Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 38 (9.11.1885)
- Date
- 1885-11-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Oesterreich - Ungarns dem Verbände beitreten und angehören werden, der einzig und allein berufen und befähigt ist, die Inlerefsen des Cantors zu unterstützen und zu fördern. Es verlohnt wahrlich der Mühe, die geradezu beschämenden Verhältniße, wie sie sich eingenistet, an's Tageslicht zu ziehen, und auch hier bietet sich ein dankbarer Stoff für den Cantorentag. Was mich selbst betrifft, so will ich cs als die schönste Stunde m ines Lebens anfeheu, wenn mein schwaches aber ehrliches Wort auf fruchtbaren "Boden gefallen, und jene Männer, die in erster Linie berufen sind, für das Wohl ihrer Collegen einznstehen, auch das Herz am rechten Flecke haben, am nächsten Cantorcutage in unserer Mitte zu erscheinen, an unseren Arbeiten theilzunehmen und sich uns ganz zu gemeinsamer Thätigkeit anzuschließen. Dann können wir auch sicher fein,. dass die Zukunft unser ist. Das walte Gott! Wien, 2. November 1889. Adolf Notier. Die römischen Kaiser in ihrem Verhältniße zu Juden und (Christen. (nach den Quellen dargestellt.) Von D r. A. W e i b: IV. II. Von Gctavianus bis zu den Flaviern. 3. Ca ins C a l i g u l a. So übereinstimmend auch alle Angaben der Quellen in der Beurtheilung dieses unmenschlichen, allen Lastern ergebenen Kaisers sind, besonders in Rücksicht auf die in ihm herrschende Manie der Selbstvergötterung, so muss doch zugegeben werden, dass in diesem Wahnsinn Methode war. Im Beginne seiner Negierung von allen Unterthanen seines weiten Reiches mit Jubel und ausschweifenden Hoffnungen begrüßt, glaubte man, werde er das goldene Zeitalter der Dichter verwirklichen (Philo leg. ad Caj. II, 545 Mang, Sueton. Cajus 13, 14). Alle guten Eigenschaften, die man ihm zumuthete, waren jedoch .nur erheuchelt (Sueton. ibid. 10; Tacit. Annal. VI, 45). Mit dem größten Aufwande von Schlauheit entledigte er sich der ihm von Tiberius gegebenen Mitregenten (v!0 C. LIX, I; Sueton. ibid.), ferner des Makron und des Silanus (Sueton. ibid."23, 26; Dio C. ibid. 10; Tacit, Agricola 7), die ihm als Rathgeber lästig waren. Ein Mann von solchem Charakter kamt nicht aus bloßem. Wahnsinn sich für einen Gott ausgeben und gehalten haben. Wenn übrigens erwogen wird, dass sich kein Volk des?veiten Reiches der von ihm geforderten göttlichen Verehrung widersetzte, mit Ausnahme der Juden, deren Hartnäckigkeit zu beugen er zu wiederboltenmalen versuchte, so wird cs keineswegs als undenkbar erschein,!:, dass diese Selbst- Vergötterung eine vornehmlich gegen die Juden gerichtete Maß׳ regel und dass Caligula der erste Kaiser war, der die Offensive gegen die Ausbreitung, der monotheistischen Idee ergriffen hat. Dass er mit dem jüdischen Könige Agrippa, dem er diesen Titel verliehen, befreundet war (doseph. ibid. 6, 4), steht dieser Auffassung seines Charakters nicht im Wege. Abgesehen davon> dass dieser sein Gespiele, der Liebling seiner Großmutter war, ist der in römischer Sitte erzogene Herodäer. der gar nicht aus der jüdischen. Nation entsprossen war, in seinen Augen nicht ein Repräsentant dieses verhassten Volkes gewesen. Auch hat Agrippa bei allem Einstuß aus ihn, dessen er sich rühmen durste, es nicht hindern können, - dass er durch Pctronius sein Bildnis zwangsweise ^im Tempel von Jerusalem aufstellcn lasten wollte (doseph. ibid. 8, 2—9 Philo, ibid. 576 ff.). Außerdem wird von Dio Cassius (LIX, 24) behauptet, ,Agrippa habe ihn iw seinen tyrannischen Ausschweifungen ermuntert, was nach Agrippa's Vorleben nicht ausgeschlossen ist. Das stärkste Symptom, das für einen zielbewussten, wenn auch nicht wohlüberlegten Vorgang des Caligula gegen die Juden spricht, ist sein Verhalten gegen die Juden in'Alexandria. Philo (ibid. 596) spricht cs geradezu aus, dass Caligula den Juden mehr als allen anderen Völkern feindlich gewesen sei. Der Neid wegen der dem Agrippa widerfahrenen Auszeichnung (Philo in Typen aus dem ' jüdischen Ghettolelien.! Von Simon Diamant, Oberlehrer, Austerlitz. (Alle Rechte Vorbehalten.) IV. ,Lea, was treibst du/ rief Naftali ganz aufgeregt, »heut ist domtof, willst du mir s o l ch e Feiertage bereiten? Glaubst du nicht, dass auch mein Vaterherz blutet seinetwegen, besten Name nie über meine Lippen komme, um den ich sieben Tage auf der Erde saß, Salz und Asche auf mein Haupt streute! Glaubst du nicht, es wüthe da drinnen/ und er zeigte auf sein Herz, ,als ob Geierkrallen dasselbe zerfleischen — und ich dächte nicht daran, wie er aus dem Cheder kam und bereits eine Parsehe Ohurnesch kannte, wie ich in ihm mein leibhaftiges Ebenbild sah, den einzigen Sohn, die Hoffnung meines Lebens, die Stütze meines Alters, den Stern meiner Zukunft, mein Alles, mein Alles — verloren, verloren, o, wäre er gestorben, ehe er — doch er lebt zu meiner, zu unserer Schande und Schmach, die Hoffnung ist erloschen, der Stern meines Lebens, ach der einzige, verblichen.* Der Alte wollte sich ermannen, als Lea von Neuem begann: ,Wie hätte ich sein Bild heute nicht in die Succha nehmen sollen, an dem Feste, an welchem er von der deschiwah heim׳ kehrte, tu festlicher Versammlung die Kanzel bestieg, das Wort deS Herrn verkündete und glänzende Proben seiner Gelehrsamkeit vor den erstaunten Zuhörern ablegte. —O, Jakob. Jakob, wer hätte das damals gedacht, dass du den Glauben deiner Väter abschwören und das Mutterherz brechen wirst. Und ich habe dich unter meinem Herzen getragen, habe mit mütterlicher Wonne dein erstes Lallen vernommen. Und wie er den Predigerstuhl bestieg, wie er anfangs zaghaft und scheu um sich blickte, ach, wie mir das Herz pochte — wie meine Seele an seinen Worten hing— wie sie alle in der Weiberschul auf mich blickten, o, und als dann die Rede gewandt von seinen Lippen floss, wie Honigseim — wie wurde das Multerherg stolz — wie mochte ich hinfliegen vor Allen, die sie seinen Worten lauschten, ihn umarmen, ihn. hoch emporheben und ihn allen zeigen und ihnen zurüfen: »Seht, das /st mein Sohn, das ist mein Jakob! — O und jetzt verloren, lebend und dennoch verloren — ein Abtrünniger, ein Abgefallener seines Glaubens, ein Meschumed! * — — Thränen entströmten ihren Augen, die starr auf das gegen ׳ über hängende Bild gerichtet waren. Naftali, selbst vom Schmerze übermannt, neigte sich über sein geliebtes Weib. ,Um Gottes Willen, Lea/ ries er: »Heute ist Jomtof, weine nicht, es ist heute gar eine Sünde zu weinen; denn es steht geschrieben: ,Du sollst dich freuen an deinem Feste!' Weine nicht' — und krampfhaft neigte sich der Alte hin zu ihr — laut schluchzend, und Thränen rieselten den weißen Bart hinab — — und mengten sich mit den Zähren seines Weibes. —- rn> ^-^*מ»מד£ינ. ‘