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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-30 · Heft 44 (30.12.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 44 (30.12.1885)
Date
1885-12-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Leitung zum wesentlichsten.Unterrichte werden. Zu seiner eigenen Unterhaltung soll in diesem' zarten Älter das Kind seine Stimme verlucven, sie oft ia Bewegung setzen.. Das befördert ihr krästiges Hecanwacbien, uitd es wird gern-und von selbst lhun, wenn cs oft die Größeren singen hört. Zn diesem Zeiträume, wo so manche junge Wesen durch das feinste Gift, daß bei Erwachseneu wie bei Unerwachsenen den frischen Lebenskeim-knickt, durch die Langeweile, die aus Mangel von tbärigcr Beschäftigung entsteht, leiden, wenn kluge Erzieber nicht früh verstehen, die Selbstrhärigkeii zu wecken, welche keines andern Forttreibens als des inneru Dranges, etwas betvorzubringen. bedarf -— kann die neue Beschäftigung der Musik tausendfache Unterhaltung bieten. Diesen Zeitraum muss die gute Mutter benutzen, um den kleinen Geschöpfen aus eine leichte und angenehme Art die ersten Kenntnißc der Musik beizubringen, die später ^die Erlernung jedes Instruments erleichtern. Sie können durch-mannigraltige Spiele das No.tensyslem mir seinen, durch alle verschiedenen Schlüssel bewirkten Veränderungen, die Noten selbst und ihren Gehalt, den Tact und seine Verschiedenheit kennen lernen. Manchen Müttern mag diese Art von Unterricht, der durchaus nicht trocken und gelebrr klingen darf, damit die Kinderchen immer neues Vergnügen daran finden, noch ungewohnt, scheinen, besonders wenn ihnen die Grundsache, von der hier gehandelt wird, nicht ganz geläusiz ist. Doch chie größere Zahl,, denke ich, ist im Stande, diesen ersten Unterricht nach dem,Bedürfnis der Kleinen eiuzukleiden. Zch würde es für überstüssig halten, mit Sorgfalt auf die Töne zu lauschen, die ein ganz junges Kind in seinem Froh-, sinne singt, wenn unsere Sprache, gleich der italienischen, eine Schule des Wohlklanges sein könnte. Zn Italien öffnet sich kein Mund zum fehlerhaften Gesäuge; denn die, Sprache bildet das natürliche Organ fehlerfrei, und es ist eine seltene Ausnahme, wenn mau dort die Fehler des sogenannten durch die Nase Singeus. oder der Halsstimme, die man mit chanter gras oder cantar di gola bezeichnet und alle Verstümmelungen und Verkrüppelungen des Organs antrifft, von denen wir bei Gelegenheit noch mehr zu sagen haben. Durch die natürlichen Töne der Sprache wird ihre Kehle früh zum Wohlklange gebildet, weil Typen aus dem jüdischen Ghettoleben. Von Simon Aiarnant, Oberlehrer, Au sterlitz. (Alle Rechte Vorbehalten.) V. Endlich nach einer langen, bangen Stunde, die dem guten Lobaobiätb-Eandidaten. eine Ewigkeit zu währen schien, lenkte der heiß ersehnte Gemeindebote seine Schritte zu Neb Zekef hin. .Es GoMwillküm, sitzt Euch', rief Neb Zekef beim Eintritte des Heißersehnten und leise flüsterte er zu sich in seinem Vaterstolze. ,Was würde nun mein Sohn sagen, wie stolz wäre er auf die Trophäen seines Vaters, wenn er wüsste, welch' ein Avancement mir bevorsteht!״ Aber welche Enttäuschung sollte der gute Mann erfahren! .Matel' rief der noch nichts Ahnende seiner getreuen Ehehälfte zu, ,gib einen Sessel her. — Neb Zosfef, setzt Euch!' Leise zwinkerte er seinem treuen Weibe zu, als wollte er sagen: Der Schachritli ist mein! Doch Neb Zossef war in momentaner Verlegenheit, wie er sich seines jedenfalls schwierigen und undelicaten Auftrages entledigen sollte -— er hielt wie nachdenkend den Knopf seines Stockes an den Mund, räusperte,sich einige Male, daun Hub er an: ,Neb Zosef, der Mineha ist pfutsch!' ihre vielen Vocale die Kehle bis zu ihren,-- kftiu!teu׳,Fftern. und Tbeüchen! dis Zunge, die Zähne, den ganzen׳ Ninnd in die dem : icböuiien Tone vortbeilhasteste Lage bringt und, dem-/sich/-zum Singen bereitenden Menschen schon in de!. nämlichen Ssellilng: die Vortbeile bietet, welche eine andere Kehle/ durch/-erlistest Studium, durch die Eutferuung der, schädlichen Angewohnheiten/ die eine weniger natürliche Sprache de! ..Kehle von Kindheit an entgegenstellt, erringt. Za es ist fast/künstlicher, ,.mit der . reinen Unterlage und der Gewöhnung an italienischen Text;./ schlechte Töne als gute zu singen. .. , . (Fortsetzung folgt.) , : Die Gebete in der hebräischen Sprache, das Holk und die ReliyioMt. Von «L. Httesenfetd, Oberlehrer in Uu g. - B r o d. - - - (Fortsetzuuz.) ־ •־ Zm 2. Schuljahre kann ein Schulkind mechanisch hebräisch lesen, und das wird ihm nun als , Gebet' ausgetischt. Dass es in den ersten Schuljahren auS verschiedenen Gründen rein unmöglich ist, den Kindern die Gebete zu übersetzen,, zu erklären, zu Gemüth zu sübreu, gibt auch der radicalste Orthodoxe zu. Das Kind soll aber doch und zwar möglichst osl und möglichst viel ,beten'. Eine Erzählung in der Mütlersprache. fürs Kind leicht verständlich geschrieben, ist dem Kinde zuwider, wenn es auf Schwierigkeiten stößt. Und nun sollen Worte einer fremden Sprache, mechanisch theils correct, tbeils incorrcct abgeleiert, ,fromm' machen? Zudem fehlt es.dem Kinde an der uötbigen Geduld, diesen Zwang zu ertragen. DieSchule vertreibt insofern das ״Beten", als sie die Kinder an's Denken gewöhnt und das herkömmliche ״Beten" der Gegensatz des Denkens ist. Eine alte Anekdote veranschaulicht den Widerwillen des Kindes gegen das geisttödtende sogenannte Beten. ,Freue dich, der Nebe ist ist gestorben', ״Das 8hidur1 muss sterben", weinte das Kind, wenn ich mich freuen soll! Macht nichts, dachte Reb Zekef bei sich, bekomme ich ja ein weil ausgiebigeres Aequivalent hiefür. Doch der unbarmherzige Schames fuhr in Erledigung seines Auftrages weiter fort: .Kobl lässt.Euch wodi6 sein, Zhr sollet, da Zhr schon in vorgerückten Jahren seid, und auch jüngere Balbatim da sind, die sich im Dawenen ein üben wollen, auf den Minclia verzichten.' ,Und Sehachrith״, rief der vor Erregung sich kaum mehr Haltende, während jeder Nerv an ihm zuckte, ,und 8ebaebritb?* ,Werd Neb Gawriel dawenen/. Jedes dieser wenigen, aber inhaltsschweren Worte war ein Donnerschlag für den armen Neb Zekef; bleich und entsetzt, keiner Silbe mächtig, sank er in den Stuhl zurück. Als der Schames sich entfernt hatte, raffte sich Neb Zekef empor und hauchte mühsam die Worte: ,Matel, es ist schon gor ka Welt mehr, jetzt werd schon balb Moschiaeh. kommen. Und wie es gewöhnlich zu gehen pflegt; wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen. Da war es besonders Neb Jtzek, der dem Armen mit seinen losen Reden arg zusetzte ,Neb Zekef', ries er, .seht, das hat Euch Euer Dohu geihan!' Und ein andermal: ,Was werdet Ihr jetzt mit dem ״Diu weelu“ machen?' Und in der That hatte Neb. Zekef schon eine der neuesten Polka für diese Gebetpiece einstudirt gehabt. (Fortsetzung folgt.)

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