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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-03 · Heft 41 (3.12.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 41 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Statthalter in Alexandria, den Vespasian zuerst als Kaiser ausgerufen batte (Joseph ibid VI. 2,1—5). Die Ab siebt, den Tempel zu schonen (Joseph ibid.) hatte Tirns nach seinem eigenen Geständniße nicht etwa darum gefaßt, um den Juden damit seine milde Gesinnung und seine Achtung vor ihrer Religion zu bekunden, sondern nur, um dem römischen Reiche ein erhabenes Denkmal zu erhalten (Josoph. ibid. 4, 7—8). Und als von einem römischen Soldaten die Brandfackel ohne Befehl des Titus in den Tempel geschleudert war und bald die Flammen von allen Seiten hervorbrachen, als in diesem Augenblicke den Juden, die vom Schrecken gelähmt waren, die Waffen entsanken, als sie diese dann verzweistungSvoll gegen sich kehrten und von der Mauer herab in die Flammen ihres Heilizthnms stürzten, ließ dieser die Priester, die seine Gnade anflehten, mit den Worten hinrichten: ,Priester müssen mit dem Tempel untergehen' (Joseph, ibid. 6, 1). (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wen. (Orig.-Corresp.) Sonntag den 29. November fand die Vorstandswahl der Wiener israel. Cultnsgemeinde statt. Gewählt wurden die Herren Moriz Ritter von Borten«n, Dr. Ritter l von Kuh, Jo sef Hildburghäusser, EmanuelBaumgarten und Dr. Maximilian Steiner. Die lebhafte Theilnähme an der Wahl und die rührige Agitation sind jedenfalls ein erfreuliches Zeichen, dass das Interesse für jüdische Cultusangelegenheiten, das in Wien scheu fast ganz erloschen war, unter den Ge-- Meindegenossen wieder erwacht'ist; bedauerlich ist aber der Umstand, dass in dem gegenwärtigen Zeitpunkte, wo ein einheitliches und geschlossenes Vorgehen unerlässlich ist, einige unlautere Elemente und ehrgeizige Streber, die nur ihr eigenes Interesse im Auge haben, sich in den Vordergrund drängen und durch ihr terroristisches Gebahren es zu Stande bringen, dass Männer, die sich hervorragende Verdienste erworben haben, sich scheu zurückziehen. Koritschan. (Orig.-Corresp.) Die beiden Gemeinden Koritschan und Austerlitz, in welchen schon seit längerer Zeit kein Rabbiner fnn» gilt, sind dem BezirkSrabbinate Butschowitz zngetheilt worden. Der geschätzte Mitarbeiter dieses Blattes, Herr Bezirksrabbiner Dr. A. Löwy in Butschowitz. ist auch bereits von der hohen k. k. mähr. Statthalterei als Rabbiner für die beiden obgenanntcn Gemeinden bestätigt worden. (Unsere herzlichste Gratulation nnserem hochgeschätzten Mitarbeiter, Herrn Rabbiner Dr. A. Löwy, zur Erweiterung seines Amtskreises. Die Rcdaction.) Straksnitz. (Orig.-Corresp.) HAnch ein Treffer.j Die ungarische Landesausstellung ward eröffnet, jeder gute Oesterreicher freute sich über den großen Fortschritt der ungarischen Nation, und mit vielem Eifer wurden in allen Kreisen die Lose der mit der Landesausstellung verbundenen Lotterie abgesetzt. So erging es auch unserm hiesigen Obercantor, Herrn Emil Fränkel, der sich als warmer Patriot beeilte, einige Lose zu kaufen. Eines seiner Lose Serie 4078 Nr. 32 J wurde gezogen, und zwar mit einem Treffer im Werthe von st. 10 österr. Währ. DaS LoS wurde nach Pest einzesendet, und nach Verlauf von 14 Tagen kam ein fingerdünnes Schächtelcben, für welches an Porto 92 kr. österr. Währ, entrichtet werden mußte. Da Herr Fränkel aus der Post-Declaration ,Juwelen im Werthe von fl. 10 österr. W.' ersah, rief er ein sonores Eljen und übernahm daS Schächtelchen. Als er jedoch dasselbe geöffnet hatte, fand er darin eine ״Busennadel", die einen tristen Anblick gewährte. College Fränkel begab sich sofort zum ersten Juwelier von Strakonitz, Herrn Jindrich Wolf, und dieser erklärte auf den ersten Anblick ״falsches Zeug im Werthe von 15 kr., Meffing und Glas", und erhärtete seine Meinung durch Proben mit Scheidewaffer und Zange; dies waren die declarirten Juwelen im Werthe von 10 fl. ölter. Währung. Die Nadel selbst mit Schachterl hat College Fränkel seinem Bruder, einem bedeutenden Kaufmann ״Noch Eines, Semach", sagte si,׳ beim Abschied ein wenig verlegen; ich will dir immer gefallen, bis an das Ende meiner Tage, und deshalb will ich mir nicht das Haar abschneiden lassen." ,Wer denkt denn daran?' ries Semach, indem er ihre großen, prächtigen, dunklen Zöpfe an die Lippen führte. »Du sollst so schön bleiben, wie du bist'. Erröthend neigte sie das Haupt, als er aber zum ersten Male die Arme um sie schlang und sie küsste, machte sie sich rasch loS und entfloh. Im Hause des Mendel Goldfahn gab eS am folgenden Morgen eine tragische Scene. Die Erklärung Semach's, dass er seiner Frau das Haar nicht schneiden lassen werde, entfesselte alle Leidenschaften die bisher geschlummert. Der Vater erklärte, er werde seinen Sohn enterben, die Mutter weinte, der Rabbi, welcher in seinem schwarzen Talar, einem Raben gleich, herbeieilte, drohte mit dem Fluch, während! unten die Frommen von Babniki Wehe schrieen und Miene machten׳ den Gottlosen zu steinigen. Da geschah etwas, was Niemand erwartet hatte. Semach nahm ruhig Hut und Stock und wendete sich der Thüre zu. ,Wohin willst du?' fragte der Vater erregt. ,Ich gehe zum Pfarrer von Kurniki und werde mich taufen lassen.' ,Bist du verrückt?" — ,Er ist vom Teufel beseffen!' tönte es durcheinander. Doch Semach ging ungerührt über die Schwelle und zum Tbore hinaus. Da wurde oben ein Fenster geöffnet und der Vater rief ihn zurück. Die Frommen streckten die Waffen. Mendel Goldfahn gab unter dramatischen Gesten seine Einwilligung zu der unerhörten Neuerung, der Rabbi ging schweigend von dannen, von der murrenden Menge begleitet. Es schien jetzt Stille und Ergebung in Babniki zu herrschen, Loch im Verborgenen kochte cs um so mehr. So kamen der Herbst und der Hochzeitstag heran. Bei fröhlichem Sonnenschein führten die Eltern, die Verwandten und wenige Freunde den glücklichen Bräutigam nach Kurniki, in das Haus der Braut, und, nachdem Rabbi Arnstein das ,Bedecktuch' über Jenta's liebliches Antlitz geworfen, zur Synagoge, wo bald danach auch die Braut mit den Ihren im festlichen Zuge eintraf. Nachdem der Bund geschloffen und gesegnet war, begaben sich Alle zusammen in daS HauS des Gadel Sonnenschein, wo bis zum Sonnenuntergang fröhlich getäfelt wurde und der ,Narr' seine Lieder und Spässe zum Besten gab. Aus Babniki waren nur Semach's Eltern beim Mahl geblieben, die Anderen hatten sich stillschweigend emfer»t, denn sie fürchteten, dass die Speisen nicht koscher sein würden. Als die Sonne, von blutrothen Wölkchen umgeben, hinter dem fernen Walde hinabsank, gaben die Eltern und Freunde im festlichen Zuge Len Neuvermälten das Geleite, doch wie sie sich dem Ruskabach näherten, fanden sie die kleine Brücke abgerissen und eine dunkle Menge schwarzer Kaftane an dem jenseitigen Ufer versammelt, welche sie mit Spottworten und Drohungen begrüßten. .Was soll das heißen?' fragte Semach. der erregt an das Ufer trat. ״Das soll heißen, dass Ketzer keinen Eingang in Babniki finden", rief Jossel Koppelmacher, der Schames, herüber. ״Das wollen wir doch sehen", erwiderte Semach, ״bringt Bretter herbei." Als Antwort flog ein Hagel von Steinen herüber. Die Hochzeitsgäfte zogen sich zuerst erschreckt zurück, doch kam rasch Beistand.

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