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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-02-17 · Heft 6 (17.2.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 6 (17.2.1886)
Date
1886-02-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e abgelebnt, jedoch dieselbe für eine spätere Zeit, sobald genügende Geldmittel vorhanden sein sollten, in Aussicht genommen. Der zweite Antrag beziebt sich aus Gewäbrung von einmaligen Unterstützungen an Mitglieder, resp. deren Hinterbliebene bei eingetretenec Invalidität, bei Todesfällen, Krankheit rc. Der Vereinssecretär weist nacb, dass bei Annahme des von ir-m in diesem Sinne auSgearbeiielen Statutes der Verein trotz nichi unansehnlicher Leistungen doch noch jährlich einen Ueber. ichuss haben müsse. Dieser Antrag wird von den Herren L. Stern, A. Notier, S. Singer eisrigst unterstützt, indem dieselben daraus Hinweisen, dass mit Annahme desselben der Verein schon jetzt seinen Mitgliedern etwas gewähren würde, und dass es überhaupt schon an der Zeit sei, dass der Verein den Mitgliedern etwas biete. Bei der bieraus folgenden Abstimmung wird der Antrag angcuommen und auch die Höhe der Unterstützungsbeil!äge für die einzelnen Fälle präliminiri. Hieraus wird die Sitzung geschlossen. Die Berathnngen über das vorgelegte Statut werden nach der Wahl beendig׳, und nach Schluss derselben wird das neu auSgearbeitele Statut veröffentlicht werden, damit sich auch die Mitglieder an der Discussion betbeiligen können. * « * Dak dem 1. Präses-Stellvertreter, Herrn I. Bauer, zugesandte und vom Vorstände einstimmig beschlossene Vertrauensvotum lautet folgendermaßen: Sr. Wohlgeboren Herrn Z. Bauer, Obercantor der türkischen Jsraeliten-Gemeinde, Viccpräses des öfterr.-uugar. Cantoren׳ Vereines und Herausgeber der österr.-ungar. Cantoren-Zeitnilg. Wien, den 15- Februar 1886. Geebrtcr Herr College! Gelegentlich der bevorstehenden Vorstandswahl ist eitt auonymes Circular an die Mitglieder des österr.-ungar. Cantoren- Vereines vcnheill worden, welches, bezüglich der darin enthalteneu Ausdrücke und persönlichen Angriffe, die Misbilligung des GesammtvorstandeS wachries. Wir beehren uns nun Ihnen die Mittheilung zu machen, dass der Vorstand die in dem bewussten Circulare gegen Ihre Person gerichteten Angriffe durchaus nicht tbeilt, sondern dieselben mit tiefem Bedauern zurückweist. Indem wir Sie von diesem in der Sitzung vom 13. d. M. gefassten Beschlüsse benachrichtigen, zeichnen Wir ganz ergebenst Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoreu-Vereines I. Singer, Präses. Eingesrndrt. An die israetitische» Glantiensörüdec! Die israelitische C n l l u s g e m e i n d e in Graz sieht sich in die NothWendigkeit versetzt, die Opferwilligkeit der Iiraelitcn anzurufen, an die Munisicenz der jüdischen Herzen zu appelliren. deicht ohne Bangen sprechen wir es ans. das schwerwiegende Wort: Wir haben keinen Tempel, wollen einen bauen und müssen ibn bauen. Unser gegenwärtiges Tempel- Locale bcsindet sich in einem von der hiesigen Siadtcommune gcmielbeten Hause, welches, innerhalb eines Kasernenhofes für Artillerie und Infanterie, einem ausschließlich militärischen Zwecken gewidmeten Gebäude-Complexe angehört, offenbar an dem für eine Gebetsstätte denkbar ungelegensten Orte. Die hiesige israelitische CultuSgemeinde ist die erste und einzige in der Steiermark. CS ist bekannt,, dass den Israeliten die Äusiedlung in der Steiermark durch Jahrhunderte versagt war; erst unter der Negierung unseres glorreichen Landessürsteu, Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses I., also seit wenigen Jahrzehnten ist es ihnen gegönnt, den Boden wieder zu betreten, an den sich die Neminiscenz an rvechselvolle Geschicke ihrer Ahnen knüpft. In dieser neuen Aera, mit welcher die Steiermark neue Heimstätten für die Israeliten erschloss, darf das Gotteshaus, welches wir jetzt unter dem Beistände Gottes errichten wollen, mit Fug und Recht als das .Erste israelitische Gotteshaus in der S t e i e r m art' b zeichnet werden. Leider aber sind unsere Kräfte bei Weitem zu schwach, das große Werk ohne die Beihilfe unserer auswärtigen Glaubensgenossen zu voUsühreu. Soll diese .erste Synagoge in der Steiermark' in die Wirklichkeit treten, dann muss sie für die kommenden Geschlechter einen Markstein bilden föiiuen, der die lhatkräftlge Mitwirkung der Glaubensgenossen von Nah und Fern bezeugt und die Kunde binansträgt in die Zukunft, dass Glaubensgenoffen viel Gutes erweisen.' Der Fürst: ,Sie dürfen deshalb der All. 181׳. sehr dankbar sein." Dre Freiw.: .In der That, alle Juden des Orients verehren diese wohlthätige Stiftung der Dienste wegen, die sie uns leistet." Der Fürst: »Sagt mir, meine lieben Freunde, ohne Zwang, was ich für Eure Kameraden, die freiwilligen Juden, thun kann.' Die Freiw.: Weil Ew. Hoheit daran festhält, unsere Wünsche zu erfüllen, so werden wir sie Ihnen aussprechen, allein vor Allem wollen wir Ihnen folgende Erklärung geben: Die 504 Juden, die Sie gestern gesehen haben, sind bereit, sich freiwillig aus dem Altäre des Vaterlandes für sein Glück und für den Ruhm Ew. Hoheit, unseres vielgeliebten regierenden Fürsten, zu opfeni, und wir sind alle entschlossen, auf's Aeußerste zu kämpfen, um zu siegen. Wir sind weit davon entfernt, die geringste Belohnung dafür zu verlangen, dass wir unsere Pflicht gethan haben. Wir wünschen nur, dass man uns gute Jnstructeme für die begonnenen militärischen Uebungen gebe, und was noch wichtiger ist, dass man uns nicht unter die verschiedenen Arm-ecorps vertheile, sondern unserer Legion die Unabhängigkeit lasse." Der Fürst: »Ich verstehe, Sie wollen ihre Tapferkeit zeigen, und Sie haben Recht. Ihre Bitte ist gewährt.' Denselben Tag erhielten wir fremde Offieiere zu Jnstructeuren unter andern einen, der spanisch sprach und uns sehr lieb hatte. Die Fortschritte, die wir während der Uebungen machten, entzückten alle diejenigen, welche uns die Waffen handhaben sahen. Nach fünf Wochen besichtigte uns der Fürst Alexander von Neuem. Er zeigte sich sehr erfreut, und nachdem er uns seinen Beifall ausgesprochen, sagte er: ״Meine Kinder, die Serben haben uns den Kriegerklärt und sind bereits in das Vaterland eingefallen. Ihr müsst nach Sofia zurückkehren. Von dort wird man Euch sagen, wohin Ihr Euch begeben sollt. Um Euch zu beweisen, wie viel Vertrauen ich zu Euch habe, verspreche ich Euch, immer bei Eurer Legion zu sein. Wir kehrten nach Sofia zurück. Dort hörten wir, dass der Feind den Dragoman-Pass überschritten hätte und sich Slivonitza näherte, welches einige Kilometer von der Hauptstadt entfernt ist. Man führte uns gegen Slivonitza, wo wir zwei Tage vor der Schlacht aukamen, welche wir gewannen, indem wir die Verwirrung des bis dahin siegreichen Heeres des König.Milan vollendeten- In meinem nächsten Briefe werde ich über die Thaten der jüdischen Legionbei der Einnahme von Slivonitza berichten.

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