Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-11-09 · Heft 38 (9.11.1885) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 38 (9.11.1885)
Date
1885-11-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3452999-3453037--1541-3455693
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— S -H)ötierlehre besonders gefährlich erscheinen. In Jerusalem waren 5000 Männer dem christlichen Glauben b<?!getreten (Acta apost. IV, 4, V, 14), deren Opferwilligkeit die Verbreitung desselben wesentlich förderte (TV, 34 ff.). Die maßvolle Haltung deS Fürsten Gamaliel harte die Apostel vor weiteren Verfolgungen bewahrt (V, 34 ff.). Darauf war die Bekehrung Simon Magus' und der Samaritaner gefolgt (ibid VIII, 12 f.). Mit der Aufnähme des Cornelius hatte der Apostel Petrus den ersten Schritt gethau, die Heiden zu gewinnen (ibid. X, 45). Das kraftvolle Wirken Pauli in Antiochia (XI, 26), in Cppern (XIII, 5—12), in Lystra (XIV, 13), in Cilicieu (XV, 41), in den Landschaften Phrygia, Mysia, Bylhiura (XVI, 5—7), in Macedonien (ibid. 12), in Athen (XVH, 34), in Korinih (XVII, 8), in Ephesus (XIX, 17 — 20) und in Milet (XX, 36) batte das Christenthum zu einer erstaunlichen Mach! emporgehobeu. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, dass die Apostel überall dem Widerstände des beidnischen Volkes begegneten, nnd dass die von jüdischer Seite angerufenen römischen Beamten zum großen Theile ihnen Hane Behandlung widerfahren ließen (XII, 4. XVI, 22; XVII, 5; XXI, 33; I, 111688. II, 2; II Korinth; XI, 25). (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. WaHr.-Krowa«. (Orig.-Corresp.) Am 29. v. M. fand die feierliche Jnstallirung Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Simon Wolfsfohu aus Kanitz als Nabbiner der hiesigen CultuSgemeinde statt. Gegen 10 Uhr fuhren der hiesige Cultnsbeirath. Herr Leopold Kaufmann und Herr Josef Blum, nach Kanitz, um Sr. Ehrwürden sammt Familie abzuholen. Vor der Rückfahrt von Kauitz versammelten sich in der Wohnung deS Herrn Dr. Wolffsohn dessen Freunde und und Gönner, wo ein wahrhaft rührender Abschied stattfand. Einen ganz besonders tiefen Eindruck auf alle Anwesende machten die AbfchiedSworte, die der Kauitzer Cantor, Herr Adolf Kohn, mit bewegter Stimme au den Scheidenden richtete. Um 4 Uhr Nachmittags langte Se. Ehrwürden sammt Familie in Begleitung des Kanitzer Cultusvorstehers, Herrn Alois Sommer, der mit inniger Zuneigung dem Herrn Rabbiner zugethan war, und mehreren anderen Gemeinde- Mitgliedern — Viele begleiteten ihn bis Eibeuschitz — hier an, wo die. Feier programmgemäß vor sich ging. Rücksichtlich der Antrittsrede, die Dr. Wolffsohn noch am selben Tage beim Nincha-Gottesdienste hielt, sei hier noch bemerkt, dass Se. Ehrwürden die Bedeutung deS JudenthumS für die Cultur der Gegenwart sich zum Thema wählte, und dass dessen Auseinandersetzungen ungetheilten Beifall fanden. — Cantor M. Rosner. Wlowih. Die hiesige Gemeinde ist genöthigt, ihr baufälliges Gotteshaus neu zu erbauen. Da sie mittellos ist, muss sie die Unter׳ stützung der GlaubenSgenosten kn Anspruch nehmen und fasste den Beschluss, die Beiträge als Darlehen zu betrachten, welche mit der Zeit rückgezahlt werden sollen; auch legte sie ein Gedenkbuch an, in welchem die Namen der Beitragenden verewigt werden sollen. Freiherr v. R o t h s ch i ld, au welchen sich die Gemeinde gewendet, spendete 50 fl. (I. G. Z.) — Am 1. Oktober wurde hier der neuernannte kaiholische Geistliche, Herr Ignaz Goud, eingesetzt. Da sich der Ge. nannte wiederholt als wahrer Priester, als Freund und Schätzer deS Judenthums bewährt hat, so betheiligte sich auch die dortige Judengemeinde an dem schönen Fackelzuge, der Herrn Gond gebracht wurde. Vor dem Hause des Gefeierten, wo Fackelzng Aufstellung nahm, hielt dann der greise Rabbiner, Herr Lazar Winter, eine passende Ansprache, in welcher er zum Schlüsse den Segen Gottes auf Gond herabflehte. Pfarrer Gond erwiderte: »Wahrlich, ich weiß die.seltene Auszeichnung zu schätzen, die mir zutheil geworden. Ein an Verdiensten und i!u Studium der Moseslehre ergrauter Seelenhirt des alten und ehrwürdigen Judenthums begrüßt mich, den viel jüngern und an Verdiensten und Gelehrsamkeit viel ärmeren Priester. Diese Auszeichnuug wird mich in meinem bisherigen Vorhaben bestärken, Liebe und Glaube werden die Leitsterne meines Lebens sein, und ich werde mich glücklich schätzen, wenn es mir gelingen wird, zu der Wiederbefeftigung des etwas locker gewordenen Bandes zwischen den Confessionen beigetragen zu habend (I. P. Z.) Anrich. Für Ihr Blatt dürfte die Mittheilung von Interesse sein, dass in einer am 22. September stattgefundenen Strafkammer- Verhandlung betreffs Störung des Gottesdienstes Herr Landrabbiner Dr. Bnchholz-Emden das von ihm verlangte Gutachten dahin abgegeben hat, dass das Vorlrsen der Haftora unbedingt zum Gottesdienst gehöre. Dies Gutachten unterscheidet sich sehr vortheilhaft von dem des Gnesener Rabbiners, der bekanntlich erklärt hat, das Vorlesen der Thora gehöre nicht zum Gottesdienst — die Begründung, dass dienur zur Belehrung und nicht zur ,Erbauung" diene, ist irrthümlich; die Verkündigung deS hebräischen Gotteswortes dient wohl zur Erbauung; wen erbaut zum Beispiel Krias hatorah am Rosch haschonoh nicht? Es kommt nur daraus an, was man unter ,,Erbauung" veisteht. Im Sinne dieses Gutachtens gehört auch Kria8 seh’ma, welches ja ebenfalls nur ein e Vorlesung von Thorastellen ist, und die Predigt nicht zum Gottesdienst, und es stände Jedem frei, während deiselben Scandal zu machen. ״Gottesdienst" heißt die ganze Geber- und Liturgie-Ordnung von Adou olom bis zum Schluis-Kackäisch. (Laubhütte). Werlin. Die hier erscheinende »Allgemeine Fleischerzeitung* schreibt Folgendes: Der Stadtrath zu Gera muss aus Leuten beste- Heu, die nicht viel Sorgen haben; soweit sind die Herren nur zu beneiden, aber sie machen sich unnütze Sorgen und werden dadurch ihren Nebenmenschen unbequem, das ist schon weniger schön. In Gera hat es wahrscheinlich bis vor wenig Jahren über- Haupt keine Judengemeinde gegeben, in den letzten Jahren mögen sich wohl einige augesiedelt haben; diese haben nun, da die Inden bekanntlich eine eigenthümliche Manier besitzen, die Thiere zu schlachten, sich einen ,Schächter' engagirt, der ihnen dies nach üblichem Ritus besorgen sollte. Die Geraer Rathsherren haben vielleicht von diesem Ritus nichts gewusst, und kam ihnen die ganze Geschichte sonderbar vor, und sie haben kurzweg das »Schächten' verboten; aber bevor man etwas verbietet, sollte doch selbst ein Rathsherr in Gera sich erknn- Ligen, wie die Sache anderwärts gehandhabt wird. In Berlin, in Paris, in London sind doch die Magistrale am Ende ebenso klug und human, als in Gera; im ganzen deutschen Vaterlande können die Juden uubeanständet »schächteu', nur in Gera schlägt dem Stadtrath das Herz für das Rindvieh wärmer als anderwärts. Der wohlweise Stadtrath hätte sich auch erkundigen können wie die Männer der Wissenschaft über das »Schächten' denken, da hätte er gehört, dass die ersten Autoritäten diese Form des Sch lachtens als vortheilhaft für Mensch und Thier betrachten; denn Moses hat das Schächten nur eingeführt, weil er ein Thierfreund war, und weil durch den Schnitt, den eiu darauf eingeübter Mensch mit einem haarscharfen Messer in einem Zuge ausführt, das Thier am wenigsten gequält wird; nnd die Menschen kommen gut dabei fo.t, rveil daS Blur bei dieser Schlachtmethode rasch abfließt und das Fleisch nicht so leicht verwest, als wenn das Blut in den Adern gerinnt. Man. wird doch nicht in Gera gescheidter sein wollen, als . in der ganzen Welt? Oder sollte am Ende ein bischen Judenhass in diese Ochsenhiebe hineinspielen? Das können wir von den aufge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.