Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (17.2.1886)
- Date
- 1886-02-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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m:■ Verläumdungen vorzubringcn, thun sie das nicht unter ibrem vollen Namen, sie verbergen sich vielmehr hinter den ominösen ,vielen Mitgliedern', sic suchen durch Phrasen zu ersetzen, was ihnen an Thalsachen und Beweisen mangelt. Ein solches Vorgehen ist es, welches ein Brandmal verdient, solche Leute, die Freund׳ schasr heucheln, um hinterrücks meuchlerisch die Ehre abzuschneiden, verdienen es, der allgemeinen Verachtung preisgegeben zu werden. Äber wie inconsequent sind auch die beiden Tugendhelden? Herr Jacob Bauer, meinen sie, ist Eigcnthümer und Herausgebcr der österreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung. daher ein Egoist, daher schädigt er den Verein und weiß trotz der auerkannten Tüchtigkeit des Vereins-Präsidenten, trotz der ehrlichen Traditionen (!) der Vorstandsmitglieder alle Bestrebungen derselben lahm zu legen. Ja, warum schlagen dann die Herren in ihrer Candidatenliste denselben Herrn Jacob Bauer als ersten Beirath vor? Hört er etwa dadurch, dass er vom Präses׳ Stellvertreter zum Beirath degradirt wird, aus, Eigenthümer und Herausgeber der Cantoren-Zeitung zu sein, wird dadurch sein Egoismus in Selbstlosigkeit gewandelt und wird er für die berühmten ,Bestrebungen^ und ,,Traditionen" dadurch unschädlich? Hier eben ist es. wo der Pferdefuß bervorlngt, hier, wo sich der Zweck zeigt, dem fedes Mittel gut genug dünkt, wenn auch noch so wenig Reinlichkeit damit verbunden ist. Sie können zwar dem Herrn Jacob Bauer nichts vorwerfen, sie sind vergeblich aus der Suche nach comprvmittirenden oder selbst egoistischen Handlungen desselben, aber Platz soll gemacht werden für Ehrgeizige, Raum für die Verfasser des genügend qualisicirten Schriftstückes. Darum soll der Her-ausgeber dieses Blattes weichen, nicht aber, weil-er ״sein Interesse nicht zu Hause lässt". Darum die ׳Anonymität, hinter welcher man sich versteckt, darum das Vorschieben von vielen Mitgliedern, die nie Kenntnis von dieser Agitalionsweise gehabt baden. Es ist nun wob! die Frage erlaubt: was muss das für Ausbund von Tugend und Selbstlosigkeit sein, der cs wagt, Änderen ihren angeblichen Egoismus, ihre Schädlichkeit für den Verein vorzuwersen? Man muss doch annehmen, dass Derjenige, der so schwerwiegende Anklagen gegen einen Dritten erhebt, ganz makellos dasteht, reinen Herzens und mit unbefleckten Händen getrost jeder Kritik sich aussetzsn darf. Bei dem einen derHerrcn mag dies zutreffen, wenigstens wissen wir das Gegentheil nicht; wir nehmen an, dass.ihn Nichts als ein Uebermaß von Ebrgeiz, ein Uebermaß von Eitelkeit und eine gute Dosis,Neid zur Mitwirkung an dem famosen Pamphlete bestimmt haben. Aber dass es mit dem zweiten Herren seine volle Nichtigkeit nicht hat, dass cs ihm nicht zusteht, irgend Jemandem den Vorwurf des Egoismus, der Selbstsucht zu machen, das wissen wir nicht erst seit heut und gestern; und wenn wir bisher schwiegen, io thaten wir es, weil dafür Vorsorge getroffen war, da's der Becher nicht über, schäume, zu deutsch, dass unser Verein durch die gerügten Qualitäten des tugendhaften Herrn keinen Schaden leide. Heute aber, wo wir, durch Andere zum Reden gezwungen, uns im Zustande berechtigter Notbwehr besinden, wollen wir — und kein Einsichtiger wird uns darob tadeln — das Schweigen brechen. Nicht einmal, sondern zehn- und hundertmal haben sich Cautoren mündlich und schriftlich über einen Collegen bei uns beschwert, der die Noch seiner Standesgenossen zur Gelegenheit einer Ernte gemacht hat. Ein Wiener Cantor, berichtete man uns, spiele den Vermittler zwischen Gemeinde und Cantoren, erlaube sich den erstem, sobald irgend ein Posten vacant ist, eine geeignete Kraft zu empfehlen, pflege dann an Collegen heranzutreten, von denen er glaubt, dass sie als Competenten auf! treten dürsten, und verlange für seine Empfehlung (!) und ' Vermittlung 5 bis 10, vielleicht auch mehr Procente des j Zahresgehaltes. ״Nun -kann ja", wie dieser Tugendheld sagt,! ״Niemandem verargt werden, in erster Linie für sich zu sorgen,! aber wer ein Ehrenamt ans den Händen seiner Collegen angenommen hat" oder anznnehmen sich erbietet, der darf für seine fragwürdigen Dienste (er betrachtet' sich wohl selbst nickt als Autorität, welche Empfehlungsbriefe auszufertigen berufen ist) von Collegen, die ja oft sich in dringendster Nothlage besinden,! einen Gewinn überhaupt und insbesondere von solcher Höhe nichr beanspruchen, ,,er muss vielmehr sein Interesse zu Hause lassen, ja er muss auch bereit sein, für die gute Sache ein Opfer zu bringen". Mil der Selbstlosigkeit und Qpferfreudigkeit des Anonymus ist es also nicht weit her. In den Vorstand gewählt zu werden, ist sein einziges Streben, und dieses sein Streben hat ihn so sehr verblendet, dass er selbst die Klugheit, die ihm sonst eigen zu sein pflegte, außer Acht gelassen, um einen nutzlosen, für ihn von vorneherein aussichtslosen Kampf aufzunehmen. Aussichtslos schon darum, weil der gesammle Vorstand über Anregung unseres wackeren Vereinepräses seine schärfste Misbilligung und sein lebhaftes Bedauern über die ungnalisicirbaren Angriffe, die gegen Herrn Bauer gerichtet wurden, zum Ausdruck brachte und denselben einbellig seines vollsten Vertrauens versicherte; aussichtslos auch darum, weil die Verdienste, die der Herausgeber dieses Blattes sich um die Sache der Cantoren erworben, allein genügen, um einige Maulhelden zum Schweigen zu bringen. Fragmente. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gottes- Hause, im gesellschaftlichen Verkehr. Erziehung und Unterricht. III. Aus dem bereits Angeführten geht unzweideutig hervor, dass bei den alten Israeliten der S ch r e i b l e s e u n t e r r i ch t, welcher in unserer Zeit so epochemachend wirkte, schon cingeführt war. Weniger sindet sich eine Spur, dass die Knaben in der älteren Zeit rechnen lernten. Auch sindet sich keine Spur von Knabenschulen, oder von einem Unterrichte, den etwa die Leviten in den Familien ertheilt hätten. Ueberhanpt scheint blos der Vater der Lehrer gewesen zu sein, und durch sein Geschäft, also durch Beispiel und Vorzeigen, die Geschicklichkeiten, wozu auch der Gesang und die Musik gehörten, seinen Kindern mitgetheilt zu haben; denn der Sohn trieb das Geschäft seines Vaters. Die Priester- und Levitensöhne lernten also auch etwas mehr in geistiger Hinsicht und vermutlich lesen und schreiben. Der Levite z. B. nahm gern sein Knäbchen schon mit nach Jerusalem, sobald es nur die Fußwanderung machen konnte, wie auch andere Väter thaten, und dann auf den Tempel hinauf vor den Pult, wo er sang, wenn es gleich noch nickt darüber Hinsehen konnte, und ließ es milsingen und mitlallen, nickt aber musikalische Instrumente mitspielen, woraufPs. 8, 3. Bezug haben kann. Da es übrigens jedem Israeliten freistand, seinem Kinde von dem Leviten oder Priester Unterricht geben zu lassen, so ist es n icht unwahrscheinlich, dass mancher Vater seinen Knaben lesen und schreiben lernen ließ, und dass sich hierdurch allmälig diese Kenntniße unter dem Volke verbreiteten, bis bei dem Verfalle