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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-19 · Heft 43 (19.12.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 43 (19.12.1885)
Date
1885-12-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Die römischen Kaller! in ihrem Verhältniße zu Juden und Christen. j (nach den Quellen dargestellt.) s V o u D r. A. W e i ß. VI. HI. Von den Flaviern bis zu Konstantin dem Großen. Die hier angeführte Lesart vel improfessi wird von GronoviuS, die Lesart vel uti pros688i von Cassaubonns festcjcbalten, die leichteste velut professi ist jedoch nach den Handjchriften am meisten anfechtbar. Hier ist also nur nach der einen Lesart.von heimlichen Juden, nach der anderen Lesart sowohl von den offenen wie von den heimlichen Bekennern de- JudenthumS die Rede. Es ist jedenfalls eine gezwungene Deutung, unter denen, die das Judenlhum nicht bekannt, aber doch in Rom nach jüdischer Weise gelebt haben, die Christen zu verstehen. Man hätte noch viel eher von einem Tbeile der damaligen Christen sagen dürfen, dass sie das Judentbum bekannt, aber , nicht in jüdischer Weife gelebt haben. Der Ü8ou8 ^ndaicus war eine eximirende, die religiösen Gefühle der Juden verletzende, erniedrigende und drückende Steuer, sie war für das durch die Kriegsereigniße und durch die Entziehung deS Grnndeigenthums tief verarmte Bolk zu schwer. Das Didrachmon war nach Mechilta (Jetim) 2) auf den dreißigfachen Betrag erhöht worden. Es war daher kein Wunder, dass sich viele Juden der drückenden Abgabe durch erlaubte und unerlaubte Mittel entziehen wollten und ihre jüdische Abkunft verlengneten. Sueton erzählt auch, dass er selbst Augenzeuge gewesen, wie Domitian an einem greisen Manne eine körperliche Untersuchung vornehmen ließ. Diese Stelle beweist somit nichts für die behauptete Christen- Verfolgung. Nichtsdestoweniger wird diese durch sonstige geschichtliche Spuren als wahrscheinlich dargetban. In den Briefen, die zwischen PliniuS dem Jüngeren und dem Kaiser Traianus gewechselt wurden, stellt Plinius eine Anfrage, wie er es mit den ihm denuncirten Christen zu halten habe, ob und in welchem Falle sie zu strafen feien, ob, wenn fte gestehen od!r wenn sie leugnen; cs seien manche, die bald leugnen, bald gestehen. Er | -findet in dem Christenglauben nichts als einen maßlosen Aber»! glauben, den er bemitleiden müsse. Die Antwort des Kaisers | gebt dabin, dass die als Christen denuncirten nicht auszufragen seien. und dass wer es leugne, Christ zu sein und die römischen Götter anbete, straflos sein solle (Plini et Trajan. Epist. X. 96, 97). Daraus folgt mit Gewissheit, dass Plinius in amtlicher Eigenschaft, und zwar ans Grund einer schon seit längerer Zeit bestebenden Bestimmung, über alle, die sich zum Christenthume bekannten, Strafen zu verhängen hatte, und es ist kaum glaublich, dais eine solche Bestimmung von einem anderen als Domitian ausgegangen sei. Gegen den Verdacht, ein Christ zu sein hatte sich der römischen Behörde gegenüber Rabbi Elieser, Sohn des Hyrkanos, zu vcrtheidigen (Talm. Aboda sara 17). Dem steht nicht entgegen die Tbati'ache, dass Irenaus (advers. baeres. III, 3) und nach ihm Eusebius (bist, eeeel. III, 13—15) uns die Namen der Bischöfe aufzählen, welche in Rom den Stuhl Petri einnabmen. Diese werden im Canon der heil. Messe alS Märtyrer bezeichnet, was aber nicht gerade bedeutet, dass sie für ihr Bekenntnis den Tod erlitten, sondern dass sie dafür Martern und Gefängnis erduldeten. Zu erwähnen ist an dieser Stelle auch die Verbannung des Evangelisten Johannes nach der Insel PatmoS (Apokalyps. I, 9), welche nach Irenaus (adv. baeres. V. 30) nur unter Domitian staltgefnnden haben kann. Nach Tertullian (de praescript. baer. 26) und nach Hieronym. (in Mattb.) soll der Evangelist in eine Wanne siedenden Oeles ge legt und erst, als er unversehrt geblieben, verbannt worden sein. < Da Hieronymus seine Kenntnis der Sache von Tertullian herschreiben dürfte, da hingegen die Zeitgenossen Clemens und Justinus Martyr, ferner die etwas späteren Gewährsmänner Jräneus und Eusebius nichts davon erwähnen, da ferner eine so unerhörte Art der Tödtnng sonst in der ganzen römischen Geschichte nicht vorkommt und auch kein heidnischer Schriftsteller derselben gedenkt, so wird dieser Umstand historisch nickt genügend Natur, was seine Stimmmittel anbelangte, äußerst stiefmütterlich bedacht. Ja, diese stiefmütterliche Begabung nahm bei vorgerücktem Alter derart zu, dass sein Mincba allgemach zum Gespötte wurde, und sobald Reb Jekef zur VeSperzeit vor dem ״Omed“ tratherrschte trotz der Heiligkeit des Tages eine allgemeine Heiterkeit, di e besonders bei dem eioenthümlich näsenden Vortrage des ״Ilsebu, duscbn, wecbuscbu/‘ den Gipfelpunkt erreichte. Nichtsdestoweniger war Reb Jekef von seinem Säagertalente sehr eingenommen, und von Roscb Chodescb Elull an konnten die vor seiner Wohnung Vorübergehenden die wohlbekannten, in der Khille jedem Gassenjungen geläufigen Melodien summen Horen. Da hieß es immer: ,Reb Jekef lernt sich wieder an'. Gern hätte man den guten Mann von seinem Mincha dispensirt, aber dies hieße, ihn im höchsten Grade beleidigen. Und trotz alledem sollte er doch um seinen Mincba kommen. Es traf sich nämlich, dass einst sein Sohn, der ,auf einen Doctor studirte' gerade zu den Jomim Noröim seine Vaterstadt besuchte. Man kann sich dessen Verlegenheit denken, als er beim Herantritte seines Vaters zum Betpulte die in der Synagoge plötzlich eingetretene Heiterkeit wahrnahm und manches boshafte Stichelwort über die Gesangsfähigkeit seines guten Vaters anhören musste. Nach beendigten Feiertagen ging er zu dem ihm verwandten Posch hakobol und bat ihn inständigst, man möge seinen Vater doch des Mincba entheben, da die Blamage für ihn zu groß sei und er nie mehr zu den Feiertagen nach Hause kommen werde. Gesagt, gethan. Als nun nach Jahreswende der 1. 8eIicbot-Tag herannahte, an 1 welchem man gewöhnlich nach altem Brauche die ״debiles" ver' theilte, stand Reb Jekef voller Neugierde vor seiner Hausthüre. Es war gerade in diesem Jahre ein sonstiges Unicum — ein ״Schachritb“ vacant geworden. Böse Zungen, die wohl den Sachverhalt kannten, hatten dem armen Jekef arg zugesetzt. Denn gering genommen, hielt er sich wenigstens für einen ,Kaschtan, oder ,Dovidl Brod''. Sie stellten ihm die unaussprechlich selige Perspective dar, diesmal einen 8cbacbritb zu erringen. Tiefe Stille herrschte in der Gasse. Ab und zu ging der Schames, da und dort die frohe Nachricht von der Ertheilung einer Tefilla kundgebend; nur zu unserem armen Jekef wollte er sich nicht verirren, trotz des ,Harrens und Bangens in schwebender Pein.' Auch einige Rädlech konnte man in der Gasse bemerken, die mit boshaften Blicken die Gänge des Schames beobachteten und leise miteinander zischelten. — Wird Reb Jekef zum 8cbacb1־iti1 avanciren oder wird er gar seines jahrelangen Mincba enthoben werden? So ging es von Mund zu Mund. Da löste sich aus dem ,Rädel' eine gar komische Figur: Reb Jtzek, der loseste Spötter in der Khille, trat hin zu dem voller Er- Wartung dastehenden Reb Jekef und meinte in seiner losen Manier: ,Diesmal, Reb Jekef, kann Euch der Scbacbritb nicht entgehen, es ist ja nur um das erste Mal zu rhun, dann habt Ihr eine Chasuke, und der Scbacbrith bleibt Euch auf 01erne8. (Fortsetzung folgt.)

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