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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-04-14 · Heft 13 (14.4.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 13 (14.4.1886)
Date
1886-04-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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nicht verbürgten Nachricht des Eucherius, der jedoch weder bei :heidnischen noch bei christlichen- Schriftstellern Erwäbnung geschieht — und sei hierauf von Maximinianus, dem zweiten Augnstus, ohne Widerstand niedergemacht worden. Zuerst verfolgte Diocletian die ketzerischen Manichäer, auf Veranlassung des Proconsul Ju ianus. Die unmittelbare Veranlassung ward ,gegeben, als bei den Auspicien, die er veranstaltete, die gewünschten Zeichen nicht zum Vorschein kommen wollten und die Auguren die Anwesenheit der Christen als Grund angaben, weshalb die Opfer nicht günstig seien. Er gab hierauf den Befehl, dass die christlichen Soldaten zum Opfer gezwungen oder entlassen werden sollten. Dem unaufhörlichen Drängen des .Galerius nachgebend, sehr gegen seinen Willen, ließ er sich .nach Befragung des Apollo dazu bewegen,- die Christen aller Rechte .zu berauben und ihre Kirchen zu zerstören. Der Anfang wurde in Nikomedia gemacht. Am folgenden Tage wurde publicirt, dass die Kirchen zu zerstören, die Christen ihrer Würden, oder falls sie niedrigen 'Standes, ihrer Freiheit zu berauben seien, .dass die Gerichte keine Klagen von ihnen, aber jede Klage wider sie über Verletzung der Ehre und des Eigenthums anzunehmen hätten. (Fortsetzung folgt.) Mterarisches. Die Tonarten des traditionellen Synagogen- .gesanges (Steiger), ihr Verhältnis zu den Kirchentynartenund den Tonarten der vorchristlichen Musik- Periode, erläutert und durch Notenbeispiele erklärt von Obercantor I. Singer, Wien 1886. Verlag v o n Em. Wetzler. Preis 60 kr. —• Vor Allem drängt es mich, ein herzliches יישר כחך dem Verfasser dieser epochalen Schrift zuzurufen. Diese 19 Seiten sind bedeulungsreich nicht nur für den gefang- .lichen Theil, sondern auch für den Text der liturgischen Gebetstücke. Glänzend bewährt sich Juda Halevy's Behauptung in seinem philosophischen Hauptwerk Kusari (gegen Ende des מאמר שטי ecl Brecher p. 77a und b). dass die Musik bei den Juden der vorchristlichen Zeit in hoher Blüthe gestanden, und zwar die National- Musik. Denn eine solche kann doch wol nur. der Psalmist in den Worten: ,Singetuns von der Sangesart Zion's" * 1שירונלנו משיר ציוץ) (Psalm 137, Vers. 3), als der Stätte des Tempels gemeint sein. Dieser Ansicht des gottbegnadeten Dichters und Sängers׳ und Jehuda Halevy's tritt auch der ,Führer der Verirrten', der große Maimonides in seinem More I Cap. 71 bei, indem er sagt: .Viele Wissenschäften und Künste besaß Israel ursprünglich, aber als die fremden Nationen bei uns zu herrschen ausingen, giengen auch diese zu ihnen über, und da wir in der Folge etwas von ihnen gelernt, glauben wir, dass der Ursprung dieser Künste und Wissenschaften ihnen zu verdanken ist, während das Gegentheil der Fall ist. Dorr Jizehak Abra- .vonel, Asai'ja de Rossi in seinem Meor Enajirn 2) und dessen Zeitgenosse Rabbi Jehuda Provencali pflichten diesen Anschauungen bei. Dass die heutige Musik sich aus der Kirchenmusik entwickelt, ist auch dem Laien wolbekannt, dass jedoch die Kirchenmusik auf die Musik des Tempels in Jerusalem z u r ü ck g e h e n m ü s s e , war, ^) Unserer Auffassung nach stammt das Wort שייך Lied von der Wurzel שוך, wie in der That dieser Stamm sich in Sam. I. Cap. IS Vers 6 findet. שייך aber bedeutet nach Gesenius' Wörterbuch (8. Auflage 1878 p. 836) ן״ i ch e inp o rh eb en", so dass שייך der sich emporhebende Gesang" bedeuten und dem Worte scala oder dein urdeutschen Steiger von st e i g e n gleichkäme. Diese etymologische Erklärung des Wortes שיר zeugt schon dafür, dass die Juden der vorchri stlichen Zeit ihre .eigenen Synagogentonarten besaßen. 2 Cap. 60 p. 294 a und b in der Wiener Ausgabe. so selbstverständlich es auch war, nicht allgemein anerkannt» Allerdings hat schon Saalschutz im ersten Theile seiner Archäologie der Hebräer (Königsberg 1855, pag. 293) angeführt, dass Martin i, ein als Theoretiker, Componist und Gründer einer der ausgezeichnetsten italienischen Musikschulen, in seiner 8toria della musica den christlichen Choralgesang aus dem hebräischen Tempelgesang herleitet, und er selbst bringt den Beweis, dass Ambrosius den orientalischen Kirchengesang wiederherstettte, wie Augustinus berichtet: tune hymni et psalmi ut canerentur secundum morem orientalium partium institutum est. Den Nachweis jedoch, dass die Scala des ,Jischtabach-Steiger' eine mit keiner christlichen übereinstimmende ist, wie ferner, dass dieser Steiger in den meisten Melodien der altsynagogalen-Gesangsliturgie sich wieder findet, hat Obercantor Singer schlagend erbracht, und dadurch nicht um den Beweis geliefert, dass die Juden ihre eigene Musik, u. zw. Tempelmusik hatten (denn nach echt-jüdischer Anschauung darf man Gott allein verherrlichen, siehe V. Mos. Cap. 6, Vers 13), und damit Richard Wagner und dessen Nachbeter und Nachtreter aus dem Felde geschlagen, sondern auch für das Alter der Gebetstücke und für deren Wichtigkeit einen Beleg verschafft. Dass das eigentliche Gebet erst mit Jischtabach beginnt, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Nach Znnz' Ritus p. 2 ist sogar Alles, was im Morgendienste-, dem Sch'ma vorangeht, auch die Psalmrscitation nur Brauch. DasKaber schon in der vorchristlichen Zeit das Jischtabach und die folgende Verherrlichung des Schöpfers des Weltalls und des Lichtes derselben, der Sonne nämlich, recitirt wurde, erhellt aus zahlreichen Stellen der beiden Talmuds schon in den Mischnajoth?) Man beachte nnn, dass notorisch uralte Gebetstücke, wie- Wehakohanim, Owinu malkenu, Tikanto schabbos, Ledor wodor unb andere in dieser echt-jüdischen Tonart sich finden, und mam wird abweichende Melodien in anderen Gebetstücken als jüngerem Datum ungehörig mit Recht bezeichnen können. Aber nicht nur über die Gesänge, sondern auch über die Rec׳> tative, wie sie beim Vorlesen der Thora und der später hinzugekommenew Haftara geübt wurden, belehrt uns der Verfasser, und wir werden ihm sicherlich auch hieftrr herzlich Dank wissen. Dass ד" ח und י״ב einebesondere Tonart beim Vorlesen der Thora stattfindet und dass diese in der Adonoj moloch-Scala geschieht, ist umso interessanter^ als in der That das Neujahr wie der Versöhnungstaz Tage des ,Gerichtes" sind, und Gott als König der ganzen Welt gefeiert: und verherrlicht werden soll. Da uns der Aufsatz des Verfassers über Neumen und Neginoth nicht zur Hand ist, so wollen wir darauf aufmerksam machen, dasses zwei Arten von Neginoth gibt, und zwar haben die drei poetischen Bücher Thilim, Mischte und Jjob eine besondere Art von Neginoth- (נגינות־טעמים), die nach den Anfangsbuchstaben dieser drei Buchstaben׳ טעמי א״מ״ת genannt werden. Diese drei Bücher müßten besonders untersucht werden, wie das Lied Moses beim Durchzuge durch das-- rothe Meer und die übrigen zerstreuten poetischen Bestandtheile der׳ heiligen Schrift. Obercantor Singer hat, so will es mich bedünkeu, in der That erwiesen, 1. dass die Melodien des traditionellen ׳Dynagogengesanges in der Jischtabach-Tonart uralten Gepräges sind 2., dass die Scala dieser Tonart in keinem der bekannten Musiksysteme nichtjüdischer Völker nachweisbar, demnach ohne Bedenken als auf jüdischem Boden entstanden aufzufassen sei, 3., dass das Tongefüge der 3) Näheres hierüber in unserem Jüdischen Centralblatt 1886, Heft II. p. 49 ff und in unserer Studie über Asaria de Ropi in M> Noefiis Letterbode XI. Jahrgang (1886). 1) S. hierüber Lehrged. über d. Accente d. bibl. Bücher א״מ״ת nebst Com mentar von Joseph ben Kalonymos herausgegeben von Dr. A. Berliner. 1886׳

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