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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-03 · Heft 41 (3.12.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 41 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— © — in Wie« eingesendet, damit auch die Wiener Juweliere ersehen sollen, wie die ungarischen Juwelen beschaffen sind. Eljeii!! Königsberg. Wir erhalten die erfreuliche Mittheilung, dass! unser College, Herr Obercantor Eduard Birnbaum, der durch eine! Reihe von Jahren in Königsberg amtirt, trotz der strenge gehandlabten AusweisungS-Ordres — er ist nämlich als Galizianer auch von denselben betroffen worden — große Hoffnung bat, auch fernerhin in seinem Amte verbleiben zu können. (Gott gebe, dass seine Hoffnung in Erfüllung gehe. Die Red. ) Ueber einen Ausweisungsfall berichtet die Königsberger ,Volkszeitung' Folgendes: Ein hiesiger Hausirer, Wolf Hirsch Jacobsohn, der seit 16 Jahren hier ansässig ist und sich stets gut geführt hat, erhielt am 28. August d. I. : vom hiesigen Polizeipräsidium folgenden Ausweisungsbefehl: ,Sie werden hiermit i» Kennluis gesetzt, dass Ihre Ausweisung aus dem preußischen Staatsgebiete beschlossen ist. In Folge deffeu werden Sie hiermit angewiesen, nebst Ihren Angehörigen das preußische Staatsgebiet bis zum 7. October c. bei Vermeidung von Zwangsmaßregeln zu verlassen.' — I.. der sich seit Jahren mit der Anfertigung und dem Hausirgewerbe von Cigaretten beschäftigt, beschloß, mit feiner Familie nach Amsterdam auszuwandern, sah aber, dort anzekommen, sehr bald ein, dass er unmöglich seine zahlreiche Familie ehrlich durchbringeu könne, da er nicht allein der Sprache unkundig, sondern auch sein Fabrkcat, ,Cigaretten', dort gar keine Abnehmer findet. Herr I. fasste daher den Entschluß, nach seiner Heimat Rußland anszuwanderu, und reiste am 28. October c. von hier aus mit seiner Familie nach Eydtkuhneu, um die Grenze zu paffireu. An der ruffischen Grenzstation Wirballen angekommen, wurde ihm nebst seiner Familie der Uebertritt nach Rußland verweigert, weil auf ihn der Artikel der Convention vom Jahre 1872 nicht zuträfe, ,er weder wegen Mittellosigkeit noch Vagabundirens au-gewiesen sei, noch durch einen Gouvernementspass oder, durch ein von der ruffischen Behörde beglaubigtes GeburtSältest sich als Ruffe legitimiren könne'. I. ist nunmehr hierher zurückgekommen, kann aber seinem Gewerbe nicht nachgehen, da er! täglich auf neue Maßregeln der Polizei-Behörde gefasst sein muss. Der! oben geschilderte Vorfall steht nicht vereinzelt da; wenn ich gerade diesen Fall auswählte, so geschah es, weil I. sich den Vorgang an der ruffischen Grenze durch die königl. preußische Grenz-Commission in Eydtkuhnen amtlich bescheinigen ließ, und zwar wie folgt: ,Dass der ruffische Unterthan Wolf Jacobsohn nebst Ehefrau und vier Kindern auf Grnnd dieser Ausweisungsverfügung den Uebertritt nach Rußland versucht hat, jedoch von den russischen Behörden wegen ungenügender Ligitimation zurückgewiesen, und dass die Uebernahme des rc. Jacobsohn bei den russischen Behörden beantragt worden ist, wird' hiermit amtlich bescheinigt. Der betreffende Bescheid aus Rußland wird dem königlichen Polizeipräsidium von hier seinerzeit mitgetheilt' werden. Der königl. Grenz-Commiffär. Vereinsnachrichteu. IV. Ausweis der Sammlungen zu Gunsten des österr.-ung. (Lantoren-Vereines. In der Gemeinde O e d e n b u r g sind durch das Vereins- Mitglied, Herrn Obercantor M. T h a l e r, folgende Beiträge gesammelt worden: Herr Emanuel Meller ...... 5 fl. einmalige Spende' , Ignatz Steiner.5 ״ ״ , M. A. Dux ....... 2 ., ., , Samuel Schwarz ..... 1 ״ ״ Herren Brüder Lederer ..... 1 ״ ״ Herr Heinrich Ehrlich.2 ״ ״ , Dr. Adolf Fried ...... 1 ״ ״ , Dr. Ädolf Winkler ..... 1 ״ ״ , Adolf Herzog ...... 3 ״ ״ die ganze Bevölkerung von Kurniki eilte an Las Ufer, den Ange-! griffenen zu Hilfe, und jetzt begann die lächerlichste Schlacht, die je geliefert werden ist. Von beiden Seiten bewarf man sich unter wüthendem Geheul mit Straßenkoth und Steinen, einzelne Tapfere wateten durch daS Wasser und fassten einander bei den Bärten, während Absalon Kaftan, der Schmied von Kurniki, schwere Bretter herbeitrug und mitten im Sturme den Bach überbrückte. Nun drang Judith, seine Frau, Allen voran über den Steg. Mit ihrer hohen Gestalt, ihren kräftigen Gliedern, den blitzenden, dunklen Augen und dem flatternden, goldrotheu Haare wäre sie jedem Maler ein Modell für das schöne biblische Weib mit dem Haupte des Holofernes gewesen. Sie schwang einen derben Stecken, den sie aus dem nächsten Zaun gerissen hatte, und ließ denselben auf die Köpfe und Rücken der Feinde niederfallen, welche schreiend vor ihr zurückwichen. Die Leute von Kurniki drangen jetzt in dichten Schaaren über den Bach und die Frommen von Babniki begannen zu fliehen. Da erschienen die beiden Rabbi auf dem Schlachtfelde, und die Kämpfenden hielten inne. Die Besiegten fassten neuen Muth. ,,Rabbi! Einziger! Goldener! Heiliger! wirk' Wunder! Zerschmettere die Gottlosen!" rief, es von allen Seiten. ״Ein Wort von dir, und die Erde verschlingt sierief der Schames. ,Verbrenne sie zu Asche mit deinenn Blicke!' schrie Send-l Hammelschwanz. ,Ja, wirk' ein Wunder, Rabbi', sprach Jenta, die muthig zwischen die feindlichen Parteien trat, ״und wir sind besiegt und j schneiden uns Alle die Haare ab. " Alle schauten auf Rabbi Löweustamm, aber die Erde that sich ■ nicht auf. Er verbrannte auch Keinen mit seinem Blick, sondern! kratzte sich verlegen hinter'm Ohr. ,Ich will euch noch verschonen", sprach der Rabbi, ״ich will versuchen, euch zu belehren. Es steht geschrieben im Gesetz, dass die Frau soll scheeren ihr Haar ..." ״Nein, nicht im Gesetz", erwiderte Jenta lebhaft, ״nur in den Vorschriften der Rabbiner, und da ein jeder Andere Vorschriften gibt, kann man sie halten oder nicht, wie man will.' ,Es steht doch geschrieben: abschneiden', fuhr der Rabbi fort, ,weil eine Frau soll Niemandem gefallen als ihrem Mann, und weil in den Frauenhaaren ein Lockgeift wohnt, Uzick genannt.' ,Wenn sie aber dann dem eigenen Manne nicht mehr gefällt?' ,Sie muss ihm gefallen, das ist Vorschrift.' ,Und wenn es geboten ist, das Haar zu schneiden', fuhr Jenta fort, ,warum ist es den Frauen erlaubt, Stirnbinden zu tragen, deren Edelsteine mit ihren Augen an Glanz wetteifern, und sich in Seide und Sammt zu kleiden und in kostbares Pelzwerk? Geschieht dies auch, um keinem Manae zu gefallen?' Rabbi Löwenstamm fand keine Antwort. ,Ein Wunder! Wir wollen ein Wunder, sehen', rief jetzt Jenta, »sonst glauben wir nicht, dass du nnfehlbar bist.' ,Ein Wunder!" wiederholte die Menge. ״Und jetzt erst recht nicht", erwiderte der Rabbi und ging eilig von dannen. Es wurde nun leicht, Frieden zu stiften, und so geschah ei, j dass eine Viertelstunde später die Juden von Babniki und Knrniki! in und vor dem Hause des Mendel Golvfahn freundschaftlich vereint! den rothen Ungarwein tranken und mit lautem Jubelgeschrei das׳ junge Ehepaar leben ließen.

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