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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-03 · Heft 41 (3.12.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 41 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Zu erwähnen ist hier noch die von Eusebius (List. 6661. III, 12 nach Nie. hist. eccl. III, 10) berichtcre Tbatsacbe, dass VeSpasian nach der Einnahme Jerusalems alle Diejenigen, die vom königlichen Geschlechte Davids abstammlen oder sich dieser Abstammung rühmten, habe ansforschen und lobten lassen. Da jedoch eine ähnliche Nachricht bezüglich des Domitian vorliegt, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die vorliegende sich darauf bezieht. - ׳ 2. Titus. Ueber den Charakter dieses Kaisers waren die Meinungen nicht ganz uugetheilt. Man dielt ihn vor seinem Regierungsantritte für einen zweiten Nero (Suetou. Titus 7), für blutdürstig, verschwenderisch, ausschweifend und habsüchtig (Sueton ibid., Aurel. Victor Caes. 9, 10. Epit 9, Dio Cass. LXVI, 18). Einzelne Acte seines Vorlebens bestätigen dieses Urtheil. Seine Grausamkeit ist erhärtet durch die Ermordung des, ehemaligen Consuls Aulus Caecina, den er im Verdachte hatte, dass er mit der von ihm geliebten jüdischen Fürstin Berenice in vertrautem Verhältniße stehe (8uetou. Titus 6, Aurel. Vict. Epit 9). Sein ausschweifendes Leben ist bezeugt durch die dem Domitian abgezwunzcne Vermählung mit dessen Gattin Domitia (Sueton. ibid. 10, Aurel. Vict. ibid.). Dio Cass. (ibid. 18) berichtet, dass das allgemeine Uriheil über ibu dahin gelautet habe: Während Augustus nur durch die lange Dauer seines Lebens sich die Liebe aller, die ihn kannten, zu erwerben vermocht, habe hingegen Titus es nur seinem vorzeitigen Ableben zu verdanken geha׳.׳t, dass ein so guter Ruf ihm geblieben sei. Wohl hat Titus seit dem Antritte seiner Regierung, nach dem Zeugniße aller genannten Geschichtsschreiber, namentlich des Aurelius Victor und des Eutropius, die ihn delieiae generis humani“ genannt haben, seinen Charakter geändert. Doch die Juden hatten es zunächst mit dem Caesar Titus, dem Thronfolger zu thun, und sie lernten die schlimmsten i seiner Eigenschaften kennen. Die Parteinahme des Josephus zu j | seinen Gunsten ist gewiß nicht eine -, selbstlose und muß daher mit Vorsicht ausgenommen werden (Vcrgl. über die geringe Glaubwürdigkeit des Joseph. Salvador, Geschichte der Römer- Herrschaft in Judäa, übersetzt von Eickler II, 36, 224, und viele andere Stellen). Uebrigens bietet die Darstellung des Josepdus selbst ein genügendes 23ilt? aller der Gräuel, die unter den Augen des Titus geschehen sind. Josephus vermag die ruhmwürdige Tapferkeit und Ausdauer der von ihm io gehassten Gegner nicht in Abrede zu stellen, andererseits vermag er die grausamen Maßregeln des Titus bei aller Schönfärberei nicht wegzuleugnen. Titus ließ, wie Josephus selbst (bell. jud. V, 9, 4) berichtet, Tag für Tag 500 Gefangene an einer höher gelegenen Stelle vor den Augen der jüdischen Krieger kreuzigen, selbst diejenigen, die nur in der Flucht aus der Stadt Heil vor dem gräßlichen Hungertode suchten. Nach seiner Erzählung haben die zu den Römern gesellten syrischen und arabischen Hilsstruppen den gefangenen oder flüchtigen Juden die Bäuche aufgeschlitzt, um daS von ihnen angeblich verschluckte Gold zu rauben, eine Barbarei, welcher TituS allerdings cntgegengetreten sen Jedoch ist es wenig glaublich, dass die Kriegszucht im Lager eines so energischen 'Feldherrn so schlecht bestellt gewesen ist (Vergl. Joseph, bell, jud, V, 13, 4 und 5). Zu wiederholten Malen ließ Titus das Volk gütlich zur Unterwerfung bereden; ihm war cs jedoch nicht so sehr um die Schonung der Ueberlebenden zu thun, als darum die rasche Beendigung der Belagerung, die im Anfänge mit zweifelhaften Erfolgen vor sich gegangen war (Tacit. hist. 11) herbeizuführen und dadurch, wie Tacitus (ibid V, •10) meint, die neue Dynastie zu befestigen. Die Abgesandten jedoch, deren er sich dabei bediente, vermochten durch alle ihre Ueberredungs׳ fünfte keine Wirkung auf das Volk zu üben, weil ihr bloßes Erscheinen schon Erbitterung Hervorrufen musste: es waren i nämlich die abtrünnigen Juden Josephus und Tiberius Alexander, [ welcher letztere, ein Neffe des jüdischen Schriftstellers Philo, als Die Schlacht am Ruskabsch von SaHer-Wasoch. Semach wurde bei Sonnenschein sehr gut ausgenommen, sie sahen es ihm gleich an, dass er kein Eiferer war, dass er zu ihnen gehörte. Man rief Jenta, aber sie war nicht da. ,Das wilde Kind wird sein gelaufen in's Feld", sagte die Mutter. ,Sie glauben nicht, Herr Goldfahn, cs ist gar kein Judenmädchen, die reine Comtesse." Semach lächelte, er hatte von Comtessen eine andere Vorstellung, als die gute Frau Biene Sonnenschein mit ihrer seidenen Scheitel und ihrer funkelnden Stirnbinde, aber er wurde an dem Bilde, das er sich von seiner Braut geschaffen hatte, doch ein wenig irre, als Frau Atlas, die bereits von seinem Besuche gehört hatte, erschien, zuerst um ihre Neugierde zu beftiedigen, dann um ihm die Ver׳ sicherung zu geben, Lass Jenta ein herrliches Mädchen sei, das sie selbst seit fünf Jahren wie ihre eigene Tochter erzogen habe. Die Erziehung dieser hübschen, modern und geschmackvoll׳ ge׳ kleideten, weltgewandten und gebildeten Frau stößte Semach Ver׳ trauen ein und erweckte in ihm Hoffnungen. Er stahl sich unbemerkt hinaus in den Garten, in der Absicht, Jenta zu suchen. Er ging zwischen den Gemüsebeeten, den Johannißbeerheckcn und Rosengebüschen bis zu dem Pförtchen, das in die Felder hinausführte. Plötzlich schwang sich ein junges, schlankes Mädchen über den Zaun, hielt bei seinem Anblick hoch oben, mitten unter rothen Hagebutten und den Mohreugesichtern der Sonnenblumen, inne und sah ihn mit den großen, Hellen Augen an, ebensowenig keck, als etwa furchtsam ״Bist du Semach? ' fragte sie und strich sich die dunklen Flechten aus dem heißen, reizenden Gesichtchen. ,,Ich bin es, Jenta", erwiderte er, von einem raschen Entzücken erfasst und reichte ihr die Hand. ״Willst du nicht zu mir herabkommen?" ״Gewiss". Sie^ sprang zur Erde und überließ ihm ihre schön gebildete, leicht gebräunte Hand. ״Wie groß du geworden bist und wie verständig du aussiehst," fuhr sie fort, ״ganz anders, als unsere Männer hier. Ich habe mich gefürchtet, aber jetzt freue ich mich, dass du. da bist." .,Mir ist es ebenso ergangen; ich erwartete, eine Landpomeranze zu finden." ״Und ich einen Heuchler", erwiderte sie lächelnd; ,,aber hast du wirklich die Courage, mich zur Frau zu machen? Was werden die frommen Seelen drüben dazu sagen?" ״Ich frage nicht danach," sagte Semach. ״ich frage nur, ob du mich lieb haben wirst, denn mein Herz gehört vom ersten. Augenblicke an dir." Sie drückte ihm die Hand und sah ihn an, so herzlich, so voll kindlichen Vertrauens, dass es keiner Worte weiter bedurfte, und so gingen sie still, aber glücklich, zusammen dem Hause zu. Als Semach zu seinen Eltern zurückkehrte, hatte, er nur einen Wunsch, die Hochzeit möglichst zu beschleunigen. Der Vater seufzte,׳ aber fügte sich, und so wurden hüben und drüben eilig alle Anstalten getroffen. Semach besuchte täglich seine Braut, und die beiden jungen Herzen wurden täglich vertrauter und schlossen sich immer inniger einander au. Eines Abends, im silbernen Mondlicht, gab sie ihm das Geleite bis zur Brücke, die über den Bach führte.

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