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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-01-16 · Heft 2 (16.1.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (16.1.1886)
Date
1886-01-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Ler dem Aufstande ein Ende machte (Dio Cass. ibid. Spart, ibid.). Dies gelang jedoch nicht Mit HeereSmacht, sondern durch die von Hadrian gemachte Zusage, er werde Jerusalem und den Tempel wieder äufbauen lassen (Epipban. de meriss. et pondd. 14, Genesis rabba 64). Die Juden nahmen diese Zusage ernst und bereiteten sich für den Bau vor. JulianuS und PappuS stellten im ganzen Lande bis nach Antiochia Wechseltische aus, um die von den ausländischen Juden gespendeten fremden Münzen in landesübliche umzutäuschen (Genesis rabba ibid.). Mit der Vollendung deS Baues wnrde der Proselyte Aquila. Neffe des Kaisers, Uebersetzer der Bibel in das Griechische, betraut (Epipban. ibid.). Die Aussicht aus den Wiederaufbau des Tempels erweckte in allen Juden die lebendige Erwartung einer glücklichen, meffianischen Zeit, wovon die fünfte Sybilline beredtes Zeugnis gibt (Sibyllina V v. 247—285 11. a.). Doch balle Hadrian dieses Versprechen nur gegeben, um daS aufgeregte Volk zu beschwichtigen, da er sehr kriegsscheu war (Aurel. Viel. Caess. 14 Epit 14; Eutrop. VIII, 6). AlS die Ruhe bergestellt war, wollte er das Versprechen zurücknebmeu und verlangte, dass der Tempel an einer anderen Stätte gebaut werde (Genesis rabba ibid.). Diese Forderung hatten ihm die auf den Tempel der Juden eifersüchtigen Samaritaner angerathen (ibid.). Das Volk war über diele Enttäuschung!0 erbittert, dass es sich drohend in der Rimmon-Ebene (Jesreel) versammelte. Da kam Josua-beu Ehauanjah, der nicht minder beim Volke beliebt als bei Hadrian angesehen war und beschwichtigte, ein zweiter Menenius Agrippa, die Menge durch die Fabel vom Kranich und vom Löwen und vermochte den Ausbruch eines neuen Aufstandes momentan noch zu hindern (ibid.). AlS Hadrian später nach Zudaea kam, wurde ihm die Stimmung des jüdischen Volke» gegen ihn nicht bckamtt. Er untcrredete sich häufig mit hervorragenden Männern, namentlich mit dem früher genannten Josua.'der damals das Volk nach dem Tode Gamaliels leitete, -und deffen milde Denkungsart ihniLfür die Friedensliebe des Volkes zu bürgen schien. So ermuthigt, wagte er es, noch weiter zu gehen. Er beschloß Jerusalem als eine heidnische Stadt wieder zu erbauen, statt deS jüdischen Hciligthums einen Tempel des Jupiter CapitolinuS zu errichten und der neuen Stadt den Namen Aelia Capitolina zu geben. (Die Gass. LXIX. 12.) So lange noch Hadrian in Alexandria weilte, wagte sich der mächtig gährende Unwille noch nicht hervor. Dort scheint noch Nabbi Josua einen Versuch gemacht zu haben, ibn von seinem Vorhaben abwendig zu machen (Vopiscus, Saturnin. 8). Doch vergeblich. Im Stillen bereiteten die Juden einen neuen Aufstand vor (133 n. Ehr.). Die Waffen, die sie für die Römer zu verfertigen hatten, machten sie ab sicht7 lich stumpf, um später selbst in ihren Besitz zu gelangen (Dio Gass. ibid.). Ohne dass Jemand von ihren geheimen Rüstungen etwas ahnte, bauten sie einige Festungen:auS, gruben sich unterirdische Gänge und Wege, für die sie Luft- und. Lichtöffnungen machten (ibid.). Die römischen Zwingburgen Caesarea und Emmaus gingen zudem durch Erdbeben unter (Euseb. Obren, ad a 133). Der Führer des Aufstandes war Bar Kosiba oder, wie er von seinen Anhängern genannt wurde, Barkochba, von deffen Herkunft nichts bekannt ist, und der durch seine Erscheinung allen imponirte. Namentlich Rabbi Akiba setzte auf ihn seine Hoffnungen und nannte ihn den Meffias (Talm. bab. Synbedr. 97b: Jer. Taanit IV, 7; Tbreni rabba II, 2). Wohl waren nicht alle von gleicher Zuversicht beseelt. Bezeichnend ist hiefür die (Tbreni. rabba II: 2) mitgetheilte Antwort eines anderen Rabbi: ,Eher wird Gras auS deinen Kinnladen wachsen (d. h. eher wirst du im Grabe verwesen), Akiba, ehe der Meffias erscheint". Barkochba war von erstaunlicher Körperkraft, so dass er Ballistensteine mit dem Knie zu schleudern vermochte (Tbreniibid.). Hieronymus (Apol. 2 adv. Rufin.) ergäbt!, er habe augezündetcs Werg aus seinem Munde geblasen, um feuerspeiend zu erscheinen. Von allen Ländern strömten die Juden herbei, um an der Erhebung theilzunehmeu (Eie Gass. ibid.). Das ganze römische Reich gerieth in Bewegung (ibid.). Der römische Statthalter Turnus Nufus (oder TyrannuS Rufus, auch T. Annius Nufus und Tinaius Nufus) der eine beijpiellose Grausamkeit gegen die Juden gezeigt hatte, so lange er wehrlose Opfer vor sich hatte, wurde bald - besiegt, und widerstandslos wich er zurück, als das Volk in Waffen ihm gegeuüberstand (Euseb. bist. ecel. IV, 6). Drei Jahre führte Barkochba einen ruhmvollen und blutigen Krieg, bis der Kaiser den Julius SeveruS, seinen besten Feldherrn, aus Britaunien kommen ließ, um den Barkochba zu bekämpfen (Eie Gass. ibid. Euseb. ibid.; Seder Olam desgl., Hieronym. in Eanielern 9). Nach Jer. Talm. (Taanit IV.) Tbreni rabba (p. 71 b f) soll die bloße Belagerung von Betar so lange gedauert haben. Der Aufstand des Barkochba ist in zahlreichen Monographien so ausführlich behandelt worden, dass an dieser Stelle auf die Einzelheiten desselben, welche von der todesmulhigen Begeisterung der Juden Zeugnis geben, nicht weiter eingegangeu werden muss. Nennenswerth sind darüber vor Allem die Arbeiten von Volkmar, Lipsius, Hilgenfeld, Grätz u. s. w. An dieser Er» Hebung nahmen die Christen nicht theil und wurden daher von Barkochba verfolgt (Eusebius bist. eeel. IV, 8; Euseb. Obren, ibid; Justin Apol. I, 31), jedoch nicht wegen ihres Glaubens, sondern weil man sie des Verrathes an der nationalen Sache beschuldigte. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chrmnk. Wien. Bei der Sonntag den 10. Jänner vorgenommenen Constituirung des Vorstandes der israelitischen CnltuSgemeinde wurden Herr kaiserlicher Rath Arminio Cohn zum Präses, Herr Julius Ritter v. Goldschmidt zum Präses-Stellvertreter gewählt. Die bisherigen Obmänner und Stellvertreter von drei Sectionen wurden wieder- und für die Bethäuser-Section Herr Joseph Hildburghäusser zum Obmann, Herr Michael Biach zum Stellvertreter neugewählt. Wien. Der Kranken- und Unterstützungsverein ״Chesed scbel emmes“ in Wien hat unseren geschätzten Collegen, Herrn A. Fischer, der seit vielen Jahren unterstützendes Mitglied dieses Vereines ist, in Würdigung seiner bekannten Menschenfreundlichkeit und Fürsorge für derlei humanitäre Institutionen zum Ehrenmitgliede ernannt. Ein prachtvoll ausgeftattetes Diplom wurde vom Vorstände des genannten Vereines Herrn Cantor A. Fischer feierlichst überreicht. Wien. Im niederösterreichischen Landtage wurde in der Sitzung vom 11. Jänner die Frage der Gewährung von Altecszulagen. an die Lehrer erledigt. Bei dieser Gelegenheit richteten zwei Redner, die Abgeordneten Dumba nnd Eduard Sueß, die. stets die wärmsten Sympathien für die Schule bekundet hatten, in eindringlichen Worten eine Mahnung an die Lehrerschaft, oder genauer gesagt, an einen Theil derselben. Beide Abgeordnete wiesen auf die bedauerliche Thatsache hin, dass ein Theil der Lehrer in den extreme sten Richtungen agitatorisch und hetzerisch auftritt, dass Lehrer es find, welche gegeu einzelne Confeffionen aufwiegeln/ dass ein .Theil der Lehrerschaft im compromittirenden Lager des. Antisemitismus zu finden ist. Abgeordneter Dumba sagte in seiner wohlgemeinten Rede: Es ist traurig, dass :sich einige Lehrer auch in jener Agi-

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