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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-30 · Heft 44 (30.12.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 44 (30.12.1885)
Date
1885-12-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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- 3 vor dasselbe zusenden, wenn aber ein neues Quartal herannabt, vergisst der größte Theil der Abonnenten an seine Verpflich. lungen und denkt nicht daran, dass eine Zeitung, die man Jahr ein Jahr aus liest, auch bezahl! werden muss. So häufen sich Rückstände auf Rückstände, Schulden auf Schulden, die so leicht nicht mehr zu begleichen sind, die weitere Existenz der Cantoren- Zeitung bedrohen und dem Säckel des Herausgebers, der doch auch nur .ein Beamter ist, geradezu unerschwingliche Opfer anferlegen. Wenn es unsere geehrten Herren College» und Abonnenten also mit der Wahrung der Standesinteresse» ernst meinen, wenn es ihnen um die Erhaltung des Fachblattes zu tbmi ist, so müssen sie sich endlich einmal au Ordnung gewöhnen. Zu Beginn einesjeden Quartals muss das Abonnement regelmäßig erneuert und der Pränumerationsbetrag, der für ein Quartal doch gewiss eine ganz minimale Summe repräsentirl, pünktlich e i n g esendet werden. Aus diesem Grunde und weil wir weiters zu Beginn des neuen Jahrganges die Anzahl unserer Abonnenten genau kennen müssen, haben wir uns entschlossen, der heutigen Nummer bedruckte Postanweisungen beizulegen. Wir stellen nun an alle unsere Herren Collegen und Abonnenten die dringende Bitte, sich auf dem Coupon der Postanweisung zu erklären, für wie viel Quartale sie die Cantoren-Zeitung abonniren wollen und den Pränumerationsbetrag f ü r m i n d e st e n s e i n Q u a rt a l umgehend e i n z u s e n d e n. Diejenigen Collegen, welche mit einem Rückstände belastet sind — die Höhe des rückständigen Betrages bis 31. Dezember 1885 ist auf jeder Postanweisung unter der Rubrik ,Saldoa genau verzeichnet — mögen wenigstens einen Theil desselben begleichen, soweit es ihnen eben möglich ist und bei nächster Gelegenheit in gleicher Weise verfahren; i n k e i n e m F a l l e mögen sie es aber unterlassen, den P r ä n u m e r a t i o n s b e t r a g für das neue Quartal einzusenden. Nur auf diesem Wege werden die verhängnisvollen Rückstände beseitigt werden, und die Redaction wird bei weitererer Verbreitung des Blattes eher an eine Herabsetzung des Pränumerationsbetrages denken können. Wir sprachen von einer weiteren Verbreitung der Cantoren-Zeitung. Auch hierin könnten wir die Unterstützung unlerer Standesgenossen finden. Abgesehen davon, dass noch viele Cantoren abseits stehen oder von der Existenz des Fachblattes keine Ahnung haben und durch Aufforderung von Seite eines Collegen leicht zum Abonnement bewogen werden könnten sollten die Cantoren — namentlich in den größeren Provinzstädten —- dafür Sorge tragen, dass die Cantoren-Zeilung im Gemeinde-Amte, das gewöhnlich jüdische Blätter hält, oder in einem anderen öffentlichen Locale aufgelegt werde, damit auch die einzelnen Mitglieder der jüdischen Gemeinden von unseren Bestrebungen in Kenntnis gesetzt werden und denselben mehr Interesse als bisher entgegenbringen. Wir hoffen, dass unsere, geehrten Herren Collegen und Abonnenten diesen Appell vollauf berücksichtigen und uns in Zukunst derartig traurige Erörterungen im Blatte ersparen werden. Are Hledaction der österr.-nng. Cantoren-Zeitung. . Wien, am 30. Dezember 1885. Gesangs-Briefe. (Fortsetzung.) Jeder Erfolg, jeder Fortschritt bei den Künsten, hängt von den Anfangsgründen ab. Es kostet nicht mehr Mühe, eine Sache gut, als sie schlecht zu lehren oder zu lernen. Aber sind die Aufangsgründe zweckwidrig, aus falsche Grundsätze gelehnt, so mag sich ein Schüler, mit oder ohne Meister, noch so sehr bemühen, seine Fortschritte sind gehemmt, seine Hervorbringungen bleiben in Ewigkeit fehlervoll und werden ibn nie zum Ziele einer unter anderen Umständen zu erreichenden Vollkommenheit leiten. Die Singkunst hat viel Aehnlichkeit mit der Erziehungskunst überhaupt, von der sie einen Theil ausmachen sollte. Selten ist diese schwer, wenn der Erzieher das zu bildende Wesen unverdorben aus den Händen der Natur empfängt und noch keine Afterweisheit, weder physisch noch moralisch, daran gekünstelt hat. Kennt und ehrt der Erzieher oder die Erzieherin die heiligen Rechte der mütterlichrn Natur, so genügt es, ein wachsames Auge zur Hinwegräumung und Zuvorkommnung der von Außen sich herandrängenden Hinderniße zu haben, um die zarte Pflanze wohlgerathen, sich schön entfaltend unter dem sorgenden Blicke beranwachsen zu sehen, die freilich mehr oder weniger freigiebig von der Natur begabt sein kann, aber doch in den meisten Fällen fast jede Art von Hässlichkeit mehr von Außen, durch Vernachlässigung an sich zog, als dass es ihr angeboren sei. Das Geschenk eines gefunden Daseins, Nahrung bringende Umgebung, Entfernung des sich nährenden Unkrauts, das sie umstricken und erdrücken kann, versichern der Pflanze unter dem Auge des nicht ängstlichen, aber sorgsamen Gärtners die vollendelste Entwickelung. Die Natur verdirbt ja so selten — aber desto mehr die Menschen! Es kommt jetzt zuerst darauf an, die Stimme mit ihrem Eigenlhümer, dem Menschen, zu erziehen oder, wie man sagt, zu bilden. Allein diesen Ausdruck möchte ich nicht so früh gebraucht wiffen, weil nur späterhin, wenn der Gesang in seiner vollen Natürlichkeit bis vor die Schwelle des Tempels gekommen ist, wo die Kunst ihr Gebiet öffnet, der Zeitraum eintrilt, wo wir der Stimme und dem Gesänge wirklich eine Bildung geben müssen, um sie auch in dieser Hinsicht zu vervollkommnen. Jetzt soll der junge Mensch nur wissen, dass er eine Stimme, die zum singen geschaffen ist, besitzt, und wir als Lehrmeister haben für ihre physische Erziehung zu sorgen, damit sie wohlgestaltet und kräftig, wie sein Körper, entfernt von jedem Auswüchse, mit ihm heranwachse, damit wir in der Zukunft schöne Organe in Menge bekommen, wie wir sie jetzt nur selten finden, weil alsdann künftig der künstliche Theil des llnterrichtes leicht zu vollbringen wird. Wir dürfen zu diesem Zwecke nur das Hinüberlenken zu dem Fehlervollen verhüten. Dies ist aber nur möglich, wenn man unaufhörlich wachsamen Geistes umherschaut, mit sich zu Nathe geht, worin das Fehlerhafte besteht, um sich selbst oder den Schüler, der uns beschäftigt, davon entfernt zu halten. ׳ In den ersten Kinderjahren von drei bis fünf und sechs Jahren sah man schon genug Fortschritte in musikalischer Rücksicht bewirkt, wenn man es möglich macht, dass die Kinder viele gute Töne und keine schlechten zu hören bekommen. Diese Art von Unterricht bemerkt sich nicht auf der Stelle, aber er lohnt sich in der Zukunft, weil er das Ohr für die schönen Töne empfänglich macht. In diesen Jahren soll das Kind nicht zum eigentlichen Lernen angehalren werden, damit es nicht verkümmere, aber Alles, was es hört und sieht, kann durch kluge

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