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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-03-21 · Heft 10 (21.3.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 10 (21.3.1886)
Date
1886-03-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 banf&arfeit es vergessen haben, dass sie dem Gefühle einer Frau die Erhaltung ihres den Fluten anvertranten Gesetzgebers verdankten, und dass die Frauen mehrmals das Zeichen zur Befreiung gaben? In der römischen Gesetzgebung war die Frau zuerst Erbgut ihres Vaters und wurde dann das Erbgut ihres ManneS, ׳!der das Recht über Leben und Tod über sie batte. In Sparta waren sie Bürgerin, musste aber aste Gefühle der Liebe zum Vaterlands opfern. Athen sah sie eitler, dem Putze und den Vergnügungen hiugegeben. Sie halte das -Recht, ihre l ehelichen Zwistigkeiten vor ein Gericht zu bringen, wie es die junge und zarte Frau des Alcibiades beweist. Alssie den Richtern die Klageschrift vorlegte, erschien der Ungetreue plötzlich, schloss sie in seine Arme ׳und führte sie unter Beifallsklatschen des ganzen Volkes, dessen Auge er geblendet hatte, davon. Solch ein ^Gewaltakt konnte bei einem jüd. Gerichte nicht Vorkommen. Mahomed endlich gab den äußersten Verhältnißen nach, w.nn er diese Worte des Korans uiederschrieb: ,Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott ihnen den Vorrang gab und weil sie dieselben mit ihren Gütern beschenken. Die Frauen sollen gehorsam sein und die Geheimniße ihrer Gatten verschweigen, weil sie der Himmel ihrem Schutze anvertraut hat. Die Ehemänner, welche von ihrem Ungehorsam zu leiden haben, dürfen sie strafen, sogar hart züchtigen. Die Ergebenheit der Frau muss sie vor übler Behandlung schützen" (Koran, Kap. II). Hätten die Hebräer ihre Frauen als Sclaven betrachtet, so würden Salomo und seine Nachahmer nicht unaufhörlich die j Männer an ihre Psiichten gegen dieselben erinnert haben. Würden sie gesagt haben, dass eine gute Frau mehr werth fei, als alles Uebrige, dass sie das Leben ihres Gatten verlängert, dass sie für sein Haus sei, was die Sonne für die Welt ist? ,Mein Sohn, sei gelehrig für die Weisheit! Mistraue der fremden Buhlerin, deren Worte süß wie Honig, denen dennoch bald Bitterkeit folgt- Warum willst du ihr deine Ehre, deine Jahre und die Frucht deiner Arbeit widmen? Deine Quelle sei rein. Verlebe deine Zeit freudig mit der Gattin deiner Jugend, sie sei deinen Augen ein liebliches Reh, eine anmuthige Gazelle, ihr Busen möge dich stets berauschen, ihre Liebe dein Herz ewig entzücken" (Spr. 5, 3, 4 u. a. St.). Wer erkennt *nicht aus all' dem Angeführten die Würde des Weibes in Israel, dessen geachtete Stellung im biblischen Alterthnme, die auch bis in unsere moderne Zeit noch hineinragt und dem jüdischen Familienleben alle Anerkennung verschaffen muss, das durch Liebe, Treue und Opferwilligkeit sich auszeichnct. Ujichter-Krziehimg. V. Die Töchter waren gerade nicht in der Erziehung veruachlässigt, wenn sie gleich auch weniger Unterricht erhielten als die Söhne, und auch die der Priester nicht einmal lesen und schreiben lernten. Aber sie hatten das mit der Familie gemein, dass sie im Schoße derselben aufwuchsen, dass Liebe und Sorgfalt sie umgab, dass Reinlichkeit, Frömmigkeit und Sittsamkeit ihnen zur Natur gemacht wurde, und dass auch sie das Nationalgefühl oft bis zur Begeisterung durchdrang. Sie wurden zu treuen und geschickten Hausmüttern erzogen, aber auch um öffentlich schön und anständig zu erscheinen. Schon die Töchter der Patriarchen hatten manche weibliche Arbeiten verstanden, und aus Egypten hatten die Hebräerinnen wahrscheinlich noch mehr mitgebracht. Sie wussten mit Flachs, Hanf, Wolle, Kameel- und Ziegenhaar wohl umzugehen, zu spinnen, .zu weben, zu walken, zn färben, die Kleider für sich und die Ihrigen zu machen, Teppichezelle zu wirken, zu sticken, künstliche Gebilde mit Blumen im Farben-! glanze einzuweben, wohl ebenso gut, als darin die benachbarten Sidonischen Frauen gerühmt wurden. Kurz, aber vielsagend, ist der Bericht in der Bibel, wo von der Anfertigung des Zeltbeiligthums in der Wüste die Rede ist: »Und alle kunstsinnigen Weiber spannen mit ihren Händen und brachten das Geipinnst von tiefblauer, purpurrotber und carmoisinrotber Wolle lmfr Byssns. Und alle Frauen, deren Herz sie antrieb in Kunstfertigkeil, spannen die Ziegenhaare." (2. M. 45, 25—26). Bedenken wir, dass die Israeliten in Egypten Jahrhunderte in Sclaverei gelebt, körperlich und geistig gedrückt, Männer und Frauen nur zu schweren, groben Arbeiten zugelassen wurden, und dennoch haben die jüdischen Frauen es ver» standen, solche Kunstfertigkeiten sich auzueigneu, da müssen wir mit Staunen den regen Geist der Israelitinnen bewundern. Fast müssen wir dem Talmud grollen, welcher zur angeführten Bibelstelle die Bemerkung macht: ,"׳1־אין הכמה לאשר, אלא ב2לן ,die Weisheit der Frau besteht nur im Spindel' (Jnma 66). Auch die Schriftgelehrten unterschätzten nicht den Geist der Frauen, sie sprachen sich nur so aus Kenschheitsrücksichten aus, damit man .weniger ihren Umgang anstrebe. Zielt nicht auch dieser Ansspruch darauf hin: *עשרה קבין שיחה באו לעולם השעה 11נטלו נשים ,Zehn Maß Reden sind in die Welt gekommen, neun davon nahmen sich die Weiber" (Kidusch 49). Das sind Anspielungen auf die UeberredungSkunst der Frauen, um die Männer zn warnen, dass sie sich nicht so leicht von leichtsinnigen, uusit'nchen Schönheiten bestricken lassen sollen. Dass unsere Ansicht eine richtige ist, erkennen wir aus den Sprüchen Salomons, wovon ich nur eine Stelle anführe: *פי נפת הט2נה שפתי זרה והלק משמן חנה" ,,Wie Honigseim träufeln die Lippen der Verworfenen und glätter als Oel sind ihre Gaumen" (Spr. 5, 3.). Ja, die UeberredungSkunst der Frauen ist groß und mächtig, nicht so leicht zu widerstehen, als hätten sie wirklich zehn Maßet Reden sich angeeignet. Sie lernten das Kochen und Backen, und obgleich die Vornehmen dergleichen den Selavinnen überließen, so hielten doch selbst Königstöchter die Kochkunst nicht unter ihrer Würde. Dabei blieb die Kosmetik nicht zurück. Das Mädchen ließ es nicht blos bei dem öfteren Waschen und Baden bewenden, sondern lernte auch feine Parfümerien, Salben und Schminken zubereiten. Wir verweisen auf die Bibelstelle (I. Sam. 8, 13.) .Euere Töchter wird der König sich nehmen zu Salbenmischerinnen, Köchinnen und Bäckerinnen.' Ihre schönen Chorreigen machten auch einen gewissen Unterricht in den rhythmischen Bewegungen und im Spiele der dazu gehörigen Instrumente nothwendig, und keine Mutter und kein Vater wird es gern gesehen haben, wenn die Tochter in den festlichen Aufzügen nicht schön erschien. Auch lag es wohl dem Mädchen selbst am Herzen, mit der Aduse oder Zimbel und dergleichen zierlich einher zu tanzen. Es scheint auch nicht, dass hiermit ihre Eitelkeit zum Nachtheile der morgenländischeu Züchtigkeit genährt worden. Der Zweck war Verschönerung der Volksfeste. Außerdem lebten die Töckter eingezogen und zu Hause thätig, sowohl in den häuslichen Geschäften des Tages, als auch in dem, was sich als Leid und Freud in der Familie sonst ereignete. Auch Krankenpflege und Todtenbeehrung war dem weiblichen Geschlechts vorzüglich überlassen. W.r. (Fortsetzung folgt.)

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