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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-03-05 · Heft 8 (5.3.1886) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (5.3.1886)
Date
1886-03-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2׳ (Kethub. 59 b). Diejenigen, welchen der Stand des Hauses es erlaubt, Dienerinnen zu halten, dürfen sich von den meisten dieser Sorgen frei machen. Aber so reich die Frau auch fein möge, so hülc sie sich doch, dem Müßiggänge sich zu überlasten, der die erste Quelle häuslicher Zwistigkeit ist. Was ihre moralischeu Eigenschaften betrifft, so bezeichnet sie Salomo in dem Bilde der wackern Frau: ,Sie ist liebreich, gewandt, thätig, sie reicht die Hand dem Gebeugten, sie spricht mit Urtheil, und das Gesetz der Liebe ist stets auf ihren Lippen, in ihrem Herzen. Ihre Kinder segnen sie täglich bei ihrem Aufstehen und ihr Gatte spricht: Viele Töchter fand ich ausgezeichnet, du übertrafst sie alle. Die Anmuth täuscht, die Schönheit verschwindet, aber die, so dir gleicht, verdient ewiges Lob'. Die Frau gibt ihren Kindern den ersten Unterricht, sie gräbt die ersten Gefühle in ihr Herz. Doch werden wir hierüber später ausführlicher berichten. (Fortsetzung folgt.) Gesangsbriefe. (Fortsetzung.) Gibt man den Ton auf einmal zu grell und laut au, so prallt er leicht von seinem Mittelpunkte ab und wird falsch. Stimmt man unbedachtsam mit leerer-Brust den Ton an, so fehlt die Kraft, den Mittelpunkt zu erreichen. Strengt man die Kehle zu sehr bei dem zwar rein angegebenen Tone au, so dass man mehr durch Aufwand des Athems, als durch das eigentliche Entwickeln des Metalls in der Stimme ein rinforzando bewirkt: so überschreitet dann noch die Stimme den Mittelpunkt des gut angegebenen Tones und wird bei längerem Anhalten zu hoch. Singt man den zu treffenden Ton zu mattherzig, ohne Energie im Organ, noch im Verstände, lauscht nicht beobachtend, was beim Anhalten des Tones mit ihrer Stimme vorgeht, so fällt er, das heißt, er entfernt sich von dem Mittelpunkte seines reinen Klanges und nähert sich allmälig dem tieferen Tone. — Es gibt noch verschiedene Ursachen, wo mau deu Mangel an reiner Intonation nicht in einzelnen Tönen, sondern in ganzen Pasiagen wahrnimmt, während andere Stellen von der nämlichen Kehle rein gesungen werden. Dies entsteht, wenn der Singunterricht nicht stufenweise fortrückr, sondern in den Zeitraum von wenig Monden eingeengt wird; oder wenn er bei einem sehr biegsamen Organ zu spät unternommen wird, wo der Anklaug schön und leicht, aber immer schwankend bleibt. Auch gibt es Töne und Pasiagen, die Studium und ein gebildetes Organ zur reinen Ausführung heischen, und die, wegen der übersprungenen Stufen im Unterricht, gewisse Sänger ganz untüchtig finden. Ost hört man noch falsch intoniren, wenn der Sänger es unternimmt, ohne Hinsicht auf sein eigenes Organ, das zu singen, was manchem Andern passlich, ihm aber unangenehm ist, und die Kehle besonders zu hoch hinaufschraubt. Es gibt also verschiedene Hinderniße für die vollkommene, reine Intonation, die fast durchgängig durch Aufmerksamkeit und Ueberlegung gehoben werden können, wenn sich nur der Schüler wie der Meister von jener wachenden Träumerei entfernt halten, die eine halb mechanische Beschäftigung nur zu oft bei ihnen zur ganz mechanischen werden lässt. Die schwerer zu hebenden Hinderniße für die reine Jnto- Nation sind, wenn der Schüler nicht vollkommen gut hört, oder wenn er eine schwache Constitution hat, und man offenbar die Schwäche seiner Brust als den Mangel an Kraft annehmen muss, der ihn hindert, den Ton in der Höhe zu halten, die zur vollkommenen Intonation nolhwendig ist. Hört ein Mensch nicht recht scharf, so entgeht ihm an sich selbst, sowie an Andern, das feinere Tonregister; er vernimmt nur dann und wann etwas von diesem, während die Töne zweiter Stärke von ihm ganz rein aufgefasst werden. Dadurch entstehen Mißgriffe in den feineren Tönen, und folglich kann er seiner Sache fast nie gewiss sein. Hört er aber mit einem Ohr stärker als mit dem andern, so glaubt er selbst einen Doppellaut zu vernehmen. Da bei dem übereinstimmenden Gesäuge die Kehle als das Echo des Ohrs zu betrachten ist, so weiß ein solcher Sänger oft nicht, welchen von den Doppellauten er als richtig annehmen muss, um sich in das Tonverhältnis der Stimmung mit der Begleitung zu bringen. Wo er sich irrt, wird der Ton falsch, Ein solches Gehör kann indessen verbessert werden; ja man kann selbst während des Unterrichtes manches thun, um den sichern Zutritt der reinen Töne zum scharfhörenden Ohr zu befördern, wenn man z. Bden Schüler so stellt, dass die Töne des Instrumentes, die ihm als Richtschnur dienen sollen, leichter zu dem scharfhörigen Ohr dringen. Dadurch gewöhnt sich die Kehle an sichere Verhältniße, und die Intonation bekommt eine feste Richtung. Dies ist freilich nur eine schwache Verbesserung. Was aber die Schwäche der Brust betrifft, die schuld an einer mangelhaften Intonation sein kann, so gibt sie wenig Hoffnung, einen vorzüglichen Sänger aus diesem Schüler zu bilden. Ihm sei es genug, die leichte Siugübung als ein medicinischeS Hilfsmittel zur Stärkung zu gebrauchen, wo dann eine gesungene Tonleiter ohne dis geringste Anstrengung das nachzuholen sucht, was in früheren Jahren vernachlässigt ward. Nach meinen Begriffen wird sich dieser Fehler nur sehr selten bei gesund erzogenen Kindern offenbaren, deren Brust schon seit dem vierten und fünften Jahre durch mäßige Bewegung beim Gesang gestärkt wurde. Kränkelnde Wesen an Leib und Seele sind ja, zum großen Glücke, nur Ausnahmen von der Regel in unserer schönen Welt, und für solche kann ja Weniges passen. (Fortsetzung folgt.) Der objektive Beobachter. Jnsolange nicht die in diesen Blättern schon so oft besprochene Cantoren schule besteht, betrachte ich die Cantoren- Zeitung als das wichtigste Bildungsmittel des Cantorenstandes. Ihre Aufgabe ist es, nicht nur belehrend und bildend auf die Berufsgenossen einzuwirken, sondern sie muss auch warnend und berathend auf verschiedene Uebelftände aufmerksam machen und alle Schäden und Mängel offen und frei bekritteln, denn nur auf diesem Wege ist es möglich, eine Besierung herbeizuführen. Als aufrichtiger Freund des Cantorenstandes und als Mann, der von Jugend auf demselben die größte Hochachtung entgegengebrachl hat, fei es mir nun gestattet, im Nackfolgenden einige Anregungen zu geben, selbst auf die Gefahr hin, von den »Getroffenen' anders als von der guten Seite beurtheilt zu werden. Ist es schon an und für sich bedauerlich, welcher Unfug mit dem Namen ,Cantor' getrieben wird, da Viele, die weder durch ihre Vergangenheit noch durch ihr Wissen hiezu berufen sind, sich diesen Ehrennamen eigenmächtig beilegen, so muss es noch mehr betrüben, wenn man sieht, wie so Mancher, der kaum über das A B C des Cäntorateshinweg ist — von Chasonus und musikalischem Wissen will ich gar nicht reden — sich schon Obercantor nennen lässt. Ja, in den meisten Fällen

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