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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-01-24 · Heft 3 (24.1.1886) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (24.1.1886)
Date
1886-01-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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eines der beiden Barches anschneiden wollte, bemerkte er zu seinem Staunen, dass man ihm kein Messer vorgelegt hatte. Er gerieth jedoch nicht in Verlegenheit und mir einer dem Kenner eigenen Ruhe und Bescheidenheit griff er, um nichl mafsik zu sein, in die Tasche, holte ein kleines Messerchen bervor, um damit die N02i abzuschneiden. Doch mit dieser bescheidenen Messerklinge vermochte der Gliickscandidat von dem umfangreichen Sabbatbrote nur eine verhälruismäßig fleiueMozi abzuichnciden. Aus die Mozi aber legte der Haushexc sein Hauptaugenmerk. Die Größe des Mozi-Ab schnitt es sollte ihm als Maßstab für den Heirats-Candidaten dienen, von ihr wollte der Raudar aus die Leistungsfähigkeit und auf das Talent seines zukünftigen Eidams schließen; Wissen und geistige Ueberlegenheit erschienen ihm als etwas Nebensächliches. Welch' Wunder, wenn für den Bochur der bescheidene Mozi-Abschnitt verhängnisvoll werden sollte. Während des Mahles sang der Candidat die üblichen Sabbatlieder (זמירות), gab auch manches schöne und geistreiche Pschättel zum Besten und benschte מזומן, dass Alle sich davon gehoben und entzückt fühlten. Trotz alledem war sein bescheidenes Messerchen der Störer seines Glückes; denn der Raudar hielt ihn für nicht geeignet, der Lebensgefährte seiner Tochter zu werden. ״Rebbeleben", sagte er zum 'Rabbi, »dem gebe ich meine einzige, reich ausgestattete Tochter nicht zum WeibeV Ohne nach dem Grunde zu fragen, antwortete der stauueude Rabbi: »Ich will euch einen noch geschickteren Bochur senden, der durch Scharfsinn, Klugheit und Gelehrsamkeit fast alle anderen übertrisft; an dem werdet ihr gewiss Gefallen finde!!.;'Im nächsten Freitag erschien der neue Candidat. Der Nabbl batte sich in ihm nicht getäuscht; sein Kiddusch, seine Gesänge, sein s21l2-Benschen, seine scharfsinnigen Auslegungen über schwierige Bibel- und Talmudstellen, wie sein ganzes Wesen: und Benehmen verriethen sofort den Kenner der jedem Schwieger-' vater zur Ehre gereichen konnte; aber seine Hoffnungen scheiterten ebenfalls an der verhängnisvollen Mozi. Denn der Hausherr ließ auch ihm kein Messer vorlegen und er mußte das Sabbathbrod, wie sein Vorgänger, mit seinem Taschenmesserchen anschneiden, wodurch er sich sein Glück verscherzte. Tags darauf sagte der Randar zum Rabbi: ,Rebbelebeu, auch dieser Mensch ist für mich als Eidam nicht geeignet; denn einem Menschen, der keine rechte Mozi abzuschneiden vermag, dem gebe ich meine Tochter nicht zum Weibe." Der Rabbi ließ sich darüber näher aufklären, und als er merkte, um was es sich eigentlich handle, versprach er für den kommenden Sabbat einen dritten, ganz geeigneten Bochur zu senden, der gewiss vollkommen entsprechen werde. Der Rabbi hatte nämlich einen Diener, der die verschiedenen häuslichen Arbeiten zu verrichten hatte. Zu diesem sprach der Rabbi: ,Schlome, du hast zwar in deiner Jugend nur sehr wenig gelernt und von Thora und Talmud hast du gar keinen Begriff; aber ich will doch einen Versuch mit dir machen, vielleicht bist du ein Baal Masol. Ein Sprichwort sagt: ,Wer Glück hat, führt die Braut heim. Vielleicht bist du so glücklich, dann bist du ein gemachter Mensch. Der reiche Raudar in N. sucht für feine Tochter einen nach seinen Anschauungen geschickten Bochur. Zwei der besten, die ich ihm sandte, fand er als ungeeignet. Gehe du daher hin, du brauchst nur ein wenig das Kiddusch und Mesumeu-Benschen einzuüben, du hast es ja oft an meinem Tische gehört und es wird dir nicht ganz unmöglich fein; Doch, was die Hauptsache ist, dein Taschenmesser darfst du nicht vergessen, auf ein großes Messer legt der Randar viel Gewicht, und sindeft du Beifall, so wirft du sein Eidam, hast für's Leben ansgesorgt und brauchst dich nicht mehr für geringen Lohn zu plagen." Dem dienstbaren Schlomc lachte schon das Herz im Leibe vor Freude über sein zukünftiges Leben, er dankte dem Rabbi wärmsteus und that, wie ihm befohlen ward. Er übte sich im Kiddusch und Mesurueu-Benschen, wie es ihm nur möglich war. Freitag zog er sein Schabbes-Gewand an und stellte sich dem Randar als der vom Rabbi gesandte Candidat vor. Abends setzte man sich wie üblich zu Tische; doch anstatt Kiddusch begann der gemachte Bochur Mesumen zu benschen. Ec fasste sich aber sogleich und recitirle den Kiddusch, wie es sich von Einem, der sozusagen, aus einem Fuße stehend, zum Bochur gemacht wurde, von selbst versteht. Als er jedoch zum Anschneiden des Barchcs sein großes Messer hervvrzog und mit wuchtigem Schutt eine recht ansehnliche Mozi abschnilt, erwarb er sich sofort den Beifall seine» zukünftigen Schwiegervaters. .Mein Kind",;agte der Raudar zu seiner Ehehälfte, ,das ist der rechte Manu für uns, der hat Geschick. Schau nur sein Aufschneiden an, was für eine Mozi er «:׳geschnitten hat; er soll auch darum unsere Milke zur Frau bekommen." Zum Candidaterr gewendet, sagte er: Bochur, Ihr habt meinen Beifall erlangt, Ihr seid geeignet, mein Eidam zu werden. Ich bin ein Sachkenner, ich verstehe mich auf Euch. Ihr braucht mir kein Pschättl zu sagen, braucht keine זמירות zu singen, selbst das Mesurueu-Bensckeu erlasse ich Euch. Von heul' an seid Ihr so viel wie der Verlobte meiner Milke; Gott gebe euch Masel und Berochö! Sonntag lade ich den Rabbi ein, dass er mit uns den Verlobungsact feiere. Wer war glücklicher als unser Bochur, der über alle seine Erwartungen, trotz seiner totalen Unwissenheit mit Leichtigkeit über seine gelehrten Mitbewerber den Sieg errungen hatte. Eiligst lief er zum Rabbi, um ihm ungesäumt diese frohe Botschaft zu überbringen. Erstaunt entgegnete der Rabbi: ״Schlome, Dil Haft mehr Masel als Verstand, aber ein Tropfen Masel ist häufig besser, als ein voller Sack mit Verstand. Die Anderen halten Wissen und Bildung, aber kein Masel; du hast weder Wissen noch Bildung, bist eigentlich nur, wie man sagt, ein Bochur ohne ״Ohes" und weil du dein großes Messer gut gebrauchtest, hast du über die zwei geschicktesten Talmudjünger gesiegt. ,So geht's leider sehr oft im Leben, wo Verdienst und Wissen der Verdienstlosigkeit nicht selten weichen müssen, weil es ihnen gelungen ist, durch ein irgend Etwas sich Beifall zu erringen. Doch אם אין תורה ׳אין חכמה ׳אם אין חכמה אין דרך ארץ, wo es an Wissen fehlt, da fehlt's auch an Verstand und wo kein Verstand, da steht auch kein richtiger Lebenszweck, keine richtige Berufserfüllung in Aussicht. So iah sich der Schwiegervater in seinen Erwartungen bald höchst getäuscht, denn der unwissende Eidam war nichts anderes, als nur ein tüchtiger (Barchcs-) Aufschneider und gab seinem Schwiegervater viel Ursache, seine unüberlegte, verfehlte Wahl zu bedauern. (Schluss folgt.) Das höchste Gut. Nach Juda Halevi. Von Dr. Ad. Frankl-Grün. Das Motiv, welches I. H. dem Buche Kusari zu Grunde legt, das Verlangen des Königs Kusar, in einer Religion unterwiesen zu werden, durch deren Befolgung nicht blos seine Gesinnung, sondern auch seine Handlung gottgefällig wäre, lässt uns schon deutlich erkennen, dass er das göttliche Wohlgefallen

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