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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-30 · Heft 44 (30.12.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 44 (30.12.1885)
Date
1885-12-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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' Das Cheder i; ergebt zur ®eöa:־.fe 1110fi.ןf*יit, c« britU •mcdänisch. Das Cheder־ÄinC־. f übli sich tu ras Cao iuu’־.T!UuDe11e ״Beten" nicht im ZwangEs abul im ,,Bereu ' und ״Swaukeln" nur seinem frommen Vater nach, es irenr sich, deu Srngfang, ähnlich den Etwachsenen, milmacheu zu könn-ui. es d.ukr sogar während des ״Beteus" daran, seine Lelslüugewvo! Eltern. Verwandten und Bekannten zur Schau zu stellen, kurz die Eitelkeit arbeitet mit, dass das Lheder-Kind >,beten" will und deshalb durch unzähliges Reciliren der gleichen Gebetüncke die mechanischen Schwierigkeiten überwindet, also beten" kann. Zit -der ortbodvxe Vater eirr Ignorant, der selbst viel ״Greisen" macht und Vieles ״Überhuppert", so gcnilt es ihn nicht, wenn sein Sprosslin(p.ebenfalls ״Greisen" macht und ״überhnpperl,׳" ist aber der Vater gebildet, des Hebräischen mächtig, so überwacht er gewiss jede Silbe, die daß Kind ״betet", corrigirt das Fehlerhafte gewissenhaft, und durch fortgesetzte Uebnng und Aneiferung bringt er das Kind dahin, dass es endlich corrcct und geläufig, ja theilweise schon aus dem Gedächtnis betet. Im orthodoxen Elternhause wie im or:hodoxen Tempel ist aber auch die Luft vorhanden, um selbst dem unverstandenen hebräischen Worte eine gewisse Weihe und 'Andacht zu imprägniren, das ganze Leben, Freude wie Schmerz stehen ausschließlich unter den Filtigen der Religion. und es kann uns daher nicht wundern, wenn wir orthodoxe Ignoranten vielleicht bei irgend einem Pijut, von dessen Inhalt sie nicht einen Dunst baden -können, bittere Thränen vergießen sehen. Sie betrachten das Weinen als pflichtgemäß, als unerlässlich. Zn den Vorzügen eines Cantors oder Baal!Mah gehörte es doch, ein Baal Bechi zu sein, um an den heiligen Festtagen das Auditorium zum I Weinen zu veranlassen. Zn diesen Kreisen will man andächtig sein, darum wird man es auch leicht. Des Lebens Müh' und Nolh, Schicksalsschläge, das Golus tragen das Ihrige bei, und Andacht, Religiosität, ein Gotr gefälliges jüdisches Leben und Streben tritt wirklich -zu Tage. Also — so folgern nun meine und. aller Herrn Länder Orthodoxen mit Recht — gestehst du doch zu, das orthodoxe Leben gewährt Zufriedenheit, Glückseligkeit und Frömmigkeit. Warum arbeitest du nun uns entgegen? Geduld Freunde, ich verfolge keine Tendenz, ich bin kein Agitator, ich zeige blos. was ich sehe, befrage Andere, die gesunde Sinne haben, ob sie nicht auch Aehnliches sehen und dann versuche ich es. aus dem Gesehenen einfache Schlüsse zu ziehen. Ich lade euch also ein, mir langsam zu folgen und falls ich Fehltritte mache, mich sofort zu belehren. Ich gestehe zu, dass das orthodoxe Leben Zufriedenheit, Glückseligkeit, wahrhaftes Glück gewährt. Ihr werdet mir aber zugestehen, dass das orthodoxe Leben mit jedem Tage an Boden verliert, dass die orthodoxen Familien sich immer mehr lichten und dass es zu beu Seltenheiten gehört, wenn orthodoxe Eltern orthodoxe Kinder haben. Wisst ihr aber auch warum? Weil gegenwärtig sehr viel Geld dazu gehört, um orthodoxleben zu könne n. Das ist des Pudels Kern. Ich sehe ungläubige, unbefriedigte Mienen. Also treten wir zur Erhärtung meiner Behauptung iu's praktische Leben. Der fromme Jude lebt in der Khile am liebsten, da er hier regelmäßig das Gotteshaus besuchen, koscher wirthschaften, den Rabbiner stets befragen kann u. dgl. Gestattet nun das heutige Leben dem Mittelmanne durchschnittlich in der!Chile zu leben? Er muss hinaus auf's Dorf, das tägliche Brod verdienen und damit ist die erste Bresche geschossen. Ja, höre ich einwcnden, früher gab's fast nur Dorfgeher, und doch lebte Alles fromm, orthodox und glücklich. Ganz richtig, früher. Früher gab's kein Eisenbahnnetz, keine Zeitung, die den Bauern anzeigke, wie hoch der Weizen steht, Siibergeid war zu haben ans dem Sirumvi der alten Bauerm. Robv:oduete blieben dein Hansjnden reiet-- viel, blö er kam, kein Antisemit trübte das berztiwe Verba-uns zwiiw.n dem Hoijnden, der im Pfarrhaus-.׳ seine lkilte mit Schnittwaare eingelagerr batte, der vei den oornebi-ast׳.״.׳. Banerir oit vorzügli-.ves Nachlg.ianier batte, dem Erdävkel, Mebl. Eier, Milch und Oost mit wahrer Herzlichkeit eil!gege!!gebraa!t wurden 11. s. f. — und zwischen der Bevölkerung. Es gao keinen Kauf׳ mann 1 tu Do!fe und reu Con'umvereinen, die blos die Regielpesen ans öem Gelchafle schlagen wollen, und die oft in der Absicht, den Juden zu ruiniren, gegründet unö mir Opfern erhalten werden, ließ sich Niemand träumen. Wartet de: Bauer heute auch mit dem Schlachten des Mastviehes, bis der Jude kommt, oder muss der Jude, der nicht mit Glücksgütern gesegnet ist, (deren Zahl ist eine geringe) nicht vielmehr Zeit und Umstände erfassen, um einen bescheidenen Profit zu erlangen? Ist das der Orthodoxie förderlich oder abträglich? Roth bricht Eisen, um wieviel mehr orthodoxe Satzungen. Die orthodoxe Familie will leben; ist sie nun auf den Handel mit Tbierbäuteu angewiesen, und sträubt sich der alte Vater noch so sehr dagegen, am Sabbath dem Bauern die Nindshaul abzunehmen — mit dem Rückgänge des Geschäftes, mit der zunehmenden Verarmung schmelzen die starren Satzungen. Was der Vater nicht thut, das vollfübrr schließlich der Sohn und der Alte muss sich, gezwungen von der Uebermacht der Verhältniße dazu verstehen, durch die Finger zu schauen. Hier börr nicht nur die Gemüthlichkeit, sondern auch die Orthodoxie auf. Ist der alte Vater todt, so fallen alle anderen Rücksichten, der strebsame Sohn bat ein Producten- I geschäft etablirt, und am Sabbath werden nun die Niudghäute übernommen und geliefert, ebenso wie an Wochentagen. (Fortsetzung folgt.) Die römischen Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und Christen. (nach den Quellen dargestellt.) V o n D r. A. W e i ß. VI. III. Von den Flaviern bis zu Konstantin dem Großen. 4. Nerv a. Dieser Kaiser hat während der sechzehn Monate seiner Negierung gar Vieles zum Wöhle des tief darniederliegenden Reiches gethan. Jeder durfte sich zum Judenthum und zum Christenthum bekennen, ohne dass es verstattet war, ihn wegen Gottlosigkeit anzuklagen. Die Denunciation wegen nicht geleisteter Judenfteuer wurde aufgehoben und viele Sykophanten oder Delatoren bestraft (Bio Cass. LXVIII, 1). Dieser Regierungsact des Nerva ist durch Münzen verewigt worden, die mit der Inschrift versehen waren: ״Fisci Judaiei calumuia sublata“ (Eckhel, doctr. numm. vett. Bd. VI, 8. 404). Dass auch unter Nerva. die Christenverfolgnngen aufhörten, berichtet Lactantius (de wort. persec. 18). 5. Traianus. Von seinem Briefwechsel mit Plinius dem Jüngeren, Consul von Antiochia und Bilhynien. in Angelegenheit der Christen ist schon (unter Domitian) Erwähnung geschehen. Dem ist noch beizufügen, dass Plinius bei seinem Vorgange dem Gesetze nachgekommen ist, ohne von den Gründen desselben unterrichtet zu sein, dass ihn aber die große Zahl der Hinrichtungen, zu welchen nach einem Berichte des TiberianuS, Proeurators in Judaea, sich die Christen mit wahrem Glaubenseifer drängten, denn doch zu Mitleid bewogen bat. Aus der Antwort des Traian geht hervor, dass dieser das Christenthum

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