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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-03-05 · Heft 8 (5.3.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 8 (5.3.1886)
Date
1886-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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t Oesterreichisch-ungarische eitung. für die GrZlimmt-IniercZZell siidischer Cntitotm »»!m״״»״**»״ Wien. Erscheint jeden achten Hag. 11., Novaragaffe 27. — —«xxx— Inserate werden billigst berechnet. Begründer: Obercantor IcrAo6 Wcruev. — Manuscripte werden nicht retournirt. I _/ Nr. 8 Wien. 5. März 1886. 6. Jahrgang. ^Rcdaxdian Administration Wien. II., Novaragnsse 27. 1 Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. I fr Pränumerations-Preis Kür Sereinsmitglieder: Ganzjährig ... st. S-— Halbjährig ... st. 2.50 Vierteljährig - - ft- 1-25 Monatlich . . : fl. —•45 Kür Mchlmilglieder: Ganzjährig ... st. Halbjährig ... st. 3-— Vierteljährig . . fl. 1-50 Monatlich . . . fl- —-50 Kür das Ausland: Ganzjährig . . . fl. 12 Mart oder K Rubel. Fragmente. , Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Bottes- Hause, im gemeinschaftlichen Verkehre. Aie Stellung des Weibes im biblischen Allerthnure. IV. ,Die Frauen*, rief -Rousseau aus. ,die von den Männern entweder unterdrückt oder angebetet werden, und die gleichwohl weder glücklich werden, noch glücklich machen können, wenn sie nicht gleich mit dem Manne gestellt werden!* Aber soll diese Gleichheit eine unbedingte sein? Soll man Männer aus ihnen machen,, wie Lykurg und Plato in ibren Republiken es thaten? Die Gleichheit besteht vielmehr für sie, wie für die Bürger unter sich, darin, dass sie eben so gut, wie das andere Geschlecht, alle ihrer besondern Natur innewohnenden Fähigkeiten regetmäßig entwickeln können. Wehe dem Volke, das sich so köstlicher Gaben beraubte, und bei welchem das Herz der Frauen stets ein unbestimmtes Misbehagen empfinden, und wie durch Naturtrieb den Gedanken bei ihnen erwecken muss, dass alle Verhältniße, in denen' sie sich befinden, aus falschen Grundlagen beruhen. Die Bibel hat das mit einem Federstriche gekennzeichnet: "ודבק באשתו והיו לבשר אחד", der Mann verbinde sich mit seinem Weibe, und sie sollten zu einem Wesen sich gestalten (1. M. 2, 24), also gleiche Pflichten und gleiche Rechte. Nach diesem Ausspruche ist die Frau eine dem Manne gleiche Gehilsin, sie bilden zwei verschiedene Theile eines und desselben Wesens. Es ist eine merkwürdige Bibelstelle, die wir hier nicht unerwähnt, lassen können, sie lautet: "׳ושמחת בחגך, du sollst dich freuen an deinem Feste, du. dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der Levite, der Fremdling, Waise und Witwe, die in deinen Thoren sind (5. M. 14, 14). Zft das nicht merkwürdig, hier fehlt eine Hauptperson, die auch an der Festesfreude sich betheiligen sollte, das Weib, es wird nicht genannt. Sollte dasselbe dem Diener und der Magd zurückstehen^ Keineswegs! Zn dem.Worte: ,״אתה, Du, ist die Frau schon mitbcgriffen, da sie mit dem Manne eine Person bildet. Sie werden beide, Manu und Frau, als dasselbe ,I ch* und ״Du* betrachtet; und doch ist die Frau für den Mann allein > nickt geschaffen, ihre Bestimmung ist. gemeinschaftlich die Glückseligkeit auszusuchen. Daher muss ein gemeinschaftliches Princip bei den Einrichtungen, die sie betreffen, walten. Das Gesetz muss mit gleicher Sorgfalt aus die Befriedigung der Bedürfniße beider bedacht sein. Eine vorgeschrittene Bildung verlangt eine andere Ent- Wicklung, als das Ziel einer Erziehung, welche den Frauen ihre währe ^Bestimmung lehren, und es ihnen begreiflich machen" soll, dass ihre Ausgabe nicht allein darin bestehe, das Land mit Kindern zu versorgen und Ordnung im Gange der häuslichen Angelegenheiten zn erhalten, sondern auch darin, aus ihre eigene Weise den Fortschritten des Geistes zu folgen und sie aus allen ihren Kräften zu unterstützen. Die Propheten, mögen sie das Glück oder das Leiden Israels schildern, unterlassen es nie, die Figuren von Frauen im Gemälde anzubringen, lachender oder in Thränen sich badender Jungfrauen. Sie bilden, wie die Jugend des anderen Geschlechtes, einen wesentlichen Theil des Staates, dessen Interessen und Rechte stets auf der öffentlichen Wage berücksichtigt werden mußten. Ihr Name bezeichnet oft das ganze Vaterland. ,Die Tochter Zions seufzt*, heißt: Jerusalem leidet; die Tochter Juda, die Tochter Ephraim, Gilead, bezeichnet diese einzelnen Länder. Gilt es dagegen dem Lande, wegen seiner Ungerechtigkeit, seines Aberglaubens und feiner politischen Sünden Vorwürfe zu machen, so verschwindet die Jungfrau, um einem ausschweifenden Weibe Platz zu machen. Auf diese Weise schildert Jecheskel mit seiner gewöhnlichen Energie die Ausschweifungen zweier verderbter Mädchen, die Ahola von Samarias, und die Aholiba von Jerusalem, die sich den Assyriern und den Chaldäern Hingaben und von den Händen derer den Tod empfangen, welche sie entehrten (Jecheskel 23). Sobald aber das Vaterland sich wieder aufschwingt, ersteht die Jungfrau um so reiner und lächelt ihren Kindern. Die eigentlich häuslichen Beschäftigungen der Frauen kommen nach den Gelehrten auf sieben Dinge zurück. Auf Brod kneten und backen, waschen, auf Zubereitung der Speisen, Ordnung der Lagerstätte, Wollarbeit und auf Stillung der Kinder

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