Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-02-25 · Heft 7 (25.2.1886) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (25.2.1886)
Date
1886-02-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453051--1657-3455821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

es den Göttern zu überlassen, diejenigen zu strafen, die ihnen den Dienst verweigerten. Durch Gewalt und durch Anklage würden diese in ihrer Meinung bestärkt und zögen den Tod, den sie für ihren Gott erlitten, dem Leben vor. Der Kaiser rügt es, dass die Heiden unbekümmert um ihre Götter dahinlebten, während die Christen sich die Verehrung ihres Gottes angelegen sein ließen. Er erinnert an die Verfügung, die Hadrian in dieser Hinsicht getroffen, und bestimmt, dass die Ankläger, die Nichtiges Vorbringen, gestraft werden sollen. Die Echtheit dieses Erlasses wird jedoch bezweifelt, einmal weil an der Spitze desselben d.r Name Marc. Aurel steht, zweitens weil bei Melito der Erlass in Wirklichkeit nicht vorkommt, vielmehr dem Eusebius interpoliert scheint. Eusebius citirt jedoch einsfernere Apologie des Zustinus. welche den Antoninus veranlasste, den Städten Griechenlands in gleichem Sinne zu befehlen, dass sie das Volk abhalten sollten, gegen die Christen zu wüthen. Dies wird von Dio Cass. durchaus bestätigt unter Berufung auf Eusebius und bemerkt, dass Äntonin große Ehrfurcht gegen die Christen bewiesen. 8. M a r c u s A u r e l i u s. Als Anhänger der stoischen Philosophie war Marcus Äurelius auch ein Gegner der jüdischen wie der christlichen Religion. Er hielt mit Eifer den alten Göttercult aufrecht, desten Oberpriester er wie alle Kaiser war. Das Festhalten der Christen au ihrer Religion galt ihm als thörichte Hartnäckigkeit. Zn Nom ließ er den ZustinuS, dessen Vertheidigungsschriften auf seinen Vorgänger so tiefen Eindruck gemacht hatten, enthaupten. Dieser hatte den Philosophen Crescens beleidigt, der die Christen basste, und ward, weil er eine Schule in Nom gegründet, vor dem Präfecren Rusticus, dem Lehrer Marcus Aurel's, angeklagr. Aufgefordert, den Göttern zu opfern, weigerte er sich standhaft, und nachdem er den Rusticus über den christlichen Glauben belehrt hatte, erlitt er mit feinen Genossen den Märtyrertod. Das Martyrium des Polycarpus, Bischofs von Smyrna, unter dem Proconsul Quadratus und sein würdiger Tod wird in einem Schreiben der Christengemeinde zu Smyrna berichtet. Zm Zahre 176 überreichte Melito, Bischof von Sardes, dem Kaiser eine Schutzjchrift für die Christen, in welcher er an die Intervention der beiden früheren Kaiser ,zu ihren Gunsten erinnert. Ein Erfolg derselben ist jedoch nicht bekannt geworden. Eine allgemeine und noch viel furchtbarere Christenversolgung irat um diese Zeit in Gallien ein. Unter den vielen Christen, die da ihr Leben verloren haben, befand sich auch der greise Bischof Pothinus von Lyon, dessen Nachfolger Zrenäus ward. Ob Marcus Äurelius dabei eine active Rolle gespielt hat. lässt sich aus den Quellen nicht bestimmen. Es würde dies mit seinen fonstigen Vorzügen nicht in Einklang zu bringen sein. Außerdem berichtet Znphilin bei Dio eine seltsame Thatsache und widerspricht dadurch der Annahme, als sei Mareus Äurelius ein Lesiießener Verfolger gewesen. Er erzählt, dass es in dem Feldzuge gegen die Markomannen und Zazygen den ermüdeten und von der Sonne verbrannten römischen Soldaten an Wasser gefehlt und dem Heere die Gefahr gedroht habe zu verschmachten oder in Feindeshand zu gerathen. Es sei hierauf plötzlich. mächtiges Gewölk erschienen, und es habe sich ein mächtiger Regen ergossen. Während nun Dio selbst dies durch die Zauberei des ägyptischen Magiers Arnuphik, durch Hermes und andere Gottheilen wjll geschehen sein lassen, tritt Liphilinus dieser Angabe entgegen und zeiht den Dio Cast, der bewussten Lüge, da er ja habe wissen müssen, dass eine Legion von daher keraunobolon lagma geummt worden sei. Diese habe die Römer damals gerettet, nicht Arnuphis. Vielmehr habe Marcus eine Legion von Melitene gehabt, die auS lauter Christen bestand. Da sei der Eparch (Legat) zu dem rathlosen und sorgenvollen Kaiser getreten und habe ihm gesagt, dafä den Christen durch die Kraft ihres Gebetes alles möglich und dass eine ganze Legion von Christen da fei. Der Kaiser fordert nun diese auf, zu ihrem Gotte zu beten, und ihr Gebet sei!ogleich erhört worden, indem die Feinde vom Donnerschlag getroffen, die Römer aber erfrischt worden seien. Darüber sei Marcus io erstaunt gewesen, dass er die Christen geehrt und, der.Legion obigen Namen gegeben habe. Julius Capit. sagt aus, da;ser durch sein Gebet dem Himmel den Blitz entrissen Und seinem dürstenden Heere den Negen erwirkt habe. Die Thatsackc wird auch noch bestätigt durch Claudianuß in seinem Panegyr. und bei Themistius. Der erstere spricht jedoch auch von chaldästchern Zauber oder von der Gunst des donnernden׳ Zeus. Äncd die Kirchenschriftsteller Eusebius und Tertulliän berichten darüber, ebenso Oros. Die beiden letzteren behaupten, dass Marc-js Äurelius in einem Schreiben zugestanden habe, dass dieser Regon vielleicht durch das Gebet der christlichen Soldaten.eriol.gr iei, desgleichen Orosius, aber mit weniger Bestimmtheii, jedoch ist die Darstellung des AphilinuS (wie Stolberg, Geschichte der Religion Jesu Christi, selbst anerkennt) ohne Gewichr. Acbuliches wird übrigens ans der Hass monaerzeit von Omas, den, Essäer, in den jüdischen Quellen erzählt. Vereinsimchrichten. Am22׳. Februar ch!7 Uhr Abends hat die Generalver. sammluug des öfterr.-nngar. Cantoren Vereines zur Vornahme der Vorstandswahlsn-!lattgstuuden. Anwesend waren: Jacob Bauer, Moriz Blatt, Adolf Fischer,, Carl Grünfeld,. Salomon Hirsch, Max chorernlka, Adolf Rotter, D. L. Notter, Vt. Salzer auS Tulln, Zsak Schiller, Mon; Schlesinger, Josef Singer, Leopold Si.'rn» Den Vorsitz führte Preises Josef Singer. Nach Erscheinen des .Regierungsvertreters eröffnete der Vorsitzende die Versammlung mir folgenden Worten: Mit dem heutigen Tage beschließ: der Vorstand seine dreijährige Thätigkeit und wir dachten, an diesem Tage einen großen Theil unserer auswärtigen Mitglieder in einer beschlussfähigen Generalverfammlung um uns;n oereinigen, um eine Rückschau zu halten über das VereinskV-en oiöder und auch die Ziele und Zwecke für die Zukunft reiflich zu erwägen. Dies ist uns leider nicht gegönnt, und wir müssen uns nnr auf die Neuwahl beschränken, die nach den statutarisch:!: Bestimmungen auf schriftlichem Wege stattsindet. Wenn wir aber trotzdem auf. die verflossenen 3 Vereinsjahre zurückblicken, 0׳ können'wir mit vollster Genugthuung behaupten: Der Vorstand hat den Verein nicht nur gegründet, sondern er hat ihn: auch wahrend dieser. Zeit eine sichere Basis geschaffen, die für -.׳ine gedeihliche Fortentwicklung, für ein ersprießliches Wirken nochwendig ist. War es,uns auch ::ich: möglich, aus dem Vereiusfoude Unterstützungen an .hilfSbedürkiize Standesgenossen zn verleihen, so ist es uns doch gelungeu, manche Thränen zu stillen und manches düstere-Gemnth ya erhellen. Dies waren jedoch nicht die einzigen Erfolge des Vereines. Das Standesbewnsstsein, das Gefühl der Zusammengehörigkeit der Cantoren wurde belebt und gehoben, und die Verc-uslci!u:1g war mehrere Male in die Lage

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.