Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-04-14 · Heft 13 (14.4.1886) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 13 (14.4.1886)
Date
1886-04-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453057--1710-3455880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 wo die. Terz oder E erklingen muss. Die genaue Kenntnis der | aneinander liegenden Tonreihe macht ihm den Uebergang möglich. Auf die nämliche Weiie lehre ich dem Kinde in den folgenden j Stunden die Quart, Quinte, Sechste rc. suchen und treffen, und ' beweise ihm, indem seine eigene Stimme die Wahrheit finden muss, bc1|ö,. um den vierten Ton der Scala zu treffen, der Sänger den zweiten und dritten Ton ungesungen liegen lassen muss, dass man die Quinte jedesmal durch den Ueberi'prung einer großen und kleinen Terz trifft, die Septime aber, eines der schwersten Intervalle, durch eine Quinte und eine Terz oder durch einen halben Ton weniger hoch als die Oetav gesunden werden muss. Die Uebung in den näheren Intervallen befördert! das Treffen der entfernteren, und man wendet sich nie zu den Schwereren, wenn das Leichtere noch nicht vollkommen begriffen ist. Irrt das Kind in der feineren Unterscheidung seiner Töne, so laste ich es vermittelst des so nahen und begreiflichen Tonsystems seiner Finger schnell die Scala durchlaufen, halte selbst mit meiner Stimme oder dem Fortepiauo den Ton fest, dessen Angabe falsch war, bis dass des Zöglings Stimme zu ihm stößt, dann bemerkt er leicht, ob er die Quart als eine Terz, oder die Sechste als eine Septime angab. Man übt sich von der Höhe in die Tiefe und so umgekehrt, bald mit den bekannten Buchstaben c d e.f g ׳a h c, bald mir den Ziffern 1 2 3 4 5 6 7 8, oft auch nur mit dem reinen Vocal A. Gebrauchte man die Buchstabenbenennung nicht zur Verdeutlichung in manchen anderen Fällen, z. B. für den ersten Anfang, wo die Silben die Verschiedenheit der Töne fester in die Erinnerung einprägen, so würde ich glauben, der Sänger könne sie misten; denn das Treffen der Noten besteht ja weit mehr in der Fassung des richtigen Verhältnißes der Intervalle, als in der Kenntnis ihrer Benennung. Die Italiener quälen ihre Zöglinge auf eine unbarmherzige Weise durch das sogenannte Solmisiren, um sie im Treffen sicher zu machen. Doch sind unsere besseren Meister einverstanden, dass dies auf leichterem Wege erreicht werden könne. Ja, man muss fast auf den Gedanken kommen, diese langweilende Prüfung sei besonders von solchen Singmeistern gegen bessere Einsicht beibehalten worden, weil dieser Unterricht dort vielen Menschenden Unterhalt gibt, und außer dem Nationalhange leicht das oi vuvl fumo anzuwenden, muss es dem Singmeiftec dort darauf ankommen, bei der natürlichen Anlage ihrer Landsleute zum guten Gesang, ihre Kunst noch ein wenig zu verkünfteln, um ihr eine höhere Würde zu erhalten. Doch von jener Solisimirmethode, wo oft ein Zögling mehrere Jahre hindurch das do, re, mi, fa 801, la, welches Guido Aretino im Anfänge des elften Jahr- Hunderts erfand, in dem sonderbarsten Tonzirkel Herumtreiben muss, braucht unserem Schüler nichts auferlegt zu werden, da wir ihm nur das wirklich Nutzenbringende Vorbehalten wollen. Hierzu gehört ohne Zweifel derjenige Theil des italienischen Singunterrichtes, den man solfeggiren nennt und der darin besteht, dem Zögling eine Auswahl von Singstücken zu verschaffen, die ganz eigentlich für die Uebung gesetzt sind und allen Erfordernißen begegnen, die zur mannigfaltigen Ausbildung eines schönen Organs erfordert werden. (Fortsetzung folgt.) Bar-Mizwah. In Nummer 6 wird in dem Artikel mit der Ueberschrift: ״Fragmente aus dem alten jüd. Leben* das BamÜLUvali-Feft erwähnt, und der Verfasser fragt, woher dieser Usus eigentlich seinen Grund Hab e. Schon der unvergessliche Oberrabbinsr Löw aus Szegedin hat der Barmiz^vali-Jnstitution ein Kapitel in seinem Buche: ״Die Lebensalter in der jüd. Litteratur* gewidj ntet,1) und er beweist, dass dieselbe ihrem Wesen und ihrer! Praxis nach eine antitalmudische Reform ist, deren Heimat Deutschland ist. Der Ausdruck Barmizwali, welcher vor dem! vierzehnten Jahrhundert gar nicht gebräuchlich war, verrätb dies, denn bei den alten Autoren des Mittelalters heißt der Volljährige, wie im Talmud, בר עונשין. Die Orthodoxie versäumte auch nicht, ihr Misfallen darüber auszudrücken. So sagt dam. 861111 8611elomo (B. Kama 7, 13) אכן הבר מצוד. גופא לא ישר בעיני שרובן אין להם ב׳ שערות. Auch dass der Knabe erst mit dem 13. Jahre anfängt, Phylakterien anzulegen, ist antitalmudisch, nur eine einzelne Stimme» der Bal-Jtur, fordert, dass es den Knaben vor Ablauf ihres 13. Jahres nickt gestattet werde, selbe anzulegen?) In Deutschland war die Orthodoxie im fünfzehnten Jahrhunderte geneigt, unverheiratete und junge Ehemänner, in Rücksicht auf ihre nicht immer reine Phantasie, von dem Gebrauche der Phylakterien gänzlich auszuschließen אמהדי סגל שהוקשה לו על הבחורים שאין נשואים עדיין לנשים שהם מניחין תפילין ונם הנשוי כבר ועדיין רך בשנים לא ניחא שיניחים מפני שיצרן תקפה עליהן ותפילין צריכין גוף נקי Viele wollen die Barmizivali-Jnstitution aus einer Nidrasoli-Stelle deduziren. Die auf Esau und Jakob bezüglichen Worte der Thora: ,Die Knaben wuchsen heran*, begleitet der N1dra3611 mit folgendem Gleichniße: Ein Myrrhen- und ein Dornstrauch wuchsen einst neben einander. Nachdem sie zur Blüthe gelangt waren, machte sich jene durch ihren Duft, diese durch ihre Stacheln bemerkbar. Also Esau und Jakob. Bis zu ihrem 13. Lebensjahre besuchten beide die Schule, nach Ablauf dieser Zeit wendete sich Jakob den Lehrhäusern, Esau den Götzentempeln zu. Weiters heißt es daselbst: R. Eleasar sagte: ,Der Mensch muss sich mit seinem Sohne bis zum 13. Jahre beschäftigen, d. i. denselben zum Unterricht anhalten. Von nun l an muss er sprechen: ,Gelobt sei, der mich von der Strafe für diesen oder über diesen befreit. •3) Die Benediction, in welcher der Vater denkt, dass er von der Strafe befreit ist, war schon Vielen auffallend, daher erklärte Mordechai Jafe dieses, indem er sagt: ,Der Vater preise Gott dafür, dass der Sohn für ihn, für den Vater nämlich, keine Strafe mehr zu erleiden habe, weil nach dem Talmud es Sünden des Vaters sind, welche den Tod der Kinder auf übernatürlichem Wege nach sich ziehen* (Sabb. 32 b). Auch im Sifrr heißt es: אבות מתים בעד עצמם ובנים מתים בעון אבותם. Diese Ansicht ist nicht plausibel, sondern soll es nur ausgedrückt werden, dass der Vater dankt, weil er nach 13 Jahren nicht mehr das Kind bestrafen muss, wenn es nicht lernen will, da es doch heißt: אדם מתגלגל עם בנו עד שתים עשרה שנר. מכאן ואילך יורד עמו לחייו (כתובות ג), und Naschi erklärt diese Stelle: Der Vater muss das Kind bis zum 12. Jahre durch gute und freundliche Worte zum Lernen anleiten, vom 12. Jahre weiter muss er es züchtigen. I) S. 210. -) Im Talmud heißt es: קטן היודע לשמור תפיליו ק2ן חייב לחנכו <םוכה מב) siehe Tur und Beth Josef, D. Chaim, K. 37. 3) Merkwürdig in Tanchuma in P. Toldoth heißt es, dass Jacob und Esau bis zum 15. Jahre die Schule besuchten, demgemäß begann die religiöse Mündigkeit erst mit dem 15. Jahre. Dass der Vater aber eine Benediction spräche, wird in Tanchuma gar nicht erwähnt. Es wundert, dass der selige Löw, welcher über Bararizwah erschöpfend schreibt, ine fei* Tanchuma nicht erwähnt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.