Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 7 (25.2.1886)
- Date
- 1886-02-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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die Situation erzwungene sei, und indem wir unsere Genugthnung darüber öffentlich zum Ausdrucke bringen, dass das-Gefühl des Dankes und des Vertrauens der Vereinsmitglieder den Herausgebcr und Begründer dieses Blattes wieder an die Spitze des Vereines berufen har, schließen wir mit dem Wunsche, . dass für die Zukunft unserem Blatte Worte, wie die in der letzten Nummer uiedergcschriebeuen, eripart bleiben mögen. 7 Grsangslnirfe. » (Fortsetzung.) Wenn der Schüler einen Begriff von dem Tone bat, den; wir für einen schönen Ton zu halten berechtigt sind, trete der Lehrer. mit ihm an das Pianosorte, um zu versuchen, inwiefern er natürliche Anlage mitbringt, ihn zu erreichen. Dass. mau nun zuerst Rücksicht auf die Lage des Mundes, die Stellung ' des Körpers und auf das nöthize Athcmholen nehmen werde,׳'; setze ich für bestimmt zum Voraus; denn obne diese Vorkehrung wäre selbst der geringste Versuch Zsitverschwendung. Der Lehrer gebe auf dem Instrumente einen Ton an, den die Kcble des Schülers ohne besondere Anstrengung zu fasten vermag, der also weder zu hoch, noch zu tief für die Naturanlage seiner Stimme, aber ungefähr in der Mitte seines Tonregisters liege. Wir wählen den Ton F. Das Erste, was der Schüler dabei zu thun hat,ist: mit gespanuteui Ohr den richtigen Klang vollkommen zu fassen, um ihn daun durch das Anstimmen mit der Kehle uachzuabmen. Sollte er dies Geschäfl mir Zerstreuung und Nachlässigkeit unternehmen, so würde er.bei einem leidlich mnsikalisckewGehör etwas Aehnliches hcrvorbringen. Aber den Ton dergestalt in seinem Mittelpunkte zu!reffen/ dass er ihn durch das Auffassen des Ohres eben so rein in die Kehle übertrage, um durch ihr Mittel den Ton dem eigenen lauschenden Ohre wieder vernehmlich zu machen, muss der Verstand milwirken, und cs nicht dem Uhngefahr der glücklichen׳ Kehle allein überlassen sein, inwiefern der Ton gcrroffeu wird. Ich wünschte, dass unser Zögling nie einen Misgriff gethan Halle, dass ihn die Gewöhnung an eine vollkommene Geistesgegenwar! bei allem, was er unternimmt, und unsere befreundenden Winke auf die zu umgehenden Fehler jedesmal aufmerken ließen, bevor er. sie selbst beginge. Dies nur führt zu unendlichen Fortschritten, weil wir ans solche Weise eine Zeit zum Weiterkommen gewinnen, die bei pernachlässigterem Unterricht ans das Znrückschreiten verschwendet wird. Za, ich glaube, dass die frühe Gewöhnung, Alles, was man lernt oder thut, auf die vollkommenste Art anzugreisen und ausznführen, eine der ersten Bedingungen zu, einem besonders, zufriedenen Gemüth und einem Glückseligkeitsgefühl in uns ist,, das uns in jede, ja selbst in die unbedeutendste Beschäftigung folgt. Nun zur Anwendung. Zeder ganze Ton, im Verhältnis.zu seinem Nachbar, bcsteht aus mehreren Theilen, in deren Mittelpunkt das reine, ganz reine Thcilchen. liegt, das. vom Sänger aufgefasst werden muss. Mau stelle sich, zur größeren Deutlichkeit vor, der Ton I? könne iu sieben Parcelleu getheilt vor uns liegen, so würden drei dieser Theilchcu, eins , immer etwas tiefer als das andere klingen müsieu, und das. 1. Theilcheu als das tiefste au den Ton E, Leu liefern Nachbar, reichen, so wie ans der andern Seite die Theilcheu 5, 6, 7 immer eines höher , als das andere klingen müsien, um mit Ni7 .׳, als dem höchsten Theilcheu des Tons, an den höheren Nachbar Gr zu reichen. Das Theilcheu des Tons mit Nr. 4 bezeichnet, als da s mittelste., ist nun gerade das zu treffende Pünktchen, das einzig ganz rein, und all'o im vollkommensten Verbältnis eines ganzen Tones gegen Nr. 4 des nächsten ganzen Tones steht/Undnie weder zu bvcb noch zu tief liegt. Auf einem Saiteninstrument, besonders auf der Violine, oder mit 'einer ganz׳ gebildeten Summe, so wie auch auf '-manchen Blasinstrumenten, lässtsich diese leise Abstufung -von dem Mittelpunkte cines Tones zum Mittelpunkte/ des andern weit; anschaulicher, als durch -das Pianoforte, welches, nur halbe Töne angeben kann, machen. Aber zum Glück für den Sänger liegt eine anziehende Kraft in dem Mittelpunkte jedes Tones, die bei gesundem Gehör ibm leicht das schwer Scheinende treffen lässt, und in der Praktik diese Auseinandersetzung für den Verstand übcrstüssig macht. Aber sie scheint mir zu den Anfangszründen des reinen Gesanges zu - gehören, damit der Anfänger wisse, was er zu vermeiden babe, und wenn ihm sein Ohr sagt, er babe den angegebenen Ton nicht vollkommen mit der Kehle nachgeahmt, so muss er suchen sich Rechenschaft zu geben, ob er mit seinem Tone unter der Ziffer 4. also zu tief, oder über die Ziffer 4, hinaus: das heißt, seinen Ton zu doch nabm. Diesen Mittelpunkt in jedem Verhältnis der Töne und in allen Gelegenheiten zu treffen, wenn man einen Ton, oder viele aneinander gereihte Töne augeben; das heißt, singen soll, nennt man in der Kunstsprache rein iutoniren. Wer dies nicht kann, auch nach wiederholten Versuchen nicht, beweist, dass ercs nie zu einer leidlichen Neinbeit im Anstimmen der Töne bringen werde (wie sich dies dann und wann in Familien findet, die durchaus unmusikalisch geboren/ zu sein scheinen, weil, durch mehrere Generationen hindurcb, ihr Ohr in musikalischer Hinsicht ganz. ungebildet blieb, und so zu sagen 'bei ihnen alle Empfanglichkci! dafür verloren ging), der thut freilich wohl, sich nicht unter unsere Fahnen ansnehmen zu lasten; denn es gehört ein eiserner Fleiß und Engelsgeduld von Seiten des Schülers und Meisters dazu, um das Hindernis unter solchen Umständen mit Erfolg zu bekämpfen. Und doch muss es durchaus gehoben werden, um es jemals dahinzubriugeu, nicht allein mit Vergnügenzu siugen, sondern mit ähnlichen Gefühlen gehört zu werden. Als Bruststärkung sollte ein jeder.Mensch, also auch ein solcher^ sich üben, Töne zu fingen./ Allein die Singknnst hat in ibrer ferneru Ausdehnung höhere Zwecke; sie-soll nicht allein das Ohr. berühren und die Kehle in Bewegung setzen, sondern auch die Seele, den geistigen Sinn» durch den - körperlichen erheben, erfreuen und erweitern. Diese.Zwecke fallen aber ganz weg, wo. die weniger reine Intonation das Ohr beleidigt und die Seele quält.. (Fortsetzung folgt.) Der Vorlieter Abraham Fnrllsal. Ein Lebensbild nach der Quelle dargestellt von Ar. A. Löwt), Bezirksrabbiner und -Prediger in Bntschowitz, Mähren. (Schluss.) Wodurch Faristol über seine zeitgenössischen Gelehrten hervorragte und von denselben besonders abftach, war offenbar durch sein Streben nach klarer, mit der geraden Denkuugsweise nicht collidirender Anschauung und durch, seine nüchterne, logische Darstellungsweise, die von der seiner Zeitgenossen bedeutend da-