Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 2 (16.1.1886)
- Date
- 1886-01-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Redner schilderte sodann das Leben Mendelssohns und legte . ein Hauptgewicht ׳aus dessen deutsche Gesinnung im Denken, Fühlen und Schreiben.. Dann berührte er: das Verhältnis des ׳-Meisen zu Lessing. Der Redner kam hieraus aus-den ״Phädon' :׳zw sprechen״ berichtete׳ von den :Erfolgen dieses Werkes und. er-. ׳ läuterte die Ursachen des Ersolges. Moses Mendelssohn wollte seine Glaubensgenossen.zu Deutschen machen und trotz aller Anfeindungen, welche diesem Streben zu'Theil ward, sind sie heute auch Deutsche geworden. Das ist. Mendelsohus That. Die Gegenwart, besitzt viel von dem, was der gefeierte Weltweite angestrebt, aber auch die Gegenwart kann noch viel von ihm lernen,, namentlich von seiner Toleranz. Mendclsiobn darf noch heute als prosaischer Mnsterschriftsteller gelten, und die - Gedanken, die er in so herrlicher Sprache auszudrücken verstand, werden eine ewige Geltung haben. Die-Forderungen, die er in seinen Schriften an den Staat stellt, sind: freilich alle in gewissem Maße erfüllt, aber es ist auch jetzt noch nolhwendig, stets auf sic hinzuweisen. So ist Mendelssohn nicht nur als Reformator seines Volkes, als Freund Lessings, als Vorbild des Nathan, sondern auch um seiner selbst willen ein verehrungswürdiger Mensch.' ׳ Dieser Rede folgte der Männerchor ,Ich suche dich' von Kreutzer, worauf Herr Professor Dr. Lazarus aus Berlin das Wort ergriff. Der Inhalt seiner geistvollen Rede ist kurz folgender: .Viel.ist schon über Moses Mendelssohn gesagt, und doch bleibt ,noch viel über ihn zu sagen. Er ist ein großer Mensch und doch so verschieden von anderen großen Menschen, über die sich im Laufe der Zeit das Urtheil geändert hat. Moses Mendelssohn ist darum ein großer Mann ganz eigener seltener Art, weil sich das Urtheil über ihn, auch nach 100 Jabren, nicht geändert bat; es wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Der Redner führte die Gründe für diese seltene Erscheinung bis ins Detail ans. Darauf kam er auf das Harmonische im Wesen Mendelssohns zu sprechen und erklärte in eingehender Weise die Wechselwirkung der' Ereigniße und Erlebniße auf des Denkers Energie und Lebensführung. — Sodann behandelte er die Lebensbeziebungen des Weisen und schilderte deren wunderbare Eigenthümlichkeit, welche schon seine Zeitgenossen mit Bewunderung erfüllte. Sehr interessant war die Ausführung der Motive, welche ans Mendelssohn einen deutschen Schriftsteller und den Schöpfer einer' philosophischen Sprache und Schreibweise machten, hochinteressant auch die Erklärung, wie Mendelssohn Philosophie trieb.-fern von aller Schablone und Systematisirung, allein geleitet von seiner schrittweise fortschreitenden Selbsterkenntnis. Der Redner mußte leider wegen der vorgerückten Stunde seinen Vortag abbrechen. Beethovens herrliche Composition ,Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre' beschloss den Festact in der Aula, welchem sich ein Festessen in den festlich deeorirten Räumen des ״Hotels zum goldenen Hirsch" anreihte. 126 Theilnehmer hatten sich eingesunden und den ersten Toast brachte Herr Bürgermeister Dr. Funk aus. Er wies auf das Zeitalter Friedrich des Großen hin, den Mendelssohn selbst hochgepriesen habe; er deutete auch die Mängel an, welche dem Zeitalter der Aufklärung anhafteten, denen unter der Regierung der Nachfolger des großen Königs, namentlich unter dem Kaiser Wilhelm, und in Anhalt unter den Nachkommen des Herzogs Franz abgeholfen fei. Sein Hoch galt Sr. Majestät dem Kaiser und Sr. Hoheit unserem Herzog. Herr Oberstaatsanwalt Siegfried toastirle auf die Familie Mendelssohn, deren׳ jetzt lebende Mitglieder das Dessauer Fest mit ihrer Gegenwart verherrlichten. — Ein Urenkel Moses Mendelssohns, Ernst Mendelswhn, Bankier aus Berlin, dankte für diese Aufmerksamkeit und endete seinen. Toast mit .den Worten: ״Des Himmels reichsten Segen auf Dessau, die Wiege unseres Geschlechtes! Dessau hoch! Herr Direetor Dr. Reichardt feierte die erschienenen.Gäste׳ und ließ diese, sowie den Festredner hochleben. . Herr Instizrath Meyer aus Berlin, Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde, brachte ׳ein Hoch dem Comite der Mendelsfohnfeier. — Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt ans Leipzig schloß seine Toattrede also: ״Glückliches Dessau, du bist die Stadt, r welche einen Mendelssohn der Welt geschenkt! Glückliche Gemeinde Dessau, dir gilt mein Gruß, mein Hock!' Herr Professor Dr. Lazarus aus Berlin dankte für die Anerkennung, welche ihm als Redner geworben, und toastete auf das Denkmal-Comite mit dem Wunsche, daß recht bald schon ein Monument für Moses Mendelssohn sich in der Muldestadt erheben, möchte. — Herr Pogwitz aus Berlin erhob sein Glas auf das Wohl des Vorredners und der deutschen Presse überhaupt. Dann kam eine Reihe Depeschen zur Verlesung ans allen Theilen der gebildeten Welt, aus London, aus Paris, ans Rußland u. s. w. Inzwischen war es Zeit zur Festvorstellung im herzoglichen Hoflheater geworden, welche um halb 7 Uhr begann mit der von der Hofcapelle unter Leitung des Herrn Hof-Capellmeisters Kleemann trefflich vorgetragenen Ouvertüre zu ,Athalia' von Felix. Mendelssohn - Bartholdy. Das bekannte Charakter, bild ,Onkel Moses' von Hugo Müller und ein von Herrn Profeffor L. Gerlach hier verfasstes und von Herrn Hofschauspieler Neubke gesprochenes Festgedicht schloßen sich an und wurden sehr beifällig ausgenommen. Der Marsch aus Mendelssohn-Bartholdy's ,Athalia' leitete das Drama .Nathan der Beeise' von Lessing ein, welches den Schluß der bis 11 Uhr dauernden Fest-Aufführung bildete. Nach dem Theater trafen sich die Festgenossen noch zu einem geselligen Beisammensein im Saale des Bahnhofs-Hotels. So verlief die Feier des 100jährigen Gedächtnistages des Scheidens Moses Mendelssohns von der Erde in erhebender, des großen Mannes würdiger Weise, und unter Betheiligung der Gebildeten von Nah und Fern, namentlich aber Dessaus, der Stadt, welche trotz ihrer Kleinheit nichts kennt von Engherzigkeit oder particularistischer Beschränktheit, welche die Geburtsstatte eines Wilhelm Müller, eines Basedow und eines Moses Mendelssohn zu fein sich rühmt. Das Säcularfest zeigte, wie Recht einst der regierende Graf Wilhelm von Schanmburg-Lippe. der fürstliche Freund Mendelssohns, hatte, über das in seinem Schlosse prangende Bildnis des ,deutschen Socrates" die ehrenden Worte zu setzen: ״Vir 1>onu8 6t sapiens, quem vix e millibüs unum tulit consultus Apollo.“ Die römischen Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und Christen. (nach den Quellen dargestellt.) Von D r. A. Weiß. ... VI. , . . HI. Von den Flaviern bis zu Konstantin dem Großen. 6. H a dr t an u-f* Nach der Absetzung des LusiuS Qnietns wurde MarciuS Turbo zum Statthalter von Judaea ernannt.?״*■׳! BL