein vortreffliches Mittel, ihm eine vielseitige Stimmcnausbildung zu verschaffen, die einst dem vollendeten Sänger eigen sein muß. Es wäre zwar ganz bequem, wenn Meister und Schüler nur den von verschiedenen Schulen aufgestellten Uebungen, die ihnen als Studien mitgetheilt werden, um diesen Zweck zu befördern, zu folgen hätten. Allein diese können nur als Mustercharte dienen, weil künftig der Schüler sich seine Uebungen nach den eigenthümlichen Bedürfnißen seiner Stimme bilden soll. Es ist zu wünschen, dass wenigstens zwei Zöglinge zusammen den Unterricht genießen; ja selbst mehrere können im Anfänge keinen Schaden bringen, sich vielmehr ablösen, damit man nie verleitet werde, einen Zögling zu anhaltend singen zu lassen. Auch dient die mehrere Zahl zur Nacheiferung. Trifft sich indessen der Fall, dass man dem einzelnen Zögling eine ganze Singstunde widmet, so müssen Pausen bei dem Gesänge beobachtet, werden, während welcher man sich mit der Theorie der Muffik beschäftigt. Der Lehrer singe den Schülern oft solche Uebungen vor, die nicht geschrieben stehen, und lasse sie dann nach der Reihe das Vorgesungene nachsingen. Dies bildet das Ohr ganz ungemein und entwickelt eine schnelle Fassungskraft, die weiterhin dem Sänger Hilst, das fest zu halten und aufzubewahren, was er Vorzügliches von guten Sängern vernimmt. Dadurch werden auch die Schüler sehr aufmerksam auf die Fehler. Der Eine spiegelt sich am Andern, es erweckt Nacheiferung und führt zu schnellen Fortschritten. Aus diese Weise kann man täglich neue Uebungsveränderungen mit ihnen vornehmen, und besonders am öftersten das Wiederholen, was die größte Uebung heischt, z. B. der Triller mit der großen und kleinen Terz; Alles, was dem Einen oder dem Andern nach seinen vielleicht mangelhaften Naturanlagsn am schwersten fällt; lange anhaltende Töne in stufenweiser Folge, Mordente, Vorschläge, Nachschläge, Anschläge, halbe Tongänze, getragene, geschliffene, gestoßene Töne, kurz abgesetzte und längere Läuse, Passagen, die aber nie schwerer sein dürfen, als sie der Zögling mit seinen gemachten Fortschritten zwingen kann, gehören alle hierher. Auch können die Zöglinge, wenn sie die erste Grundanlage der haltenden reinen Töne vollkommen besitzen, dann und wann im Unisono zusammen, oft sich die Töne abnehmend, singen, so dass der zuerst Anstimmende den Grundton scsthält, den er dann mit der Terz, Quinte und Octav verwechselt, während die auf ihn folgenden Schüler die nämlichen Töne in gleicher Bewegung forthalten, so dass sie den vollkommenen Accord bilden, und ihn drei- oder vierstimmig mit einem 6r6866näo anshalten; dann können die Mittelstimmen die Quinte mit der Sechste, und die Terz mit der Quart vertauschen, und durch die Septime wieder in den ersten Accord zurückkehren.-Dies ist eine Uebung, die, weit entfernt des jungen Sängers Intonation zu verderben, sie im Gegenrheil sehr befestigt. Bei aufmerksamen Meistern und Schülern kann das frühe Zusammensingen mehrerer Stimmen schaden; bei umgekehrtem Fall, ans den man rechnet, aber große Vortheile für die Abwägung der reinen Zntonarion bieten. Diese Uebung spannt die Aufmerksamkeit, und durch sie lernen die Schüler 'die ersten Elemente der Accord- Veränderungen. (Fortsetzung folgt.) Jüdisches ans Asten,und Afrika. Die Juden in Äam. Das Königreich Siam gehörte bis in die neueste Zeit zu den Ländern, welche von den Juden grundsätzlich gemieden wurden, weil die Religion und die Sprache ihrer Bevölkerung sie von einer Ansiedelung abgeschreckt haben. Die Religion der Siameser ist bekanntlich der crasseste Buddhismus und in einem weißen Elephanten verehren sie das Symbol der höchsten Gottheit, während ihre Sprache wieder, zu dem indo-chinesischen Sprachenzweig gehörend, in. gar keiner Ver-

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