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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-11-25 · Heft 40 (25.11.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 40 (25.11.1885)
Date
1885-11-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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hersagung nur als eine List angesehen, deren er sich zur Erj Haltung jeiuce Lebens bedienl babc. Ja, die Freunde Vespasians > hätten spottend gefragt, warum er. wenn er solcher Gebeimniße \ kundig sei, nicht die Einnahme Iotapatas und seine eigene Gej fangenschaft vorhergeseben habe (ibid.). Es ist auch nur ans dem maßlosen Dünkel dieses Mannes zu erklären. wenn er von anderen, dem Beßpasian zngegangencn 'Bahrzeicheu spiichl und so einen Aberglauben näbrt, der einem jüdischen Priester seruliegen musste. Er weist hiewit vermuthlicv aur die bei Sueton. (V68pa8. 5 f.) und bei Dio Eass. (LXVI, 1 Epit.) berichteten Vorfälle hin: von dem Hunde, der eine Menschenband unter seinen Tisch gelegt, von dem scheuen Stiere, der ihm seinen Nacken dargcboten, von der durch den Sturm gebrochenen Cypresse. die sich von selbst ausgerichtet und neue Zweige getrieben babe. Die Wunder, deren Tacitns (818t. V, 13) gedenkt, sind solche, von denen weder Vespasian noch Josephus unmittelbare Kenntnis haben konnte, weit sie in der belagerten Stadt Jerusalem sich ereignet haben sollen, und weil sie nicht aus der Erbebung des Vespasian zum Kaiser, soudern aus den für die Juden ungüustigen Ausgang des Krieges gedeutet werden konnten. Von diesen berichtet Josephus (bell. jud. VI, 5, 3), und aus ibm mag wohl Tacituß seinen Bericht geschöpft haben. Auch im Talmud babyl. (down 21 a, 38 a ff., Misclma Sota Ende) .wird von ähnlichen Wahrzeichen berichtet. Die Begegnung des Zochauan den Sakkai mit Vespasian wird von Vielen (so auch von Graetz, Geschichte der Juden Ed. VI, 8. 13) für unwahrscheinlich angeseben, weil Vespasian bei der Belagerung Jerusalems nicht anwesend war. Doch dürste dieser Umstand nicht mit völliger Sicherbeir festzustellen sein. Wie aus Taeitus (bi8t. II, 82), Josephus (bell. jnd. IV, 9, 9 und IV, 11. 2) Suetouius (Vespas. 6), Dio Cassius (LXVI, 1, 1) und anderen hervorgeht, begann die Belagerung Jerusalems im Januar 70, um welche Zeit Vespasian noch in Alexandria sich aushielt. Wenn auch Vespasian nach der zu ibm gelangten Kunde von dem Tode des Nero mit der Knegrührung zauderte, so ist doch Wohl nicht anzunehmen, dass er vollkommen müssig geblieben sei und die Früchte seiner kostspieligen Siege babe verloren geben lassen. Wenn Josephus, der für alle übrigen Bericht rstatter dieser Zeit die vorzüglichste Quelle war, von einer Belagerung Jerusalems durch Vespasian nichts erwähnt, so wäre cs gleichwohl möglich, dass eine solche — vielleicht auch nur eine Cerniruug — stattgefunden habe, von der Joicpbus, als Kriegsgefangener in Ketten geschlagen, vielleicht nichts erfahren har. Der Bericht über diese Begegnung mit dem genannten Rabbi ist, obwohl nicht obne legendenhafte Zulhaten (nach bab. Talm. Gittin p. 56 a t) folgender: ,.Abba Sikra, das Obcrbaupl der Krieger in Jerusalem, war der Schwester!ohn des N. Jochanan ben Sakkai. Dieser ließ ibu h.imlich zu sich kommen und fragte ihn: Wie lange noch wollt ibr das Volk Hungers sterben lassen? Abba Sikra antwortete: Was kann ich ihun? Wenn ich ein Wort von. Unterwerfung spräche, ich wäre des Todes. Darauf der Rabbi: Schaffe mir Naih, dass ich die Stadt verlassen kann, vielleicht ist eine ibeilweise Rettung möglich. Abba Sikra rieth, R. Jochanan möge sich krank stellen, da!s man allenthalben seines Todes gewärtig sei; nachher solle er sich in einen Sarg legen lassen und faules Fleisch neben sich, und seine Jünger sollen ihn so aus der Stadt hinauslragen, damit er nicht durch sein leichtes Körpergewicht verratheu werde, weil ja ein Todrer schwerer sei als ein Lebender. N- Jochanan ging darauf ein. Die Wache am Thore wollte in den Sarg bineinstcchen, die Jünger aber ließen dies nicht zu. indem sie sagten, dass man eine solche pietäiswidrigc Handlung überall als erue Schmach ansehen werde. So kam er in das Lager der Römer. Da sprach er zu Vespasian: Heil dir, Kaiser ׳ Heil dir, Kaiser! Darauf Vespasian:! Du verdienst einen zweifachen Tod: erstens, weil ich nicht der! Kaiser bin und du meiner spottest; ferner weil du, wenn du | mir huldigen wolltest, dies nicht früher gethan hast. R. Jochanan j antwortete: Was den ersten Umstand betrisfr, so bist du der j künftige Kaiser; denn wenn du es nicht wärest, so würdest du J Jerusalem nicht bezwingen können, denn cs steht geschrieben: Der Libanon wird durch einen Gewaltigen fallen (Jesaia, X, j Ende). Es gibt jedoch keinen Gewaltigeren als einen Herrscher; (begründet durch eine Stelle in Zeremia), und Libanon kann die Frauen von Babuiki ihr Haar schnitten und seidene -Scheitel trugen. Dies war der Hauptpunkt des Streites. Rabbi Arnstein von.Kurniki duldete die neue Sitte. Rabbi Löwenstamm von Babniki verdammte sie; so geriethen zuerst die Rabbiner, dann die Gemeinden mit einander in Fehde. Sendet Hammelschwanz von Babniki warf zuerst in der ,Schul* die Frage auf, ob es ein religiöses Gebot sei, dass die verheirateten Frauen sich das Haar abschneiden müssen, oder nicht. Der Rabbi von Babniki sagte ,Ja', der Rabbi von Kurniki sagte .Nein". Nun war es um den Frieden geschehen. Zuerst beschränkten sich die beiden Rabbiner daraus, ihren Gegner im Kreise ihrer Vertrauten als Ignoranten und Aufschneider hinzustellen, dann begannen sie in ihren Predigten gegen einander loszuziehen, und dies so lange, bis Jedermann Partei ergriff und die Juden der zwei sonst so ruhigen Städtchen sich, wo sie einander trafen, in's Haar und in die langen Bärte geriethen. Die Erbitterung hatte den höchsten Grad erreicht, als Semach, der Sohn des Mendel Goldfahn, des reichsten, frömmsten und. daher angesehensten Mannes von Babniki. nach mehrjähriger Abwesenheit znrückkehrte. Rabbi Löwenstamm hatte sich eifrig dagegen erklärt, als Goldsahn die Absicht aussprach, seinen Sohn zur Ausbildung nach Lemj berg und sogar nach Wien zu senden, und er hatte Recht behalten, j auch Semach kam vollständig modernisirt wieder, ohne Kaftan und > sogar ohne Schmachtlöckchen, ohne jene ,Peißi', die einem polnischen Juden abzuschneiden als die größte Schmach erscheint. Die Frommen in Babniki ranzen die Hände über diesen Frevel, der in ihrer eigenen Mitte geschah, und sie prophezeiten noch Aergerss, wenn Semach eine Frau aus dem Ketzerneste in die Gemeinde bringen werde, denn Mendel Goldfahn in Babniki und Gadet Sonnenschein in Kurniki hatten vor vielen Jahren schon, als ihre Kinder noch in der Wiege lagen, dieselben verlobt. Seither hatte der Hader der Gemeinden auch sie entzweit, aber Keiner hätte deshalb gewagt, sein Wort zu brechen. In Bezug auf seine Braut theilte Semach die Befürchtungen seiner Gemeinde, nur in ganz anderem Sinne. Er war, wie sich Rabbi Löwenstamm ausdrückte, ein Cavalier, und wie der Schames, der Synagogendiener, Jossel Koppelmacher, behauptete, ein .Pure;" (Geck) geworden und fürchtete, in Jenta, der Tochter Sonnenscheins, eine Art Gänschen zu finden, eine plumpe Schönheit ohne Aumuth ׳ ohne Erziehung und vor Allem ohne jede Bildung. Deshalb beeilte er sich mit seinem Besuche keineswegs; doch eines Nachmittags ries ihn sein Vater und!heilte ihm mit, es sei die beste Gelegenheir da, nach Kurniki zu fahren, La der Kutscher Jeremias Stiefel von dort eben einen Reisenden hergeführt habe und sonst leer zurücksahren müsste. Denn zu Wagen müsste der Bräutigam kommen, wenn auch die feindlichen Einwohner der beiden Jndennester sich über den Bach herüber leicht die Hände reichen konnten. Semach kleidete sich also

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