Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 8 (5.3.1886)
- Date
- 1886-03-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— — eine zwingende Notbwendigkeit war,*) sodann hat er, da die Vorbereitung oder Unlerlassung derselben immerhin doch vom menschlichen Willen abhängig ist, das Vorhandensein freigewählter Mittelnrsachen, in denen der Keim zur Entstehung der folgenden liegt, unbewusst anerkannt, und er wird später, wenn anders er wahrheitsliebend ist, auch den Willen als eine dem Menschen unterliegende Mittelursache finden. Doch, abgesehen von diesem unentwirrbaren Widerspruche, in welchen die Fatalisten sich verwickeln, macht I. H. gegen sie vom theologischen und empirischen Gesichtspunkte folgende Ein- Wendungen: Zunächst wendet I. H. gegen die Annahme der Willens- Unfreiheit ein, dass wir nach ihr ebensowenig, wie wir bei einem von der Natur, dem Zufalle, dem Kinde oder dem Schlafenden uns zugesügten Schaden den Verursachern desselben zürnen, auch über vernünftige Personen, wenn sie. uns Böses gethan, nicht erzürnt sein dürsten, weil ja auch diese nicht im Zustande der Freiheit handelten und auch bei jenen nicht der Zwang derart vorhanden war, dass die Möglichkeit des Nichtbeschädigens ausgeschlossen ist. In Wirklichkeit sehen wir jedoch, dass selbst diejenigen, welche die Willensfreiheit in Abrede stellen, dem denkenden Menschen zürnen, der ihnen die Kleider stiehlt, und sie dadurch der Kälte aussetzt, während sie das Wehen des rauhen Windes ruhig über sich ergeben lassen. Sollten sie aber diese ihre Entrüstung in gewissen Fällen, wie ihr Loben und Tadeln, Lieben und Hassen, nicht als eine freie Aeußerung des Willens, sondern als eine unwesentliche, uns unnütz eingepflanzte Kraft betrachten, demnach wäre consequenter Weise jeder Act des freien Willens, selbst das Nedeu eine Notwendigkeit, gleich der Bewegung des Pulses, welcher Annahme jedoch der Äugenschein widerspricht, insofern wir Reden und Schweigen in unserer Gewalt haben, solange wir vom Verstände und nicht von Zufällen beherrscht werden. Und wer wollte auch jedes Wort eines Kindes oder Wahnsinnigen aus Gott zurückführen, was aber die Folgerung aus der satalistischeu Anschauung wäre. Wenn ferner jede nencintretende Erscheinung unmittelbar aus der primären Ursache in dem Augenblicke ihres Sichtbarwerdens hervorginge, und wir von Allem, was in der Welt zu einer bestimmten Zeit entsteht, sagen könnten, dass Gott direct es jetzt neu geschaffen bat, was wäre dann das Wunderbare an dem Wunder, dass es zur Bekräftigung des Glaubens, zur Bewahrcheituug des Gotteswortes dienen sollte;^) geht doch das Natürkiche sowohl, als dessen Veränderung von Gott aus? Worin bestände endlich der Vorzug des Gottesdieners vor dem Widerspenstigcn, da doch Beide nur das von Gott Vorherbestirnmte aus innerer Nöthigung vollziehen?^ Zu diesen kommen noch Kegen die Anschauung der Deterministen so viele Einwände, als bereu triftigsten I. H. den bereits angeführten, den des Augenscheines nämlich, hält und wodurch er die unbedingte Willenssreiheit genügend demonstrirr zu haben glaubt. (Schluss folgt). *) Nor 415 למי שלא הודם׳ scheint etwas zu fehlen. y) Vergleiche Iben Esra's Antwort Exod. 20, 1. aus die Frage I. -H-v (Kns. 1, 25), weshalb die zehn Gebote mit der Befreiung Israels aus Egypten und nicht mit der Weltschopsnng beginnen, die im Wesentlichen die Gedanken I. H''s wiederzibt, v. Nachm. Diss. a.'a. O. 2) Kassel S. 417 übersetzt ולא היל. לעובד יתרף zusammenhängend mit שיאפד בעבורם Bzl. jedoch Muscato z. St. Die römischen Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und Lhristen (nach den Quellen dargestellt.) Von Dr. A. Weiß. VIII. Ueber das Verhältnis dieses Kaisers zu den Juden haben wir wenig Kunde. Im Talmud werden oft Dialoge erwähnt, die ein Antoninus mit den Nabbinen geführt hat; es ist jedoch durchaus streitig, welcher Antoninus dies gewesen sei. Jsaacides in seinem Commentar des Talmud meint, dass durch die Gunst Antonius die Mischnah vollendet werden konnte. Da diese aber erst um das Jahr 210 von dem Patriarchen R. Juda vollendet wurde, so kann dies nicht Marcus Aurelius gewesen sein. Vielmehr dürste hier von Septimius Severus die Nede sein. Doch darüber^ später. Von Marcus Aurelius berichtet uns vielmehr AmmianuS r Marcellinus eine abfällige Aeußerung: Als er nach Besiegung des Gegenkaisers Avidius Cassius von Syrien nach Aegypten zog, habe er die Inden lärmend und schmutzig gesunden, und da habe er ausgerufen: O ihr Markomannen, Quaden und Sarmaten, nun habe ich noch ein nichtsnutzigeres (insi-tiovsm) Volk gesunden, als ihr seid. Von ihm wurde den Juden auch das drückende aurum coronarium auferlegt, dem zu entgehen die Bewohner von Tiberias außer Landes flüchteten. 9. C o m m o d u s. Nach Dio Cass. war er den Christen nickt ungünstig, indem seine Geliebte Marcia sich eifrig derselben annahm. 10. Septimius Severn 8. Als sich zugleich mit Severus der bisherige syrische Statthalter Pesecunius .Niger gegen Julianus erhob, da war es natürlich, dass die asiatischen Völkerschaften für oder gegen ihn Partei nehmen mussten. Die Juden scheinen nun nicht ans der Seile des Niger gestanden zu haben, denn als sie ihn baten, ihnen die schweren Stenern zu erleichtern, gab er ihnen die Antwort: .Ihr wollet, dass euere Länder von den Steuern erleichtert werden, und ich würde sogar euere Lust mit Eensus belegen." Vielmehr scheinen die Samariianer die Partei des Niger gewählt zu haben, denn nach Spart, hat er den Bewohnern von Neapolis (Sichern) das Bürgerrecht entzogen. Nach Barhebr. sollen sich die Juden und Samaritaner damals in blutigen Kämpfen gegenüber gestanden haben. Dio Cass. will jedoch wissen, dass ein Räuber Claudius, der sich einst sogar als Chiliarch dem Severus vorgestellt hatte, das Land durchstreifte. Vielleicht mochte er die Juden zum Aufstand fortgerissen haben, denn Spart, berichtet, dass Severus einem Sohne Bassianus (Caracalla) einen jüdischen Triumph gestattet hatte. Allerdings scheint dies nicht viel für einen Aufstand der Inden zu.beweisen, weil ausdrücklich bemerkt wird, dass der Senat diesen Triumph beschlossen, weil in Syrien der Krieg (gegen Pesec. Niger) so glücklich geführt worden war. Syrien und Judäa waren damals oft gleichbedeutend. Doch Spart, erzählt ferner, dass Severns bei schwerer Strafe den Heiden verboten habe, Juden oder Christen zu werden, ferner dass er viele Rechte in der Provinz eingeführt habe; dass dieser Kaiser der im Talmud oft erwähnte Antoninus gewesen sei, ist von allen Vermuthungen, die in dieser Beziehung aufgetaucht sind, die wahrscheinlichste. Er war ein Zeitgenosse des Patriarchen Juda, der die Misclinali redigirt hat, uud ein so vielseitig gsbildcter und begabter Mann, dass man ihm am ehesten das Verständnis für jüdische Dinge zutrauen durste.