Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1886)
- Date
- 1886-03-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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kann, hat, meiner Meinung nach, die Anwartschaft auf einen vollendeten Gesang in der Zukunft verloren, und man muss sich .also vor dem Hiuueigen zu diesem Fehler gleich anfänglich sehr chüten. Das oarrtar di gola entsteht auch, wenn des Säugers Lunge ungewöhnlich dick ist, oder wenn er höher singt als ihm!natürlich die Töne ansprechen. Dann muss er seinen Kehlkopf ׳so hoch heben, dass kaum eine geringe Oeffnnng bleibt, wo der Ton durchspielen kann, und dieser Ton wird durch die Erhebung der Kehle gleich so dicht au die Wölbung des Gaumens gebracht, dass er nicht den geraden Weg seiner Vollendung sinden kann, ohne Halston zu werden. Auch die Nase spielt eine bedeutende -Nolle bei einer schönen Stimme; denn von ihrem guten Verhältnis zur Kehle entsteht die eigentliche Schönheit der Singstimme, so wie von ihren Fehlern die Verhässlichuug. Nach jenem cantar di gola ist unstreitig das cantar dal naso, oder, wie man richtiger sagen ivürde, senza (ohne) naso, einer der bedeutendsten Stimmenfehler, die ich als vermeidende Klippen anzuzeigen habe. Wenn der Ton der Stimme schön lauten soll, so muss eine gewisse Quantität der Luft, die sie ankliugeu macht, durch die Nase gehen; sie steht mit den Stimmenwerkzeugen in directer Verbindung, und sobald als durch Schnupfen, Erkältung, oder durch den fehlerhaften Bau der Nase in Hinsicht auf die Stimme die engen Wege nicht frei sind, durch welche jener Theil der Luft durchströmen muss, so entsteht in dem Klange etwas Widriges für unser Ohr; die Stimme berührt uns unangenehm, und wir sagen : der Mensch singt durch die Nase. Es gibt indessen einige Hilfsmittel gegen diesen Fehler. Kommt er vom Schnupfen, so vergeht er mit seiner Ursache, ohne dass man sich Sorge zu machen hat. Ost ist auch eine fehlerhafte Aussprache mancher Silben oder Vocale schuld, dais unter vielen uatü'lich guten Tönen einige dieser fehlervollen Nasentöne gehört werden, wozu besonders der Vocal Z mitwirkt, wenn er, zu scharf ausgesprochen, den Sänger verleitet, manche Italiener nachzuäffen, ohne mit prüfendem Urtheil zu unterscheiden, welche Theile ihres Gesanges anzunehmen sind, da nur weniger gute italienische Säuger das scharfgegebene I als eine ephemere Modezutbat anweuden. Findet sich aber, dass des jungen Sängers Nase so gebaut ist, dass mau schon früh ihren Nachtheil auf der: Klang der Stimme bemerkte: so wird es um so nöthiger, recht früh auf seine Aussprache zu wachen, manche Versuche mit den Theilen seiner Rede zu machen, bei denen sich der Fehler am öflersteu ,offenbart. Es gibt dann gewisse Vortheile in der Stellung des Mundes, in der Angewöhnung einer deutlichen Artikulation, die man anweuden kann, die Stimmenunannehmlichkeir zu verbessern. Auster dieser Verbesserung rathe ich noch zu einem andern sehr unschädlichen Mittel, dessen zweckmäßige Dienste mir bekannt sind. Es besteht darin, das Kind oder den jungen Zögling, bei dem man diejenige Verengung der innern Theile bemerkt, durch welche das sogenannte ,durch die Nase singen oder sprechen* entsteht, Abends und Morgens, ja selbst des Tages mehreremal, frisches Wasser durch die Nase einziehen zu lassen. Diese Vorkehrung ist allen Sängern, aber besonders in dieser Rücksicht für Kinder anzurathen. Sie hat einen entschiedenen Einfluss auf den Klang der Stimme; denn außer dem Vortheile, alle diejenigen Wege, durch welche ein Theil des Tones bei einer schönen Stimme gehen muss, frei zu erhalten und immer zu durchspülen, wodurch sie von aller Verstopfung gesichert bleiben und gestärkt werden; so erweitert es auf eine mäßige Weise bei jungen Wesen, die eben im Wachsen und Entwickeln begriffen sind, diese kleinen Verengungen. Wer nicht von seiner Kindheit an diese Erfrischung gewöhnt wurde, findet anfänglich die Empfindung unangenehm; vermuthlich zeigt aber gerade dieses Gefühl, dass Verstopfungen in den kleinen Kanälen, durch welche der Ton und das Wasser gehen sollen, ftattfindeu. Ich muss noch von einer Unart der Stimme reden, die zwar ihre Schönheit nicht selbst angreift, und also auch nicht zu den wirklichen Stimmen fehlem gerechnet werden sollte, aber die nicht weniger ihre Schönheit verdunkelt und den Gesang verunstaltet. Dieser Fehler besteht in der Gewöhnung, einen Vorschlag von oben herunter, oder von unten hinauf, an den Anfang oder das Ende der Töne zu hängen, wodurch der Sänger durchaus verhindert wird, eine Tonreihe nach dem früher gegebenen Modell eines Tones je zu bilden. Beispiele dieser Angewöhnung hört man in jeder Kirche oder Synagoge, wo nicht selten die Altenweiberstimmen ganze Reihen von Tönen auf diese Weise verstümmeln. Auch bei dem gewöhnlichen Gesänge der Choristen, Seminaristen, Schulmeister, Bauern und den Wachtgesängen der Marssöhne, fallen uns oft die lächerlichsten Belege bei dem Angeben der Töne auf, die gewiss in keiner Classe von Sängern gefunden würden, wenn Jeder bei seinem Gesänge sein eigenes Ohr über das, was gut klingt, befragte. Za, dieser Fehler ist so ausgebreitet, dass man nicht selten auch auf der Bühne Sänger antrifft, die glauben, diese Art zu singen, gehöre zu irgend einer Methode, da es doch nur eine Unart ist, die alle Anlagen zum guten Gesänge verdunkelt. Diese Classe von sogenannten Säugern pfiegt auch noch daneben oft den ersten Auklang des Tones so derb herauszustoßen, dass man nicht selten eine Terz oder Quinte aus der Tiefe vor dem eigentlich gemeinten Tone vorher gehen hört. Der Leser darf mich indessen nicht misverstehen und sich etwa wundern, wenn er von guten Sängern solche An-, Vor- und Nachschläge hört und die Wirkung davon augenebm findet. Cs gibt im Gesang und besonders im Necitativ Gelegenheiten, wo gerade diese Art von Tönen ihren bestimmten Zweck haben, und als Einkleidung eines besondern Ausdruckes als Fragezeichen rc. vortrefflich wirken. Hier verdammen wir sie nur, wenn die Rede von dem Anklange des gewöhnlichen Tones ist, der ganz einfach in seiner eigenen Kraft und Biegsamkeit, ohne künstliche Zuthat, wie der Grundstoff des Gesanges angesehen werden muss. ES wird dem Anfänger oft sehr schwer, seinen Mund in der Stellung zu erhalten) die ihm als die zweckmäßigste zur Beförderung schöner Töne angedeutet wurde. Wenn er ohne Beihilfe eines Meisters nur durch nützliche Vorschriften sich zu bilden gedenkt, so ist es nöthig, sich bei jedem neuen Versuch an diese Stellung des Mundes zu erinnern. Sein Ohr muss auf den Unterschied im Klange lauschen, den mau so auffallend zwischen den Tönen, die mit geschlossenem, halb geöffnetem oder oder nach obiger Vorschrift mit einem in die Breite gezogenen Munde, dessen Zähne wenigstens einen Finger breit auseinander stehen müssen, vernimmt, um jedesmal die Lage zu verbessern, wenn die Lippen zusammenstoßen und der Ton nicht frei ist. Ost wird es dem Zögling nützlich sein, die Scala vor einem Spiegel zu singen, nicht etwa um theatralische Mienen anzu-- nehmen, sondern um sich zu beobachten und den aufmerksamen Meister zu ersetzen, der den Sänger gewiss warnen würde, wenn, er seine Gesichlsmuskelu auf eine unangenehme Art verzieht, die Augen verdreht, oder finstere Züge anuimmt. Es gibt Stimmen, denen der Uebergaug ihrer Mutation sehr beschwerlich fällt, wo sich die Sänger gezwungen fühlen, einige Bewegungen mit den Muskeln über den Augen vorzunehmen, wenn sie Stellen