Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Doch mit der: Niederwerfung des Ausstandes und der Züchtigung der Theilnehmer schien dem Hadrian nicht genug geschehen. Da er von ungemein großem Dünkel erfüllt war, Alles besser zw verstehen als irgend Jemand, so glaubte er auch mit den Lehren des Judenthums - und des Christenthums am besten bekannt zu sein und bezeigte diesen Religionen seine größte Verachtung (Aurel. Vict. ibid; Eutrop. VIII, 6, Spart. Hadr. 22). Bon befondetem Interesse ist sein Brief an seinen Schwager Servianus, den uns Vopiscus (Saturnin. 8) überliefert hat. In diesem spricht Hadrian seine Ueberzeugunz aus, dass die Verehrung des׳ Serapis und das Christenthnm Eins feien; die sich Bischöfe der Christen nennen, seien dem Serapis ergeben. -Kein Synagogenvorsteher der Juden, kein Samaritaner, kein Priester der Christen, kein Astronom, kein Harnspex, kein Vogelschauer sei dort; selbst jener Patriarch (der erwähnte Rabbi Josua) sei, als er nach Egypten gekommen, von den einen den Serapis> von den andern Christus zu verehren gezwungen worden. Sie alle hätten Einen Gott. Diesen verehrten die Christen, wie die Juden, wie alle Völker. Unter solchen Umständen ist cs begreiflich, dass Hadrian sich vermessen konnte, zu glauben, cs werde ihm gelingen, die jüdische Religion ansznrolten. Er erließ ein Edict, in welchem unter den schwersten Strafen verboten wurde, die Cireumcision, den Sabbaih und das Studium der heiligen Bücher, ferner die .aus deu religiösen Vorschriften entstandenen Sitten und Ge« brauche zu beobachten (Spart. Hadr. 5 daselbst die Folge für die Ursache angesehen, Talra. bab. Kiduscbin 40 b; Josua 11 a; Rosch haschana 19 a; Baba batra 60 b; Genesis rabba 82; Talm. jer. Schebiit IV). - Die absonderlichen Martern, welche auf die Ueberiretnng dieser Edicte, die den furchtbarsten Gewissenszwang ansübten angewendet wurden, spotten jeder Beschreibung. Sie wurden in der unmenschlichsten Weise ausgesonneu, und-sind in Uebereinstimmung mit dem, was Aurel. Victor (Epit. 14) erzählt, die Gemahlin des! Hadr. habe sich-aus Abscheu vor dessen Unmenschlichcu Charakter׳ das Leben genommen. In verschiedenen Stellen der jüdischen Quellenschriften sind diese Todesarlen angegeben .(Midrasch Cantic. II, 7, Midr. Psalm. 16׳). Dis strenge Befolgung der Edicte wurde durch ein Heer von Aufpassern und Delatoren überwacht, die mit dem Neligionsgesetze vertraut, aber demselben ׳ abtrünnig Waren (Jer. Chagiga II, Synhedr. II.) Dem Charakter Hadrians entspricht die Erzählung von den 10 Märtyrern, welche an verschiedenen Stellen des Talmud .(namentlich Aboda sara 18 a, Chullin 123 a) und in cher Liturgie des Vcrsöhnungstagcs erkalten ist. Hadrian las die heilige Schrift und fand zuerst, wie Josef von seinen Brüdern nach Egypten verkauft ward, dann fand er (im II. B. M. 21. 11) ein Gesetz, welches bestimmte, dass derjenige, der einen . Menschen stiehlt und verkauft, des Todes schuldig sei. Er ließ nun die zehn angesehensten Rat bitten kommen und fragte sie, .ob sich dies so verhalte, und als sie es bejahten, sagte der arg- -listige Herrscher: ,Diese Schuld, die euere Vorfahren an Josef begangen, ist noch nicht gesühnt worden; ihr seid die Besten eures Volkes, darum sollt ihr für diese Schuld den Tod erleiden". Die Namen der Märtyrer werden uns genannt, jedoch in den verschiedenen Quellen nicht übereinstimmend. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass der Tod dieser Männer nicht auf einmal erfolgte, sondern dass jeder von ihnen aus besonderem Anlasse hingemartert wurde (Vergl. Jost, Gesch. d. Judenth. und seiner Secten, Bd. II. S. 80). Wie schon mehrfach erwähnt, hatten unter diesen Ereigmißen auch die Christen schwer zu leiden. Zudem spricht noch Sulp. Severus II. von einer directeu Verfolgung der Christen ebenso Hieronymus, während Melito, Eusebius und Tertnllian van einer solchen gänzlich schweigen. Auch wird erzählt, dass zwei Christen, Quadratus und Aristides, dem Kaiser Vertheidigungsschriflen überreicht haben; diese Thatsache führt zu der Schlussfolgerung, dass das Christenthum verschiedenen Beschuldigungen ausgesetzt war (Euseb. hist. eccl. IV, 3). Auf die Vorstellungen, die der Proconsul Serenius Granianus zu Gunsten der Christen an den Kaiser richtete, schrieb dieser an den Nachfolger des Genannten, Minucius Fundanus, dass einer nichtigen Anklage, in welcher nicht eine offenkundige Uebertretung eines Gesetzes erwiesen werde, kein Gehör gegeben werden solle. (Euseb. ibid. 7—9.) Aber in grellem Contraste zu allem, was von Hadrian berichtet wird, steht die Meldung des LampridiuS (Alex. Sever. 43), nach welcher Hadrian die Absicht gehegt habe, Christo einen Tempel zu erbauen, und deshalb in allew Gemeinden Tempel ohne Götterbilder habe errichten lasten. Von diesem Vorbaben sei er abgehalten worden, als die Priester ihm sagten, dass dann Alle Christen werden und die Anderen die Tempel verlassen würden. Auch von Bio Gass. (LXX, 3) wird berichtet, dass Hadrian den Christen Achtung gezollt habe, jedoch׳ weiß er darüber nichts mehr, als was ihm hierüber durch Ensebius (1. 1.) bekannt geworden. (Fortsetzung folgt.) Vereinsnachrichten. VIII. Answeis. der Sammlungen zu Gunsten des ästerr -ung. Gantoren-Vereines. Durch das Vereinsmitglied, Herrn Cantor A b r a h a m Löwy in Wallisgrü n, sind nachfolgende Beiträge gesammelt, worden: Herr Ernst Pollak, Cesta . . . . . 2 fl. eimalige Spende ., Israel Liebstein, Neuwallisdorf . 1 ״ ,, Frau Cäcilie Kauders, Cbmeleschen . . 1 ,. ״ Heer Jsak Kobu, Cbemeleschan . . . 1 ״ ״ ״ Ludw. Pimsenftein, Kozlan . . 2 ״ jährlicher Beitrag ״ A. Löbl, Kozlan.. 1 ״ einmalige Spende Frau Sophie Kohn, Nenwallisdorf . . 1 ,, ,. Summa 9 fl. Oe. W und zwar 7 fl. einm. Spende und 2 fl. jährl. Beitrag. Aerr geehrten Spendern statten wir Hiemil unseren tiefgefühlten Dank aö. Die geehrten Herren College» und Vereinsmitglieder werden ersucht, die Sammlungen thunlichst zu beschleunigen und die Sammelbözen behufs Veröffentlichung an den Vereinspräses einzuseuden. Um etwaigen Jrrthümern in den Ausweisen vor׳ zubcugen, wäre es augezeigt, jedem Sammelbogen ein deutlich geschriebenes Namensverzeichnis der Spender beizulegen. Z>er Morstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. Kleine Chronik. Jachan, 26. Jänner 1886. (Orig. - Corresp.) Unsere Gemeinde ist in zwei Tagen um 2 ihrer ältesten Veteranen ärmer geworden. Freitag den 22. Jänner Nachmittags verschied Herr Samuel Stern im Alter von 75 Jahren, Samstag Früh Herr Jakob Adler,