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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-12-03 · Heft 41 (3.12.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 41 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 — Jubiläumfeier. Jede Zeit hat ihre besonderen. Sitten und Gebräuche, und gegenwärtig sind die Jubiläumfeste an der Tagesordnung. Es ist ein erfreuliches Charakteristikum, dass in einer maieriellen Zeit, wo alles am Golde hängt, nach dem Golde drängt, doch Männer, welche sich aus dem Gebiete der Wissenschaft, der Kunst, der Politik, der Erziehung wie durck andere gemeinnützige Tbätigkeit auszeichnen, nach Jahre langem, ersprießlichen Wirken einer öffentlichen Anerkennung gewürdigt werden. Diese würdige Anerkennung kommt durch solenne Feste, bei welchen die einzelnen Verdienste des Jubilars in begeisterter Rede bervorgehoben werden, zum eklatanten Ausdrücke. Die Jubiläumsfeste sind sowohl als Acte der Dankbarkeit gegen die verdienstvollen Männer, wo dem eui^ue suurn entsprochen wird, wie als AneiferungSmittel für junge Kräfte hochzüschätzen und verdienen gewiss allgemeine Nachahmung und Verbreitung. Der Ursprung der Jubiläumsfeste, ihre Genesis, wie der Name Jubiläum ist dunkel*); denn mit dem biblischen Jubeljahre, eine Benennung, die sich auf die heiligende Verkündigung des 50. Jahres als des Jubeljahres unter feierlichen Stößen in das Horn, Schofer, bezieht, hat es keinen Vergleich, auch ist eS nickt identisch mit dem kirchlichen Jubeljahre, welches Papst Bonisaz VIII., der zuerst das Jahr 1300 für ein Jubeljahr erklärt--, k-insetzte, damit alle, die bußfertig nach Rom wallfahren und jreturne Spenden darbringen, einen vollkommenen Ablass erhalle» sollen. Clemens VI.^bestimmte jedes 50.. Urban VI. jedes 35, endlich Paul II. jedes 25. Jahr für ein Jubeljahr, und diese von Paul getroffene Anordnung ist in der katholischen Kirche eine bleibende Einrichtung geworden. Dass auch wir gewöhnlich das 25. Jahr als das Jubeljahr feiern und nicht das 10. oder das 13., welche Zahlen bei uns Juden in religiöser Beziehung eine wichtige Bedeutung haben, geschieht gewiss deshalb, weil es schon eine alte Sitte ist, dass das 25. Jahr als ein Viertel von hundert Jahren, als solenne Hochzeit gefeiert wird, und wir die Wiffenschaft und Kunst als eine schöne Braut betrachten, wie der Prophet sagt: ״Wie ein Bräutigam den prächtigen Kopfschmuck, und wie die Braut ihr Geschmeide anlegt, so werden die Wissenschaft, die Kunst wie die Besitzer derselben am Jubeltage geschmückt und gekrönt.* Man ruft dem Jubilar die Worte des Propheten zu: ״So wie ein Bräutigam sich freuet der Braut, so freuet sich über dich dein Gott." Die Anerkennung der Gelehrten und die Hochachtung der Thora ist im Judenthume eine alte Sitte. Fast zu jeder Zeit er- Heben sich Stimmen für die Hochschätzung derselben. R. Akiba that den überraschenden Ausspruch: ״Den Ewigen, deinen Gott sollst du ehrfürchten, auch den Gelehrten". Ihm folgte R- Jose, der Galiläer, mit der Mahnung: ״Hochachte das Ansehen des Alten"; der Alte ist der Mann, der Weisheit erworben. Dass auch ein Mamfer, 'wenn er ein Gelehrter ist, dem Ahroniden, dem Priester von Geburt, so dieser unwissend ist, vorgezogen werden soll, war eine allgemein angenommene Lehre. Ein anderer Rabbi sagt ausdrücklich: ״Wer den Gelehrten ger ingschätzt, ist ein Epikuräer, ein Gottloser. Jerusalem ist zerstört worden, weil sie den Gelehrten verachtet haben". Es gibt in Talmudim und Midraschim sehr viel solche ermahnende Sprüche. *) Die Wurzel יבל bedeutet auch bringen, wie יובילו שי למורא! und weil am Jubiläumsseste Ehrenbezeugungen und Geschenke gebracht werden, so kann auch der Psalmvers angewendet werden: תובלנה בשמחות וגיל תהלים מ״הי״ז))♦ Dass aber jetzt nicht nur Rabbinen, sondern auch Cantoren Jubiläumsseste feiern, welche die Gemeinden veranstalten, ist eine Errungenschaft neuerer Zeit, die nur das Herz des für jeden geregelten Gottesdienst erglühten Menschen mit Freudenerfüllt. Der Cantor als Repräsentant des Gottesdienstes ist ein hochgeachteter שליח צבור und die Rabbinen sagen: שליח של אדם כמותו. Der Gesandte ist wie der Sender, und die Liebe, die man für sie hegt und pflegt, muss man auch für den שליח ausüben. Zur Illustration der öffentlichen Anerkennung der Verdienste eines würdevollen Cantors diene das neulich vom nng. Beamtenvereine herausgegebene Friedmaun-Album zur bleibenden Erinnerung an die Feier der 25jäbrigen Amtswirksamkeit deS Herrn Prof. M. Friedmann in Budapest. Gemeinden, Vereine, Rabbiner, Lehrer und Cantoren**) wie einzelne hervorragende^Männer haben durch Adressen ihre Hochachtung bekundet. Sollen aber die Herren Cantoren des öffentlichen Jubiläumsfestes würdig sein, so müssen sie würdige שליח צבור sein, und niemals darf die Heiligkeit des AmteS von der Kunst in den Hintergrund ge» drängt werden. Aron Roth, Bezirks'Rabbiner. Sziklos, 18. November 1885. Die römischen Kaiser in ihrem Verhältnisse zu Juden und Christen. (nach den Quellen dargestellt.) Von D r. A. Weiß. VI. m. Von den Flaviern bis zu Lonstantin dem Großen. Welche Denkungsart Vespasian gegen die Juden hegte, ist nicht durch nähere Umstände bekannt geworden. Die unerhörte Grausamkeit, mit der er allenthalb en gegen sie vorging, verstattet, so sehr sie auch zu verurtheilen ist, keinen Rückschluss auf seine Gesinnung. Vielmehr scheint die grausame Behandlung der Besiegten, deren waffenfähige Männer getödtet und deren Frauen und Kinder zu Sclaven gemacht wurden, eine begreifliche SatiSfaction für die vielen Anstrengungen und Verluste, welche die verzweifelte Gegenwehr der Juden unvermeidlich gemacht hatte,, gewesen zu sein. Allerdings ist das harte Los der Gefangenen, die dazu verwendet wurden, den Isthmus von Korinth zu durchstechen, ausschließlich aus den Willen des Vespasian zurückzuführen. Die Christen, die sich an dem Aufstande der Juden gegen Rom nicht betbeiligt hatten, selbst die durch Blutsverwandtschaft und Beobachtung der jüdischen Ritualvorschriften den Juden nahestehenden Judenchristen, haben die schrecklichen Ereigniße dieses Krieges nicht so unmittelbar erfahren (vergl. Euseb.' hist. eccl. III, 5 ff.), und ihre Schriften sind auch des LobeS voll über die sonst unverkennbaren Regententugenden Vespasians und des flavianischen Kaiserhauses überhaupt. **) Zn dieser Reihenfolge sind auch die verschiedenen Ovationen und Adressen, die dem Jubilar dargebracht und gewidmet wurden, in dem Friedmann-Album angeführt. Wir hakten nns über diese Hintansetzung der Cantoren gewundert, wenn wir nicht schon ,früher die Erfahrung gemacht hätten, dass unser hochverehrter Herr College in Budapell bei Nettnung der einzelnen Beamtencategorien immer den Cantoren — mag sein aus Bescheidenheit — das letzte Plätzchen einräumt. Andere Collegen, die den Enunciationen des Herrn Prof. Friedmann mit geringerer Aufmerksamkeit folgen, haben in dieser Anordnung eine Misachtrmg des Cantorenthums erblickt, und wir halten es bei aller Hochachtung für Herrn Obercantor Prof. Friedmann, für unsere Pflicht, diesen uns gegenüber vielfach ausgesprochenen Ansichten an dieser Stelle Ausdruck zu geben Die Redaction.

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