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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-02-25 · Heft 7 (25.2.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (25.2.1886)
Date
1886-02-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 durch btffctntc, indem sie dem craffeu Aberglauben, den Wabngebildcn und fabelhaften Berichten aus dem Wege ging. Er betrat ein neues Gebiet der Wissenschaft, das der Erdkunde nämlicb, welche von seinen Zeitgenossen nicht als Wissenschaft hetrachlet wurde, in Folge dessen diesem Studium eine snbalterne Nolle zu Theil wurde. Nichr so Farissol. Sein scharfer Geistesblick führte ihn zu dem Gedanken, da^s das Studium der Geographie von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Erkenntuis des Menschen erscheine. Bon einem Freunde und Gönner aufgcmnutert, verfasste er, obwohl im hohen Alter von 75 Jahren stehend, ein geographisches Werk: ״itinera mundi" oder: ,אגרת ״ארוזות עולם, das allen seinen Geistes-Erzengnißen die Krone aufsetzte, von der Mit- und Nachwelt gebührend gewürdigt wurde, und in der sechsten Auflage vorliegt. Die portugiesischen Juden seiner Zeit befassten sich mit der Wissenschaft der Erdkunde in hohem Maße, und denselben sind viele von Portugiesen, gemachte Entdeckungen zu verdanken, wie dieS Depping in seinem Werke (Les Juifs du moyen age p. 453) klarbezeuget; auch Heinrich der Seefahrer holte Erkuudignugen über das innere Afrika von portugiesischen Juden ein (S. Maltebrun liistoire de la geografie p. 479). Nur die deutschen und italienischen Inden kehrten benannter Wissenschaft den Nücken, von dem Wahne befangen, dasä sie keinen praktischen Nutzen gewähre und die Beschäftigung mit ihr als nutzlos'und zcitranbend zu betrachten sei. Farissol widmete daher das Capitel 21 seines geographischen Werkes zur Bekämpfung jener geistlosen Anschauung, beleuchtet den immensen Nutzen dieses Studiums, und von religiösem Standpunkte ausgehend, sei jedes Bedenken gegen die Forschung dieser Erkenntnis über allen Zweifel erhaben, da doch die heilige Thora selber die Grenzen jedes Gebietes genau angibt, wie auch die Berge und Flüsse, mit welchem jedes Terrain in Verbindung steht. Die Anregung zu diesem Studium gaben ihm die vielen Entdeckungen, die von Portugiesen und Spaniern um diese Zeit gemacht wurden, insbesondere die Entdeckung Amerikas und die Südküste Afrikas und Indiens, wozu, wie bereits bemerkt worden, auch Juden mithalfen. Im Capitel 18 und 19 seines Werkes versetzt er das ParadieS in die Mondberge Nubiens, gegen die Anschauungen feiner Zeitgenossen, welche dem Paradiese einen Platz in den obersten Regionen deS Himmelreiches einränmten, und es in phantastischen Farben für den Leser darstcllten. Nun wollen wir noch aus seinem ruhmreichen Leben dasjenige hervorkehren, welches ein Streiflicht auf die damaligen politischen Zustände wirft und uns einen Einblick in dieselben eröffnet. Wie auS der Jntroduction seines Werkes ,מגן אברהם* daS er anno 1504 concipirte, hervorgeht, verkehrte er am Hofe des Herzogs von Ferrara Ercole d’Este I und mußte in Gegenwart desselben mit hervorragenden geistlichen Würden» trägern religiöse Coulroversen führen, um die Wahrheitsgründe für seine angestammte Neligion gegen die Einwendungen der Geistlichen zu beleuchte«. So entstand sein im Aufträge des Herzogs verfasstes Buch מגן אברהם, worin er die Beweise für die Wahrheit seiner väterlichen Neligion in hebräischer Sprache klar auseinandersetzte, und dieselben dann zur Vorlage für den Herzog in's Italienische übertrug. Mit weiser Vorsicht und philosophischer Ruhe bekämpfte er die der essäifchen Denkungsweise und der jüdischen Mystik entsprungenen christlichen Dogmen im Capitel 73 und bewies, dass sie der gesunden Vernunft und der klaren Reflexion schnurstraks zuwiderlaufen. Wenn seine Beweise nicht schlagend genug anssielen, so ist dieser Umstand!einer weiten Berechnung und praktischen Klugheit znzuschreiben, um die Gehässigkeit gegen seine Stammesgenossen seitens der herrschenden Macht, welche damals in der religiösen Intoleranz und der Bigotterie der Katholiken ihren Ursprung halte, nicht gewaltsam zu steigern. Daher beschränkte er sich in dieser Schrift, nur die Gegenbeweise des Christentbums gegen das Judenthum ein wenig zu paralysiren und die Lichtseiten der jüdischen Neligion bervorzukebren. Sein Todesjabr ist in nebelbaftes Dunkel gehüllt; ans Cod. deRossi 48 und 300 erbrüt, dass er noch anno 1526 am Leben war, daher er zweifelsohne ein hohes Alter erreicht hat. Das sind die wichtigsten Moments in dem Lebensgange des Vorsängers Farissol, der durch seinen biederen Charakter, seine aufrichtige Frömmigkeit und vorwiegend durch seine Gottergebenheit, da er seine Armnth in Geduld ertrug und nie gegen sein herbes Geschick murrte, nicht nur seinem Stande die grüßte Ehre bereitete, sondern auch der ganzen Judenheit. Sein Nuf als Schriftsteller und Gelehrter, als Bahnbrecher und Wegweiser auf dem Boden der menschlichen Erkenntnis durchbrach bald die Schranken Italiens und drang nach ganz Europa. Farissol errang durch seine eifrige und unverdrossene wissenschastliche Thätigkeit Hochachtung bei seinen Mitmenschen, Ansehen am herzoglichen Hofe und Liebe und Verehrung bei allen denen, die aus dem Jungbrunnen seines unerschöpflichen Wissens die Labung zur Nahrung ihres Geistes schlürften. Er erreichte die Unsterblichkeit; denn sein Name lebt in der Geschichte, die ihm ein ewiges Denkmal gesetzt, und in seinen Werken, welche nicht veraltet sind, obwohl mehr als drei Jahrhunderte seit ihrem Erscheinen in den Zeitstrom dahinrauschten und einen bleibenden wissenschaftlichen Werth besitzen. ,זכרו לא יסוף ממגן* Die römischen Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und Christen (nach den Quellen Largestellt.) Von Ar. A. Weiß. VII. 7. M. A n t o n in n s Pius. Dieser milde und weise Herrscher hob zuerst die Verfügung auf, dass die Leichen der im Hadrianischcn Kriege Gefallenen nicht bestattet werden dürften, hierauf auch die übrigen grausamen Edicte seines Vorgängers. Das Verbot, Jerusalem zu betreten, scheint jedoch in Kraft geblieben zu sein. Um so auffallender ׳ ist die von Jul. Capitolin mitgetheilte Nachricht, dass er die in Empörung begriffenen Juden überwunden habe. Da den Juden die Kraft, einen neuen Aufstand hervorzurufen, damals wohl schon gefehlt haben mochte, so dürfte diese Nachricht darauf zurückzuführen sein, dass die Erhebung des Barkochba beim Negiernngsantritte des Antonin noch nicht völlig unterdrückt gewesen sein mag. Allerdings wird auch berichtet, dass der berühmte Nabbi Simon ben Jochai, der einmal öffentlich die römischen Staatseinrichtungen getadelt oder vielmehr als selbstsüchtige, nicht für das Gemeinwohl geschaffene bezeichnet bat. in Folge dessen sich dreizehn Jahre lang verborgen halten mußte. Den Juden ward auch unter Anronin die Civilgerichtsbarkeit entzogen. Eusebius berichtet, dais unter Antonin der siebente Bischof von Nom. Telesphorns, als Märtyrer gestorben sei. Außerdem scheinen die Christen unter der Willkür der römischen Obrigleiten viel gelitten zu haben. Dies gebt hervor aus der Apologie, die Justinus Martyr an Antoninus Pius gerichtet hat. Diese Vertheidigungsschrift batte die Wirkung, dass der Kaiser an die Provinz Asien einen Erlass ergehen ließ, in welchem er befahl.

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