Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (17.2.1886)
- Date
- 1886-02-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 4= - mit dem glühenden und gefährlichen Fanatisiuns ein trübes Bündnis schlossen uns immer mir einander Hand in Hand gingen. Die katholische Geistlichkeit stand ans dein Zenit ihrer Mackl und der mächtige Einfluss, den sie bezüglich der Unterdrücknng Israels, sowohl ans die Polentalen, als aus die Bevölkerung übte, lieh allerorten gewaltige Spuren zurück. Die Juden in Spanien mussten, zum Wandcrslabe greisen, nicht nnr wegen des Fanatismus, der Intoleranz nnd der Macklentsaltnug des Clcruk, tondern auch an» Neid nnd Misgnnst der Bevölkerung, da die spanischen Inden zu grostent Neichtbnm und Ansehen gelangten, nnd einige hervorragende nnd geistig begabte Israeliten an den Hosen die höchsten Ehrenämter bekleideten. Auch in Deutschland war die politische Atmosphäre für die Israeliten sehr rauh nnd unerträglich; sie lebten zumeist in ihren Gbettis zusammengepfercht nnd ummauert, eS gestaltete sich kein geistiger Gedankenaustausch zwilchen den Bekenner!! der verschiedenen Confessio neu. Die Hallen der Künste und Wissenschaft standen nnr offen den Bekennern der katholischen Staatsreligion, selbstredend hatten die Israeliten keinen Zutritt zu den Stätten der Wissenschaft, sic wurden wie Geächtete nnd Parias von den Herrschendcn Bekennern der Religion der Liebe behandelt, nnd in einigen Gegenden Deutschlands, namentlich in Köln, 'Mainz und Augsburg, vcrstieg sich die religiöse Undutdsamkett so weit, dass die Bürger bei den Behörden es durchzusetzen vermochten, dass es ihnen anheimgestellt sei. Inden in ihren Städten zu dulden oder auch nicht. Nur Italien nahm zu dieser Zeit eine Airsiicchmsltelluug in Europa bezüglich der Behandlung der Juden ein; dort wehte eine mildere politische Lust für dieselben, denn, obwohl sie nicht die politische Gleichberechtigung mit den christlichen Bürgern theilten, verschmähten letztere es wenigstens nicht, mit ihnen in socialen Vettebr zu treten. Der wohithätige EinstnsS dieser miideren Behandlung von Seite der Christen offenbarte sich bei den italienischen' Juden durch ihren regen Eifer, den sie für die allgemeine Wissenschaft entfalteten. Der Talmud allein war bei ihnen nicht der Gravitatiouspuukt, um den ihre Gedankenradieu kreisten, sondern sie hatten ein offenes Auge für alle anderen Wisfeuschaften, in welchen einige unter ihnen Hervorragendes leisteten. Wir wollen nnr beispielsweise Zweier Erwähnung thun, deS Abraham de BalmeS. Leibarz! eines hervorragenden getstlieben Würdenträgers, welcher sich durch die Abfassung einer hebräischen Grammatik, die er unter dem Titel: ,׳מקנד*. אםר־המ heransgab, rühm I ich st bervorthat. Der beste Beweis, dass die geistigen Erzeugniste der Inden bei den italienischen christlichen Gelehrten die gebührende Würdigung nnd Anerkennung gesunden haben, dass obbenanntes Werk sofort nach seinem Erscheinen einen christlichen Gelehrten veranlasste, es ins Lateinische zu übertragen. Auch Obadja Lforno, Arzt in .'1kom und Bologna, erfreute sich damals bei den christlichen Gelehrten Italiens einer besonderen Beliebtheit, weil er leine biblischen, philosophischen und medicinischen Werke inst lateinischer Uebcrsetzung veröffentlichte, und aus diese Weite seine Geistesproducte den christlichen Gelehrten zugänglich machte. Um diese Zeit lebte Abraham Farissol, welcher ans Avignon ans unbekannten Gründen nach Italien auswauderte und als Borveter in der Gemeinde Ferrara nnd als kunstverständiger Abschreiber von Bibeln und sonstigen Werken ein kümmerliches nnd kärgliches Dasein fristete. Was!vir diesen Abschreibern im Allgemeinen zu verdanken haben, darf nicht unterschätzt werden, und braucht nicht erst dem die jüdische Wissenschaft Psiegenden anseinandergesetzt zu werden. Wir können mit gutem Gewissen in der Kürze sagen: dass uns wenigstens jüdische Werke geblieben sind, haben!vir nnr den armen, aber sorgfältigen, geivissenhafle» nnd geschickten Copisten zu verdanken, denen auch der Vorsänger Farissol eiugereiht werden kann. Bis 511111 Jab re 1520 musste er sich neben seinem Vorbeteranne, um ein kärgliches Dnrchkommcn zu erlangen, mit Abschreiben von verschiedenen bebräiscken Werken beschäftigen, und zehn Codices, .die von seiner Hand herrühren, besitzen wir noch in den verschiedenen Biblioibekeii- Obwohl er den Kamps um'S Dasein zu bestehen batte und die Sorge um seine Existenz während seiner ganzen Lebenszeit nie von ibm wich, vermochte er dennoch seinen Geist über diese alltägliche Misere zu erheben, er wurde von den quälenden Nabrungssorgen nicht niedergedrückt, sein starker Geist verlor nie seine Schwungkraft nnd er psiegte mit Lust nnd Liebe seine Liebtlugsstudien. Indem damals das Studium der Exegese in Blüthe war, versuchte er es, dem Geiste seiner Zeit Rechnung zu tragen, und verfasste anno 1500 seine Bemerkungen zum Pentateuch unter dem Titel: Pircke Sclioschanim (Scod. Rossi 145). Im Die bulgarischen Juden im letzten Feldzüge. Die ״ Archives israelites“ erhalten von einem ihrer CorreSpvndeuten folgende interesiante Mittheilung über die Betheiligung der Juden am bulgarischen Kriege: ,Wenn ich gezögert habe, Ihnen zu schreiben, so liegt die Sache darin, Lass auch ich, hingerissen von der Baterlandsliebe, welche die Juden von Bulgarien entflammt hat, den Feldzug gegen Serbien mitgemacht habe. Jetzt aber bin ich wieder in meine Heimath zurückgekehrt, am linken Arme leicht von einem Säbelhiebe verwundet, welcher nur eine Narbe zurücklässt, die ich mein ganzes Leben lang zur Erinnerung an diesen ruhmvollen Krieg neben dem Ehrenzeichen der Tapferkeit behalten we'de, womit der erhabene Fürst Alexander meine Brust auf dem Felde der Ehre geschmückt bat. Um im Einzelnen Alles zu beschreiben, was die Juden, meine Gefährten, an Geld und Blut während einer Spanne Zeit von nur 4 Monaten geopfert haben, ihr kriegerisches Genie und ihren Muth, von dem sie in allen Schlachten sichtbare, ihren wahren Werth bezeichnende und von Allen anerkannte Beweise gegeben haben, bedürfte es der Feder eines großen Schriftstellers. Er könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, welches eine Verherrlichung der israelitischen Tugenden wäre. Wir bedauerten, keinen befähigten Eorrespondenten unter uns zu haben, der die Aufsehen erregenden Handlungen der bulgarischen Juden während der denkwürdigen Ereigniste, die im Winter 1885 unerwartet aus der Balkan-Halbinsel hereinbrachen, verewigen konnte. Dennoch will ich es versuchen, Ihnen die, hervorragendsten und allgemein in meinem Lande bekannten Züge mitzntheilen, welche den Israeliten zur Ehre gereichen, mit der ergebenen Bitte, meinen 53rief• In Ihr verbreitetes Blatt ausnehmen zu wollen. Ich sagte Ihnen in meinem letzten Schreiben, dass die Israeliten von Sofla dem Schatze 12.000 Frcs. übergeben haben. Seitdem dauerten die jüdischen Unterzeichnungen im ganzen Lande fort und haben die Zahl von 300.000 Frcs. erreicht, welche ebenfalls dem Schatze zugeflossen sind. Die Gaben in Waaren waren gleichfalls beträchtlich. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass sie in ihrem Werth״ die Summe des baaren Geldes noch übertrafen. Ich sagte Ihnen auch, dass die Inden eine Legion Freiwilliger von 300 jungen Leuten gebildet hätten. Seitdem hatte diese Zahl sich ans 504 tapfere Männer vermehrt, welche sich willig anwerben ließen, um aus ihre eigenen Kosten den Feind zu bekämpfen, ohne etwas von der Regierung in Anspruch zu nehmen. Der Tag, an welchem wir 504 Juden, freiwillige Soldaten, von- Sosia nach Philippopel den Serben entgegenzogen, bot ein schmerzliches und zu-