Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 38 (9.11.1885)
- Date
- 1885-11-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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klärten Thüringern nicht gut glauben. Jedenfalls werden die Inden, die bekanntlich ein zähes Völklein sind, diesen Bescheid des Senats von Gera nicht ruhig diunedmen, und die Geraer werden am Ende doch zur Einsicht kommen, dass die Thierschutzv׳׳reine, welche gegen das ,Schächten" eifern, aus einer Mücke einen Elephanten machen. Uucarest, 30. October. Nicht weniger als zwölf jüdische Journalisten erhielten gestern die Weisung, das Land binnen 24 Stunden zu verlass 11. Es befinden sich darunter Nedaetenre von solchen Blättern, die ausgesprochen gouvetnemental, ja selbst von der Regierung subventionirt sind, und einige der Ausgewiesenen haben sich überhaupt nicht mit Politik befasst, sondern waren ausschließlich bei belletristischen Blättern thätig. Da man Niemandem die Gründe der Landesverweisung mittheilte, so ist man diesbezüglich blos auf Vermulbungen angewiesen, und dürfte die nachstehende Annahme der Wahrheit wol ain nächsten kourmen: Vor einiger Zeit war in den ,Times" ein Artikel erschienen, welcher zwar in scharfer, jedoch vollkommen wahrheitsgetreuer Weite die Uebergriffe schilderte^ welche sich verschiedene Dlstrictsbehörden den Inden gegenüber zu Schulden!onmun ließen, und bald darauf begab sich auch eine Deputation von Londoner Juden zum Lord Salisbury, um dessen Intervention zu Gunsten der unterdrückten Glaubensgenossen in Rumänien in Anspruch zu nehmen. Da nun die Regierung nicht wusste, wer jene Schilderung in den Times verfasste, und direct oder indirect den Schutt jener Deputation veranlasete. wol aber anuahm, dass dies nur ein Jude gewesen sein könne, so machte sie kurzen Prozess und decretirte einfach die Ausweisung sämmtlicher israelitrscher Jonrnalisten, denn alle Proscribirten sind ausnahmslos mosaischer Religion. Als besonders bemerkenswerth muß hervorgehoben werden, dass Alle hier geboren sind, kein Einziger fremder Unterthan ist, und dass somit, da das Answeisnngsgesetz lediglich auf Fremde anwendbar ist, hier nach der Ansicht aller Rechtskundigen ein Act der Willkür vorliegt, was jedoch ron gouvernementalen Blättern mit dem Hinweise darauf bestritten wird, dass Juden, welche im Lande geboren, und selbst wenn sie niemals fremde Unterthanen waren, dennoch als Fremde betrachtet werten, so lange sie nicht durch ein Votum der gesetzgebenden Körper die Naturalisation erlangt haben. Gerade bei den vorliegenden Aus- Weisungen zeigt es sich aber klar, wie unanhaltbar dieses Priucip ist, denn da keiner der Ausgewiesenen von irgend einer fremden Consular- Behörde einen Pass zu erlangen v rmag, so ist die Polizei gezwungen, den erwähnten Journalisten rumänische Pässe auszufolgen. Die Ausgewiesenen, von denen der größte Theil aus wenig bemittelten Familienvätern besteht, ertragen ihr Schicksal mit Resignation und hoffen, dass ihnen früher oder später die Rückkehr in ihre Heimat wieder ermöglicht werden wird. Eine große Panique bat sich übrigens bei dem gegenwärtigen Anlässe der Israeliten im Allgemeinen bemächtigt, die. wenn sie auch nicht publicistifch thätig sind, sondern sich als Kauflente oder Gewerbetreibende ernähren, dennoch die Befürchtung hegen, es könne nach Art der Ausweisungen in Preußen die Judenfrage in Rumänien aur ähnliche Weise gelöst werden. Bagdad. לא תשב לנצח ולא תשכון עד דור ודור לא יהל שם ערבי וריעים לא ורבצו שם. Es wird in Ewigkeit nicht mehr besetzt werden und unbewohnt bleiben von Geschlecht zu Geschlecht; der Araber wird dort kein Zelt mehr aufschlagen, und die Hirten werden dort nicht mehr lagern. (Jesajas Cap. 19, V.׳rs 20). Nun beginnen auch diese Vorhersagungen des Propheten in Erfüllung zu gehen. Der hiesige General-Gouverneur, Hydayet Pascha, hat näm׳ lich vor einigen Tagen höchst allarmirende Nachrichten aus dem am Euphrat gelegenen Städtchen Hilleh, das bekanntlich auf den Ruinen Babylons erbaut wurde, erkalten, /in Folge dessen derselbe sogleich mit mehreren Regierungs-Ingenieuren nach diesem Orte abgereist ist. Besagte Nachrichten melden, dass der Euphrat sein Bett vor diesem Städtchen plötzlich verlassen und sich ein neues, weiter östlich gelegenes, gegraben hat. In Folge besten beginnen nun die Reis- und Gemüse-Anpsianzungen um Hilleh herum und auch in den benachbar« ten Dörfern, da es an dem zu ihrer Berieselung nothigen Wasser mangelt, gänzlich ausrutrocknen, und bald dürften auch die Bewohner dieses Städtchens und der umliegenden Ortschaften, die bisher ihr Trinkwasser ans dem Euphrat geholt haben, gezwungen sein, nach dem Wanderftabe zu greifen, um sich eine neue Heimat aufzusuchen. So wird Babylon, die stolze Residenzstadt der mächtigen babylonischeu Könige, bald gänzlich verödet und verlasten daliegen, und nicht einmal der Beduine wird dort sein Zelt aufschlagen wollen, da eS ihm an dem nöthigen Schluck Wasser zur Befeuchtung seiner trockeuen Kehle mangeln wird. Die Rezierungs-Jngenieure haben zwar erklärt, dass es sehr gut möglich sei, den Euphrat zu zwingen, in fein altes Bett bei Hilleh zurückzukehren, und zwar durch die Herstellung eines starken Dammes. Dieses Werk würde aber eine Auslage von nahezu 1.500.000 Francs erfordern, eine Summe, die für die Pforte, in Anbetracht ihrer traurigen Finanzen, jetzt fast unerschwinglich ist. Zwar wollen die Bewohner Hillehs und der umliegenden Ortschaften einen Beitrag zu diesen Auslagen leisten, um nur nicht ihre Gegend in eine Wüste umgewandelt zu sehen, derselbe dürfte jedoch kaum mehr als 300.000 Francs betragen, da die dortige Bevölkernug höchst arm und unbemittelt ist. In Hilleh wohnen auch einige Juden, die nun so Augenzeugen sind, wie sich das Wort des Propheten an der Residenzstadt Nebnchadnezar's, des Zerstörers Jerusalems und unseres heiligen Tempels, des Ortes unseres Ruhmes מקום תפארתנו voll erfüllt. (L. I.) Vereinsnachrichteu. Behufs Constalirung des monatlichen Ergebnisses der Sammlungen werden diejenigen Herren Vereinsmitglieder, welche die Sammelbögen bereits einen Monat in Händ-.n haben, ersucht, den bisher verwendeten Sammelbogen an den Vereins- Vorstand einzusenden und sich mittlerweile des zweiten Sammelbogens zu bedienen. Aer Korkand des österr.-nng. Cautoreit-Vereiues. Druckfehler-Berichtigung. Durch das Verleben des Setzers, der eine angezeichnete Correctur unbeachtet ließ, hat sich in voriger Nunmer ein sinnstörender Druckfeblsr eingeschlichen. Statt - ב״ש היני soll es Seite 4 unter der Rubrik ״Vereinsnachrichten" heitzeu: ישיב ביני Eorresponden; der Nedaetion. T. in B. In den nächsten Tagen senden wir das gewünschte W. Rab. in L. Nur gegen frühere Einsendung deS Abonnementsbetrages fenbeu wir Ihnen das Blatt zu. und wird im Allgemeinen diese Einrichtung für die Folge berücksichtigt werden muss-n. K. in Kol. Wir bestätigen den gesandten Betrag und h.iben st. 1.25 für's letzte Qua:tal 1884 und den Rest pr. 1*85 gutgebucht. Wollen Sie gef. den Rest für Abonnement und für die zweite Bestellung des Inserates senden. G. in L. Wegen Aufnahme in den Cantoren-Verein wollen Sie sich an den Vorstand, I., Seitenstettena. 4 (H. Obercantor S.) wenden. Der Beitrag per Jahr ist 4 fl. und 3 st. Gründungsbeikrag. Unsere Grcuulation Hc. College!! Gr. zur neuen Aeceptat'on. H. in M. Wollen Sie jedenfalls den Rest nach Jv׳er Meinung senden. Brieflich Näheres. Din A. Sie erhalten die gewünschte Nummer und auch das Bewusste. Sie irren jedoch in der Zusage. Die Redaktion.