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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-02-01 · Heft 4 (1.2.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 4 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— -L — Hiezu noch ein anderes quälendes Bewusstsein — das strafende Gotteswort, das gar entsetzlich und nnbeilsschwanger in seinen Ohren tönt und dröhnt, in seinem schmerzerfüllten Herzen ein grausiges Echo weckt, jenes göttliche zürnende Gotteswort nach der Urisahsünde: המתי מקים; עליך:ראה מתוך:בתיך. Ich lasse dir das Unglück erstehen aus deinem selbsteigenen Familienkreise. Welch' eine Erniedrigung! Der Sohn, den du groß ge^; zogen, er jagt dich von Haus und Hof. von Stadt und Land — du hast keine Stätte in deinem weiten Reiche, wo du, der. einstige Beherrscher des Landes, dein kronenloseß Haupt niederlegen kannst — ein Usurpator, vereinigt mit der leichtbethörten Volksmenge und Volkßmasse, stürzt ihn von der strahlenden Höhe des Thrones, und der König singt:לא אירא מרבבות,עם.תו. ,Ich fürchte nicht Myriaden Volkes, das sich rings um mich lagertentschlummert auf verbanntem Boden mit den Worten: ■היקיצותי כי ה׳ יסמכני. »Ich erwache wieder, den Gott׳ stützet; mich\* - , Welch' ein Gottvertrauen l welch' ein Selbstbewußlsein ureigener Scelenftärke und gottgläubigen Vertrauens! Waren es früher nur Einzelne, die׳ sich gegen ibn empörten, so stand sitz! ein ganzes Volk wider ibn auf, worauf, wie wir bereits bemerkt, das in diesem Kapitel sich wiederholende רבים hinweist, und dennoch ruft er אני שכבתי ואישנה, ich lege mich nieder und schlafe. Zn diesen Worten schein! der Schwerpunkt des Kapitels zu liegen. ..Wenn sic auch meiner höhnen und spotten^, ruft er, ״und mich in meiner tiefsten Erniedrigung: wähnen: wenn sie. euch den Stab über mich brechen: ich schlafe ruhig, denn wenn: ich erwache, so schützt und stützt mich der Herr, ja ich erwache noch zu einem neuen und glücklichen Leben, und rufen sie: Das Gottesgericht bricht über ihn herein, das Strafgericht ereilt ihn, das Gottesurtbeil vollzieht sich in seinem jetzigen Unglücke" אין ׳ישועתה לו באלהים סלה der strenge Richter in den Höhen על הרת, wird nun die wohlverdiente Strafe über ihn verhängen, so spricht er zlaubenßmuthig: '1אתה ה du bist ja doch noch 'ה der Allbarmherzize, der allliebende, gütige Vater, der mich nicht verdammt, wie es meine Feinde thun. קולי אל ה׳ אקרא mit meiner Stimme rufe ich zu Gott, in dem Sinne, wie ein Weiser bemerkt: ״Bei Menschen ist Gnade nicht neben Gerechtigkeit und Liebe nicht neben Strafe, aber bei Gott ist alles in lieber- Einstimmung der höchsten Wahrheit, und aus Güte ist er gerecht und ans Liebe folgt die Züchtigung; das höchste Gut, welches er dem Sünder geben kann, ist die Strafe,, weil sie in dieser Welt nichts anderes .ist als ein Besserungsmittel und in der׳ anderen Welt eine Neinigungsquelle, wodurch er geläutert und von seinen Sünden befreit wird." So ruft er au einer anderen Stelle: נראות בצרק תעננו ונוי ״Fürchterliches, wenn du nach Verdienst uns leiden ließest. Gott unseres Heils!" Ja, da könnte d:r schwache, staubgeborene, hinfällige Erdensohn nicht bestehen. Bemerkenßwerih ist auch der Ausdruck ״ להיdu schlägst eile meine Feinde לחי auf's Kinn!" Wie bei den meisten Völkern, bedeutet auch im Hebräischen ein Schlag auf die Wange, ein Schlag der Beschämung und Hintansetzung. So finden wir ויכה עת מיכי על הלהי er schlug den Michahu auf die Wange (Buch der Könige) oder בחרפה חבו להיי (Job) zur Schmach schlugen sie meine Wangen. Zn diesem Sinne fleht er zu Gott, dass er seine Wiedersacher und Gegner beschäme: ,Vollende deinen Beistand und hilf mir zum Siegel — Doch mitten in seinem Verzweiflungsschrei hält er plötzlich inne — ist es ja doch sein Volk, das ihm feindlich. gegenüber steht, sind, es ja doch seine-Uisierthanen-: die: si ch wohl im-gegenwärtigen Momente gegen ihn erheben,- aber sie: werden dennoch zur bessern Einsicht gelangen undrzum-Gebörsam gegen ihren von Gott eingesetzten König zurückkebren: לה' הישועהbei dem Ewigen, ist. die Hilfe עלי^עמךברכתך, . verleihe: nur: deinem Volke deinen Segen, denn du. weißt ja:am besten, was; ihm nützt und frommt, was ihm zum; Heile gereichen kann. So sind die Psalmen für uns wahre מעיני תשועה Quellen; des Heiles, - aus -welchen wir stets und immer,-in allen Lagen des Lebens, im Glück wie im Unglücke, sin der Freude wie im Schmerze unser Herz zu Gott emporheben, und wahrlich es-gebührt ihnen mit vollem Rechte der erste-und wichtigste-Platz inder Reihe unserer; Gebete für alle Zeiten, ja für und für. Die römische» Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und Christen. (nach den Quellen dargestellt.) Von D r. A. Wei ß.. .! : vi. •י: - ׳ — Nach dem Falle von Tur Malka miö Betar, welches letzteredurch den Verrath der Samaritaner, wie diese selbst angeben. (8amar. Bueb desua 6. 47), den an dem Siege bereits ver-.,׳ zweifelnden Römern in die Hände fiel, war der-Aufstand buchstäblich unter Strömen Blutes niedergeschlagen, nachdem 980.000 Juden im Kampfe auf offenem Felde, im Festungskriege, durch Hunger, Krankheit und Feuer ibr Leben verloren hatten und 985 Ortschaften der vollständigen Verheerung anheimgefallen. waren, so das das ganze Land zur Einöde geworden war (Dio י Lass. LXIX, 14, Euseb. liistor. 6661. IV, 6). Aber auch die Verluste des römischen Heeres waren so furchtbar, dass Hadrianns die sonst übliche Form der Mitlheilung au den Senat,, in der man sagte: Ich und das Heer befinden uns wohl, unterließ. Die noch uneniwegt kämpfenden, versprengten jüdischen Krieger, wurden durch einen ungeheueren Aufwand römischer Truppen, allmä'ich eingefangen und hingerichtet (Threni rabba I, 15), zahllose Sclaven zu einem sehr niedrigen Preise verkauft. Viele, die in den unterirdischen Gängen verborgen waren, tödteten sich selbst, oder kamen durch Hunger um, nachdem sie sich von dem Fleische der Leichname eine Zeit lang ernährt hatten (Sabbat 60 a; Threni ibid). Es wird erzählt, Hadrian habe ein Gebiet, von 1800 Milien Länge und gleicher Breite mit Leichen um» zäumen lassen (Threni rabba II, 2 Jer. Talm Taanit IV). Die Leichname durften gar nicht bestattet werden, um bte, Ueberlebenden durch Pest zu tödten, bis nach dem Tode Hadrians!: dieses Edict zurückgenommeu wurde. Den Juden wurde ein Leib-: zoll auferlegt, drückender als der Ü86U8 judaieus (Appian. Sy-, riaea 50). Die Stadt Jerusalem wurde als heidnische Stadt wieder aufgebaut (Aelia Capitolina) und Juden wie Christen (Origen, eontr. 0618. 4) bei Todesstrafe verboten, sich derselben׳ innerhalb ihres weiten Gesichtskreises zu nähern. (Euseb. ibid. - naeb Ariston von Pella; Euseb. Obren, ad a. 133, Threni Eabba II, 2; Euseb. demonstr. evang. VIII, 18; Hieron. Zephania c. 2; Eutyehius Annal. I p. 466). Zur Verhöhnung der Juden wurde am südlichen Lhore der Stadt der Kopf eines Schweines angebracht (Hieron. Obren. 135). Nicht besser erging es den christlichen und samaritanischen ׳ Heiligthümern (802ern. bist. 6661. II, 1 Hier. epp. 13. Damaseen. bei Phot. Oed 242; Origen, eontr. 0618. 4).

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