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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-03-13 · Heft 9 (13.3.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (13.3.1886)
Date
1886-03-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«hrlichcr Christ ein schlechter Mensch ist, nicht weil, sondern obgleich er sich zur christlichen Religion bekennt, so ist auch ein jüdischer Mörder. Betrüger nicht deshalb moralisch verkommen, weil, sondern obgleich er sich zur jüdischen Religion bekennt'. Ob dieses schon in der zweiten Auflage erschieneneu Buches wird Kopp von Rohling gewiss wie Delitsch und Wünsche zum Judengenosien gestempell werden. Nun zu solchen Genossen gerechnet zu werden, sagen wir mit Kopp, ist gewiss eine Ehre. Möge es diesem Buche gelungen sein, das Märchen vom rituellen Morde, welches nun jetzt vom obersten Gerichtshöfe einstimmig als eine Lüge anerkannt wurde, wie im Prozesse Bloch und Ritter, endlich theorcthisch und praktisch aus der Welt zu schassen. Rabbiner Dr. Ad. Frankl-Grün. Krems! er, 4. März 1886. Kleine Ehrliiiik. Wien- 10. März 1886. College Jona» Stransky trat im Lause der vergangenen Woche seine neue Stellung in Trautenau in Böhmen an, und ich stehe nicht an, diesen Stellenwechsel als etwas Bemerkenswerthes für nnsern Berufskreis hinzustellen. Es ist nämlich eine bedauerliche Charakterrichtung der jüdischen Cantoren, sehr oft, zumeist aus geringfügigen Ursachen, die Stellen zu wechseln, und dieses fahrende Sänzerthum hat dem jüdischen Cantorate tiefe, schwerheilbare Wunden geschlagen. Cantoren dieser Gattung, die im wahrsten Sinne des Wortes ein wechselvclles Dasein führten, mussten sehr oft zu unlauteren Bethäligungeu gegen ihre Stammgemeinden, gegen ihre College» rc. ihre Zuflucht nehmen, um nur um jeden Preis die Verwirklichung ihrer Ideale erfüllt, ,d. h. sich in einer neuen Stelle zu sehen. — Deshalb muss eS öffentlich anerkannt werden, wenn bie und da ein College schweren Herzens von seiner früheren Ge-s meinde scheidet, nicht etwa weil dieselbe ihm überaus große, materielle Erfolge bot, sondern lediglich deshalb, weil die zu verlassende Ge- .meinde, beziehungsweise der Stellenwechsel, eine unerfüllte Hoffnung mehr in sich schließt und der moralischen Seite des Candidaten gcwisS nur selten Vortheile bringt.— Mit dieser Gesinnung zog College Stransky von Graz nach Trautenau, und ich fühle mich veranlasst, ihm sowohl wie der löblichen Gemeinde Trautenau auf diesem Wege meine herzlichsten Segenswünsche zu senden. Möge er sich in seinem neuen Heim baldigst glücklich fühlen; die Gemeinde Trautenau wird in Kürze zur Ueberzeugung gelangen, dass sie einen gesinnungstüchtigeren, gebildeteren Cultusbeamten, als College Stransky ist, gewiss nicht erhalten hätte. 3°fef Singer Obercanior der isr. Cultusgemeinde in Wien. Wien. Die ״österr. Wochenschr." erhielt aus Pest׳ folgende Mittheilung: ״Die Leser Ihres Blattes, welche die magyarische Hauptstadt zu besuchen pflegen, werden mir Dank wissen, wenn ich sie aufmerksam mache, während ihres Hierseins ja nicht zu unterlassen, die prächtige Synagoge in der Rombachgasse zu besuchen und dem weihevollen, Herz- und gemütherhebenden Gottesdienste daselbst beizuwohnen. Mir wenigstens werden die hier verbrachten Audachtsstunden stets eine augenehme Erinnerung fein. Schon vor Beginn des Gottesdienstes ist der Tempel, namentlich am Freitag Abend, in allen Räumen geradezu überfüllt, so dass die Späterkommenden nur mit schwerer Mühe hineingelangen können. Der Magnet, der eine solch' außergewöhnliche Anziehungskraft auSübt, ist der rühmlichst bekannte Obercantor Jakob Bachmaun. Wer die wundervolle Stimme und die unvergleichliche Vortragsweise dieses gottbegnadeten Sängers, dem ein tadellos geschulter Chor zur Seite steht, gehört, wird den Enthufiasmus, dem er allenthalben begegnet, begreiflich finden. Solch illüstre, Gäste und Besucher hat selten eine Synagoge aufzuweifen, wie ׳ die in der Römbachgaffe, seitdem Herr Bachmann fungirt. Hohe Aristo-״ traten, berühmte Künstler und Künstlerinnen werden hier oft gesehen, und Alle sind des Lobes voll über die überraschenden Leistungen am: jüdischen Betpult. Aber nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch und Charakter wird Herr Bachmann mit Recht allgemein geschätzt und geachtet. Zur Illustration des eben Gesagten könnte ich so Manches anführen, aber die Bescheidenheit Bachmann's lässt esnicht recht zu.' Kremster. Am 5. März feierte der Schwager C. Baumgarten's^ Herr M. Schmeichler, das Fest der silbernen Hochzeit. Rabbinat und Vorstand gratnlirten ihm im Namen der Gemeinde für seine auf' allen Gebieten verdienstliche Wirksamkeit in derselben während! 25 Jahren. . Lemberg. Herr Obcrcantol P. Minkofsky aus Cherson (Rnßl.) wurde nach zwei, mit großem Beifalle abgehaltenen Probe- Vorträgen, von der hiesigen Tempelverwaltung als Qbereantor aceeptirt. (Dem College,! MinkosSky entbieten wir unsere herzl. Gratulationzu seiner neuen Stellung. Die Red.) Budapest. Ein Erlass des ungarischen Cultusministeriumsbezieht sich aus die jüdischen Gymnasial-Schüler, welche am Samstag und au jüdischen Feiertagen vom Schreiben befreit werden sollen. Der׳ eigenthümliche Ministerial-Erlass lautet wie folgt: - Nur derjenige Gymnasial-Schüler wird fortan von der Pflicht des Schreibens und Zeichnens am Sabbath befreit, der entweder Sohn eines Rabbinersist oder im Begriffe steht, die Rabbinerlaufbahn zu ,betreten, und׳ wird er auch nur dann befreit, wenn er eine derartige Angabe mit Zeugnis vom Ortsrabbiner bestätigt und um diesbezügliche DiSpen-״ sativn ansucht." ' Vreßburg. Geheimrath Graf Johann Palfi hatte seit einer׳ langen Reihe von Jahren für die Zöglinge׳ der hiesigen israelitischen Kinterbewahranstalt einen Garten gepachtet,- damit die Kinder im: Sommer im Freien 'Unterricht genießen und spielen können. Dieser Garten, welcher Eigeuthum 'des Preßburger Comitates ist, muss aber nächstens verbaut werden. Der hochherzige Graf aber gab nun dieser- Tage dem Vorstande der iii*'. Kinderbewahr-Austalt den Betrag von sieben Tausend Gulden zum Ankäufe eines anderen Gartens für Kinder. Irrest. Folgende Begebenheit bildet hier das Tagesgespräche Im Jahre 1862 übertrat in Lug (Italien) eine jüdische Frau zuin- Christenthume und ließ gleichzeitig ihre-beiden, im zartesten Alter befindlichen Kinder, ebenfalls taufen. Eines von diesen Kindern, Josef Vicini, lebt gegenwärtig in Triest, wo er als Journalist thätig ist. Derselbe, ein Mann von-mackellosem Charakter und vonbedeutenden Kenntnißen, - war während der letzten drei Jahre der elfrigste Besucher der Triefter ״Talmud Thora', wo man ihn für einen-, Juden hielt, und zählte zu den in den hebräischen Wissenschaften Bestbewanderten. Vor Kurzem theilte nun Herr Vicini dem Rabbiner׳ von Trieft mit, dass er Christ sei, dass er aber entschlossen sei, zur Religion seiner Väter zurückzukehren. Dies ist auch unter entsprechender Feierlichkeit geschehen. Herr Vicini nahm gleichzeitig den Namen seines Vaters, der Del Vicini geheißen hat, wieder an. Die Sache macht in Triest, wo der neue Jude eine hervorragende gesellschaftliche Stellung einnimmt, bedeutendes Aufsehen., Holfia. Ein interessanter Fall, in Folge der preußischerseitSjetzt beliebten Ausweisung von Ausländern, hat sich hier ereignet und liefert den Beweis dafür, wie ernst und streng die preußische Regierung in dieser Hinsicht vorgeht. Im Juli v. I. .kam der Cigarren» Händler Samuel Stein aus Patschkau, Schlesien, hierher, miethete sich eine Wohnung uud gab die Absicht kund, ein Cigarrengeschäft, verbunden mit Kohlenhandlungen Arosj einzurichten und beantragte :-nach. Erfüllung der vorgeschriebenen Formalitäten beim hiesigen Stadtrath feine Naturalisation, die auch alsbald ausgesprochen wurde. Bald-

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