Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (17.2.1886)
- Date
- 1886-02-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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3obre 1517 verfasste er einen (Sotnmeutar zu dem Buche 111013 und anno 1525־ eine Erläuterung zu dem Buche Koheleth. Obwohl die genannten Werke non!einen Zcitgmossen gelesen und sludin wurden, sich des besten?Kure« erfreuten, den sie in Folge ihres geistreichen )uballrs verdienten, warm sie nichtsdestoweuiger nicht geeignet, seinen Nus als eine hervorragende, außergewöhnliche Erscheinung zu begründen, weil dazumal die Abfassuug solcher die Bibel coulmentireüder Werke gewöhnlich war, und jeder sich dadurch als Gelehrter •H'cnmeutirte, wenn er Erläuterungen zu der heiligen Schrift verfasste, um auch in die Reihe der Bibelcommeulatoreu aufgenenunen zu werde!!, sSchluss solgi.) Vereinsnachrichten. Sitzungsbericht über die anr!3. Februar stattgefundene Vorstandssitzung. Ta ge s o r d n u n g : Beraibuug über Acudernug der Statuten. A nwesen d: I. Bauer, A. Fischer, C. Grünfeld, S. Hirsch, Ai. Petersilka, A. Notter, M. Schlesinger, Z. Singer. S. Singer, L. Stern. B o r i i h e n der: Präses I. Singer. Vor Uebergang zur Tagesordnung macht der Präses die Miltdeilnua, dass anlässlich der Wahl ein anonymes Circular an die Nereinsmitglicder versendet wurde, gegen dessen Fassung .er im Namen des Vorstandes Einsprache erheben müsse. Dasselbe lautet: ,Geehrter Herr Collega! Anlässlich der bevorstehenden Wahl erhielten Sie nebst dem Stimmzettel auch eine verblümte Caudidateuliste, allein die Zusammenstellung derselben ist nicht darnach angetban, uns über die Zukunft des Vereines zu beruhigen. Die besten Be!trcbun. en der bisherigen Präsidenten, die ehrlichst-1! Traditionen der meisten Vorstandsmitglieder konnten nur zum Tbeile oder gar nicht realifirt werden, da in dem bisberigen Präses - Stellvertr e t e r, der zugleich Eigentbumer und Herausgeber der ,Cantoren-Zeitung' ist, diese Bestrebungen nicht nur erschwert, sondern geradezu unmöglich gemacht wurden. Es kann Niemandem verargt werden, in erster Linie für sich zu sorgen, aber wer ein solches Ehrenamt aus den Händen seiner Wähler j aunimmt, muss sein Interesse zu Hause lassen, ja er mnis auch bereit sein, für die gute Sache ein Opfer zu bringen. — Wir brauchen Männer! — In der Hand eines jeden Wählers liegt es daher, für die allgemeine Angelegenheit etwas zu tdnn, und darum find wir überzeugt, dais Sie uns nur Dank wissen werden, wenn!vir Ihnen folgende Candidatenliste empfehlen.! (Folgt eine Candidaieniiste. in welcher Herr I. Bauer nicht als i P! ä s e s - S t e l l v e r t! e! e r, sondern als Beirath candidirt wird.) i Viele Wiener und auswärtige Mitglieder des österr.-nng! Eauloren-Vereiiies. denen das Aufblüven des Vereines am Herzen liegt." Der Vorsitzende crlucht nun die Anwsfendcn. ihre Meinung abzugebe», was sie angesichts dieses EirculareS zu thuu gedenken. Dasselbe enthalte erstens einen Vorwurf gegen den Gefammt-Vorstand, dass er eine verblümte Eaudidateuliste ausgesendet habe. Dies fei nicht der Fall. Den Stimmzetteln wurde nur, gemäß den Bestimmuugeu der Statuten, ein Verzeichnis fämmr[ icber in Wien wobnender Vereinsmitglieder beigelegt, dessen Fassung von einem biezn eingesetzten Coinitö beschlossen tvnrde. Weiters würden in dem Circulare gegen den bisherigen Präses-Stellvertreter persönliche Angriffe gerichtet, die I jeder Begründung entbehren und entschieden misbitligt werden j müssen.! In der darauffolgenden Debatte wurde die!e unreine Agii lation allgemein verurtbeilt, und der 2. Präses-Stellvertreter I L. Stern stellte, unterstützt von Herrn M- Schlesinger, den? Antrag, der Gesammivornaud möge dem Herrn I. Bauer s schriftlich fein vollstes Vertrauen und sein Bedauern über die j in dem Eircnlac gegen ihn gerichteten Angriffe ausdrücken.! D-eser Antrag wurde e i n st i m m i g angenommen und | der Präses mit der Ausführung desselben betraut, s Hierauf wird zur Tagesordnung übergegangen. Es lagen s zwei Anträge vor. Der eine, vo!l Herrn Petersilka eingebracht,! bezweckt die Gründung einer Pcnsionscasse nach einem vorgeleg- I ten Mnsterstatnte. Nack eingehender Beralhung und nach Vor-! läge einer vom VereinS'ccrctär auf Grund statistischer Daten! an gestellten Berecknuilg, aus welcher hervorgebt, dass der Verein j bei Gründung einer Peusiouscasse schon in wenigen Jahren vor! einem Desica stehen würde, wurde der Altlrag auf sofortige i Gründung einer Pensionscasse mit allen gegen zwei Stimmen gleich großartiges Schauspiel dar. Die Eltern, die sich von ihren Söhnen trennten, die Frauen, welche ihre Männer verließen, die Kinder, welche, ohne zu verstehen,!vas vorging, ihre Blätter weinen und ihre Väter sich entfernen sahen, das war eine Seene, wie man in Sosia nie eine solche gesehen! Als daS Zeichen des Abmarsches gegeben word-.n war, stimmte die Legion im Cbor das שמע ישראל und unmittelbar daraus die bulgarische Nationalhymne an. Tauseitde von Zuschauern, Christen und Juden, haben mir Thränen in den Augen durch stürmisches Hurrabrnfen den guten jüdischen Brüdern (so nennt man uns jetzt) eine gute Reiie und vollkommenen Erfolg gewünscht. Einige Tage später lagerten wir unter Zelten vor den Thoren der Stadr Plilippopel. Keiner von uns war krank. Es ist wahr, dass man uns sehr gut behandelt hat und dass unsere Oberbefehtshaber eher Kameraden ais Vorgesetzte waren. Am dritten Tage nach unserer Ankunst inspicirte uns Se. Hoheit der Fürst. Er war voller Liebenswürdigkeit gegen uns und hat darauf bestanden, dass wir ihm unsere Wünsche ansdrücken sollten. Darauf traten 2 tapfere Männer aus den Reihen und baten in vortrefflichem Deutsch um eine Privataudienz, welche gütigst aus den anderen Mittag im Konak (Schloss) festgesetzt wurde. Nachdem sie uns alle um Rath befragt k 1 l I hatten, fanden sich unsere 2 Kameraden zur bestimmten Stunde bei Sr. Hoheit dem Fürsten Alexander ein, weicher sie mit außerordent» lichem Wohlwollen empsing. Folgendes ist ungefähr der Wortlaut ihrer Unrerhaliung: Der Fürst: ,Wo haben Sie so gut deutsch gelernt?" Die Freiwilligen: ,Wir haben unsere Slrrdieu in Wien und in Leipzig gemacht." Der Fürst: ,Sind unter den Freiwilligen noch andere Männer, welche es ebenso wie üe gemacht haben?" Die Freiw.: ,Es!ind dereir mehr als 50 hier." Der Fürst: ,Nnd die andern, können sie bulgarisch?" Die Freiw.: ,Alle Juden in unserem Alter können vollkommen die Landessprache, sowie auch türkisch und französisch." Der Fürst: .Alle? das ist vielleicht zu viel gesagt, die wohlhabende!: Israeliten, das ist möglich und daS will ich auch glauben." Die Freiw. : ״Verzeihen Sie. gnädiger Herr, wenn wir das Wort Alle aufrecht erhalten. Seit mehr als 20 Jahren hat die Kiliane« israelite uuiverselle in Paris in allen Städten der Türkei vortreffliche Schulen gegründet, wo alle Kinder beider Geschlechter bulgarisch, türkisch nnd französisch lerne». Außerdem hat sie Handwerksschuleu errichtet, welche dem Lande und unseren armen