Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 39 (17.11.1885)
- Date
- 1885-11-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/1304829-3452999-3453038--1548-3455701- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
er aus der Geschichte der Kreuzzügler: In je besserem, frontme rcnl Glauben sie lebten, desto mörderischer waren ihre Kriege (Kus. 1, 1. 2). Bei der Verfertigung des goldenen Kalbes oder bei anderen Sünden nützte durchaus nicht die dabei auf Gott gerichtete Gesrnnung (1, 93. 4, 13. 14). Bei Bachya kommt Alles auf die Gesinnung an. Die Entsagung, welcher man sich nicht um Gottes willen uuwrziebt, ist. sündhaft; denn dies bieße Feuer mit Stroh löschen (3, 4. 7/5. 9, 4. 7.). Eine Consequenz dieser Anschauung ist bei Bachya der Hang zur Wclifluchr, Einsamkeit und Entsagung und bei Juda Halevi die Neigung zum lebensfreudigen, gesellschaftlichen Thun und Schaffen. (CH. 3, 4. S. 51. 4, F. S. 60. 10. 7. 6. 9. LH. I. H. 250). Bachya (7, 5) zieht das Einzelgebet dem mit der Gesammtheit vor (Z. H. 3, 19). An vielen Stellen wendet sich Juda Halevi mit Nachdruck gegen Bachya, wenn er auch diesen aus gewissen Rücksichten nicht nennt (3, 22. 5, 26). Doch treffen sie in vielen Punkten zusammen, wie in der Definition des Mitleids als deS Abwendens des eigenen Leidens (B> 3. E. u. Kus. 2,'2), 10a8 auch ein moderner pessimistischer Philosoph im ähnlichen Sinne erklärt, im Erkennen der gleichen göttlichen Weisheit beim kleinsten und größten Thiere (B. 1. 7. Z. H. 1, 68), in der Bezeichnung der.Tugend mit דרך הישר־ (B. 6, 10. 73. S. 122, S. 91. I. H. 2, 51) nicht als die von zwei Extremen gleich weit entfernte Mitte (o. B. 9, 7. ,תוך שאבדו שתי) in der Erklärung des Wohlergehens der Bösen (B. 4, 3. 8, 3. Z. H. 5. 21)., dass der Einfluß der Naturkräfte auf das Gedeihen und den Wohlstand der Jsraetitcn flch nach ihrem Befolgen der göttlichen Gebote richtet (B. 2, 4. 6, 3. I. H. 2, 36. 5.20. 1. 109). und dass die Tradition neben dem Venrnuftgesetze uöthig ist (B- 3, 3. 5, 5. I. H. 3, 7) und der Mensch in göttliche Dinge sich nicht meugen dürfe (B. 3, 8. 4, 4. S. 51. Z. H. 5, 21). Auf verschiedenen Wegen gelangen sie zu gleichem Nesulrate bei der Lösung des Widerspruches zwischeu der Borherbestimmutig uud Willenssreiheil durch Auuahme von Mittelursachen, welche jedoch Bachya nicht klar genug ist und der daher öfters in Schwankungen geräth (Z. H. 5, 20. B- 2, 5. 3, 8. 4, 2. 4, 3. das. S. 57 אלא בסתת dunkel) und in dem Aufstellen der Gottesnähe als das höchste Gut (3, 9. S. 37. 5, 5. S. 77). Nur ist dies nach Zuda Halevi schon hinieden mitten im Wirken erreichbar, während nach Bachya erst nach dem Abstreifen der irdischen Schranken, im Zeusens (4/4 S- 58). Charakteristisch schickt Bachya dem letzten Abschnitte den der Enthaltsamkeit voraus, denn nur nach dieser können wir Gott, welcher nur in ein von Weltlust befreites Herz einkehrt, zu uns berabziehen, während wir nach Zuda Halevi gerade durch den vernünftigen Gebrauch der Sinne zu ihm, dem Uebersiuulicheu uns cmporschwingen (v. B. 4. 4. 10, 1. f. Einl. und I. H. 1, 109. 3. 21). Liebe zu Gott und zur Welt zugleich ist wie Feuer und Wasser in einem Gesäße (B. 8, 3.). Wegen einer verbotenen müsse mau sich 70 erlaubte Sachen versagen. Oft fühlt es Bachya selbst, dass das Nasiräerthum dem Geiste der Thora wideripricbt und lässt er die Enthaltsamkeit blvs als eine vorübergehende Cur, eine Art Seeleudiät gelten (3, 4) worin chm Maimonidcs (Pesakim 4.) gefolgt ist, waS aber von Zuda Halevi demonstrativ bekämpft wird (3, 21). Ein deutlicher Gegensatz zwischen Bachya und Zuda Halevi findet sich Ch. 9, 7. und Kus. 3, 1. Welches von beiden Systemen wobl das richtige sein mag? Die unter dem Drucke gebeugte Mitwelt huldigte der Beschaulicbkeit Bachya's. sie war der traurigen beschaulichen Ascetik günstrger; erst unsere Zeit erkennt die E t h ik d e s Z n da H a l c u i*) als die Ethik des Zudenthums. K r c m s i e r. Dr. Ad. Frankl. Die römischen Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und Christen. p (nach den Quellen dargestellt.) V o n D r. A. W e i ß. ' _ V. II. Von Gctavianus bis zu den Flaviern. 4/ El a u d i u s. Durch die Verwendung des jüdischen Königs Agrippa im Senate auf den Thron erhoben (Joseph. Ant. XIX,4, 1; Dio 03,88. XX, 8), stumpssinnig und phlegmatischen Temperamentes (Lueton, Olauäius 3, nach den Worten seiner eigenen Mutter), hat Claudius theils aus Erkenntlichkeit, theils aus Gleichgiltigkeil die Verfolgung der Zuden. nicht fortgesetzt. Er erweitert dem Agrippa zuliebe das Gebiet von Zndaea, setzt dessen Bruder Hcrodes zum Fürsten von Chalk.ä ein, befreit den Alabarchen Alexander ans dem Kerker und jetzt die alexandrinischen Juden wieder in ihre früheren Reckte ein (Joseph, ibid. 5, 1—3.). Dass aber Claudius den Juden keineswegs wohlwollend.gewesen, beweist das von dem. damaligen Landpfleger Marsus veranlasste Verbot der ferneren Befestigung Jerusalems (Joseph, ibid. 7, 2), trotzdem Agrippa die Befugnis (uaeh Tacit, hiator. V, 12) von Claudius um Geld erkauft hatte; ferner die Strenge, mit der die bei Agrippa freundschaftlich weilenden Könige von Kommagene, Einesa. Armenien. Pontus uud Chalkis durch ebendenselben (vielleicht aus Besorgnis vor Umtrieben) verjagt wurden. Noch gewichtiger ist die Thatsache, die (Acta Apost. XVIII, 2 und Sueton. Claudius 25) berichtet wird, dass nämlich die Juden neuerdings aus Rom vertrieben worden sind. Die letztere Stelle lautet: Judaeos impulsore Chresto assidue tumultuantes Roma expulit. Wer dieser Chrestus war, wird uns von keiner Seite ausgehellt. Da unter den Vertriebenen (Aeta Ap. ibid.) sich Aquila und Priscilla befanden, die der christlichen Lehre anhingen, da ferner (I Korinth. I, 12) über die Uneinigkeit der in Korinth lebenden Christen, die sich als Paulische, Apollische, Kephische- und Chrcstische bezeichnen, gesprochen wird, so wurde man — fraglich, ob mit genügendem Rechte — dahin geführt, neben Apollos und KephaS auch den Chrestus als einen Berkünder der christlichen Lehre anzuiehen und es in Frage zu stellen, ob der Ausstand in Rom zur Zeit dcS Claudius von Inden oder von Christen ausg-gangen sei. Hingegen wird bei-OrosiuS (VII, 6) und bei Dio C. (LX, 6) gem.lvet, dass Claudius wegen der großen Zahl der Juden diesen Befehl nicht durch-uführen vermochl habe. Die nach dem Tode AgrippaS nach Judaea entsendetcn Landpfleger Fadus und noch mehr der zum Heidenthume über getretene Tiberius Alexander, Sohn deS vorher genannten Alnbarchen, haben im Namen des Kaisers Claudius ibres Amtes *) Unter diesem Namen erscheint von mir ein Buch/ worin dieses Thema weiter auseinandergesetzt wird, und wo ich : anläßlich des von Juda Halevi ausgesprochenen Tadels über die jüdische Nachahmung unjndiicher Sangweisen auf die diesbezüglichen, in dieser Zeitung von Obercantor I. Singer deröffentlichten Aassätze verweise. — Für Cantoren, Lehrer und Rabbiner um den ermäßigten Preis von 40 kr. zu beziehe».