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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-11-17 · Heft 39 (17.11.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 39 (17.11.1885)
Date
1885-11-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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mit ciseiner Strenge gewaltet, die Gewalt über die priesterlichen J Gewänder an sich zu reißen versucht, dem Synbedrion die Gerichtsbärkeit entzogen, viele Ausstände, z. B. den des salschen Messias Tbcudas blutig niedergeworfen (Joseph. Ant. XX, 1,1; 1-2 Acta Ap. V, 36). Noch überboten wurde deren Grausamkeit durch ihre beiden Nachsolger VentidiuS Cumanus *und Felix, deren einer über Galilaea, der andere über Samaria gesetzt war (Tacit. ann. XII, 54), und infolge des Vorgehens derselben fortwährende Unrnben über das Land beraufbeschworen (ibid. ferner Joseph. Ant. XX, 5, 3 bell. jud. II, 12, 1 ff.), so dass 20.000 Menschen bei c׳'ner harmlosen Passahfeier um» kamen und die alte Feindseligkeit zwischen Juden und Samari׳ lauern wieder erweckt wurde- Die rechtzeitige Dazwischenkunft des syrischen Statthalters Ummidius QuadratuS (Tacit. ibid., Joseph. Ant. XX, 6, 2; bell. jud. II, 12, 5 f), verhinderte zwar den sofortigen Ausbruch dcS Krieges, doch scheint der Urlheilsspruch deS Kaisers die Juden nicht befriedigt zu haben, da nach TacituS (ibid.) der Hauptschuldige Felix als Richter über Cumanus gesetzt wurde, und dieser allein verbannt wurde, während Felix nun der alleinige Landpfleger ward und nun seine Gräuelthaten noch rücksichtsloser ausübte. Jedoch ist in Bezug auf den Ausgang dieser Sache die Angabe des Tacitus mit der des Josephus im Widerspruche, indem JosephuS (a. a. O) berichtet, dass der Kaiser auf Verwendung Agrippa's U. den Juden Recht gegeben habe. In der Hauptsche aber dürste Tacitus das Nichtige haben, denn Felix hat sich nach Entfernung des Cumanus in seinem ganzen hässlichen Charaktex gezeigt. Es ist auch für Claudius' Gesinnung bezeichnend genug, dass er dem genannten Agrippa nicht das ererbte Land seines Vaters, sondern ein oftjordanisches Gebiet verliehen hat (Joseph. Ant. XX, 7, 1; bell, jud. II, 12, 8.). Der von dem neuen jüdischen Staate Adiabene den Parthern im Kampfe , gegen Rom geleistete. Beistand mag zur Verbitterung der Stimmung Claudius gegen die Juden beigetragen haben (Tacit. annal. XII, 12, 13 ). 5. N e r 0. Wenn irgend etwas die römischen Machthaber zu ihrer verblendeten Selbstvergötterung berechtigte, jo war es eben ihre Omnipotenz, oder vielmehr der sittliche Verfall ihrer Zeit, durch den eS möglich war. dass die unerl'örtesten Schandthaten verübt wurden, ohne dass die laute Stimme der Entrüstung der Völker bis zum Kaiser zu dringen vermochte, ohne dass sich je das erniedrigte und beispiellos mishandelte römische Volk gegen die ihm zugefügte Schmach aufzulehnen versucht hätte. So entnervt war das Zeitalter des Nero, dass dieser allen Lastern und Leidenschasten ergebene Herrscher keinen Mann gefunden hat, der ihm seine schändlichen Thaten zu rügen den Muth gehabt hätte (Lutropius VII, 13, Dio Cass. LXI, 9, 11, Sueton. Nero 26—30. Tacitus annal. XIV, 60 und Andere). Wie hätte nun ein io tief gesunkenes Volk die Kraft besitzen sollen, für die Erhaltung der ererbten Religion, deren Ansehen längst geschwunden war, gegenüber den sittlich starken Bekennern des Monotheismus, den Juden und Christen, die ihre Lehre, hochhieltcn und um den Preis ihres Lebens und seiner irbischen Güter behaupteten. So bezeichnet auch die Regierung des Nero den Beginn der Niederlage des Heideuthums. Das Chriltenthum gewinnt in dieser Zeit im ganzen Reiche, besonders in Nom selbst eine große. Zabl von Anhängern, die Juden rafften sich mit dem Muthe >tnd der Entschlossenheit, die die Verzweiflung einflößt, zum Kampfe gegen das römische Joch auf. Von der durch Nero veranlassten Christenversolgung, welche dem Brande Noms folgte (Tacit. annal. XV, 38 f.; Sueton Nero 38; Dio Cass. L»XII, 16 ff. Eutrop. VII, 14; Corn. Nep. 64), spricht Suetoniuö (Nero 1b) und besonders Tacitus j (Annal. XV, 44), und zwar beide mit Schmähungen gegen das Christentbum. So objectiv diese beiden Schriftsteller auch sonst scheinen, hegen sie gegen Juden und Christen den gleichen Hais, und es unterliegt keinem Zweifel, dass ihre Denkungsart die der ganzen damaligen heidnischen Welt gewesen ist. (Tacit. ibidem.). Dass Tacitus sich über die Juden maßvoller äußert, beweist nur, dass diese den Heiden minder gefährlich erschienen, weil sie weniger für die Ausbreitung ihres Bekenntnißcs thätiz waren. Ueber die Christenverfolgung berichtet TacituS, dass dieselbe mehr dem instinctiven Hasse, als einer begründeten Beschuldigung zu zuschreiben ist. Zahllose Christen wurden ausgeforscht, zu einem Geständuiße gezwungen, gekreuzigt oder zum Kampfe mit wilden Thieren bestimmt. Aber Nero ersann noch andere Todesarteu, er ließ sie in Tbierhänte nähen und von Hunden zerreißen, andere des Nachts in seinen Gärten als lebendige Fackeln brennen. (Tacitus ibid.). Doch hat Nero damit wider seinen Willen das Christentbum befördert. Der Muth und die Standhaftigkeit, mit der die Christen in Rom den martervollsten Tod erduldeten, erregte die Bewunderung der Heiden und führte dem christlichen Glauben immer mehr neue Bekenner zu. Es bewährte sich auch hier die unwiderlegte Lehre der Weltgeschichte, dass eine Idee niemals durch Mittel der Gewaltvernichtet werden kann. Bei der einige Jahre hindurch währenden Verfolgung verloren auch die beiden Apostel Petrus und Paulus ihr Leben (Euseb. hist, eccl. II, 25). יי• Die Gesinnung des Nero gegen die Juden ist durch besondere thatsächliche Anzeichen - nicht bekannt geworden. Allein am klarsten wird sie aus dem Umstande, dass das so lange von den Juden geduldig getragene Römerjoch ihnen unter diesem Herrscher endlich zu schwer geworden ist und sie zum Aufstand getrieben worden sind. Vielleicht äußerte sich in der Wahl der Procuratoren, die diesen Aufstand entzündet, mehr Leichtsinn und Ungeschicklichkeit, als böser Wille des Kaisers. Als die heidnischen Bewohner von Caesarea den jüdischen das Bürgerrecht streitig machlen, die Fremden den Eingeborenen des Landes, entschied Nero zu Unguusten der Juden (Joseph. Ant. XX, 8, 9). Dies geschah unter der Verwaltung des früher genannten Felix. Als Agrippa II. seinen Palast erhöhte, um den Tempel überwachen zu können, und das Volk in Jerusalem diesen Uebergriff durch die Erhöhung der Tempclmauer abgewehrt hatte, entschied Nero aus Veranlassung der Poppaea Sabina zu Gunsten der Juden gegen Agrippa und den Landpfleger Porcius Festus (ibid. 11). Der sadducäische Hohepriester Anan, der den heil. Jacobus durch selbständigen Beschluss eines SynhedrionS. ohne Zuziehung des Landpftegers, hatte hinrichten lassen, wurde"zur Strafe abzesetzt (ibid. 9, 1; vgl. Act. Apost. XXIII, 2. 9 u. a.).' Der letzte Procurator, Gessius Florus, strebte als Vertreter des Kaisers nessen Vorbild zu erreichen, wenn nicht zu überbieten. Alle seine Vorgänger erschienen trotz ihrer schändlichen Thaten den Juden als Wohlthäter im Vergleich mit diesem (ibid. 1l, 1). Vom Volke bei dem Statthalter von Syrien, Cestius Gallus verklagt, beschloss er, flch an demselben zu rächen (Jos. be!!., jud. II, 14, 3). Der Anlass bot sich in Caesarea. Die Heiden, um den Juden neue Kränkung zuznsügen. wollen den Zngan r zu ihrer Synagoge verbauen. Heißblütige Jünglinge wollen die« mit Gewalt wehren. Florus tritt ihnen entgegen. Man bietet Geld, um den Bau zu hindern. Florus nimmt es an, vcrsprütu Abhilfe und verlässt die Stadt, die Juden ihrem Schicksale über׳ lassend (ibid. 4). Dieses Verhalten des Landpflegers ermntbt.lt die Heiden zur äußersten Heranssorderung der Inden und zur Beschimpfung threr Religion, und da diese keinen Schutz fiudeu, verlassen sie mit ihren heiligen Schriften Caesarea, (ibid. 5).

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