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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-01-24 · Heft 3 (24.1.1886) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 3 (24.1.1886)
Date
1886-01-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — etwas in die Breite gezogen wird, ur.d die elliptische, aber ja׳/ nicbt die Zirkelform als die unbedingte annimmt; wenn die Zunge ganz flach hinter den Zähnen, ohne diese zu überdecken oder sich zu wölben, liegt; wenn die Zähne so weitauseinander stehen, dass der Ton weder andern Gaumen, noch ander Kehle, der Zunge oder den Zähnen selbst anstoßen könne, damit keine Ar! von Widerhall des Tones im Munde gebildet werde, der demjenigen entgegen arbeite und ihn entzweie, der rrur durch die natürlichen Verhältniße der Kehle zur Nase und zum Munde entstehen soll. Ein gut gesungener Ton muis gerade heraus durch die Stimmritze' der Kehle zu des Hörers Obr dringen und keinen Doppellaut enthalten, der nur durch das Entzweien des Schalles bei einer fehlerhaften Lage der Zunge oder des Mundes entstebt. Und eben darum muss der Sänger wo möglich den ganzen Körper gerade auf halten, oder wenigstens dem Kopfe diese Stellung geben, damit der Hals nicht gekrümmt sei, und alsdann mit der wohl gestillten Brust, das heißt, mit so viel aufgeschöpftem Äthem, als der Anfänger, ohne mit seinem Tone zu wanken, fest zu halten vermag, — denn das Wanken des Tones kann ebenso gut vom Mangel als vom Ueberfluis des Athems verursacht werden — den guten Ton leise anstimmen. Er muss ihn anfänglich bestimmt auf einen Vokal lehnen, um dem Munde die angenommene gute Stellung zu erhalten und dem Tone, durch die stärkere Ausdehnung seines Athems. mehr Kraft zu geben. Der beförderndfte Vokal für die vorlbeilbafteste Lage, die einen guten Ton erleichtert, ist der Buchstabe A, der alle Theile der Stimmwerkzeüge in ihrer vollkommensten Natürlichkeit erhält. Ein guter Ton must ohne Vorschlag, ohne Nachschlag, ohne Zittern oder Wanken, auf siw selbst in der Kraft seines Metalls ruhen; sein Auklang muss vollkommen rein, aber leise tönen, und nach des Sängers Willen allmälig bis zur stärksten, jedem Individuum angemessenen Stärke anschwellen können, um dann nach Verhältnis seiner Kräfte, die unter keiner Bedingung, wären sie auch noch so gering, übertrieben werden xsollen, sich eben so allmälig wieder leise zu verlieren. Sein Anfang und sein Ende müsien dem Fittige des Äbendwindes, der die Saiten der Aeolsharse berührt, gleichen; man ahnet seinen Anfang ohne ihn zu bestimmen, man laujcht noch auf das Ende, wenn der Ton schon verhallt ist. ׳ (Fortsetzung folgt.) Freie Gedanken eines Fachmannes über die Acceptation der ist. Cnltusbeamten. Gestützt auf den vielbewährten Satz unserer alten Weisen* קבל האמת ממי שאומרה will ich es versuchen, einige aus dem praktischen Leben geschöpfte Wahrheiten hier niederzuschreiben, in der Voraussetzung, dass sie Beachtung und Würdigung finden und uns dem angestrebten Ziele, der Verbesserung manches Misverhältnißes auf dem Gebiete des Cultuswesens, näher bringen werden. Wie häufig die israelit. Gemeinden ihre Cnltusbeamten kommen und gehen lassen, braucht nicht erst erwähnt zu werden; die vielen, oft sich wiederholenden Soncursausschreibungen, welche alljährlich zur Bedarfszeit die Znseratenspalten der Tagesblätter*) füllen, documentiren dies hinreichend. Niemand, der die Verhältniße genau kennt und sie unbefangen zu beurtheilen ver¬ *) Die Fachblätter werden hierbei viel zu wenig berücksichtigt. mag, wird in Abrede stellen, dass solche Uebelstände nicht nur für den Beamtenstand ein Unglück sind, sondern auch eine Schädigung der Interessen und Ziele der israelitischen Gemeinde herbeiführen. Frägt man nach Grund und Ursache dieser häufig stattfindendcn Veränderungen und Abwechselungen ans. öetu Gebiete des israelit. Cultus-Beamtenstandes, so muß man bei vbjeetiver Prüfung gestoben, dass in vielen Fällen die Gemeinden selbst, resp. deren Vertretungen, daran Schuld sind, indem sie von einer gewissen Abwechselungssucht geleitet, oder richtiger gesagt, verleitet, das Bedürfnis nach einem anderen לבה רובי, nach einem anderen Gesichte fühlen, und ihren durch viele Jahre bewährten Beamten ohne Weiteres als ,abgenützten Besen' gegen einen ',neuen' Umtauschen möchten; denn nach einem alten Sprich- Worte ,kehren neue Besen gut'. Wie die Erfahrung aber lehr!, hat sich dieses Sprichwort in vielen Fällen nicht als Wahr wort erwiesen. Bewährter ist und bleibt dagegen hier das schöne Wort unseres weisen Mschna-Lehrers R. Meir welcher sagt: - אל תסתכל כקנקן.אלא במה שיש בו d. h. man lege weder auf den alten, noch auf den neuen Krug irgend einen Werth, sondern nur auf dessen Inhalt. Wahres Wissen und wirkliche Leistungsfähigkeit des Beamten soll den Cultnsgemeinden stets die Hauptsache sein, ob aber der Beamte alt oder neu ist, muß ihnen als Nebensache erscheinen; ein alter Krug mit altem Wein muß für den Sachverständigen und Kenner immer mehr Werth haben, als ein neuer Krug mit neuem Wein, der nebenbei gesagt, oft nur Essig ist. Zumeist tragen schon die Modalitäten der Aufnahme der Cultusbeamten selbst zu den häufigen Veränderungen derselben bei. Erwägen wir nun die Umstände, welche dem Candidaten gewöhnlich zum Siege über seine, mitbewerbenden Amtsgenossen machen helfen, so werden wir die traurigen Resultate in den Gemeinden ganz natürlich und wohlbegründet finden. Bevor ich auf dieses Thema näher eingche, will ich. zur ׳ Illustration an eine Anekdote erinnern, welche für den zu besprechenden Gegenstand trotz ihrer Einfachheit und Schlichtheit charakteriftisch und treffend zu sein scheint: — ,,Ein reicher Randar hatte eine einzige Tochter und wollte ihr der damaligen Sitte gemäß einen sogenannten ״fanen Bochur‘• zum Lebensgefährten geben. Das Verlangen nach einem solchen Schwiegersöhne war aber bei ihm nicht etwa eine Folge der Neigung zur Lehre oder der Hochachtung sür das Studium des Gesetzes, vielmehr waren seine Beweggründe ganz anderer Natur. Einerseits wollte er der allgemeinen Sitte huldigen, um Anderen nicht nachzustehen; andererseits erwartete er von dem fanen Bochur, dass er durch seinen in der Thora und im Talmud geschärften und erleuchteten Geist die Obliegenheilen seines neuen Lebensberufes, als tüchtiger Handelsmann oder Randar, gut versehen und das erheiratete Gut möglichst rasch und sicher vervielfältigen werde. Darum wandte. der reiche Mann sich an den Rabbi der benachbarten berühmten Khille, der eine bedeutende Zeschiba unterhielt, mit der Bitte, er möge ihm aus der Reihe der Talmudjünger einen ״kauen Bochur'‘ schicken, den er entsprechenden Falles zu seinem Eidam und zum einstigen Erben seiner Rauda und seiner sonstigen Güter cinsetzen wollte. Der Rabbi versprach, diesem Wunsche sür den nächsten Sabbat nachzukommen und schickte am Freitag einen seiner vorzüglichsten Schüler zu dem Randar. Nach dem üblichen Abendgebete setzte man sich zu Tische und der Bochur erhielt den Vorsitz. 'Die Recitation des Lickdusch war eine meisterhafte, wie sie sich von einem Kenner nur erwarten lässt. Doch, als nach beendetem Lickckusch der Bochur

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