Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 13 (14.4.1886)
- Date
- 1886-04-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Betheiligung ist geradezu unerlässlich bei einer Arbeit, wie die in Rede stehende, wo der Gegenstand derselben nicht das Eigenthum eines einzelnen Individuums, sondern das edle, unveräußerliche Gut eines ganzen Volkes ist, wo es sich darum handelt, eben dieses nationale Eigenthum zu fixiren und es für alle Zeiten echt und unverfälscht zu erhalten; eine solche Arbeit darf nicht der individuellen Eigenheit, oder der willkürlichen Liebhaberei eines Einzelnen überlassen werden, sie muss vor den Augen des ganzen Volkes gethan werden, damit es die Arbeiter controliren und die Arbeit nöthigenfalls corrigiren kann. Nichts ist aber so sehr geeignet, über eine derartige Arbeitsverrichtung eine zuverlässige und strenge Controls zu gewähren, als eine etwaige, nochmals in's Leben gerufene Musikbeilage, deren Aufgabe es sein soll, sämmtliche traditionellen Gesänge 2c. vollständig und ganz herauszugeben. Diese Beilage zu unserem weit verbreiteten Fachblatte wäre gleichbedeutend mit einer Jedermann zugänglichen Werkstätte, wo die Arbeit schon im ersten Entstehen beobachtet und das Gute vom Schlechten, das Echte vom Falschen geschieden und abgesondert werden kann. Nachdem wir nun in der Begründung der dringenden Nothwendigkeit einer Musikbeilage und mit dem Hinweis auf eine gesunde und haltbare Grundlage derselben bis hierher angelangt sind, wollen wir untersuchen, welche Grundsätze und Principien bei der Bearbeitung und Herstellung ihres reichhaltigen Inhaltes beobachtet und eingehalten werden müssen, wenn diese Reproductionen den heutigen, wissenschaftlichen und musikalischen Anforderungen gerecht werden und den gegenwärtigen religiösen und gottesdienstlichen Bedürfnißen entsprechen sollen. Wir wollen daher das ,Was* und das ,Wie* des beregten Gegenstandes genau und präcis angeben. Bezüglich des ,Was* sollten vor Allem die verehrlichcn Redactionen streng darüber wachen, dass ja Nichts von beiden ,Minhogim" übergangen oder übersehen werden soll. Die Bearbeitungen sollen von "״שיר המעלות für מעריב בזמנו anfangen und erst mit .ד׳הוא ^ה״ם“ gu נעילה ihren Abschluss finden. Das umfasst also den ganzen Gottesdienst beider Riten vom Anfang bis zu Ende, und alle nur möglichenfalls vorkommenden Ausnahmsfälle sollen mitein gerechnet werden. — Selbst die seltensten und unbekanntesten Gesänge, wie ,,2 ״היום הרת עולם״ ״היה עם פיפיותC. und Recitative: wie ..אתה נגלית" "אתה זובר" dürfen in dieser Sammlung nicht fehlen. Es wird unter allen unjern Collegen wohl Einen geben, der auch für solche abgelegene Texte etwas Traditionelles oder wenigstens dem Annäherndes — in dieser oder jener Sangweise, oder vielleicht gar in beiden — kennt und es uns in gefälliger und verständlicher Weise wiederzugeben versteht. Um ferner Uncorrectheiten in jeder Beziehung zu vermeiden, sollte es Jedem unbenommen sein, beim Erscheinen jeder Nr. seine Auslassungen und etwaigen Bedenken über die Art der Abfassung und Ausarbeitung derselben im betreffenden Fachblatte öffentlich zu äußern und, wenn Grund hiezu vorhanden ist, die Verbesserung und Richtigstellung anzuregen oder vorzunehmen. Die Reihenfolge der Gesänge betreffend, würde cs jedenfalls am vortheilhaftesten sein, wenn sie mit der Reihenfolge der Gebete — vom Wochentage an bis zum größten und heiligsten Festtage׳— parallel liefen. Sollte dies aber auf redactionelle oder anderweitige Hinderniße stoßen, dann wäre es wenigstens rathsam, die zusammengehörigen Gesanzstücke — wie die von einem und demselben Tage und Feste — nicht zu trennen und zu zersplittern, damit das Aufsuchen derselben nicht erschwert werde. Auch hinsichtlich der günstigeren Zusammenstellung der beiden Traditionßweisen sowie der Local-Nitualien und alten Melodien wäre es am besten, wenn sie gleichen Schritt hielten, so dass in einer ganzen Abtheilnng von Gebetstücken — wir wollen auuebmen, .טל וגשם — alle vier Gefangsarten zusammentreffen. Jlt eine Gebetablheilnng erschöpft, dann möge zur nächsten geschritten werden. Uebrigens wäre dabei nichts verdorben, wenn die Anordnung auch in anderer, den Redactionen bequemerer Weise geschieht, da doch die einzelnen Beilage- Nummern später ganz nach Belieben zusammengestellt und geordnet werden können, nur wäre;68 in obiger Weise viel schöner und ordnungsgemäßer. Soweit, glaube ich, ist das ,,Was" gründlich durchsprochen worden. Das nächste Mal wollen wir zum bedeutungsvolleren ״Wie" übergehen. (Fortsetzung folgt.); Gesangs-Briefe. (Fortsetzung.) Um einem Kinde das Treffen der nicht aufeinander folgenden Noten anschaulich zu machen, sagte ich ihm: ״Du kannst nun schon eine Tonleiter von 8 Tönen, d. h. eine Octav, auch noch wohl 4 bis 6 Töne mehr, die zur zweiten Octav gehören, singen. Nun ist es aber nicht angenehm, stets die nämliche ganze Reihe der Töne anzuhören, daher wünsche ich, dass wir ein Mittel finden möchten, durch welches du mir nur die Töne hören ließest, die ich gerade verlange und dir durch Ziffern von 1, dem Grundton, bis 8, der Octave, bezeichne, so wie wir das längst bei dem Gesänge der Scala thaten." ״Stelle dir vor, um die Sache zu erleichtern, da du selbst noch kein Instrument spielst, deine׳ Hand sei ein Instrument, und die fünf Finger das Liniensystem, das man gebraucht, um die Noten darauf zu setzen. Du findest, wenn wir den Ton C der ersten Linie auf den Daumen setzen, alle acht Töne der Scala nebeneinander liegen, wie auf dem Notenplan. Der kleine Finger wird die fünfte Linie, auf der die neue Octave wieder weiter geht, weil jeder Zwischenraum deiner Finger jenem der Linien ähnlich ist.' Das Kind singt nun mit der Benennung der Buchstaben, oder der Zahlen die Scala an dem neuen Instrument ab (dann und wann schrieb ich ihm wohl die Buchstaben auf die Nägel, um die Sache recht begreiflich zu machen) und findet richtig an seiner Hand die Octav und den. neunten Ton, der in die zweite übergeht, gerade wie auf dem Liniensystem. Bis jetzt sieht man noch keinen großen Vortheil bei dem neuen Notenplane, als dass das Kind nun immer ein Jnstrument bei sich hat, mit dem es ohne Beihilfe eines Meisters die Eintheilung seiner Töne treffen kann, welche ihm die ׳ tägliche Uebung in den Intervallen erleichtert, die es vielleicht gern unternimmt, wenn es allein ist, zu der es aber ohne die Hand keine nahen Mittel besitzt, um seinen Tönen eine bestimmte Richtung zu geben. Wir fahren nun fort, ferner die Sache zu erläutern. — ,Kind, wenn du mir den Grundton 0, dessen Note auf dem Daumen zu finden ist, gesungen hast, so wünschte ich den dritten Ton E zu hören, ohne dass der dazwischen liegende zweite Ton v, der mir jetzt kein Vergnügen macht, erklänge : wie willst du das anfangen?".— Das Kind schweigt einen Augenblick still, um nachzudenken und antwortet: ,ich will bei 0 anfangen zu singen, und bei I) stillschweigen; wenn ich dann bei dem dritten Ton E wieder anfange zu singen, so haben wir ja den zweiten nicht gehört.* Es nimmt die Hand, tippt mit dem Zeigefinger der andern auf den Daumen und singt den Ton 6, tippt dann weiter durch den ersten Zwischenraum des Daumens und ersten Fingers, indem es mit der Stimme anhält, oder im Nothfalle ganz leise über den. zweiten Ton, so dass ich ihn nicht höre, schreitet, und fängt dann wieder an zu singen,