Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (17.2.1886)
- Date
- 1886-02-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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jüdische Opferwilligkeit fick ergiebig cm deren Errichtung berhätigt bat. Auch das Buch, welches wir anlegen, um darin die Namen Aller zu verewigen, die für diele .erste Synagoge" ibr Scherflein spenden, wird dem biesizeu Gemeinde-Archive für alle Zeiten einverleibt bleiben. Wir tragen in uns den Glauben an die jüdische Opferwilligkeit, treten mit der Zuversicht, die er uns einflößt, an unsere Glaubensgenossen berau und stellen mit dem Nufe : ,Es gilt ö a G e r st e israelitsche Gottes- Haus in der Steiermark!" die tief innige Bitte: Helfet uns, unterstützet und fördert unser Vorbabeu! Wir dürren nicht zweifeln, dass unsere Bitte bei Euch Beachtung und Erhörnng findet. איש כמתנת ידו Graz, im Znni 1885. D as Tenipelbaucomits. Graz, 11. Februar 1886. Hochgeehrter Herr Redakteur: Mit Berufung auf §. 19 des Pressgssetzes ersuche ick um Aufnahme nachfolgender Berichtigung zu dem in voriger Nnmmer der ״Cantoren-Zeilung" veröffentlichten ,Eingesendet' aus Brandeis a/E.: ■ Ich hielt Samstag den 28. November meinen Probevortrag und wurde am 29. acceptirt. Das Bewerblingsgesuch des Herrn College» Weiß, welches ich im Originale zur Einsicht beilege, lag schon am 22. November in der hiesigen Gemeindekanzlei. Mit vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebenster I. Stransky. Kleine Lhrmiik. Hraz. (Orig. Corresp.) Februar 1886. Die israelitische Cultusgemeinde in Graz schreitet an den Bau eines Tempels und erlässt einen Aufruf an die Gemeinden, mit dem sie nm Unterstützung für ihr Unternehmen bittet. Wer die Verhäliniße in Steiermark kennt, weiß, mit welchen Widerwärtigkeiten die Inden zu kämpfen hatten, ehe es ihnen gelungen, sich daselbst dauernde Heimstätten zu gründen. Noch vor wenigen Jahrzehnten mußte man sich die behördl. Genehmigung erwirken, wenn man auf steiermärkischem Boden auch nur eine Nacht verbringen wollte, und heute geht die Cultusgemeinde in der Landeshauptstadt allen Ernstes daran, einen Tempel zu bauen. Freilich, es hat noch gute Wege, ehe auch nur der Grundstein wird gelegt werden könneil; allein die Angelegenheit kann nicht mehr von der Tagesordnung abgesetzt werden, weil das Bedürfnis nach einem Gotteshause schon seit Jahren fühlbar, mit jedem Tage dringender, und nunmehr unabweislich geworden. Besindet sich ja die bisherige Gebetsstätte dieser auf fast 300 Familien herangewachsenen Gemeinde au einem Orte, der unpassender und unwürdiger für ein Gotteshaus kaum gedacht werden kann; wo gibt es noch einen israelitischen Tempel, der innerhalb einer Kaserne für Infanterie und Artillerie sich besindet? Im Kellergeschoß dieses von der Stadtgemeinde Graz gemietheten Hauses ist ein Pferdestall und über demselben liegt der Tempel. Diese Thalfache allein enthebt die Grazer Gemeinde jeder weiteren Begründung für die Nothwendigkeit eines Tempelbaues. Ein rühriger Vorstand mit dem lhatkräftigen Herrn Karl Holzer an der Spitze hat die Angelegenheit energisch in die Hand genommen und es bleibt nur der Wunsch, dass jüdische Herzen sich dem Unternehmen günstig zeigen und Unterstützung gewähren. Vor wenigen Tagen hat die Cultusgemeinde vom k. k. Finanz-Ministerium die Erlaubnis erhalten, eine Effecten-Lotterie zu Gunsten des TempelbaueS ins Werk zu setzen, nachdem sie schon im November vorigen Jahres von Sr. Majestät in Audienz empfangen worden und die Allerhöchste Genehmigung ׳z — hiefür erbeten hatte- Auf diese Lotterie, die, nebenbei bemerkt, eintausend Gewinne enthalten wird, setzt die Gemeinde große Hoffnnngen, trotzdem der Erlös noch lange nicht für den Bau ansreichen wird. Budapest Das bekannte ministerielle Statut betreffs Regelung der jüdischen Matrikelführung hat leider betreffs der Eintheilung in Matrikenbezirke wieder die beinahe geschwundene Zwietracht neu in's Leben gerufen. Die Parteizänkereien lodern wieder auf, und seit dem unseligen Congreffe des Jahres 1869 hatte es nicht solche erregte Gemülher innerhalb der u garifchen Judenheit gegeben, wie heutzutage. Nicht genug, dass man den geletzestreuen Juden Ungarns in Negierungs׳ und Administrationskreisen den Patriotismus abspricht, wurden dieselben auch bei der Eintheilung der 466 Matrikenbezirke ganz desavouirt und überall, auch an solchen Orten, wo dieselben in der Majorität sind, die gegnerischen Gemeinden mit der Führung der Matrikel betraut. Gegen dieses ungerechte Gebabren erhoben drei Metropolen der gesetzestreuen Juden Ungarns ihre Stimme, u. zw. Preßburg, Großwardein und Papa- Die Preßbnrzer Gemeinde hat ihr Recht zur Führung der Matrikel bereits erhalten, Großwardein, dessen einflussreicher Präses dieser Tage mit einer Deputation beim Ministerpräsidenten Tisza und beim Cultusminifter August Trefort erschien, hat sichere Zusagen erhalten. Trotzdem wurde von einem Orte des Großwardeiner Bezirkes, welcher, nebenbei bemerkt, aus 52 Filialgemeinden besteht, aus dem Orte Mezö Telegd der Matrikelführer mittelst Geudarmerie-Escorte nach Großwardein gebracht, weil derselbe sich weigerte, bei der gegnerischen Gemeinde die Jmatrikulirungsfälle anzumelden. ״Zwingt mich nicht zu einer That, die meinem Gewissen widerspricht, werfet mich lieber in den Kerker!" entgegnete der wackere Mann, als man ihn zur Rechenschaft zog. Derlei Fälle werden nun leider in Ungarn sehr oft Vorkommen, und wenn diesen Zerklüftungen kein Damm gesetzt wird, so stehen die jüdischen Gemeinden Ungarns wieder vor einer Katastrophe, die sich, Gott behüte, verheerender gestalten kann, als die vom Jahre 1869. Mögen alle Diejenigen, welche in blindem Parteifanatismus vor einer brutalen Gewisfensknechtung nicht zurückschreckcn, bedenken, dass wir allesammt von .iner Welt von Feinden umgeben sind, und dass sie in verblendeter Kurzsichtigkeit nur den gemeinsamen Feinden neue Waffen und neue Angriffspunkte liefern. T. P. GödlNg. Herr Cantor M. Wodak hat über ärztliches Anrathen nach bereits 18jähriger Wirksamkeit in unserer Gemeinde sein Amt freiwillig niedergelegt. Die Gemeinde hat die Demission mit großem Bedauern angenommen. Best. In Neupest stürzte eine Ziegelmauer im Scbulzimmer der 2. Classe der jüdischen Volksschule ein. Einige Minuten früher war der Unterricht beendigt, und die Kinder schickten sich eben an. das Clasfenzimmer zu verlassen. Die herabstürzenden Ziegel verletzten 5 Kinder, vier leicht, einen Knaben, Namens Landauer, aber so schwer, dass an dessen Aufkommen gezweifelt wird. Die morsche Mauer war durch das Schmelzen des Schnees ganz unterwaschen und dies führte den Einsturz herbei. Die Behörde verfügte sofort die Sperrung der Schule, da das ganze Haus eiuzuftürzen droht. Corresponden; der Nedaetion. Kr. in Fr. Sie erhalten brieflich einen RechnungSauSweis. Br. in G. Wir bewilligen Ihnen, den Rest, welcher genau verbucht wurde, in den gewünschten Raten zu begleichen. M. in K. St. M. Bisher ist uns kein Artikel zugekommen, daher konnten wir ihn auch nicht veröffentlichen. Wollen Sie uns also das Bewusste nochmals einfenden. Wahrscheinlich ist es auf dem Wege verloren gegangen. Die Redaction. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in der Nedaetion, Wien. II., Novaragasse Nr. 27 zahlbar.